Gast
#1970858
Man hört die Tage ja viel über die Studentenproteste in England. Studiengebühren von bis zu 9000 Pfund/Jahr hat das Unterhaus jetzt durchgewunken. In Deutschland liegen die Gebühren bei max. 1400Euro/Jahr. Die Einführung des Studiengebühren hat in den letzten Jahren zu hitzigsten Debatten in der Politik geführt und in Hessen, Saarland und demnächst wohl NRW wurden diese "Chancenvernichter" wieder abgeschafft, sodass die Entscheidung für ein Studium von einem der finanziellen Faktoren befreit wurde. Diesen Weg finde ich sehr begrüßenswert und die Anstrengugen der deutschen Bildungspolitik bedarf es einem Lob. Jetzt sind wir in Deutschland schon verwöhnt, dass wir bezüglich der deutschen Akademikerausbildung uns auf hohem Niveau beschweren können, was die Belastungen während und nach dem Studium angeht. Ich denke mal, langfristig wird es sich auszahlen, dass Deutschland am umdenken ist. Steigende Immatrikulationszahlen in den letzten und sicher auch in den nächsten Jahren geben eine Tendenz dazu wieder. Aber was denken die Briten? Bei 9000 Pfund Studiengebühren (ist sicherlich in der oberen Preisregion, aber bestimmt nicht die Spitze in England) ist die Finanzierung des Studiums eine viel zentralere Frage für Schüler, die vor der Entscheidung stehen, ein Studium zu beginnen. Klar, Kredite und Stipendien werden viele in Anspruch nehmen oder wenn verfügbar, wird Papa bezahlen. Aber gerade in den technischen Berufen, wo viele "Bildungsaufsteiger" ihr Glück versuchen, und die Eltern erstens nicht solch eine Summe jährlich für 1 oder sogar 2 Kinder stemmen können und zweitens tendenziell kritischer einem Studium entgegenstehen (weil sie nie eines absolviert haben,anders wie der Papa, der selbst Arzt oder Manager ist) wird es meiner Meinung nach zunehmend mehr Entscheidungen geben "Ok, dann mach ich lieber den Techniker, Ausbildung etc." (keine Ahnung was es in England genau für nichtakademische Ausbildungswege gibt) Die Folgen davon werden mit Sicherheit schleichend sein, aber die Entwicklung ist klar abzusehen. Würde in Deutschland sowas zur Debatte stehen, wär mit Sicherheit mehr los auf den Straßen und Experten würden schon das Ende der Nation kommen sehen. Also wieso arbeitet die Britische Bildungspolitik auf einen solchen Fachkräftemangel (oh je, jetzt hab ich das Wort doch in den Mund genommen) und Polarisierung der Gesellschaft hin? Hat Kreditvergabewirtschaft schon solch eine Lobby im Unterhaus? (das war Sarkasmus, für alle zartbesaiteten hier...)