Bei teuren Scopes lasse ich mir immer Zeit und hole mir die Kandidaten
für einen Test auf den Tisch (bei dieser Preisklasse geht das).
Entwickler schrieb:
> Welches ist Euer Favorit?
Keysight, auch wenn es da auch kleine Schwächen gibt. Aber jeder setzt
andere Prioritäten :-)
> Mein Anwendungsfälle:
> Bus-Dekodierung (I2C, SPI, BroadR Reach, UART, CAN, CAN FD, Flexray,
> QSPI)
Wenn BroadR ein wichtiges Kriterium ist, dann RTE.
Ansonsten sind die Busdekoder nett aber m.E. etwas überbewertet. Sie
sind eigentlich nur in der Phase wichtig, wo die Datenintegrität auf dem
Bus sichergestellt werden muß (Das geht aber auch ohne Busdekoder). Das
Scope als Protokollanalyzer ist oft nur eingeschränkt brauchbar, weil
die Datenmengen u.U. schnell sehr viel werden, wenn das Protokll erstmal
läuft.
Achtung, die Busdekoder kosten oft extra.
> Waveform anschauen
Da hilft ein großer Bildschirm. Manchmal will man ja die Waveform auf
vertikal verteilen oder noch Histogramme und Statistik darstellen.
> Ströme messen (max. 2A)
Einen passenden Tastkopf dürfte es für alle geben. Drauf schauen, was
die Stromzangen für eine Bandbreite haben.
> Ripple-Messungen (Rails 3,3V und kleiner)
Das spricht für 12-Bit Wandler wie beim MSO5. Immerhin braucht man für
Ripple auf 3,3V keine speziellen Tastköpfe.
> Spektral-Analyse
Das MDO hat dafür (optional) einen gesonderten Eingang. FFT können sie
alle.
Bei den RTOs sehen die FFTs auch nach Spektrumanalyzer aus. Das dürfte
beim RTE ähnlich sein.
> Messungen unter Temperatur (-40°C ... 105°C)
Da hilft ein Datenblattstudium. Ich würde solche Instrumente nur von 10°
bis 40°C einsetzen. Die Tastköpfe dürften mehr aushalten.
> Bandbreite: 500MHz oder vielleicht 1GHz
Mehr Bandbreite schadet i.d.R. nur dem Geldbeutel.
Vom Bedienkonzept hat mich Keysight überzeugt: Ich finde einen separaten
Y-Steller pro Kanal immer noch am Besten. Zweitbeste Lösung ist der
farblich beleuchtete Y-Steller. Das war als erstes bei R&S gut
umgesetzt. Schlecht sind solche Lösungen wie bei LeCroy, wo man erstmal
den falschen Kanal verstellt, und der dann noch eine Kanalkalibrierung
startet, die nur aufhält.
Bei den älteren Teks gibt es ein paar Drehknöpfe, wo die Drehrichtung
entgegen meiner Intuition geht. Keine Ahnung wie das bei neueren Geräten
aussieht: Da war mit der Vertreter nicht sympatisch genung...