Hallo,
habe eine Verständnisfrage zur Hallplatte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hallplatte_(Akustik)
Wie wird bei der Hallplatte das zu verhallende Signal (also das trockene
Singen) aufgespielt?
Wenn man einen einfachen Elktromagneten benutzen würde, wären die beiden
Halbwellen ja gleichgerichtet (das klingt bestimmt nicht gut).
Wer kennt sich mit der Thematik näher aus und weiß, wie man es in der
Praxis macht?
> einfachen Elktromagneten
Auch dem kann Mann mit ein wenig Gleichstrom einen anderen
Arbeitspunkt mitgeben.
Viel interessanter waere, wenn Mann einer Hallplatte an
einer Kante eine Longitudinalwelle einspeisen wollte.
Klingt dann vermutlich ziemlich "blechern" :-).
Bei Hallfedern tut es ein abgewandeltes "Drehspulmesswerk".
Ausserdem verwendet Mann im allgemeinen mehr als eine Feder,
um den Eigenresonanzen einer Feder aus dem Weg zu gehen.
(º°)·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.· schrieb im Beitrag
#5117012:
>> einfachen Elktromagneten>> Auch dem kann Mann mit ein wenig Gleichstrom einen anderen> Arbeitspunkt mitgeben.
Der Vormagnetisierungsstrom müsste deutlich größer als "ein wenig" sein.
Die Vormagnetisierung müsste mindestens so groß, wie die größte
auftretende Amplitude des Wechxelstroms sein, damit kein
Vorzeichenwechsel auftritt.
Das ist leicht einzusehen.
Dennoch handelte man sich damit große Verzerrungen ein, weil die von
einem Elektromagneten auf ein Eisenstück ausgeübte Kraft proportional
zum Quadrat des Strome ist!
Davon wird z.B. beim Weicheisenamperemeter Gebrauch gemacht.
Man muß also ein möglichst starkes Vormagnetisierungsfeld benutzen, denn
das verringert zum Einen die Verzerrungen, weil nur ein kleiner Teil der
Kennlinie durchlaufen wird, und zum Anderen wird dadurch die
Empfindlichkeit des Wandlers viel besser, weil die Kraft vs. Stromstärke
Kennlinie immer steiler wird, je stärker das statische Magnetfeld wird.
Zum Glück kann man bereits mit relativ kleinen Dauermagneten
Magnetfeldstärken erzeugen, die andernfalls die Erregerspule zum Rauchen
brächten.
Nicht immer ist also die naheliegenste Lösung auf die Beste.
Meines Wissens hat man derartige Schallwandler, bei denen ein Eisenanker
vom Spulenfeld angetrieben wird, zuletzt in den 1950er Jahren bei
Telefonhörkapseln angewandet.
Davor wurden sie in großen Stückzahlen für den Lautsprecher der so
genannten "Göbbelsschnauze" verwendet.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/VE301innen.jpg Bei
diesem Bild blickt man leider senkrecht auf den großen Hufeisenmagneten.
Eine Schrägaufnahme wäre instruktiver gewesen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetischer_Lautsprecher
Da ich "ein wenig" nicht quantifiziert habe, reicht offensichtlich
jeder Wert, der einen hinreichend linearen Betrieb erlaubt.
Soweit das leicht einsehbare.
Etwaige hoeherpolynomiale Anteile sollten sich aber auch
leicht kompensieren lassen.
"Leicht" meint fuer die Studiotechnik hinreichend.
Hallplatten sind da auch mittlerweile nicht mehr State of the Art
um ein wenig Hall zu erzeugen.
Die Treiber von Hallfedern sind uebrigens eher zart besaitet und
moegen heftige Stroeme eher nicht.
So ein "Goebbels"-Dingsie hatte ich mal bei einer meiner Tanten
aus dem Keller gefischt. Mit 2x RV12P2000 war immerhin
der lokale Ortssender in recht bescheidener Tonqualitaet
zu empfangen. Zumindest hat das Teil nach Jahrzehnten
noch klaglos funktioniert.
(º°)·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.·´¯`·.¸¸.· schrieb im Beitrag
#5117089:
> So ein "Goebbels"-Dingsie hatte ich mal bei einer meiner Tanten> aus dem Keller gefischt. Mit 2x RV12P2000
Das war dann schon ein Nachkriegsgerät, evtl. ein Umbau.
Die RV12P2000 war nämlich eine militärische Röhre, eine Art "eierlegende
Wollmilchsau", die in riesigen Stückzahlen fabriziert worden war und
sowohl vor und im als auch nach dem Krieg für alle möglichen und
unmöglichen Zwecke, sogar als Gleichrichterröhre, verwendet wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/RV12P2000
Vielen Dank für die vielen Antworten!
Hp M. schrieb:> Man muß also ein möglichst starkes Vormagnetisierungsfeld benutzen, denn> das verringert zum Einen die Verzerrungen, weil nur ein kleiner Teil der> Kennlinie durchlaufen wird, und zum Anderen wird dadurch die> Empfindlichkeit des Wandlers viel besser, weil die Kraft vs. Stromstärke> Kennlinie immer steiler wird, je stärker das statische Magnetfeld wird.> Zum Glück kann man bereits mit relativ kleinen Dauermagneten> Magnetfeldstärken erzeugen, die andernfalls die Erregerspule zum Rauchen> brächten.
Wie kann man so etwas für Hobbyversuchszwecke möglichst gut umsetzen?
Geht es so wie auf der Skizze im Anhang?
(Magnete z.B. an Kante aufgeklebt oder mittig am Rand)
DoC schrieb:> Geht es so wie auf der Skizze im Anhang?
Dadurch wird der Anker zu schwer.
Wenn du lediglich die Blechplatte in Schwingungen versetzen willst,
würde ich ein Piezoelement aufkleben oder das Antriebssystem eines
kleinen Lautsprechers oder Ohrhörers verwenden.
DoC schrieb:> Wer kennt sich mit der Thematik näher aus und weiß, wie man es in der> Praxis macht?
Macht man heute elektronisch, indem man das Signal in eine
Verzögerungsleitung einspeist und diese an verschiedenen Stellen anzapft
und rückkoppelt.
In den 1980er Jahren wurden für diese Verzögerungsleitung analoge
Eimerketten-Speicher verwendet, heute sind die Preise der
Digitalelektronik so weit im Keller, dass man das Signal digitalisieren
kann und als Verzögerungsleitung RAM verwendet.
Jeder halbwegs aktuelle PC hat dafür mehr als genug Speicher und
Rechenleistung an Bord.
Wenn du basteln möchtes, kannst du dir auch für kleines Geld in China
einige der ehedem dafür entwickelten ICs bestellen.
Z.B. den PT2399 oder den MN3007.
Von einem Hall in Studioqualitaet, das ist das Haupteinsatzgebiet
des Plattenhalls gewesen, ist Mann mit solchen Kaeferchen weit
entfernt.
Eine Zeitlang habe ich die angehaengte Assemblerroutine auf
zwei Motorola EVM560002 laufen lassen. Stereo braucht halt
zwei Kanaele und der verfuegbare Speicher eines EVMs war
doch arg klein.
Die Struktur des Reverbs (aus der Assemblerquelle von Motorola):
; one multi-tap fir structure - to handle early reflections
72
;
73
; followed by 4 parallel comb (iir) filters (each comb having
74
; a first order LPF in its feedback loop
75
;
76
; followed by an 'allpass' reverberator whose output is then
77
; delayed so that its first output follows after the last "early
78
; reflection" output
Wenn du hoeren willst, was heute so geht, besorg dir den
VST-Host und eine Demo vom VST-Plugin Fusionfield.
Da mag Mann dann mit Hallplatten nicht mehr rummurxen.
Selbst Hallraeume mit selbst verteilbaren Mikrofonen
finden sich da.
Die Vertreter der "reinen" Lehre werden vllt einen Faltungshall
bevorzugen. Der ist aber bei weitem nicht so einfach einstellbar.
Auch dafuer sollte Mann Demos finden.
DoC schrieb:> Wenn man einen einfachen Elktromagneten benutzen würde, wären die beiden> Halbwellen ja gleichgerichtet (das klingt bestimmt nicht gut).
Nicht wenn an der Hallplatte als "Gegenstück" ein Permanentmagnet klebt.