Forum: Offtopic Billig Ladenetzteil - ist das zulässig?


von Markus M. (adrock)


Lesenswert?

Hi,

meine Holde hat sich so ein Netzteil gekauft:

http://www.amazon.de/dp/B00YUO9XR8

Diese Netzteil wird auch von anderen Anbietern angeboten, teilweise sind 
die Bewertungen noch viel schlechter, diese Netzteile rauchen offenbar 
(wortwörtlich!) nach kurzer Zeit ab, und reissen auch gerne die 
Sicherung des Stromkreises mit.

Ich habe ihr daraufhin klar gemacht, dass sie doch bitte auf den Einsatz 
des Netzteils in unserer Wohnung verzichten möge :-)

Da es ihr hauptsächlich um das komische Apple-Gedöhns-Kabel ging, habe 
ich das Netzteil kurzerhand aufgesägt um mir mal den Pfusch anzuschauen:

Hauptbestandteil ist ein Halbleiter ATC9501, für "Ultra Low Cost" 
Ladegeräte. Die Applikationsschaltung (die nahezu mit der im Ladegerät 
übereinstimmt) findet sich schnell über die Google-Bildersuche.

Als "Sicherung" am Eingang vor dem Brückengleichrichter wird einfach nur 
ein Widerstand verwendet, ich meine in meiner Ausführung ist das auch 
kein 1/2W Widerstand sondern ein ganz normaler 1/4W.

Ist sowas überhaupt zulässig, einen Widerstand als Sicherung zu 
verwenden? Das es nicht besonders gut funktioniert zeigen ja die 
Erfahrungsberichte...

Viele Grüße
Markus

von Old P. (Gast)


Lesenswert?

Wo ist das Problem?
Hinter dem gezeigten Link sehe ich überwiegend positive Berichte.
Ein R als Sicherung wird in vielen Geräten gemacht. Als "Hauptsicherung" 
allerdings weniger. Ist es überhaupt ein R? Microfuses (also klassische 
Sicherung) sehen ganz genauso aus.

Old-Papa

von Tcf K. (tcfkao)


Lesenswert?

Markus M. schrieb:
> Ist sowas überhaupt zulässig, einen Widerstand als Sicherung zu
> verwenden?

Wenn das ein nicht-entflammbarer Sicherheitswiderstand ist: Ja! Damit 
sind Millionen von CRT-Fernsehern ausgestattet worden, in allen 
möglichen Stufen in denen Leistung verbraten wurde und es zum 
Kurzschluss kommen kann.

von Markus M. (adrock)


Lesenswert?

Ich hatte gestern in einem der Angebote eines solchen Netzteiles richtig 
viele negative Bewertungen, inklusive Fotos vom verkohlten Netzteil und 
Steckdosen, gesehen. Die Dinger scheinen bei vielen Leuten nach kurzer 
Zeit in Rauch aufzugehen. Leider finde ich jetzt exakt den Artikel mit 
diesen Bewertungen nicht mehr.

EDIT: Hier ist es http://www.amazon.de/dp/B00N2U9PDS

von Paul B. (paul_baumann)


Lesenswert?

Markus M. schrieb:
> Leider finde ich jetzt exakt den Artikel mit
> diesen Bewertungen nicht mehr.

Abgebrannt...

von Markus M. (adrock)


Lesenswert?

Klar sind die Bewertungen etwas übertrieben "Explodiert" :)

Der "Elektrische Schlag" dürfte von dem Y-Kondensator kommen der dort 
eingebaut ist.

von Jürgen D. (poster)


Lesenswert?

Ich hatte auch mal so ein billig Teil von eBay.
Sah von Außen genau so aus wie das Original vom iPhone 4S.
Nach etwa einem Jahr hat es sich auch mit einer Stichflamme, Rauch und 
einem ausgelösten Sicherungsautomat verabschiedet.
Geöffnet habe ich es aber nie.

von Markus M. (adrock)


Lesenswert?

Ja genau, das ist wohl der normale Tod dieser Dinger.

von Mike B. (mike_b97) Benutzerseite


Lesenswert?

wenn man die 1-Stern-Bewertungen liest geht es oft um ein schlechtes 
Kabel.
das schmort oft durch, hat oft Wackler, passt gar nicht zu Apple, usw.

von Tcf K. (tcfkao)


Lesenswert?

Mike B. schrieb:
> wenn man die 1-Stern-Bewertungen liest geht es oft um ein schlechtes
> Kabel.

Wobei dem Sachstand der Nutzer geschuldet ist dass sie die gesamte 
Einheit mitsamt Elektronik als "Kabel" bezeichnen...

von Tcf K. (tcfkao)


Lesenswert?

Markus M. schrieb:
> Als "Sicherung" am Eingang vor dem Brückengleichrichter wird einfach nur
> ein Widerstand verwendet, ich meine in meiner Ausführung ist das auch
> kein 1/2W Widerstand sondern ein ganz normaler 1/4W.

Interessant wäre die genaue Dimensionierung jedes Bauteiles. Ich hatte 
mal den Fall einer auftragsgebundenen Fertigung von über tausend 
Spezialnetzteilen, bei denen der Einkauf (oder die Entwicklung) des 
Herstellers einen unterdimensionierten Brückengleichrichter verbaut 
hatten. Über die Hälfte der Netzteile kam mit Kurzschluss im 
Gleichrichter zurück, da die Teile leider mit einer (extrem harten) 
Masse vergoßen waren somit Schrott und der Schaden erheblich.

von Lukas K. (carrotindustries)


Lesenswert?

9€99 nennst du billig? Mir hatte mal wer ganz stolz ein USB-Netzteil für 
weniger als €1 von aliexpress präsentiert. Dass das die 500mA, die drauf 
stehen nicht liefern kann, war ja zu erwarten. Auf der Platine waren 
primär- und Sekundärseite nicht ohne weiteres klar zu identifizieren. 
Der Isolationsabstand war bestenfalls 2mm auf einer Platine aus 
Hartpapier...

von Johannes O. (jojo_2)


Lesenswert?

Ich trau diesen Netzteilen im Allgemeinen eher nicht. Originalausrüstung 
vom Hersteller ist in Ordnung, beim Rest würd ich mich nicht trauen das 
unbeaufsichtigt (über Nacht) laufen zu lassen.

Handy: Kommt entweder an den Laptop oder an ein anderes Gerät mit USB 
zum Laden dran.
Raspberry Pi: Hat ein richtiges Netzteil bekommen, das auch für den 
Dauerbetrieb ausgelegt ist.

Mit beiden Punkten hab ich bisher sehr gute Erfahrung gemacht!


@adrock: Könntest du bitte ein Bild deines Netzteils posten? Wie siehts 
denn mit den Isolationsabständen aus?

von Bernd K. (prof7bit)


Lesenswert?

Der Kondensator zwischen Primär- und Sekundärseite ist ein 
zweischneidiges Schwert. Wenn er so groß bemessen ist daß das Gerät 
gerade eben so noch an der Grenze des maximal erlaubten Berührstroms von 
0.5mA für Schutzklasse II entlangschrammt (also 5% von lebensgefährlich, 
1% von tödlich) dann bizzzelt es schon deutlich wenn man das Gerät 
(Metallteil am Handy) leicht mit der Fingerspitze berührt.

Das ist offensichtlich damit gemeint wenn die Leute in den 
Produktbewertungen sinngemäß schreiben: "Das Handy steht unter Strom!" 
Manch ein Laie der nicht aus dem Stegreif ausrechnen kann dass dieser 
Strom begrenzt ist und ihn wahrscheinlich nicht töten wird könnte 
angesichts solcher Erlebnisse dennoch das Vertrauen in so ein Produkt 
verlieren.

Denkt also mal alle drüber nach wenn Ihr das nächste Mal ein Netzteil 
für ein Schutzklasse II Gerät entwickelt, es muss auch anders zu 
schaffen sein die EMV einzuhalten, nicht so brachial.

von Markus M. (adrock)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Die Qualität ist wahrscheinlich für ein Chinanetzteil sogar noch OK, 
hier die Bilder.

Aber das am Eingang ("F1") sieht für mich wirklich wie normaler 1/4W 
Widerstand aus.

von Bernd K. (prof7bit)


Lesenswert?

Markus M. schrieb:
> Die Qualität ist wahrscheinlich für ein Chinanetzteil sogar noch OK,
> hier die Bilder.

Mach mal ein Bild von dem blauen Kondensator da oben zwischen primär und 
Sekundär.

von Tcf K. (tcfkao)


Lesenswert?

Das sieht eigentlich gar nicht mal so schlecht aus, ich hätte übleres 
erwartet. Aber es muss einen Grund haben warum so viele davon ausfallen, 
möglichweise eine Unterdimensionierung oder Designfehler. Welchen 
Spannungswert hat der Glättungselko primär?

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Interessant, das Ding hat keine Regelung der Sekundärseite. Da ist nur 
eine Diode und ein Siebelko, die beiden Widerstände sagen dem Iphone 
oder Ipad, daß es hier bis zu 2A ziehen darf.

Und jetzt seht euch die sekundärseitige Diode in Einweggleichrichtung 
an, sagt laut "zwei Ampere" und "Alles klar".

von IncreasingVoltage .. (increasingvoltage)


Lesenswert?

Für mich siehts recht gut aus, no problemo.
Das würde ich auch benutzen, zwar nur als back-up, aber ich hätte wenig 
Angst dabei.

Der fehlende Optokoppler zur Spannungsregelung ist mir schon oft bei 
Netzteilen mit unter 500mA aufgefallen.

Ansonsten ist die Kriechstrecke wohl bis 1,5KV brauchbar. Die Isolation 
vom Trafo wäre interessant.

Aber mein super teures Nokia 3210 würde ich da nicht unbedingt 
dranhängen wollen.

Ansonsten scheint das ganze relativ hochwertig zu sein. Relativ. Ich 
habe Sachen gesehen, von denen bekomme ich immer noch Albträume.

Ein Todesopfer gibt es ja mindestens, was auf solch ein Netzteil zurück 
zu führen ist.
Die Brandwunden der Leiche zeigten auch eindrucksvoll, wie niederohmig 
der menschliche Körper bei dauerhaftem Stromfluss wird.

Edit: Für hochwertige Geräte würde ich so ein Netzteil trotzdem nicht 
nutzen. Höchstens um die Powerbank zu laden.

von Georg A. (georga)


Lesenswert?

> Und jetzt seht euch die sekundärseitige Diode in Einweggleichrichtung
> an, sagt laut "zwei Ampere" und "Alles klar".

Ist eine SS34 laut Aufdruck, die sollte damit kein Problem haben.

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Georg A. schrieb:
> Ist eine SS34 laut Aufdruck

Das kannst Du auf dem Bild erkennen? Respekt!

Die SS34 ist lt. Fairschild im SMC-Package. Das ist nie im Leben ein 
SMC, das ist nichtmal SMB. Ich behaupte ja nicht, alles zu kennen, aber 
mir ist noch keine 3A-Schottky im SMA untergekommen.

von Tcf K. (tcfkao)


Lesenswert?

Laut Artikelbeschreibung zu diesem Lader: "In diesem Set erhalten Sie 
ein Ultra Slim USB Netzteil mit *1.0 A* Ausgangsspannung."

Die neuesten iPhone laden mit über 2A, vielleicht ist das der Grund für 
den Ausfall. Die Leistungsfähigkeit der Generationen an Apple-Ladern 
wird über verschiedene Widerstandsnetzwerke kodiert, siehe hier:
https://learn.adafruit.com/minty-boost/icharging
Allerdings ist auf der Seite nur bis 1A die Rede, so wie ich es beim 
Überfliegen sehen konnte.

Möglicherweise sind die Widerstände hier in dem Lader einfach falsch 
konfiguriert, und wenn ein Verbraucher tatsächlich 2A zieht knallt es 
eben. Für 1A sieht das Teil auseichend aus.

von IncreasingVoltage .. (increasingvoltage)


Lesenswert?

Tcf K. schrieb:
> Ultra Slim USB Netzteil mit *1.0 A* Ausgangsspannung."
>
> Die neuesten iPhone laden mit über 2A,

Die codierung der datenleitung sagt dem Fon, welcher Ladestrom zulässig 
ist.

Also kann nur die falsche Codierung schuld sein, ohne zieht das Fon nur 
0,5A.

von Markus M. (adrock)


Lesenswert?

Die Diode ist tatsächlich eine SS34. Steht zumindest drauf :-)

Der blaue Y-Kondensator ist mit

102
1KV

beschriftet. Der Gleichrichter auf Primärseite ist ein MB10S.

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Markus M. schrieb:
> Die Diode ist tatsächlich eine SS34.

Es gibt anscheinend regulär keine SS34 in diesem kleinen Gehäuse.

Markus M. schrieb:
> Der blaue Y-Kondensator ist mit 102 1KV

Das ist normal und so in Ordnung.

Ich würde keine hochwertige Hardware an ein Netzteil hängen, welches 
keine Ausgangsspannungregelung hat. Mich würde ja mal die Lastkurve des 
Teils interessieren.

von Tcf K. (tcfkao)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Timm T. schrieb:
> Ich würde keine hochwertige Hardware an ein Netzteil hängen, welches
> keine Ausgangsspannungregelung hat.

Die Regelung erfolgt primärseitig, siehe DS des ATC9501. Das ist zwar 
nicht so gut wie sekundärseitig, aber es ist nicht so dass keine 
Regelung vorhanden ist.

@Markus: Der MB10S kann 0,5A/1000V, sollte ausreichend sein. Welche 
Spannungsfestigkeit hat der Primärelko?

von Timm T. (Gast)


Lesenswert?

Tcf K. schrieb:
> Die Regelung erfolgt primärseitig, siehe DS des ATC9501.

Das Prinzip ist mir bekannt. Deswegen interessiert mich ja, wie sich die 
indirekt geregelte Ausgangsspannung unter Last verhält.

Wenn Du das DS mit der Platine vergleichst: Da wurde Einiges eingespart, 
die Ausgangssiebung, die Eingangsfilter... Das hat keinen Einfluß auf 
die Stabilität, aber dürfte das Teil zu einer ziemlichen Dreckschleuder 
machen.

Nach wie vor bin ich der Meinung, daß die Ausgangsdiode max. für 1A 
geeignet ist. Und selbst da hat es das Gehäuse schon schwer, die 0.5W 
loszuwerden.

von Tcf K. (tcfkao)


Lesenswert?

Timm T. schrieb:
> Nach wie vor bin ich der Meinung, daß die Ausgangsdiode max. für 1A
> geeignet ist.

Tcf K. schrieb:
> Laut Artikelbeschreibung zu diesem Lader: "In diesem Set erhalten Sie
> ein Ultra Slim USB Netzteil mit *1.0 A* Ausgangsspannung."

Nichts anderes behauptet ja auch der Hersteller. Und wenn das Ding 1000 
Stunden durchhält wird es eh in die Tonne gekloppt.

von Georg A. (georga)


Lesenswert?

> Die SS34 ist lt. Fairschild im SMC-Package.

Weil da ein Fairchild-Original drin sein wird ;) Von den 
Grössenverhältnissen her ist das SMB (im Vergleich mit dem SO8), und es 
gibt die SS34 auch in SMB:

www.wontop.com/uploadfiles/56/sort_excel/pdf/ss32.pdf

von Michael B. (laberkopp)


Lesenswert?

Markus M. schrieb:
> Ist sowas überhaupt zulässig, einen Widerstand als Sicherung zu
> verwenden?

Es gibt fusible resistor Sicherungswiderstände, mit denen ist das 
zulässig.
http://www.dse-faq.elektronik-kompendium.de/dse-faq.htm#F.13.2

> Hauptbestandteil ist ein Halbleiter ATC9501, für "Ultra Low Cost"
> Ladegeräte. Die Applikationsschaltung (die nahezu mit der im Ladegerät
> übereinstimmt) findet sich schnell über die Google-Bildersuche.

Die Schaltung ist durchaus aufwändig und besser als Stand der Technik, 
allerdings vermisse ich den VDR am Eingang.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.