Hallo,
ich habe mir eine Lötsation zugelegt, weil ich eine kleine elektronische
Platinen aufbauen möchte.
Löten kann ich eigentlich, habe ich nur seit Jahren nicht mehr gemach
(meine Elektronikerausbildung liegt schon einige Jahre zurück).
Daher die Frage: Welches Lötzinn sollte ich benutzen? Es gibt ja
eigentlich nur noch bleifreies Zinn zu kaufen; gelernt habe ich mit
bleihaltigen Lot.
Auf der Platinen sitzen eigentlich nur verdrahtete Bauteile, ein paar
ICs die dann aber gesteckt werden können und ein paar Buchsen (es
handelt sich um den Bausatz (VONG-Filterung von schalltechnik04.de).
Kann mir jemand eine konkrete Legierung und einen geeigneten Durchmesser
nennen die ich in einer kleinen Menge kaufen kann?
Danke!
Die Legierung ist nur eine Komponente, das Flussmittel hat bei bleifrei
einen höheren Stellenwert eingenommen.
Wir verwenden in der Firma Felder ISO-Core Clear Sn100Ni+ als Lötdraht
und Lotpaste. Die gleiche Legierung verwenden wir auch im Löttiegel.
Wenn Du unbedingt möchtest bekommst Du noch bleihaltiges Lot, z.B. bei
TME oder Mouser.
Bleifrei komme ich auch mit dem Felder ISO-Core Clear Sn100Ni+ am besten
klar. Das fließt im Vergleich zu SAC305 verschiedener Hersteller meiner
Meinung nach deutlich besser.
Im Vergleich zu bleihaltig muss man aber klar auf einen besseren
Wärmeübergang zwischen Lötkolben-Heizung und Lötstelle achten. Erfordert
etwas mehr Übung und eine bessere Lötstation bevor das Spaß macht.
Was den Durchmesser angeht: ich nehme 1 mm für THT und 0,5 mm für SMD.
Für ganz feine Sachen hab ich noch 0,25 mm, das brauche ich aber nur
selten. Ich würde mir daher für den Anfang mal 0,5 und 1mm jeweils als
100g-Rolle kaufen.
Marc X. schrieb:> Wir verwenden in der Firma Felder ISO-Core Clear Sn100Ni+ als LötdrahtGerd E. schrieb:> Bleifrei komme ich auch mit dem Felder ISO-Core Clear Sn100Ni+ am besten> klar.
Das habe ich auch und komme damit super klar, kann ich also empfehlen.
Falls die Optik wichtig ist, das glänzt auch wie bleihaltig.
Hans W. schrieb:> Ich werde mir dann also wie> angesprochen jeweils 100g von 0,5mm und 1mm dicken Lot vom> angesprochenen Felder Iso Core "Ultra-Clear" zulegen.
Willst du nicht erstmal ausprobieren?
Ich bin nicht sicher, ob unter der Bezeichnung nicht verschiedene Sorten
verkauft werden. Das, was ich meine, ist:
https://www.reichelt.de/loetzinn-bleifrei-mit-kupferanteil-1-0-mm-250-g-lz-f7-bf-1-0-250-p308145.html?&trstct=pol_2&nbc=1
allerdings mit 3,5% Flussmittel.
Hans W. schrieb:> Was bedeutet eigentlich dieses THT? SMD ist mir klar.
Im Zusammenhang mit SMD sollte es Through Hole Technology heißen, also
Durchsteckbauteile.
Mein Problem das ich habe, ist, dass ich ungern zwei unterschiedliche
Durchmesser des Lots kaufen möchte. Ich habe vor ca 3 oder 4 Jahren
einen ähnlichen Bausatz mit bleihaltigen Lot gelötet (mit einer
Lötstation von einem Freund). Ich weiß aber nicht mehr, welchen
Durchmesser dieses Lot damals hatte.
Ich glaube aber, dass ich damals in der Ausbildung 0,5mm Durchmesser
höchstens für SMD benutzt habe. Der Bausatz hat aber gar kein SMD drauf.
Bei 1mm bin ich mir nicht sicher, ob das dann nicht gleich zu dick ist.
Hans W. schrieb:> Ich glaube aber, dass ich damals in der Ausbildung 0,5mm Durchmesser> höchstens für SMD benutzt habe.
Das ist auch OK.
> Der Bausatz hat aber gar kein SMD drauf.> Bei 1mm bin ich mir nicht sicher, ob das dann nicht gleich zu dick ist.
Nö, das ist normal. Mach mal keinen Staatsakt aus so ein bischen Löten.
Hans W. schrieb:> Nochmal ein versuch:>> https://www.conrad.de/de/p/felder-loettechnik-iso-core-clear-sn100ni-loetzinn-spule-sn99-25cu0-7ni0-05-0-100-kg-1-mm-2226482.html>> Das könnte ich Vorort kaufen. Wäre das das richtige Lot?
Wird schon funktionieren.
> Hier gäbe es> auch 0,75mm als Drahtdurchmesser auszuwählen.
Kann man nehmen, ist aber nicht wichtig.
> Hat wohl auch 3,5% Flux> Anteil. Aber mehr Fluxer ist ja perse nix schlechtes, oder?
Naja, 3,5% sind schon recht viel. Das "normale" hat 2,5% und auch da
bleibt eine ordentliche Ladung Flußmittel übrig. Aber 15 Euro für 100g
Lötzinn? Ist das Inflation oder Mafiapreise?
Huch, bei Reichelt ist das teilweise noch teurer? Hmmm.
Falk B. schrieb:> Naja, 3,5% sind schon recht viel. Das "normale" hat 2,5% und auch da> bleibt eine ordentliche Ladung Flußmittel übrig.
Ok, dann halte ich ausschau nach Lot mit 2,5% Fluxer.
Falk B. schrieb:> Aber 15 Euro für 100g> Lötzinn? Ist das Inflation oder Mafiapreise?>> Huch, bei Reichelt ist das teilweise noch teurer? Hmmm.
Ja, das ist sehr krass. Egal wo man schaut zahlt man immer um die 15€
für 100g.
Hans W. schrieb:> Dussel schrieb:>> allerdings mit 3,5% Flussmittel.>> Warum weißt du auf 3,5% Flussmittel hin? Ist das erwähnenswert?
Mit mehr Flussmittel fließt es halt besser oder länger. Dass übermäßig
viele Rückstände bleiben, würde ich nicht sagen.
Hans W. schrieb:> Bei 1mm bin ich mir nicht sicher, ob das dann nicht gleich zu dick ist.
Bisher habe ich bis minimal 0603 gelötet und da kam ich mit 1 mm gut
zurecht.
Hans W. schrieb:> Nochmal ein versuch:>> https://www.conrad.de/de/p/felder-loettechnik-iso-core-clear-sn100ni-loetzinn-spule-sn99-25cu0-7ni0-05-0-100-kg-1-mm-2226482.html>> Das könnte ich Vorort kaufen. Wäre das das richtige Lot?
Ich bin kein Lötzinnexperte. Das hat kein Germanium drin.
"während Germanium die Oberflächenspannung des schmelzflüssigen Lotes
reduziert. Ein weiterer Effekt von Germanium ist eine deutliche
Krätzereduzierung in offenen Wellenlötprozessen von bis zu 70%!"
https://www.elektronikpraxis.vogel.de/die-auswirkung-von-silber-nickel-und-germanium-auf-loettechnische-und-mechanische-eigenschaften-von-sac-loten-a-260867/
Ich glaube, mal gehört zu haben, dass Germanium auch für eine glänzende
Oberfläche sorgt.
Falk B. schrieb:> Aber 15 Euro für 100g> Lötzinn? Ist das Inflation oder Mafiapreise?>> Huch, bei Reichelt ist das teilweise noch teurer? Hmmm.
Ich glaube auch, dass ich das damals deutlich billiger bekommen habe.
Aber wie viel braucht man davon? 2 g pro Platine, inklusive 'Abfall'
durch Abstreifen der Lötspitze, also 30 Cent pro Platine? Das ist nicht
nichts, aber im Vergleich zu den Bauteilen auch kein Riesenposten.
Dussel schrieb:> Ich glaube auch, dass ich das damals deutlich billiger bekommen habe.> Aber wie viel braucht man davon? 2 g pro Platine, inklusive 'Abfall'> durch Abstreifen der Lötspitze, also 30 Cent pro Platine? Das ist nicht> nichts, aber im Vergleich zu den Bauteilen auch kein Riesenposten.
Ja, da habe ich auch schon überlegt, wie viel man da pro Platine
braucht. Ich bin mir nämlich gerade nicht sicher, wie viel ich kaufen
sollte. 100g oder doch lieber gleich 250g? Kostet dann entweder 16€ oder
32€.
Dussel schrieb:>> Bei 1mm bin ich mir nicht sicher, ob das dann nicht gleich zu dick ist.> Bisher habe ich bis minimal 0603 gelötet und da kam ich mit 1 mm gut> zurecht.
Kann man machen, ist aber eher ungünstig. Für SMD sollte man sich schon
0,5mm Lot gönnen.
> Ich bin kein Lötzinnexperte. Das hat kein Germanium drin.
Das braucht auch keiner.
> Ich glaube, mal gehört zu haben, dass Germanium auch für eine glänzende> Oberfläche sorgt.
Hab ich noch nie gehört, auch nicht bei bleifreien Loten.
Germanium in Loten ist eher exotisch für Spezialanwendungen.
Hans W. schrieb:> Ja, da habe ich auch schon überlegt, wie viel man da pro Platine> braucht. Ich bin mir nämlich gerade nicht sicher, wie viel ich kaufen> sollte. 100g oder doch lieber gleich 250g? Kostet dann entweder 16€ oder> 32€.
Naja, die 250g sind meist preiwerter, bezogen auf Euro/kg, absolut
natürlich teurer. Aber 250g kriegst du bei deinem Lötaufkommen nie alle,
selbst 100g reichen da ewig.
> Kann man machen, ist aber eher ungünstig. Für SMD sollte man sich schon> 0,5mm Lot gönnen.
Eher 0,3mm. 0,5mm nehme ich nur fuer grobe Sachen. .-)
Olaf
Hans W. schrieb:> Ich bin mir nämlich gerade nicht sicher, wie viel ich kaufen> sollte. 100g oder doch lieber gleich 250g? Kostet dann entweder 16€ oder> 32€.
Ich, als halber Schwabe (im Geiste), habe direkt 250 g gekauft.
Die Frage ist aber auch, wie viel du lötest. Ich kam mit 100 g jahrelang
hin. Wenn du unsicher bist, würde ich dazu tendieren, eher die kleinere
Menge zu kaufen. So viel macht das (absolut gesehen) nicht aus (16€/100g
zu 12,80€/100g). Wenn es passt, kannst du es nochmal kaufen in ein paar
Monaten oder Jahren, und wenn nicht, kannst du was anderes probieren.
Falls es interessiert, habe ich nochmal Bilder von Lötstellen angehängt.
Leider kriege ich es mit dem Handy nicht besser hin und meine Lötkünste
sind auch nicht mehr die besten. Aber vielleicht erkennt man ja doch
was.
Es sind Flussmittelreste vorhanden, aber nicht so viel, dass es mich
stören würde.
Olaf schrieb:>> Kann man machen, ist aber eher ungünstig. Für SMD sollte man sich schon>> 0,5mm Lot gönnen.>> Eher 0,3mm. 0,5mm nehme ich nur fuer grobe Sachen. .-)
Jaja, das ewige Wettrüsten. Wenn es 0,1mm Lötzinn gäbe, würdest du das
benutzen und behaupten, daß 0,5mm Viiiiiel zu dick ist.
Hans W. schrieb:> Bei welcher Temperatur werde ich diese Lot> verarbeiten müssen? 350°C?
Ich löte mit 320 °C, wobei ich noch nicht ausprobiert habe, ob es auch
mit weniger ginge.
Hans W. schrieb:> Bei welcher Temperatur werde ich diese Lot verarbeiten müssen? 350°C?
Hängt auch ein bisschen von der Lötstation ab, wie gut sie die Wärme vom
Heizelement zur Lötstelle bringt. Wenn der Wärmeübergang gut ist,
reichen 320 °C (oder sogar noch weniger), wenn er nicht so gut ist, halt
350 °C. Wenn die Lötstation so schlecht ist, dass du auf 400 °C
aufdrehen musst, hast du das Problem des "Wärmeschocks": durch die hohe
Anfangstemperatur ist bereits fast alles Flussmittel verdampft, bevor
der Lötvorgang überhaupt richtig angefangen hat.
Hans W. schrieb:> Ich glaube aber, dass ich damals in der Ausbildung 0,5mm Durchmesser> höchstens für SMD benutzt habe.
Wenn du nie SMD löten musst, brauchst du nicht unbedingt 0,5 mm, aber es
würde auch nichts schaden: der Preis richtet sich ja in erster Linie
nach der Masse des Lots, nicht nach der Drahtlänge. Bei 0,5 mm musst du
dann halt ein viermal so langes Stück in die Lötstelle schieben wie bei
1 mm, aber die Masse bleibt die gleiche, die deine Lötstelle verbraucht.
Oben gezeigtes Lötzinn funktioniert auch ganz gut, ich bevorzuge aber
das von Felder.
Falk B. schrieb:> Jaja, das ewige Wettrüsten. Wenn es 0,1mm Lötzinn gäbe, würdest du das> benutzen und behaupten, daß 0,5mm Viiiiiel zu dick ist.
Würde mich nicht wundern, wenn es 0,1mm gäbe.
Jörg W. schrieb:> Bei 0,5 mm musst du> dann halt ein viermal so langes Stück in die Lötstelle schieben wie bei> 1 mm, aber die Masse bleibt die gleiche, die deine Lötstelle verbraucht.
Vereinfacht aber das dosieren, bei kleinen THT Lötstellen, ich löte
eigentlich alles mit 0,5mm.
Marc X. schrieb:> ich löte eigentlich alles mit 0,5mm.
Ich fast alles, aber "fürs Grobe" habe ich noch etwas Uralt-Lot (SAC-Lot
der ersten Generation) mit 0,8 mm Durchmesser. Wo's nicht drauf ankommt,
nehme ich das, einfach, damit es auch mal irgendwann alle wird. ;-)
Jörg W. schrieb:> Ich fast alles, aber "fürs Grobe" habe ich noch etwas Uralt-Lot (SAC-Lot> der ersten Generation) mit 0,8 mm Durchmesser. Wo's nicht drauf ankommt,> nehme ich das, einfach, damit es auch mal irgendwann alle wird. ;-)
In der Firma haben wir noch ein ganzes KNÄUL gutes, altes Ossi-Lot, das
sind bestimmt 5kg und mehr. Nehm ich immer zum Entlöten von groben
Sachen. Das duftet dann immer nach Fichtennadelschaumbad! Kein Witz! ;-)
> Jaja, das ewige Wettrüsten. Wenn es 0,1mm Lötzinn gäbe, würdest du das> benutzen und behaupten, daß 0,5mm Viiiiiel zu dick ist.
Noe, wahrscheinlich wuerde ich das dann runtermachen. :-)
0.3mm ist manchmal echt super wenn man an kleinen Sachen loetet,
man merkt aber bereits deutlich das es weniger Flussmittel enthaelt,
man braucht dann also oefters zusaetzlichen Fluxer.
Aber wie immer, manch braucht alles! :-D Ich hab auch eine Rolle mit 1mm
da.
Olaf
Ich nehme immer bleifreies Zinn mit Silberanteil wegen der geringeren
Schmelztemperatur. Und mittlerweile nehme ich auch 0,5mm bei THT weil
ich gemerkt habe, dass es sich viel besser dosieren lässt. Man kann ganz
leicht nochmal ein wenig Flussmittel zuführen ohne dass man sofort einen
Tropfen an der Lötstelle hängen hat.
Dussel schrieb:> Hans W. schrieb:>> Bei welcher Temperatur werde ich diese Lot>> verarbeiten müssen? 350°C?> Ich löte mit 320 °C, wobei ich noch nicht ausprobiert habe, ob es auch> mit weniger ginge.
Aus Interesse habe ich es gerade nochmal ausprobiert. Bei 250 °C
schmilzt das Lötzinn schnell an der Spitze, mit 280 °C kann man löten.
Beide Temperaturen laut Temperatureinstellung an der Lötstation.
Allerdings geht es mit einem bisschen höherer Temperatur doch besser.
Was passiert eigentlich, wenn man bleihaltiges Lot und bleifreies Lot
miteinander mischt? Sprich: Man entfernt einen bedrahteten Widerstand
der mit bleihaltigem Lot eingebaut wurde und ersetzt diesen Widerstand
mit einem neuen Widerstand mit einem bleifreien Lot?
Hans W. schrieb:> Was passiert eigentlich, wenn man bleihaltiges Lot und bleifreies Lot> miteinander mischt?
Nix passiert. Bleihaltiges Lötzinn hat einen Schmelzpunkt von
180°...190° C, bleifreies von 220°...230° C. Wenn sich die verschiedenen
Sorten beim Löten mischen, stellt sich ein Schmelzpunkt dazwischen ein.
Hallo
Rainer Z. schrieb:> Wenn sich die verschiedenen> Sorten beim Löten mischen, stellt sich ein Schmelzpunkt dazwischen ein.
Wirklich?
Wenn man schaut welchen Schmelzpunkt die verschiedenen Lote haben so
scheint es mir als wenn das dann doch ein wenig kompilizierter ist.
Da (also bei einen "reinen" nicht vom Nutzer unfreiwillig gemischten
Lot) stellt sich eine Schmelztempertur (wobei es bei den Loten - mehr
theoretisch da man in der Praxis sowieso immer mit höheren Temperaturen
arbeitet- auch wohl Übergänge zwischen Fest und den "klassischen"
Schmelzen gibt?) die sich nicht einfach durch den Anteilmäßigen
Durchschnitt der Bestandteile ergibt - irgendwie kommt es mir sogar vor
als wenn das Gemisch (Legierung?) sogar oft einen niederigeren
Schmelzpunkt als der Einzelbestandteil (Reinstoff) mit den niederigsten
Schmelzpunkt hat (das Flussmittel als nun mal Nichtmetall ausgenommen -
aber der gehört ja streng genommen auch nicht zum Lot sondern ermöglicht
"nur" das vernünftige fließen)?
Löterich
Rainer Z. schrieb:> Wenn sich die verschiedenen> Sorten beim Löten mischen, stellt sich ein Schmelzpunkt dazwischen ein.
Nein!
Bei solchen einfachen Vermischungen ist der Schmelzpunkt niedriger als
der mit dem niedrigsten Schmelzpunkt.
Auch die Festigkeit verändert sich.
Gilt auch für Bleifrei untereinander.
Bei kritischen Sachen wie Hochlastwiderständen sollte man komplett neues
Zinn auftragen.
Löterich schrieb:> rgendwie kommt es mir sogar vor als wenn das Gemisch (Legierung?) sogar> oft einen niederigeren Schmelzpunkt als der Einzelbestandteil> (Reinstoff) mit den niederigsten Schmelzpunkt hat
Ja, sicher, das Eutektikum halt. Sonst würde ja Blei-Zinn-Lot auch nicht
bei 183 °C schmelzen können.
Trotzdem klappt das für dieses einfache System (auf der einen Seite eine
Blei-Zinn-Legierung mit irgendwas um die 60 % Zinn, auf der anderen
Seite fast reines Zinn) durchaus, dass sich der Schmelzpunkt dann
irgendwo zwischen 183 und 230 °C einstellt.
Schwierig wäre es nur, wenn auf einer Seite ein bismuth-haltiges Lot
benutzt würde, denn das Eutektikum aus Blei, Zinn und Bismuth liegt
deutlich niedriger. Davon war allerdings hier nicht die Rede (wenn mal
mal impliziert, dass das zur Reparatur zu verwendende Lot kein solches
ist).
Vielen Dank für die Infos. Ich hatte nur aus Interesse gefragt, da ich
sowieso eine komplett neue Platine und eine komplett neue Lötspitze
nutze stellt sich die Frage nicht.
Nur noch zur Info für euch: Ich habe mittlerweile beim großen A
folgendes Lötzinn bestellt:
Felder Lötzinn ISO-Core Lötdraht Clear Sn100Ni+ Sn99,3CuNiGe (1 mm auf
100 g)
Ich hoffe ich komme damit zurecht, weil ich wie oben schon erwähnt, habe
ich löten mit Blei-Lot gelernt. Werde ich mich da sehr umstellen müssen?
Hans W. schrieb:> Werde ich mich da sehr umstellen müssen?
Sofern der Lötkolben genug Wärme an die Lötstelle liefern kann, musst du
dich mit diesem Lot (außer der etwas höheren Temperatur) kaum umstellen.
Das fließt gut, wie auch andere hier schon schrieben. Ein zusätzlicher
Flussmittelstift macht sich aber immer gut. Wenn man etwas zu lange an
einer Lötstelle hantiert, ist durch die höhere Temperatur das im Draht
enthaltene Flussmittel schneller verdampft, und wenn man dann nur neuen
Lotdraht nachschiebt, um das Flussmittel zu bekommen, hat man eigentlich
zu viel Lot.
"Schön glänzende" Lötstellen sind bei bleifreien Loten eher selten, das
ist aber keinerlei Qualitätseinbuße, nur die Optik. (Ist halt nur so,
dass früher mit bleihaltigem Lot immer gelehrt wurde, dass die Lötstelle
schön glänzen müsse, weil eine matte Lötstelle dort ein Anzeichen dafür
war, dass es während der Erstarrung erschüttert worden ist, was zu
geringerer Festigkeit führen konnte.)
Hans W. schrieb:> Werde ich mich da sehr umstellen müssen?
Nein, aber du wirst die Lötstation umstellen müssen. ;-)
Auf eine etwas höhere Temperatur. Ich schrieb ja oben, welche Temperatur
das etwa ist.
So Leute, dann bedanke ich mich für eure Tips. Da grad vorhin das
Lötzinn angekommen ist, kann ich mich heute dann schon mal an die ersten
Bauteile machen!
Vielen Dank an alle!
Berichte mal bitte. Ich habe auch das Problem, daß meine Rolle mit sehr
dünnem Bleilot, welches ich gerne für SMD-Lötarbeiten verwendet habe,
zur Neige geht und ich mich nach Ersatz umsehen muss. Ich bin mir noch
nicht schlüssig, ob ich probiere, eine neue Rolle Bleilot aufzutreiben
oder ob ich auf bleifreies Lot wechseln soll.
Ich habe schon mit bleifreiem Lot gearbeitet, aber meine Erfahrung ist
eher die, daß das bei kleinen Strukturen Probleme bereiten kann bzw. es
fließt nicht so gut wie Bleilöt. Für "normale" Platinen mit bedrahteten
Bauteilen (eigentlich müsste man ja fast schon "früher normale Platinen"
schreiben) machts keinen Unterschied.
Ben B. schrieb:> Für "normale" Platinen mit bedrahteten Bauteilen (eigentlich müsste man> ja fast schon "früher normale Platinen" schreiben) machts keinen> Unterschied.
Das sind allerdings eher die, die der TE im Blick hat, weshalb er sich
ja auch für Lot mit 1 mm Durchmesser entschieden hat.
Ich habe weder mit dem genannten Felder-Lot noch mit BF32-3 Probleme,
SMDs zu löten, aber ich weiß nicht, ob ich für dich als Referenz
akzeptiert werde. ;-) (Habe beides in 0,5 mm da.)
Dussel schrieb:> Im Zusammenhang mit SMD sollte es Through Hole Technology heißen, also> Durchsteckbauteile.
Wenn du das schon so gegenüber stellst, dann doch bitte SMT und THT
Ben B. schrieb:> Berichte mal bitte. Ich habe auch das Problem, daß meine Rolle mit sehr> dünnem Bleilot, welches ich gerne für SMD-Lötarbeiten verwendet habe,> zur Neige geht und ich mich nach Ersatz umsehen muss.
Ich war zwar nicht direkt gemeint, aber da hier auch grad eine Rolle von
diesem Felder-Zinn angekommen ist, erlaube ich es mir mal: das Zeug
fließt ganz brauchbar – nicht so gut, wie Bleilot der gleichen Firma,
aber doch so, dass jeder damit zurechtkommen sollte.
Im Gegensatz zum anderen bleilosen Lot, das ich hier habe („armack Typ
32-3“) lässt sich das von Felder aber auch wieder aufschmelzen, ohne
dass es direkt teigig wird – das war eigentlich mein Hauptkritikpunkt am
Armack/Amasan-Zinn. Kurz: mit dem Felder-Zinn sollte man keine zu großen
Umstellungsprobleme haben.
Ich kann alle Diskussionen rund um Lötzinn nicht nachvollziehen. Egal
welches ich hier per Hand verarbeite, es klappt. Und falls es einmal
nicht auf Anhieb klappt, kommt eben ein bisschen Flussmittel drauf und
es geht wieder.
Ich kaufe einfach den Billigkram bei Amazon.
Sven schrieb:> Egal welches ich hier per Hand verarbeite, es klappt.
Je besser dein Lötwerkzeug, um so weniger wichtig wird die
Zusammensetzung des Lots. ;-)
Und jetzt kommst du wieder indirekt, dass es ein Lötwerkzeug für 500EUR
aufwärts sein muß.
Was Sven meint, es ist mindestens für die Platine vom TO wurscht,
welches Zinn oder Löteisen benutzt wird.
Mich wundert hier auch die Wissenschaft, die daraus gemacht wird.
Für privat hat man sowieso keine Wahl.
Man hat ein Löteisen dem Geldbeutel nach. Und lebt damit.
Man kauft eine Rolle Zinn. Und lebt damit.
Meine Rolle Bleifrei 0,8mm benutze ich wenn nötig.
Funktioniert. Eine andere Lötstation kauf ich da sicher nicht.
Die Platine vom TO kann schon lange fertig sein.
michael_ schrieb:> Und jetzt kommst du wieder indirekt, dass es ein Lötwerkzeug für 500EUR> aufwärts sein muß.
Woher willst du das denn haben?
Mein aktuelles Lötwerkzeug hat genauso viel gekostet wie das, was ich
mal ein paar Jahre zuvor von einer anderen Firma gekauft habe (beide
zusammen erreichen so ungefähr deine "Hausnummer"). Die gebrauchte
Station, die ich für unseren Verein jemandem aus dem Forum für relativ
wenig Geld abgekauft habe, ist beinahe genauso gut (nur die billigen
chinesischen Lötspitzen, die man dafür nachkaufen kann, sind Mist, weil
sie viel zu viel Luft zwischen Heizelement und Spitze haben), außer dass
die Spitzen sich nicht ganz so schick wechseln lassen.
Wir hatten letztens bei einer öffentlichen Veranstaltung hier drei
verschiedene Lötstationen stehen. Feststellung eines späten Besuchers
(der sich dann schon aussuchen konnte, an welchem Platz er arbeitet, die
vor ihm konnten das nicht) nach dem Wechsel von der einen zur anderen
Station: ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Mehr wollte ich nicht ausdrücken: mit gutem Werkzeug geht auch mieses
Lot. Mit nicht so gutem Werkzeug kann man trotzdem noch ganz gut
arbeiten, wenn man bei der Auswahl des Lots ein wenig wählerisch ist.
Ist beides nicht so toll, dann hält sich die Freude an der Arbeit aber
in Grenzen.
(Die Markennamen habe ich jetzt extra mal weggelassen, sind insgesamt
vier verschiedene.)
Jörg W. schrieb:> Je besser dein Lötwerkzeug, um so weniger wichtig wird die> Zusammensetzung des Lots. ;-)michael_ schrieb:> Und jetzt kommst du wieder indirekt, dass es ein Lötwerkzeug für 500EUR> aufwärts sein muß.
Mit dem genannten Felder-Lötzinn habe ich mit meiner alten Voltcraft
LS50 mit etwa 20 Jahre alter Spitze problemlos bleifrei gelötet.
Das nicht als Widerspruch zu den zitierten Aussagen, sondern als
Ergänzung.
Bei SMD kann man sogar richtig dickes 10er 3kantlot verwenden. klappt
problemlos. Lötstelle mit Flussmittel versehen, Bauteil drauf, die mit
Lötzinn
benetzte Spitze dran gehalten und gut ists. Bloss wird ein
leistungsschwacher Kolben die dicke Stange nicht zum schmelzen bringen.
Für normale Zwecke ist ein 1er vollkommen ausreichend. Ich hab mir in
nem Anfall von Wahnsinn auch mal so ne Rolle 0,5er gekauft, aber dann
festgestellt, dass das völlig unnötig ist.
Uli S. schrieb:> Bei SMD kann man sogar richtig dickes 10er 3kantlot verwenden.
Ja, es gibt Leute, die schwören auf diese Brachialmethode. Wie du damit
0201-Kerkos einlötest, ohne dass sie auf Nimmerwiedersehen im Zinnsee
verschwinden, darfst du mir aber gern zeigen. Auch QFNs sind damit
sicher eher unpraktikabel.
Es gibt halt mehr SMD als ein paar SOICs und 1206-Widerstände.
michael_ schrieb:> Die Platine vom TO kann schon lange fertig sein.
Hallo,
fast richtig. Ich hab über's WE in jeweils 2x1h alle bedrahtete Elemente
drauf gelötet. Heute und morgen werd ich dann die Platine
auseinanderbrechen die einzelnen Platinchen dann mit dem mitgelieferten
Litzen miteinander verbinden und dann geht's langsam in Richtung
Endmontage. Hat bisher alles super geklappt. Aber ihr habt schon recht:
Das bleifreie Lot ist schon etwas widerspenstiger als das bleihaltige
Lot. Alles in allem aber nicht der Rede wert und es glänzt eigentlich
genau so schön, wie das bleihaltige Lot. Gelötet hab ich mit ca. 330°C;
ich denke aber, das kommt durch die doch sehr billige China-Lötstation.
Is aber ja auch egal. Die Bauteile sind deswegen sicherlich nicht gleich
kaputt gegangen.
Eine weitere Frage, die zwar nicht direkt mit Löten zu tun hat aber eine
Folge draus ist:
Wie säubert ihr eine Platine? Ich hab mir vor ein paar Jahren extra eine
kleine Sprühflsche "LR" von Kontakt Chemie geholt. Das löst die
Fluxer-Rückstände wirklich super an, aber es bleibt ein klebriger
Rückstand auf der Platine zurück. Der Hersteller des Bausatzes empfiehlt
diesen klebrigen Rückstand mit Spiritus abzuspülen. Kann man anstatt
Spritis auch Isopropyl-Alkohol benutzen? Löst das das Klebrige auch an?
Mit was putzt man dann das Klebrige weg? Alte Zahnbürste? :D
Hans W. schrieb:> Die Bauteile sind deswegen sicherlich nicht gleich kaputt gegangen.
Ganz gewiss nicht. Es gibt da Zeitgenossen, die löten noch mit viel
höheren Temperaturen, ohne dass die gleich kaputt gehen. ;-) (Hat nur
den Nachteil, dass das Flussmittel viel zu schnell weg ist.)
Sind ja keine Germaniumtransistoren mehr …
> Wie säubert ihr eine Platine?
Die Idee von "no clean"-Flussmitteln ist, dass man sie (für Geräte unter
"einfachen" Betriebsbedingungen, also Büro oder Labor) nicht säubern
muss.
Für harten Außeneinsatz sieht das allerdings anders aus, da kommt (je
nach Bedingungen) neben der Reinigung auch noch eine Lackierung in
Frage.
> Ich hab mir vor ein paar Jahren extra eine> kleine Sprühflsche "LR" von Kontakt Chemie geholt.
Ist im Prinzip weiter nichts als Isopropanol + Zahnbürste. Letzteres
habe ich früher benutzt, LR ist teurer aber bequemer.
Wenn dich die Rückstände stören, musst du zwischendurch abpusten und
danach nochmal pinseln.
Wenn es die restlichen Bauteile aushalten, kann man auch Aceton als
Lösungsmittel nehmen, das ist insgesamt etwas aggressiver als Ethanol
oder Isopropanol.
Hans W. Ich nehm dafür Bremsenreiniger vom Norma. Da kostet eine Dose
mit 750 ml grade mal 3€. Ich hab mir vor längerer Zeit mal die Mühe
gemacht und die Datenblätter aller möglichen Platinenreiniger
verglichen. Die enthalten genau dasselbe wie Bremsenreiniger. Natürlich
schreiben die nicht genau die Mengenanteile rein. Aber wenn die
Hauptbestandteile in vergleichbaren Anteilen vorliegen, dann wird das
Endprodukt auch ähnlich wirksam sein.
Uli S. schrieb:> Die enthalten genau dasselbe wie Bremsenreiniger.
Auch die "Zahnbürste"? ;-) Ansonsten kann man sich auch gleich 'ne Pulle
Isopropanol (und für harte Fälle eine Aceton) hinstellen.
Der wesentliche Vorteil von LR ist halt der integrierte Pinsel.