Hallo zusammen,
wie verhindert man, dass sich die Leiterbahnen auf der Platine einer
Digitalschaltung gegenseitig kapazitiv und induktiv beeinträchtigen (vom
Standpunkt der EMV), wenn die Schaltung beispielsweise im GHz-Bereich
getaktet wird?
Bin absoluter Neuling und bedanke mich schon mal im Voraus.
Paul
Paul schrieb:> wenn die Schaltung beispielsweise im GHz-Bereich getaktet wird?
Man verwendet differentielle Takte mit geringem Pegel. Man schaut zu,
dass der Takt keinen Grund findet, die Leitung zu verlassen
(Impedanzkontrolle).
Paul schrieb:> Die Takte stellen also Gegentaktsignale dar?
Auf was beziehst du dich da?
Natürlich muss ein Takt (egal ob differentiell oder unipolar) ein
"Gegektaktsignal" sein, denn sonst würde ja die gesamte Schaltung incl.
GND im selben Rhythmus "zappeln" und ein Takteingang bezogen auf seine
Masse kein Signal sehen.
Weshalb stellst du denn die Frage? Was ist das eigentliche Problem?
Lothar M. schrieb:> Weshalb stellst du denn die Frage? Was ist das eigentliche Problem?
Ich möchte gerne wissen, wie man die EMV innerhalb einer digitalen
Schaltung unter Kontrolle bekommt. Ein Taktsignal im GHz-Bereich müsste
doch auf andere Leiterbahnen einkoppeln und diese stören.
Gruß
Paul
Paul schrieb:> Ein Taktsignal im GHz-Bereich müsste doch auf andere Leiterbahnen> einkoppeln und diese stören.
Tut es aber eben nicht, wenn es 1. richtig verlegt und 2. differentiell
ist. Was "richtig" ist, das hängt vom speziellen Anwendungsfall ab.
Lothar M. schrieb:> Tut es aber eben nicht, wenn es 1. richtig verlegt und 2. differentiell> ist. Was "richtig" ist, das hängt vom speziellen Anwendungsfall ab.
Danke. Was genau bedeutet dieses "differentiell"?
Gruß
Paul
Lothar M. schrieb:> Tut es aber eben nicht, wenn es 1. richtig verlegt und 2. differentiell> ist. Was "richtig" ist, das hängt vom speziellen Anwendungsfall ab.
Gibt es genau zu diesem Thema Literatur? Kannst Du mir etwas empfehlen?
Ich weiß irgendwie nicht, wo ich anfangen soll.
Gruß
Paul
Paul schrieb:> Was genau bedeutet dieses "differentiell"?
Es sind einfach zwei Takte, die zueinander exakt invertiert sind. Die
werden auf der Leiterplatte schön parallel geroutet, entsprechend der
gewünschten Impedanz mit bestimmter Breite, bestimmten Abstand
zueinander und zu GND.
Im Idealfall heben sich die von einer Leitung abgestrahlten Störungen
durch die gegenläufige zweite Leitung auf. Außerdem sind diese
differentiellen Leitungen auch viel weniger empfindlich auf Störungen
von außen.
Diese Technik wird nicht nur bei schnellen Digitalsignalen angewandt,
auch langsame Datenübertragung (RS485), CAN oder sogar Mikrofonsignale
werden so geführt.
Paul schrieb:> wenn die Schaltung beispielsweise im GHz-Bereich> getaktet wird?> Bin absoluter Neuling und bedanke mich schon mal im Voraus.
Ich würd mal sagen, dann sind GHz nichts für Dich.
Was soll denn das werden, daß Du GHz brauchst?
Selbst hochkomplexe PC-Motherboards haben außerhalb der CPU nur Busse
bis max 800MHz.
Und da strickt sich auch niemand mehr was selber, sondern nimmt die
Vorlagen aus den Applikationsschriften der Hersteller.
Peter D. schrieb:> Ich würd mal sagen, dann sind GHz nichts für Dich.> Was soll denn das werden, daß Du GHz brauchst?
Paul interessiert sich doch nur für die Schaltungstechnik und hat nicht
gesagt, dass er eine konkrete Schaltung aufbauen möchte.
> Selbst hochkomplexe PC-Motherboards haben außerhalb der CPU nur Busse> bis max 800MHz.
Aktuelle PC-Motherboards basieren in ganz erheblichem Umfang auf PCI
Express, d.h. Signalen mit Symbolraten von 2,5 Gbd bis 8 Gbd, also einem
Frequenzspektrum bis ca. 15 GHz bzw. 50 GHz. Derzeit wird PCI Express
4.0 mit 16 Gbd eingeführt und 5.0 mit 32 Gbd steht in den Startlöchern.
USB/SATA/SAS liegen bei ähnlichen Symbolraten.
Paul schrieb:> wie verhindert man, dass sich die Leiterbahnen auf der Platine einer> Digitalschaltung gegenseitig kapazitiv und induktiv beeinträchtigen (vom> Standpunkt der EMV), wenn die Schaltung beispielsweise im GHz-Bereich> getaktet wird?
auf dem Board ist selten ein GHz Takt, das sind vielleicht 125 MHz die
im Prozessor hochgeneriert werden (PLL).
Man kann Leitungen so führen das die Abstrahlung minimiert wird, bei
Kabels wäre das twisted pair . Fürs PCB schau mal nach impedanzgeführte
leitungen Beitrag "Layout differenzieller Signale"
Dann gibt es auch auf dem PCB Möglichkeiten der Schirmung,
beispielsweise ne Masse-plane drüber und drunter oder ein Gatter aus
vias. https://en.wikipedia.org/wiki/Via_fence
Oder einfach mal google nach "High speed clock layout", das findet:
http://www.ti.com/lit/an/scaa082a/scaa082a.pdfhttps://www.altera.com/en_US/pdfs/literature/hb/stx2/stx2_sii52012.pdf
Ein deutscher Begriff zu diesem Thema wäre "Streifenleitung" ->
https://de.wikipedia.org/wiki/Streifenleitung wobei das im urspünglichen
Sinne wenig mit der Taktversorgung gemein hat.
Andreas S. schrieb:> Paul interessiert sich doch nur für die Schaltungstechnik und hat nicht> gesagt, dass er eine konkrete Schaltung aufbauen möchte.
Ich würde trotzdem erstmal versuchen, die Probleme zu verstehen, die bei
1MHz auftauchen, ehe ich mich den GHz zuwende.
Man baut ja auch keine Concorde, wenn man nicht mal weiß, wie ein
Segelflugzeug funktioniert.
Hier mal ne alte App-Note zu MHz-Problemen:
https://www.maximintegrated.com/en/app-notes/index.mvp/id/91
Moin,
vielen Dank an Euch für die reichhaltigen Informationen.
Ist ja ein riesiges Gebiet...
Ist die Signalübertragung in den Patch-Kabeln für Ethernet auch
differentiell?
Gruß
Paul
Peter D. schrieb:> Man baut ja auch keine Concorde, wenn man nicht mal weiß, wie ein> Segelflugzeug funktioniert.
Es geht ja nicht nur um den Bau solcher Schaltungen, sondern um das
Nachvollziehen. Ich kann mich z.B. auch nicht daran erinnern, dass ich
vor dem Betreten der Concorde und TU-144 in Sinsheim einen
Kenntnisnachweis über Segelflugzeuge oder andere Fluggeräte erbringen
musste. Insbesondere schaue ich mir auch sehr genau technische
Konstruktionen aus Fachgebieten an, die gerade nichts mit meiner
alltäglichen Arbeit zu tun haben. Interessanterweise stellt sich aber
nach beliebig kurzer oder langer Zeit heraus, dass die dabei gewonnenen,
durchaus oberflächlichen Kenntnisse hochgradig nützlich sein können. Ich
bin nämlich durchaus entsetzt darüber, mit welchen Scheuklappen sehr
viele Entwickler und auch Entscheider meiner Kunden durch die Gegend
laufen und keinen Blick über den Tellerrand ihres Arbeitsgebiets hinaus
werfen.
Andreas S. schrieb:> Es geht ja nicht nur um den Bau solcher Schaltungen, sondern um das> Nachvollziehen.
Hallo Andreas.
Gibt es Fachleute (auch beruflich), die im Bereich Digitaltechnik, bis
hinunter auf die Gatter- bzw. Transistorebene alles verstehen?
Oder wissen selbst die Experten nur wie der Mikrocontroller im
Allgemeinen diesen oder jenen Befehl prinzipiell umsetzt, welche Gatter
dafür aber explizit schalten, wissen sie auch nicht genau?
Gruß
Paul
Andreas S. schrieb:> Es geht ja nicht nur um den Bau solcher Schaltungen, sondern um das> Nachvollziehen.
Was mir persönlich schwer fallen würde, wenn ich keinerlei praktischen
Bezug hätte, sondern es nur rein theoretisch abhandeln müßte.
Z.B. auf einer Steuerplatine mit AVR brauche ich mich nicht um GHz zu
kümmern, diese Probleme gibt es dort nicht.
Es gibt kein generelles Entstörkonzept, was man einfach über jede
Platine drüberstülpen kann. Jedes Projekt hat seine spezifischen
Anforderungen.
Daher weigere ich mich, z.B. das Wort "differentiell" in den Raum zu
werfen. Es kann zutreffen oder auch nicht.
Hackt nicht auf den GHz rum.
Der TO ist nach eigenem Bekunden 'absoluter Neuling' und die Gigahertze
begegnen ihm ja in jedem PC-Prospekt. So ähnlich kam die Frage zu Stande
und es spricht schon mal für ihn, dass er da Probleme sieht.
Dass die auch schon bei 1MHz da sein können, hat man ihm gesagt. Und ein
Board, das mal einen 125MHz-Takt benötigt, liefert schon mal Störer im
GHz-Bereich - zumindest sehe ich das auch bei der EMV-Prüfung.
HildeK schrieb:> Hackt nicht auf den GHz rum.> Der TO ist nach eigenem Bekunden 'absoluter Neuling' und die Gigahertze> begegnen ihm ja in jedem PC-Prospekt. So ähnlich kam die Frage zu Stande> und es spricht schon mal für ihn, dass er da Probleme sieht.> Dass die auch schon bei 1MHz da sein können, hat man ihm gesagt. Und ein> Board, das mal einen 125MHz-Takt benötigt, liefert schon mal Störer im> GHz-Bereich - zumindest sehe ich das auch bei der EMV-Prüfung.
Danke HildeK, genau so ist es.
In der Werbung hört man meistens von mit 2 bis 3 GHz getakteten
Prozessoren. Auch deshalb meine Frage.
Gruß
Paul