Guten Abend!
Kurze Beschreibung:
Nicht aufregendes - zweiseitiges Layout, GND-Planes auf beiden Seiten,
im Controllerbereich Signale = 24mil, VCC = 40mil, Leitungen auf der
"Hochspannungsseite" (;-)) 50-70mil - unnötigerweise, aber angesichts
des mehr als ausreichenden Platzes. Der Vollständigkeit halber: Die
"Hochspannung" dort beträgt ca. 32V (rot) / 46V (grün/blau)- für jeweils
13 in Reihe geschalteter LEDs mit max. 25-30mA pro Strang, gesteuert von
einem TLC5940 mit dem bekannten "NPN-Booster".
Jetzt zu meiner Frage:
Bezüglich der großen Zahl von VIAs in diesem Layouts bekam ich bisher
schon alle denkbaren Kommentare zu hören - vom entsetzten "bist Du
irre?" über "hilft nix, stört aber auch nicht", "...unser
HF-Techniker...", "genagelte Masse", usw.
Also:
Ist es sinnvoll die GND-Polygone auf beiden PCB-Seite so oft wie möglich
zu verbinden, oder führen in dieser Menge gestreute VIAs zu Problemen?
Verbessern VIAs die Wäarmeableitung, wie unter dem Spannungsregler?
Stören den Platinenhersteller die viele zusätzliche Bohrungen?
Fliegen mir jetzt noch mehr Ansichen um die Ohren? ;-)
Thomas T. schrieb:> Nicht aufregendes - zweiseitiges Layout, GND-Planes auf beiden Seiten
Sieht auf den ersten Blick sehr gut aus.
> Bezüglich der großen Zahl von VIAs in diesem Layouts bekam ich bisher> schon alle denkbaren Kommentare zu hören - vom entsetzten "bist Du> irre?" über "hilft nix, stört aber auch nicht", "...unser> HF-Techniker...", "genagelte Masse", usw.
Layouten ist auch eine Kunst, demnach hat jeder da einen anderen
Geschmack ;-)
> Ist es sinnvoll die GND-Polygone auf beiden PCB-Seite so oft wie möglich> zu verbinden, oder führen in dieser Menge gestreute VIAs zu Problemen?
Also Probleme fallen mir auf Anhieb keine ein. Ob es bei diesem Layout
sinnvoll ist sei mal dahingestellt. So wie ich das sehe ist da ja nichts
HF-mäßiges unterwegs
> Verbessern VIAs die Wäarmeableitung, wie unter dem Spannungsregler?
Das auf jeden Fall!
> Stören den Platinenhersteller die viele zusätzliche Bohrungen?
Das kommt auf den Platinenhersteller an. Wenn überhaupt kostet es dann
nur mehr
> Fliegen mir jetzt noch mehr Ansichen um die Ohren? ;-)
Wahrscheinlich ;-) Ich würds einfach so lassen.
Tach!
Das Layout sieht erstmal nicht verkehrt aus.
Thomas T. schrieb:> Verbessern VIAs die Wäarmeableitung, wie unter dem Spannungsregler?
In der Tat tun sie dies, aber für Thermal Vias sind es zu wenige. :-)
Normalerweise können die LP-Hersteller 0,3mm Bohrungen, setze so viel es
geht unter den Längsregler. Andererseits zieht deine Schaltung im 5V
Zweig doch nur ein paar mA, oder? Wenn ja dann ist es eh egal.
> Stören den Platinenhersteller die viele zusätzliche Bohrungen?
Nur noch wenige, und eher unprofessionelle und sehr billige, Hersteller
haben eine Begrenzung der Bohrungen.
> Fliegen mir jetzt noch mehr Ansichen um die Ohren? ;-)
Ja! :-) Deinen Aufwand in allen Ehren, aber es ist komplett unnötig. Du
hast lediglich einen Quarz neben dem µC und sonst keinerlei HF. Der
Quarz ist direkt neben dem µC und gut ists. Eine Masse auf Top ist nicht
nötig. Selbst eine Massefläche unten ist hier zwar schön aber nicht
unbedingt nötig. Du schaltest ja nur kleine Lasten im kHz-Bereich. Würde
auch mit Fädeldraht funktionieren.
Schönen Abend noch!
Simon K. schrieb:> Ob es bei diesem Layout> sinnvoll ist sei mal dahingestellt. So wie ich das sehe ist da ja nichts> HF-mäßiges unterwegsArno Nühm schrieb:> Deinen Aufwand in allen Ehren ... ...Würde auch mit Fädeldraht> funktionieren.
Korrekt! Unruhige Gleichströme unter 20 Mhz. ;-) Ein erster, auf etwa
DIN-A5-Größe wild verdrahteter Testaufbau funktionierten problemlos -
nur nicht ganz "störungsfrei", sondern in 10 Meter Entfernung noch per
UKW-Radio nachweisbar.
Geschätzt halbiert hatten sich diese Störungen des wilden Aufbaus durch
den Einbau von 33 Ohm Widerständen in die Takt- und Signalleitungen
zwischen AVR und TLC.
Schon 'mal vielen Dank! Auch zur Aufklärung bez. Thermal Vias (wobei der
Längsregler deutlich unter 1W wegzuschwitzen haben wird)
Thomas T. schrieb:> Geschätzt halbiert hatten sich diese Störungen des wilden Aufbaus durch> den Einbau von 33 Ohm Widerständen in die Takt- und Signalleitungen> zwischen AVR und TLC.
Hallo,
das Layout sieht durchaus gut aus, hat aber noch viele Reserven. Ich
hätte meine Anstrengungen von vornherein darauf abgestellt, den Abstand
zwischen den ICs kleiner zu machen (schätzungsweise sollte 1/2, wenn
nicht 1/3 realisierbar sein), denn was nicht da ist strahlt auch nicht.
Grundsätzlich entwerfe ich daher ein Kernsystem (Prozessor, Speicher,
Peripherie-ICs...) auf der kleinstmöglichen Fläche und baue dann den
unkritischen Rest darum herum.
Wenn du aber keine Probleme damit hast, lohnt sich ein Redesign nicht.
Gruss Reinhard
Thomas T. schrieb:> Geschätzt halbiert hatten sich diese Störungen des wilden Aufbaus durch> den Einbau von 33 Ohm Widerständen in die Takt- und Signalleitungen> zwischen AVR und TLC.
Das Fachwort dazu ist "Serienterminierung".
Hier im Beitrag "Re: Signalproblem bei langem Kabel" auch noch was
dazu... ;-)
Die massive Masse stört nicht, und es sind ja nicht deine Bohrer.
Nur: dieses Layout hätte wahrscheinlich gar keine so liebevoll
behandelte Masse gebraucht. Besser wäre gewesen, ZUERST die Versorgung
(Vcc+Masse) zu layouten und entkopplen, DANN die Signale zu verlegen,
und ZUM SCHLUSS noch ein wenig zu fluten..
So hast du beim Punkt 1 nur die Hälfte gemacht (Vcc), musstest dann aber
bis zum Schluss die Masse mit herumziehen.
Arno Nühm schrieb:> Du hast lediglich einen Quarz neben dem µC
Und den, der es ja durchaus verdienen würde, lieblos auf die
"allgemeine" Masse mit draufgenagelt...
> und sonst keinerlei HF.
Naja: steile Flanken = HF.
Hallo Lothar Miller.
>> und sonst keinerlei HF.> Naja: steile Flanken = HF.
Richtig.
Auf der anderen Seite werden aber oft Flanken viel viel steiler gemacht
als es überhaupt nötig wäre. Durch verrunden mit einem RC-Glied können
dann viele Probleme beseitigt werden. An den richtigen Stelln gemacht,
produziert das Board weniger Störpegel und ist deutlich einstrahlfester.
Also auch die bewusste Verletzung der Signalintegrität kann durchaus
sinnvoll sein.
Ausserdem will "HF" technik ein Signal (meist) möglichst linear
übertragen, während die Digitaltechnik Ihre steilen Flanken möglichst
ohne jitter haben will, und Busleitungen möglichst gleiche Laufzeiten
haben sollten......es ist also schon ein Unterschied im Detail.
Darum wird in diesen Fällen ja auch gerne von "high speed" statt "HF"
gesprochen.
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de
Lothar Miller schrieb:> Arno Nühm schrieb:>> Du hast lediglich einen Quarz neben dem µC> Und den, der es ja durchaus verdienen würde, lieblos auf die> "allgemeine" Masse mit draufgenagelt...
Ach naja nu macht mal halblang! Wir reden hier nicht von GHz. So ein µC
mit Quarz schwingt doch immer und vor allem zuverlässig. Und so ein
Prototyp benötigt auch kein Messung der Störaussendungen / EMV...
Arno Nühm schrieb:> Ach naja nu macht mal halblang! Wir reden hier nicht von GHz. So ein µC> mit Quarz schwingt doch immer und vor allem zuverlässig. Und so ein> Prototyp benötigt auch kein Messung der Störaussendungen / EMV...
Naja, man kann Schrauben auch mit dem Hammer reindreschen. Das geht.
Aber mit dem Schraubendreher/zieher ist das ungemein praktischer und
eleganter. Ich habe nur auf den Schraubendreher verwiesen. Jeder kann
gern auch weiterhin den Hammer verwenden.
Konkret: es ist nicht mehr Aufwand, es braucht nicht mehr Fläche, es
braucht keine zusätzlichen Bauteile, wenn man es auch beim Prototypen
gleich richtig macht. Was sollte also dagegensprechen?
> So ein µC mit Quarz schwingt doch immer und vor allem zuverlässig.
Du hast aber noch nicht alle diesbezüglichen Threads hier gelesen, oder?
Wäre es aber nicht vorteilhafter, z.B. auf die drei Vias unter IC2 zu
verzichten, damit die Signale nicht zu dicht zusammengequetscht werden?
Ich kann mich da an frührere Phänome erinnern, wo ich während eines
Telefongerächs ganz leise auch die Gespräche auf den nebenliegenden
Leitungen hören konnte...
Sprich: nicht überall, wo ein Via hinpasst, sollte auch eins sein.
Oder irre ich mich hierbei?
Andy P.
Hallo,
zurück zur eigentlichen Frage: viel entscheidender ist es, dass die Vias
an der richtigen Stelle sitzen, nämlich dort, wo ein Hispeed-Signal die
Lage wechselt. Die empfohlene Konfiguration ist ein Via für das Signal
und rundherum 4 bis 6 GND-Vias im geringstmöglichen Abstand. Aber das
gilt eben für echte Hispeed-Signale im GHz-Bereich.
Manche Designer "nageln" auch entlang dem Platinenrand die GND-Flächen
zusammen mit Vias im kurzen Abstand. Das ist aber nicht so ohne weiteres
physikalisch zu begründen. An einer Stelle, wo kein Signal-Rückstrom auf
eine andere Lage wechseln muss oder garkeiner fliesst ist ein Via
weitgehend überflüssig. Es ist aber schwierig, darüber den Überblick zu
behalten, daher die verbreiteten Schrotschussverfahren. Immerhin schaden
solche Vias nicht, wenn man vom Platzbedarf absieht.
Gruss Reinhard
Reinhard Kern schrieb:> Manche Designer "nageln" auch entlang dem Platinenrand die GND-Flächen> zusammen mit Vias im kurzen Abstand.
Auf diese Art spart man sich die Kosten fürs Fräsen oder Ritzen:
man kann die Leiterkarte einfach rausbrechen... ;-)
Thomas T. schrieb:> Stören den Platinenhersteller die viele zusätzliche Bohrungen?
Dazu mal grundsätzlich: bei Standardtechnik werden meistens Pakete aus 3
LP übereinander gebohrt, eine mittlere LP-Bohrmaschine bohrt mit 4
Spindeln parallel und schafft mehr als 5 Bohrhübe / Sek, also summa
summarum 3x4x5 = 60 Löcher pro Sekunde. Wir reden hier also über ein
paar Sekunden bei einem Maschinensatz von z.B. 200 EUR, das bringt weder
dich noch den Hersteller um.
Ein automatischer Bohrerwechsel liegt so um die 5 Sekunden.
Gruss Reinhard