Ich möchte Spaßeshalber einen kleinen aber leistungsstarken
batteriebetriebenen Staubsauger bauen.
Also nehme ich am besten den Lüfter der am meisten Luftstrom bewegt? Und
meine Frage ist wird so ein Brushless motor mit einem zwei oder drei
Blätter Rotor genug Saugkraft entwickeln können? Leider steht nirgends
welcher Luftstrom entsteht. Ich denke auch das so ein 120mm PC Lüfter zu
wenig Saugkraft entfaltet?
Der einfachste Weg, so etwas herauszufinden, ist immer, nachzuschauen,
wie andere das Problem gelöst haben.
Leistungsstarke Akkusauger mit Brushlessmotoren oder auch Staubsauger an
sich gibt es ja nun nicht erst seit gestern.
Oliver
Für einen Staubsauger brauchst Du keinen Lüfter, sondern das verlangt
nach einer Art Kompressor, der neben einem recht hohen Luftstrom auch
eine verhältnismäßig hohe Verdichtung bei niedrigem Ansaugdruck
erreicht.
Für sowas bieten sich Radialverdichter an, ggf. mehrstufig wenn man
weniger Drehzahl möchte.
Ben B. schrieb:> Sowas transportiert Luftmassen ganz gut, erzeugt für einen Staubsauger> aber zu wenig Druckunterschied.
Ein Staubsauger braucht nur einen geringen Druckunterschied von
Bruchteilen von Bar. Schon zum Aufblasen eines Luftballons benötigt
man mehr Druck. Höhere Druckuntersachiede bei Staubsaugern würden
die abgesaugten Flächen wohl beschädigen.
Wer schon einmal einen Staubsauger geöffnet hat, weiss, dass darin
üblicherweise ein Radiallüfter verbaut ist. Dieser ist mit einer sehr,
sehr niedrigen Schnellaufzahl designt - genau aus dem Grund, um bei
moderatem Luftstrom eine hohe Druckdifferenz erzeugen zu können.
Axiallüfter sind also eher ungeeignet.
Walter T. schrieb:> Wer schon einmal einen Staubsauger geöffnet hat, weiss, dass darin> üblicherweise ein Radiallüfter verbaut ist.
Aha, einen solchen Staubsauger habe ich noch nie gesehen. Zeige mir
doch mal ein Beispiel.
> Axiallüfter sind also eher ungeeignet.
Das ist aber die normalerweise übliche Bauweise.
> Ein Staubsauger braucht nur einen geringen Druckunterschied von> Bruchteilen von Bar. [..] Höhere Druckuntersachiede bei Staubsaugern> würden die abgesaugten Flächen wohl beschädigen.
Ja klar, die heben das Fundament aus dem Rasen. :D Ey bist Du wirklich
so dumm wie das aussieht oder tust Du nur so um mich zu trollen? Ich
fühle mich geehrt.
>> Axiallüfter sind also eher ungeeignet.> Das ist aber die normalerweise übliche Bauweise.
Auch Du hattest noch nie einen Staubsauger offen bzw. bist nicht weit
genug in die Turbine vorgedrungen. Das ist ein Radialverdichter mit
billigen Laufrädern, oft sogar mit zwei Stufen um das nötige
Druckverhältnis zu erreichen.
Axialverdichter sind so klein schwierig zu bauen, das ist was für
größere Anwendungen wie die Verdichter für Flugzeug-Turbinentriebwerke.
Dort haben sie am Beispiel des GE-90 13 Stufen und ein Druckverhältnis
von 1:42.
Walter T. schrieb:> Wer schon einmal einen Staubsauger geöffnet hat, weiss, dass darin> üblicherweise ein Radiallüfter verbaut ist.
Ein Radiallüfter sieht so aus:
https://shop.gev.at/ClientArea/PartsImages/601237.jpg
Sowas ließe sich wohl nur schwer in einem normalen Staubsauger
unterbringen. Ein Axiallüfter dagegen ist ein Lüfter, bei dem
die Lüfterachse und sowohl der Eingangs- als auch der Ausgangs-
luftstrom in die gleiche Richtung wie die Motorachse gehen.
Harald W. schrieb:> Ein Axiallüfter dagegen ist ein Lüfter, bei dem> die Lüfterachse und sowohl der Eingangs- als auch der Ausgangs-> luftstrom in die gleiche Richtung wie die Motorachse gehen.
Dieser Satz stimmt.
Und jetzt wirf mal die Google Bildsuche an, suche nach
"Staubsaugermotor", und schau Dir mal in Ruhe an, wie ist fast jedem der
Bilder, auf denen man die Geometrie erkennen kann, ein ein- oder
mehrflutiges Sprialgehäuse zu sehen ist.
Staubsaugerventilatoren sind noch nicht einmal im Übergangsbereich
radial/diagonal. Die sind so heftig radial, mit Schnelllaufzahlen unter
1, dass das unstrittig ist. Zumindest unter Leuten, die sich mit
Ventilatoren und Turbinen auskennen.
Axialkompressoren haben Rotorblätter, die wie Tragflächen eines
Flugzeuges geformt sind. Daher brauchen sie Leitschaufeln für den
korrekten Anströmwinkel. Bei Triebwerken mit höherer Leistung sind die
Leitschaufeln der unteren Stufen verstellbar, ihr Winkel wird an die
Drehzahl und den Luftdurchsatz des Verdichters angepasst. Man kann sich
das so vorstellen, daß die Luft von den drehenden Schaufeln beschleunigt
wird und sich in den Leitschaufeln wieder verlangsamt, wodurch der
Druckaufbau entsteht. Die Luft nimmt also zuerst kinetische Energie auf,
die in Druck umgewandelt wird. Sieht sehr einfach aus, aber die Dinger
sind hoch komplexe Maschinen und recht empfindlich auf Strömungsabrisse
(compressor stall bei Triebwerken) wenn irgendwas ihren Betrieb stört.
Das Kompetenzgerangel ist schon lustig mit anzuschauen ;-)
Traditionell werden Staubsauger mit Radiallüftern ausgestattet. Früher
oft auch mehrstufig. Ob Leitschaufeln oder nicht ist natürlich kein
unmittelbares Kriterium für eine Strömungsmaschine. Zudem hat man
Radiallüfter früher ausschließlich mit Spiralgehäusen [1] ausgestattet
(PROTOS von Siemens und Schuckert). Um Geräte kompakter zu bauen, wurde
dann auf Leitschaufeln, zur Umwandung von dynamischen in statischen
Druck, übergegangen. Da die Strömungswiderstände mit zunehmenden
Filtermaßnahmen auch größer wurden, kamen mehrstufige Radialgebläse auf
den Markt. Mit Dyson etablierten sich sehr hochdrehende Diagonalgebläse,
ähnlich der Turbolader. Axialgebläse (z.B. wie PC Lüfter) sind für
Staubsauger, bis auf Ausnahmen, ungeeignet. Der TO sprach eingangs von
„Saugkraft“. Was ist damit gemeint? Sicherlich das Vermögen, um Staub
aufzunehmen und zu transportieren. Dazu benötigt es Saugleistung, also
das Produkt aus Volumenstrom UND Druckdifferenz! Beide Größen müssen in
einem Staubsauger optimal aufeinander angestimmt werden, da sich der
tatsächliche Arbeitspunkt aus dem Schnittpunkt der Gebläsekennlinie mit
der Kennlinie der Strömungswiderstände ergibt. Wer damit experimentieren
möchte, dem sei z.B. LT-Spice dazu empfohlen. Auf Wunsch stelle ich
entsprechenden Modelle zur Verfügung.
[1] https://www.pinterest.de/pin/547398529699103585/
Die Links von Winne sind sehr interessant.
Das englische Wiki ist manchmal viel ergiebiger als das deutsche, man
muß wohl beide anschauen, wenn man sich informieren will...
Billige Serienartikel wie PC-Lüfter fallen ja in größerer Zahl an. Für
Experimente damit ist der Wiki-Artikel "Ventilatorkennlinie"
empfehlenswert.
Damit kann man abschätzen, was eine Parallel- oder Serienschaltung
bringt.
Bei einer Serienschaltung zur Druckerhöhung kann man das Gehäuse eines
defekten Lüfters als Kuppelstück verwenden. Die Verbindung mit
Gewindestangen macht das einfach. Mehr als 2 in Serie habe ich noch
nicht probiert.
Gruß - Werner
Also aus der Praxis kann ich vermelden daß Industriestaubsauger zwischen
0,2 und 0,3 bar unterdruck "machen", Haushaltssauger eher in der 0.15bar
Gegend.
Und ALLE staubsauger die ich beis jetzt zerlegt habe hatten ein 1 oder 2
stufiges Radialgebläse. Nix "Propeller".
Ohne jetzt dem OP was unterstellen zu wollen würde ich sagen daß das
seine Gründe hat und nicht gemacht würde wenns mit einem deutlich
simpler herzustellenden Propeller gehen würde.
Nur so als Denkanstoß.
Joe G. schrieb:> Das Kompetenzgerangel ist schon lustig mit anzuschauen ..
ich habe maich auch gerade ein wenig amüsiert enttäuscht den Kopf
geschüttelt.
> ,,,, Der TO sprach eingangs von> „Saugkraft“. Was ist damit gemeint?
So etwas wie Spannkraft fürs Haaar nur umgekehrt. Also je länger das
sssst je später das bums oder so.
/scnr
Michael B. schrieb:> Und ALLE staubsauger die ich beis jetzt zerlegt habe hatten ein 1 oder 2> stufiges Radialgebläse.
Das wiederum wundert mich. Ich habe schon Staubsauger mit mehrflutigem
Gebläse, aber noch keine mit mehrstufigem Gebläse gesehen. Aber ich
hatte auch noch keinen Dyson offen.
Michael B. schrieb:> [...] wenns mit einem deutlich> simpler herzustellenden Propeller gehen würde.
Das sehe ich gegenteilig. Dieser winzige Radiallüfter mit billigen
nicht-konturierten Blechschaufeln kann 1kW Wellenleistung bei
akzeptablem Wirkungsgrad umwandeln. Faierweise müssen wir den
Durchmesser des Diffusorgehäuses bei der Größe noch dazurechnen. Aber
ein Axialventilator für Luft in der Leistungsklasse (hier eben mehr
Volumenstrom bei niedrigerem Druck) bei gleichem Durchmesser ist alles
andere als trivial. Um genau zu sein: Ich kenne keine einzige technische
Realisierung.
Walter T. schrieb:> Das wiederum wundert mich. Ich habe schon Staubsauger mit mehrflutigem> Gebläse, aber noch keine mit mehrstufigem Gebläse gesehen.
Hier zwei meiner zweistufigen Gebläse. Bei einer Variante habe ich mal
die Kappe abgenommen. man sieht sehr gut die erste Stufe mit dem
Leitsystem zur Umlenkung in die Zweite Stufe. Die Druckmessstutzen im
zweiten Bild habe ich nur für Versuchszwecke implementiert.
Joe G. schrieb:> Hier zwei meiner zweistufigen Gebläse.
Danke fürs Zeigen!
Bei so einem Konstrukt kommt man wohl mit den klassischen
Entwurfsmethoden nicht mehr weit. Ohne 3d-Strömungssimulation ist man da
wahrscheinlich aufgeschmissen.
Joe G. schrieb:> Eigentlich nicht, die Theorie ist schon mehr als 70 Jahre alt und> wunderbar dokumentiert.
In dem Buch kommen nur klassische Diffusorgehäuse mit stetig zunehmendem
Querschnitt vor.
Harald W. schrieb:> Ein Staubsauger braucht nur einen geringen Druckunterschied von> Bruchteilen von Bar. Schon zum Aufblasen eines Luftballons benötigt> man mehr Druck. Höhere Druckuntersachiede bei Staubsaugern würden> die abgesaugten Flächen wohl beschädigen.
Nö.
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Staubsauger mit der Angabe
der Saugleistung in "mm Wassersäule" beworben und das waren regelmäßig
recht viele Bruchteile eines Bar.
Und auch damals hat niemand versehentlich die Nägel aus dem Parkett
gesaugt.
Mit so einem Brushless-Impeller für Modellflugzeuge habe ich mal einen
Laubbläser gebaut. Wirklich beeindruckend wie da die Luft bewegt wird.
Selbst in einigen Metern Entfernung flogen da noch die Blätter
(logisch,wenn so ein Teil fast 1kg Schub erzeugen soll). Allerdings
sind die Teile irre laut. Ob das für einen Staubsauger taugt weiß ich
allerdings nicht. Könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es gehen
könnte.
https://www.ebay.de/sch/i.html?_osacat=0&_odkw=brushless+jet+&_from=R40&_trksid=m570.l1313&_nkw=brushless+impeller&_sacat=0
Als Ansteuerung empfielt sich dann ein Brushlessregler für Modellbau +
ein Servotester. Dann kannst du am Servotester-Poti gleich die Leistung
einstellen. So hab ich das mit dem Laubbläser realisiert.
Percy N. schrieb:> Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Staubsauger mit der Angabe> der Saugleistung in "mm Wassersäule" beworben und das waren regelmäßig> recht viele Bruchteile eines Bar.
Du weisst aber schon, das 1mm Wassersäule = 10 E-4 Bar, also ein
zehntausendtsel eines Bar ist?
Joe G. schrieb:> In meiner Ausführung nicht ;-)
Tatsache. Und das Buch gibt es sogar in der örtlichen Uni-Bibliothek.
Ich denke, das ist dann mal einen Blick wert.
Nachtrag: Wobei: Das sind normale außenliegende Diffusorgehäuse mit
Luftstrom von innen nach außen und nicht wie beim Beispiel-Motor von
außen nach innen.
Schau dir nochmal das Bild Radial_5 an. Dort strömt die Luft axial ein,
wird um 90 Grad umgelenkt, durchläuft das Laufrad und strömt in das
äußere Leitsystem. Dieses ist "gefaltet" und leitet die Luft um 180 in
die nächste Stufe.
Oliver S. schrieb:> Leistungsstarke Akkusauger mit Brushlessmotoren oder auch Staubsauger an> sich gibt es ja nun nicht erst seit gestern.
Naja, ich habe mal nach etwas in der Art gesucht.
Was der Markt da so hergibt war ( gemessen an dem was ich gerne gekauft
hätte ) eher sehr ernüchternd.
Mit der Technik aus dem Modellbau lässt sich da erheblich mehr machen.
Es gibt Modellflugzeuge mit Impellerantrieb im kW Bereich.
Ein Akkusauger der mit einer Akkuladung "nur" 15 Minuten läuft, dafür
aber soviel Saugleistung entwickelt wie ein 230V Sauger... das stelle
ich mir vor.
Das Kernproblem ist nicht die Machbarkeit, sondern die Tatsache, dass
man auf dem Markt für Jedermann keine Hochleistungsakkus ( LiPo ) mit
den nötigen Amperestunden verbauen kann.
Es gibt ja gewisse Sicherheitsvorgaben...
Ausserdem wäre ein Sanftanlauf Pflicht, sonst würde der Drehmoment den
Sauger sofort aus Oma Meiers Hand reissen.
Aber ja, ich wäre ein Kunde für so ein kompromissloses Gerät.
P.S.: Ich spreche hier von einem kleinen Handsauger ohne Schlauch.