Marlon B. schrieb:
> Ich bin seit einiger Zeit sehr interessiert an der Elektrotechnik.
> Langsam aber sicher wird es zu meinem Hobby, allerdings weiß ich ein
> paar Grundlegende Dinge noch nicht und erhoffe mir hier eine Antwort zu
> bekommen da im Internet die unterschiedlichsten Dinge stehen, die mich
> mehr verwirren als aufklären.
Das Internet und insbesondere ein Forum sind nicht der geeignete Ort
für eine Grundlagenausbildung. Ich empfehle dir erst mal eine solide
Grundlage, etwa aus dem Tietze-Schenk. Wenn du Englisch lesen kannst,
ist auch The Art Of Electronics ein gutes Buch.
Wenn dich speziell aktive Filter interessieren - da gibt es etliche
Regalmeter an Büchern nur zu diesem Thema. Falls es dir weniger um die
Theorie geht und du nur ein paar Filterschaltungen bauen willst: ISBN
3-327-00552-4 sollte es antiquarisch geben.
Ich sollte dich aber auch warnen, daß dieses Gebiet eine Sackgasse ist.
Die Hauptdomaine aktiver Filter ist NF; für HF haben passive Filter
i.d.R. bessere Eigenschaften. Gerade im NF-Bereich geht der Trend aber
unwiderruflich zur Digitalisierung.
> Wenn ich nun aber einen Tiefpass 2. Ordnung haben und ich eine Spule
> dazuschalte, wie berechne ich die Frequenz dann?
Das kommt darauf an, wie du die Spule dazu schaltest. Der komplette
Weg geht so, daß man Spulen und Kondensatoren durch ihre komplexen
Impedanzen beschreibt (die sind frequenzabhängig und - eben - komplexe
Zahlen). Jetzt kann man für eine Schaltung, die Spulen und Kondensatoren
enthält, die Übertragungsfunktion berechnen. Diese Funktion ist das
Verhältnis von Ausgangs- und Eingangsspannung - für den einfachen
RC-Tiefpaß also ein Spannungsteiler aus komplexen Impedanzen.
Die Übertragungsfunktion ist dann auch wieder frequenzabhängig. Sie hat
die Form eines Bruches aus zwei Polynomen mit der Frequenz als freier
Variable. Die höchste Potenz der Frequenz ist die Ordnung der
Übertragungsfunktion (und damit des Filters). Die Frequenz, bei der der
Betrag der Übertragungsfunktion gerade 1/sqrt(2) ist, ist die
Grenzfrequenz des Filters. Du siehst also, das ist eine lange Rechnung
mit komplexen Zahlen.
> Wie ist es bei einem Filter 3. oder n-ter Ordnung?
Komplizierter.
> Und bei den aktiven Filtern mit einem OPV, wie errechne ich dort meine
> Frequenz?
Genauso.
In der Praxis hat man sich auf ein paar Grundschaltungen festgelegt,
z.B. die Sallen-Key Filterblöcke. Aus diesen Blöcken kann man dann das
gewünschte Filter wie aus einem Baukasten zusammensetzen. Statt langer
Formeln benutzt man vorberechnete Tabellen, die normierte Bauteilwerte
für die einzelnen Blöcke in Abhängigkeit der Filterordnung und
Charakteristik angeben.
> Ist es bei dem Hochpass genauso?
Hochpässe und Tiefpässe kann man ineinander umwandeln, indem man einfach
Kondensatoren und Widerstände (bzw. Spulen bei passiven Filtern)
tauscht.
> Etwas was ich noch gar nicht verstanden habe ist der Bandpass. Den
> aktiven Bandpass zu berechnen ist für mich schon fast eine
> Meisterleistung, ich komme einfach nicht dahinter wie ich diese Filter
> berechnen kann.
Im Prinzip ist ein Bandpaß eine Reihenschaltung aus Hochpaß und Tiefpaß.
Speziell für aktive Filter verwendet man aber Grundschaltungen, bei
denen man diese Teilfunktionen nicht mehr auseinandernehmen kann.
Passiv werden Bandpässe gern aus lose (z.B. magnetisch) gekoppelten
Schwingkreisen gebaut.