Decompiler/Compiler/Simulator für DDR-Industriesteuerung ASPW (KuASY/ZVE)

OP #8016952
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Hallo,

ich habe eine Toolchain für die ASPW-Steuerungstechnik geschrieben, die in DDR-Spritzgießmaschinen (KuASY) und anderen ZVE-gesteuerten Anlagen verbaut war. Die ZVE ist eine proprietäre Steuerung mit eigenem Befehlssatz... also kein Z80/8080, sondern eine reine Bitverarbeitungsmaschine (vergleichbar mit einer SPS, aber auf diskrete TTL-Logik aufgebaut, Programm in EPROMs).

Was die Tools können:

  • Decompiler — liest EPROM-Dumps (K2732/U2716) und erzeugt ein strukturiertes Programmlisting mit symbolischen Signalnamen
  • Compiler — kompiliert aus einer Hochsprache (DSL) zurück zu EPROM-Images, bit-identisch zu den Originalen
  • Simulator — Web-Oberfläche, zeigt Programmablauf, Portzugriffe und Signalzustände in Echtzeit

Unterstützt werden 2 bis 4-EPROM- (1 ZVE) bis 8-EPROM-Konfigurationen (2 ZVEs). Geschrieben in Go, läuft auf Linux, Windows und macOS, der Simulator ist ein einzelnes Binary mit eingebettetem Webserver.

Falls jemand EPROM-Dumps von solchen Steuerungen hat oder sich für DDR-Industrieelektronik interessiert - gerne melden.

Grüße, Roman

Angehängte Dateien:
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#8019204
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Zum konkreten Projekt kann ich nichts beitragen, aber es erinnert mich an die Zeiten in der Mitte der 80er in denen ich mit einem ZX81 und selbst über Zeibina-Leisten angeflanschter PIO-Karte die Speicherkarte einer PS2000 ausgelesen habe, die bei uns im Betrieb im Einsatz war (ZX81 und PS2000 damals selbst programmiert ;-) ).

Das Programmlisting in Form

LE 001 UE 002 TA 010 usw.

erschien dann auf dem Bildschirm.

Natürlich sollte es auch ausgedruckt werden, das einzige verfügbare war ein Fernschreiber. Also Optokoppler dran um die Stromschleife des Fernschreibers zu bedienen, wenn ich mich richtig erinnere war der Programmteil in Assembler und lief nur im Fast-Modus.

Ist diese Steuerung mit der PS2000 verwandt oder gab es damals noch mehr solcher Entwicklungen?

: Bearbeitet durch User
OP #8022395
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Hallo Lutz,

die ASPW/ZVE-Steuerungen stammen tatsächlich aus derselben „Generation“ von Industrieelektronik wie viele andere DDR-Steuerungen der 80er, auch wenn sie technisch nicht direkt mit der PS2000 verwandt sind. In der DDR gab es mehrere parallele Entwicklungen für speicherprogrammierbare Steuerungen.

Die ASP bzw. später ASPW von Erfurt Electronic war im Grunde eine frühe SPS-ähnliche Steuerung, allerdings nicht auf Basis eines klassischen Mikroprozessors wie Z80 oder 8080, sondern als diskret aufgebauter Bitprozessor aus TTL-Logik. Der Fokus lag stark auf deterministischen Zykluszeiten und direkter Bitverarbeitung für Maschinensteuerungen, z.B. Spritzgießautomaten, Extruder oder Werkzeugmaschinen.

Damit war die Architektur eher SPS-typisch (Logik-/Signalverarbeitung) als computerartig. Programme lagen in EPROMs und wurden zyklisch abgearbeitet, ähnlich wie bei heutigen PLCs, nur dass alles hardwareseitig viel „näher am Metall“ umgesetzt war.

Man kann die ASPW also gut als SPS-Vorläufer bzw. frühe SPS-Generation sehen. Für die Zeit war das tatsächlich ziemlich fortschrittliche Technik, besonders mit modularen I/O-Karten, analogen Baugruppen und dedizierten Programmiergeräten.

Deine ZX81-Aktion klingt übrigens auch nach ziemlich klassischem 80er-Jahre-Reverse-Engineering. 😊

Ich beschäftige mich gerade damit, die Technik mit heutigen Mitteln wieder zugänglich zu machen. Meine Toolchain läuft nativ unter Linux, macOS und Windows. Der Compiler kann aus einer BASIC ähnlichen Sprache wieder EPROM-Images erzeugen, der Decompiler erstellt strukturierte Listings und der Simulator zeigt den Ablauf inklusive Port- und Signalzuständen. Außerdem kann ich inzwischen auch Funktionspläne (FUP/KUP) darstellen sowie Referenzlisten erzeugen.

Was mir noch fehlen würde, sind weitere EPROM-Dumps aus verschiedenen KuASY Maschinen bzw. anderen ASPW Anlagen. Falls jemand noch alte EPROMs, Dumps oder auch nur Signal- bzw. Tor-/Namenslisten aus solchen Anlagen hat, wäre das für die Rekonstruktion der Programme und Symbolik extrem hilfreich.

VG, Roman

(Firma: Starfleet) #8022411
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Falls jemand noch alte EPROMs, Dumps oder auch nur Signal- bzw. Tor-/Namenslisten aus solchen Anlagen hat, wäre das für die Rekonstruktion der Programme und Symbolik extrem hilfreich.

Spontan fällt mir da ein Bericht über die "Rettung" der Industriesteueranlagen des Traktorenwerks Schönebeck ein. Das war wohl bei robotron-technik.de.

Vielleicht fragste mal dort weiter, die sammeln auch ROM-Dumps, wenn auch mit Schwerpunkt EDV-technik.

Konkreter:

Da wird als (mögliches?) Synonym "Ursalog" genannt, vielleicht findet sich dazu was in der DDR Zeitschrift "messen-steuern-regeln".

: Bearbeitet durch User
#8062648
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Bei der Beschreibung der ASPW musste ich direkt an andere proprietäre Steuerungen denken, die damals völlig unabhängig voneinander entwickelt wurden. Aus heutiger Sicht wirkt das manchmal ungewöhnlich, aber in den 80ern gab es davon doch einige. Gerade deshalb sind solche Dokumentationen heute so wertvoll.

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