Billig Ladenetzteil - ist das zulässig?

OP #4277050
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Hi,

meine Holde hat sich so ein Netzteil gekauft:

http://www.amazon.de/dp/B00YUO9XR8

Diese Netzteil wird auch von anderen Anbietern angeboten, teilweise sind 
die Bewertungen noch viel schlechter, diese Netzteile rauchen offenbar 
(wortwörtlich!) nach kurzer Zeit ab, und reissen auch gerne die 
Sicherung des Stromkreises mit.

Ich habe ihr daraufhin klar gemacht, dass sie doch bitte auf den Einsatz 
des Netzteils in unserer Wohnung verzichten möge :-)

Da es ihr hauptsächlich um das komische Apple-Gedöhns-Kabel ging, habe 
ich das Netzteil kurzerhand aufgesägt um mir mal den Pfusch anzuschauen:

Hauptbestandteil ist ein Halbleiter ATC9501, für "Ultra Low Cost" 
Ladegeräte. Die Applikationsschaltung (die nahezu mit der im Ladegerät 
übereinstimmt) findet sich schnell über die Google-Bildersuche.

Als "Sicherung" am Eingang vor dem Brückengleichrichter wird einfach nur 
ein Widerstand verwendet, ich meine in meiner Ausführung ist das auch 
kein 1/2W Widerstand sondern ein ganz normaler 1/4W.

Ist sowas überhaupt zulässig, einen Widerstand als Sicherung zu 
verwenden? Das es nicht besonders gut funktioniert zeigen ja die 
Erfahrungsberichte...

Viele Grüße
Markus
Gast #4277090
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Wo ist das Problem?
Hinter dem gezeigten Link sehe ich überwiegend positive Berichte.
Ein R als Sicherung wird in vielen Geräten gemacht. Als "Hauptsicherung" 
allerdings weniger. Ist es überhaupt ein R? Microfuses (also klassische 
Sicherung) sehen ganz genauso aus.

Old-Papa
#4277336
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Markus M. schrieb:
> Als "Sicherung" am Eingang vor dem Brückengleichrichter wird einfach nur
> ein Widerstand verwendet, ich meine in meiner Ausführung ist das auch
> kein 1/2W Widerstand sondern ein ganz normaler 1/4W.

Interessant wäre die genaue Dimensionierung jedes Bauteiles. Ich hatte 
mal den Fall einer auftragsgebundenen Fertigung von über tausend 
Spezialnetzteilen, bei denen der Einkauf (oder die Entwicklung) des 
Herstellers einen unterdimensionierten Brückengleichrichter verbaut 
hatten. Über die Hälfte der Netzteile kam mit Kurzschluss im 
Gleichrichter zurück, da die Teile leider mit einer (extrem harten) 
Masse vergoßen waren somit Schrott und der Schaden erheblich.
#4277614
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9€99 nennst du billig? Mir hatte mal wer ganz stolz ein USB-Netzteil für 
weniger als €1 von aliexpress präsentiert. Dass das die 500mA, die drauf 
stehen nicht liefern kann, war ja zu erwarten. Auf der Platine waren 
primär- und Sekundärseite nicht ohne weiteres klar zu identifizieren. 
Der Isolationsabstand war bestenfalls 2mm auf einer Platine aus 
Hartpapier...
#4277749
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Ich trau diesen Netzteilen im Allgemeinen eher nicht. Originalausrüstung 
vom Hersteller ist in Ordnung, beim Rest würd ich mich nicht trauen das 
unbeaufsichtigt (über Nacht) laufen zu lassen.

Handy: Kommt entweder an den Laptop oder an ein anderes Gerät mit USB 
zum Laden dran.
Raspberry Pi: Hat ein richtiges Netzteil bekommen, das auch für den 
Dauerbetrieb ausgelegt ist.

Mit beiden Punkten hab ich bisher sehr gute Erfahrung gemacht!


@adrock: Könntest du bitte ein Bild deines Netzteils posten? Wie siehts 
denn mit den Isolationsabständen aus?
#4277770
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Der Kondensator zwischen Primär- und Sekundärseite ist ein 
zweischneidiges Schwert. Wenn er so groß bemessen ist daß das Gerät 
gerade eben so noch an der Grenze des maximal erlaubten Berührstroms von 
0.5mA für Schutzklasse II entlangschrammt (also 5% von lebensgefährlich, 
1% von tödlich) dann bizzzelt es schon deutlich wenn man das Gerät 
(Metallteil am Handy) leicht mit der Fingerspitze berührt.

Das ist offensichtlich damit gemeint wenn die Leute in den 
Produktbewertungen sinngemäß schreiben: "Das Handy steht unter Strom!" 
Manch ein Laie der nicht aus dem Stegreif ausrechnen kann dass dieser 
Strom begrenzt ist und ihn wahrscheinlich nicht töten wird könnte 
angesichts solcher Erlebnisse dennoch das Vertrauen in so ein Produkt 
verlieren.

Denkt also mal alle drüber nach wenn Ihr das nächste Mal ein Netzteil 
für ein Schutzklasse II Gerät entwickelt, es muss auch anders zu 
schaffen sein die EMV einzuhalten, nicht so brachial.
Gast #4277838
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Interessant, das Ding hat keine Regelung der Sekundärseite. Da ist nur 
eine Diode und ein Siebelko, die beiden Widerstände sagen dem Iphone 
oder Ipad, daß es hier bis zu 2A ziehen darf.

Und jetzt seht euch die sekundärseitige Diode in Einweggleichrichtung 
an, sagt laut "zwei Ampere" und "Alles klar".
#4277896
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Für mich siehts recht gut aus, no problemo.
Das würde ich auch benutzen, zwar nur als back-up, aber ich hätte wenig 
Angst dabei.

Der fehlende Optokoppler zur Spannungsregelung ist mir schon oft bei 
Netzteilen mit unter 500mA aufgefallen.

Ansonsten ist die Kriechstrecke wohl bis 1,5KV brauchbar. Die Isolation 
vom Trafo wäre interessant.

Aber mein super teures Nokia 3210 würde ich da nicht unbedingt 
dranhängen wollen.

Ansonsten scheint das ganze relativ hochwertig zu sein. Relativ. Ich 
habe Sachen gesehen, von denen bekomme ich immer noch Albträume.

Ein Todesopfer gibt es ja mindestens, was auf solch ein Netzteil zurück 
zu führen ist.
Die Brandwunden der Leiche zeigten auch eindrucksvoll, wie niederohmig 
der menschliche Körper bei dauerhaftem Stromfluss wird.

Edit: Für hochwertige Geräte würde ich so ein Netzteil trotzdem nicht 
nutzen. Höchstens um die Powerbank zu laden.
#4278629
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Laut Artikelbeschreibung zu diesem Lader: "In diesem Set erhalten Sie 
ein Ultra Slim USB Netzteil mit *1.0 A* Ausgangsspannung."

Die neuesten iPhone laden mit über 2A, vielleicht ist das der Grund für 
den Ausfall. Die Leistungsfähigkeit der Generationen an Apple-Ladern 
wird über verschiedene Widerstandsnetzwerke kodiert, siehe hier:
https://learn.adafruit.com/minty-boost/icharging
Allerdings ist auf der Seite nur bis 1A die Rede, so wie ich es beim 
Überfliegen sehen konnte.

Möglicherweise sind die Widerstände hier in dem Lader einfach falsch 
konfiguriert, und wenn ein Verbraucher tatsächlich 2A zieht knallt es 
eben. Für 1A sieht das Teil auseichend aus.
Gast #4278803
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Markus M. schrieb:
> Die Diode ist tatsächlich eine SS34.

Es gibt anscheinend regulär keine SS34 in diesem kleinen Gehäuse.

Markus M. schrieb:
> Der blaue Y-Kondensator ist mit 102 1KV

Das ist normal und so in Ordnung.

Ich würde keine hochwertige Hardware an ein Netzteil hängen, welches 
keine Ausgangsspannungregelung hat. Mich würde ja mal die Lastkurve des 
Teils interessieren.
#4278840
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Timm T. schrieb:
> Ich würde keine hochwertige Hardware an ein Netzteil hängen, welches
> keine Ausgangsspannungregelung hat.

Die Regelung erfolgt primärseitig, siehe DS des ATC9501. Das ist zwar 
nicht so gut wie sekundärseitig, aber es ist nicht so dass keine 
Regelung vorhanden ist.

@Markus: Der MB10S kann 0,5A/1000V, sollte ausreichend sein. Welche 
Spannungsfestigkeit hat der Primärelko?
Angehängte Dateien:
Gast #4278896
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Tcf K. schrieb:
> Die Regelung erfolgt primärseitig, siehe DS des ATC9501.

Das Prinzip ist mir bekannt. Deswegen interessiert mich ja, wie sich die 
indirekt geregelte Ausgangsspannung unter Last verhält.

Wenn Du das DS mit der Platine vergleichst: Da wurde Einiges eingespart, 
die Ausgangssiebung, die Eingangsfilter... Das hat keinen Einfluß auf 
die Stabilität, aber dürfte das Teil zu einer ziemlichen Dreckschleuder 
machen.

Nach wie vor bin ich der Meinung, daß die Ausgangsdiode max. für 1A 
geeignet ist. Und selbst da hat es das Gehäuse schon schwer, die 0.5W 
loszuwerden.
#4278904
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Timm T. schrieb:
> Nach wie vor bin ich der Meinung, daß die Ausgangsdiode max. für 1A
> geeignet ist.

Tcf K. schrieb:
> Laut Artikelbeschreibung zu diesem Lader: "In diesem Set erhalten Sie
> ein Ultra Slim USB Netzteil mit *1.0 A* Ausgangsspannung."

Nichts anderes behauptet ja auch der Hersteller. Und wenn das Ding 1000 
Stunden durchhält wird es eh in die Tonne gekloppt.
#4279128
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Markus M. schrieb:
> Ist sowas überhaupt zulässig, einen Widerstand als Sicherung zu
> verwenden?

Es gibt fusible resistor Sicherungswiderstände, mit denen ist das 
zulässig.
http://www.dse-faq.elektronik-kompendium.de/dse-faq.htm#F.13.2

> Hauptbestandteil ist ein Halbleiter ATC9501, für "Ultra Low Cost"
> Ladegeräte. Die Applikationsschaltung (die nahezu mit der im Ladegerät
> übereinstimmt) findet sich schnell über die Google-Bildersuche.

Die Schaltung ist durchaus aufwändig und besser als Stand der Technik, 
allerdings vermisse ich den VDR am Eingang.

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