Hallo,
im Netz habe ich die bestechend einfache NF-Verstärkerschaltung im
Anhang gefunden (orange eingerahmt).
Sie stammt von dieser Seite:
https://www.b-kainka.de/bastel3.htm
Dazu habe ich ein paar Fragen:
Warum wird der 1k8-Widerstand nicht direkt an +Ub angeschlossen, sondern
an den Lautsprecher? Ist das eine Art Gegenkopplung und wenn ja, wie
funktioniert sie (ist das eine Stromgegenkopplung)?
Bildet der 330K-R eine Gegenkopplung für AC-Signale und wird an ihm
gleichzeitig DC-mäßig die halbe Betriebsspannung abgegriffen, um die
Basis vom unteren Vorstufen-TUN vorzuspannen?
Könnte man das Konzept auch für höhere Leistungen auslegen, z.B. die
beiden Endstufen-Ts durch Leistungstypen oder Darlingtontypen (mit vier
DUS) ersetzen.
Wenn ja, müssten dann die DUS und alle Ts (elektrisch isoliert) auf dem
gleichen Kühlkörper untergebracht werden, damit thermisch nichts
wegläuft?
Der Anschluß vom 1,8k an den Elko ist eine Bootstrap-Schaltung. Das ist
das Gegenteil eienr Gegenkopplung, eine Mitkopplung die die Verstärkung
und Aussteuerbarkeit der Endstufe etwas erhöht, indem die Spannung
rechts am Widerstand steigt wenn sie links steigt.
Der 330k-Widerstand bildet eine AC- und DC-Gegenkopplung für die
Endstufe. Weclher Wert jetzt richtig ist hängt davon ab welche aktuelle
Stromverstärkung dein TUN rechts unten hat. Ist Glücksspiel obs gut oder
gerade so funktioniert.
Die Endstufentransistoren sind als TUN und TUP sowieso schon völlig
unterdimensioniert, werden nur dadurch etwas geschützt daß die
9V-Batterie bei höherem Strom zusammenbricht. Der gleiche Murks wie die
"Black Devil"-Endstufe.
Je nachdem wie diese Transistoren und die beiden Dioden zusammenspielen
kann derRuhestrom jeden beliebigen Wert von "nicht vorhanden" (Ton
verzerrt) und "es raucht" annehmen. Noch größerer Murks.
Mit 3 Dioden und Emmitterwiderständen, sowie etwas leistungsfähigeren
Transistoren wie den BC328 & BC338 könnte man das brauchbar hinbekommen.
Die Schaltung könnte etwa 0,2W Sinusleistung schaffen, mit einem gutem
Breitband-LS wird das schon heftig laut.
Alexander S. schrieb:> Warum wird der 1k8-Widerstand nicht direkt an +Ub angeschlossen, sondern> an den Lautsprecher? Ist das eine Art Gegenkopplung und wenn ja, wie> funktioniert sie (ist das eine Stromgegenkopplung)?
Hallo,
Ich kenne das sonst auch so, dass der Widerstand 1K8 direkt auf +UB
liegt.
Eine Stromgegenkopplung über den Lautsprecher ist schon etwas seltsam.
Sollte der Lautsprecher steckbar sein, dann gibt es auch keinen
Arbeitspunkt für den Transistor, das kann aber auch nicht der Grund
sein.
Lautsprecher 8 Ohm Widerstand 1,8K macht eigentlich keinen Sinn.
Wenn Du mehr Leistung haben möchtest, warum lässt Du den ganzen
Transistor Audio Verstärker nicht einfach weg und nimmst einen LM386
oder noch besser einen TDA2002.
Der Kainka hat sonst auch den LM386 verwendet.
A-Freak schrieb:> Der Anschluß vom 1,8k an den Elko ist eine Bootstrap-Schaltung.
War eine Boosttrap Schaltung nicht ein Elko von +UB über einen
Widerstand auf den Mittelpunkt der Endtransistoren.
So eine Art Ladungspumpe für eine höhere Spannung.
Hier würde der LS dazwischen liegen.
Die Schaltung ist exakt diese Ladungspumpe, der Elko hebt die Spannung
am rechten Ende vom Widerstand an.
Hier wird der Elko nur doppelt ausgenutzt und koppelt zugleich auch noch
den Lautsprecher an.
LM386 ist ok aber etwas empfindlich auf HF am Eingang (wobei... könnte
man nicht direkt das Ausion mit dem... Ideen)
TDA2002 habe ich schon lange nicht mehr gesehen, der Nachfolger 2003 ist
auch schon selten. Außerdem sind beide ebenfalls sehr nervös und neigen
zum Schwingen.
A-Freak schrieb:> TDA2002 habe ich schon lange nicht mehr gesehen, der Nachfolger 2003 ist> auch schon selten. Außerdem sind beide ebenfalls sehr nervös und neigen
Wäre nur wenn einer noch so einen Altbestand davon hat.
Nachteil vom TDA 2002 2003, für ein Batteriebetriebenes Gerät ist die
Stromaufnahme etwas hoch.
Für den LM386 würde es auch Nachfolger geben.
So z.B. TDA 7050 oder TDA 7052, dann entfällt auch der Ausgangselko.
Danke für die vielen Antworten!
A-Freak schrieb:> Der Anschluß vom 1,8k an den Elko ist eine Bootstrap-Schaltung. Das ist> das Gegenteil eienr Gegenkopplung, eine Mitkopplung die die Verstärkung> und Aussteuerbarkeit der Endstufe etwas erhöht, indem die Spannung> rechts am Widerstand steigt wenn sie links steigt.
Exakt, habe es mittlerweile auch in einem älteren Elektronikbuch so
gefunden.
A-Freak schrieb:> Mit 3 Dioden und Emmitterwiderständen, sowie etwas leistungsfähigeren> Transistoren wie den BC328 & BC338 könnte man das brauchbar hinbekommen.
Bei den Dioden kann man ja experimentieren und notfalls auch auf
Schottky-Exemplare ausweichen.
Werde die Schaltung dann so aufbauen und schauen, wie sie sich macht.
Franz Marx schrieb:> Für den LM386 würde es auch Nachfolger geben.> So z.B. TDA 7050 oder TDA 7052, dann entfällt auch der Ausgangselko.
Den TDA7052 nutze ich ansonsten auch gerne, klasse Teil. Jetzt ist aber
Transistorbasteln dran ;)
Alexander S. schrieb:> notfalls auch auf Schottky-Exemplare ausweichen.
... mit dem Ziel, möglichst hohe Übernahmeverzerrungen zu bekommen.
Dort gehört Silizium rein, DUS = 1N4148 / 1N914
TUN / TUP weiß ich garnicht mehr, ob das noch BC107(8-9) - BC177(8-9)
oder schon Plastik BC237(8-9) - BC307(8-9) war.
Die Transistoren in der Endstufe möchten nach gleicher Kennlinie im
Arbeitspunkt ausgesucht werden.
Die Rundfunkwerkstätten haben das seinerzeit als Pärchen sortiert im
Ersatzteilhandel bezogen.
Als Amateur ist dies eine Herausforderung. Man benötigt viele
Transistoren (ca. 300 Stück) aus verschiedenen Chargen (=verschiedene
Bestellungen) und einen Kennlinienschreiber, Minimalvariante: atlas DCA
75 Pro + PC und viel Zeit.
Manfred schrieb:> TUN / TUP weiß ich garnicht mehr, ob das noch BC107(8-9) - BC177(8-9)> oder schon Plastik BC237(8-9) - BC307(8-9) war.
TUP/TUN war doch nur NPN oder PNP.
Da kann man irgendwas aus der Grabbelkiste nehmen.
Natürlich kein Leistungstransistor.
Aber irgendetwas mit Hfe 200-800
Manfred schrieb:> TUN / TUP weiß ich garnicht mehr, ob das noch BC107(8-9) - BC177(8-9)> oder schon Plastik BC237(8-9) - BC307(8-9) war.
Spielt keine Rolle. BC107, BC108, BC237, BC238, BC 547, BC548 usw. sind
alles TUN.
Anbei mal so eine ähnliche 'Endstufe'. Auch hier lässt sich mit
BC327/337 oder BC639/640 ein wenig mehr Saft rauskitzeln. Die
eingezeichneten 1N4004 sind natürlich nur ein Spass und können durch
1N4148/4151 o.ä. ersetzt werden. Diese Endstufe ist auch unabhängiger
von der Last.
von Matthias S. schrieb:
>gegentakt3.gif
R3, R4 würde ich kleiner machen vielleicht so 1 Ohm,
sonst kommt nicht besonders viel Leistung raus.
Bei dieser schaltung (Lautsprecher an - ) läst sich
auch eine Bootstrap-Schaltung bauen, R1 durch eine
Reihenschaltung von zwei 220 Ohm-Widerständen ersätzen
und dann vom Ausgang eine Rückkopplung über einen Elko
zwischen diesen beiden Widerständen machen.
Günter Lenz schrieb:> sonst kommt nicht besonders viel Leistung raus.
Hehehe, wenn man hier von Leistung überhaupt sprechen kann. Immerhin ist
die Schaltung so gut wie überhaupt nicht vom hfe des ersten Transistor
abhängig, läuft auch mit 6V und ist ohne Last stabil. Gut geeignet z.B.
auch für 32 Ohm Systeme in Kopfhörern.
Alexander S. schrieb:> Wozu dienen die Emitterwiderstände?
Bei dem kleinen Dings machen sie die Endstufe auch kurzschlussfest.
Alexander S. schrieb:> Ich dachte eher an eine Ausgangsleistung von ca. 10W mit BD139/BD140 und> 18,5V aus einem alten Notebooknetzteil.
Das ist sicher eine andere Liga. BD139/140 brauchen auch
Treiberleistung.
von Alexander S. schrieb:
>Wozu dienen die Emitterwiderstände?
Sie stabilisieren den Arbeitspunkt (Ruhestrom) der Endstufe.
Ist eine Gleichstromgegenkopplung.
Alexander S. schrieb:> Bildet der 330K-R eine Gegenkopplung für AC-Signale und wird an ihm> gleichzeitig DC-mäßig die halbe Betriebsspannung abgegriffen
Es stellt sich eine zufällige Spannung ein, maximale Leistung ist wohl
auch nicht gefordert.
Der Hochpaß 220nF/10k läßt eh keine Leistung fressenden Bässe mehr
durch.
> Wozu dienen die Emitterwiderstände? Manchmal sieht man, dass sie mit
Dioden überbrückt sind.
Das mit den Dioden ist die Sparversion vom EDWIN-Prinzip, von Elektor so
um 1971 rum müßte es gewesen sein. Die Endtransistoren werden dabei
zugleich in A und in C-Betrieb benutzt.
Ich sags mal offen, die Schaltung mit 3 Transistoren würde ich nichtmal
auf 1W an echten 9V betreiben wollen.
Für 19V und 10W brauchst du wesentlich mehr, da denke ich ehr an BD677
und BD678 in der Endstufe und getrennte Transistoren für
Differenzverstärker und Spannungstreiber.
Naja oder gleich einen TDA2030
>gebootsträpt
ich habe vergeblich nach einer Abbildung des Barons von Münchhausen
gesucht, wo er sich an den Stiefelschlaufen aus dem Sumpf zieht (die
englische Version), finde aber nur Bilder wo er sich auf dem Pferd
sitzend an den eigenen Haaren (sieht eher nach Perücke aus) samt Pferd
nach oben zieht.
Muss mal suchen, die Applikationsschaltung für AC187/188 könnt ich
irgendwo haben.
Alte Transistorbücher findet man im Webarchiv:
https://archive.org/search.php?query=Transistor