Hallo liebes Forum,
ich benötige Rat bezüglich einer Geschwindigkeitsmessung mittels zweier
Lichtschranken (Laserdioden) und Photodioden.
Mit dieser möchte ich Objekte messen welche auch Schallgeschwindigkeit
erreichen könnten.
Die Photodioden befinden sich jedoch nicht auf der gleichen Platine wie
der Mikrocontroller der die Geschwindigkeit auswertet, sondern sollen
mit dieser über ca. 4m lange Koaxialkabel (mit BNC-Buchsen) verbunden
werden.
Da jedoch die Opamp`s der zwei Transimpendanzverstärker eine
Versorgungsspannung benötigten, dachte ich das ich diese getrennt von
den Photodioden auf die Mikrocontroller-Platine setze.
Haben die parasitären Kapazitäten/Induktivitäten der Kabel sehr negative
Auswirkungen auf die Funktion/Grenzfrequenz der Schaltung ?
Ich bin für jede Info/Verbesserung/Anmerkung schon im Voraus sehr
dankbar.
Freundliche Grüße,
Benjamin
> Die Photodioden befinden sich jedoch nicht auf der gleichen Platine wie> der Mikrocontroller der die Geschwindigkeit auswertet, sondern sollen> mit dieser über ca. 4m lange Koaxialkabel (mit BNC-Buchsen) verbunden> werden.> Da jedoch die Opamp`s der zwei Transimpendanzverstärker eine> Versorgungsspannung benötigten, dachte ich das ich diese getrennt von> den Photodioden auf die Mikrocontroller-Platine setze.
Keine gute Idee. Die bessere Anordnung wäre Photodiode-TIA-Koaxkabel.
> Haben die parasitären Kapazitäten/Induktivitäten der Kabel sehr negative> Auswirkungen auf die Funktion/Grenzfrequenz der Schaltung ?
Allerdings.
http://www.electrooptical.net/www/frontends/frontends.pdf
Na Logo. Du musst die entstehende Kapazität dann im Feedback-Pfad
anpassen. Dadurch sinkt die Grenzfrequenz. Mit viel Licht und kleiner
Transimpedanz ist es aber nicht schlimm. Ich würde nur alle Kabel gleich
lang machen.
ArnoR schrieb:> Keine gute Idee. Die bessere Anordnung wäre Photodiode-TIA-Koaxkabel.
Danke, das ist mir schon klar. Die ästhetisch schönere und praktischere
Lösung für mich, wäre jedoch nur 2 Koaxialkabel zur Lichtschranke führen
zu müssen.
sieman's schrieb:> Du musst die entstehende Kapazität dann im Feedback-Pfad> anpassen. Dadurch sinkt die Grenzfrequenz. Mit viel Licht und kleiner> Transimpedanz ist es aber nicht schlimm.
Also reicht es, die Kapazität des Koaxialkabels zu der
Sperrschichtkapazität, der Photodiode zu addieren, wenn ich die
Kompensationskapazität berechne ?
Da die beiden Photodioden direkt mit Laserdioden "beleuchtet" werden
sollte die Helligkeit hoch genug sein.
sieman's schrieb:> Ich würde nur alle Kabel gleich> lang machen.
Selbstverständlich sind die Kabel zur Vermeidung von Laufzeitdifferenzen
gleich lang.
Schallgeschwindigkeit: 330 m/s.
Lichtschranken mit 1 m Abstand:
t = 1 m / (330 m/s) = 0,00303 s = 3030 µs
0,1 % Auflösung (evtl. auch Genauigkeit) bedeutet,
dass die Reaktionszeit beider Sensoren sich nicht
um mehr als 3 µs unterscheiden darf.
Sind beide (samt Anschlusskabel) gleich aufgebaut,
ist das kein großes Problem.
Dann kommt es eher drauf an, dass beide
Sensoren auch die gleiche Lichtänderung "sehen".
@Benjamin W. (Gast)
>> Keine gute Idee. Die bessere Anordnung wäre Photodiode-TIA-Koaxkabel.>Danke, das ist mir schon klar. Die ästhetisch schönere und praktischere>Lösung für mich, wäre jedoch nur 2 Koaxialkabel zur Lichtschranke führen>zu müssen.
Du hast Probleme.
>Also reicht es, die Kapazität des Koaxialkabels zu der>Sperrschichtkapazität, der Photodiode zu addieren, wenn ich die>Kompensationskapazität berechne ?
In erster Näherung ja. Aber das wird alles andere als lustig, bei
100pF/m.
>Da die beiden Photodioden direkt mit Laserdioden "beleuchtet" werden>sollte die Helligkeit hoch genug sein.
Naja.
>> Ich würde nur alle Kabel gleich>> lang machen.>Selbstverständlich sind die Kabel zur Vermeidung von Laufzeitdifferenzen>gleich lang.
Da muss man schon verdammt viel Kabel legen, um die oben berechneten 3µs
Laufzeit hinzukriegen, das sind um die 600m ;-)
Erst rechnen, dann reden.
Hier mal eine Simulation die zeigt was möglich ist.
Ich habe mit einem Gain-Badwidth-Product von 10MHz, 20MHz und 50MHz
simuliert. Zum Simulieren muss man LTspice installieren. Keine Angst,
der Simulator kostet nichts. Den gibt es gratis.
http://www.linear.com/designtools/software/#LTspice
Hallo,
>> Keine gute Idee. Die bessere Anordnung wäre Photodiode-TIA-Koaxkabel.>> Danke, das ist mir schon klar. Die ästhetisch schönere und praktischere> Lösung für mich, wäre jedoch nur 2 Koaxialkabel zur Lichtschranke führen> zu müssen.
Ich kann dir beim Prototypenbau nur raten, mit einer Lösung anzufangen,
die garantiert funktioniert und erst später im Hinblick auf Dinge wie
Kosten und Ästhetik zu optimieren. Erst die Pflicht, dann die Kür.
Konkret auf Dein Problem bezogen denke ich, daß der Aufbau
"Photodiode-TIA-Kabel" dem Aufbau "Photodiode-Kabel-TIA" deutlich
überlegen ist.
Wie wäre es, wenn Du statt zweier getrennter Koaxialkabel mehradrige
Kabel verwendest. Ich denke dabei an Twisted-Pair-Leitungen (z. B.
6-adrige Telefonkabel oder 8-adrige Netzwerkkabel). Dann mußt Du nur ein
einziges Kabel verwenden, hast aber ausreichend viele Leitungen für
Spannungsversorgung u. ä.
Viele Grüße
Michael
Helmut S. schrieb:> Wie hoch ist dein Transimpedanz-Widerstand? 10kOhm?
Ich dachte so an den Bereich um 100k.
Falk Brunner schrieb:> Du hast Probleme.
Du anscheinend auch ;)
Da die Zeitmessung modular und transportabel aufgebaut (mit Batterien
betrieben) werden soll, versuche ich so wenig Kabel wie möglich zu den
einzelnen Modulen (Steuer-Modul, Lichtschranke, Kurzzeitblitzgerät,
Hochgeschwindigkeitskamera,) zu legen.
Falk Brunner schrieb:> In erster Näherung ja. Aber das wird alles andere als lustig, bei> 100pF/m.
Danke, falls es nicht klappt, wird mir eh nichts anderes übrig beleiben,
als den Transimpendanzwandler direkt zur Photodiode zu setzt.
Falk Brunner schrieb:> Da muss man schon verdammt viel Kabel legen, um die oben berechneten 3µs> Laufzeit hinzukriegen, das sind um die 600m ;-)> Erst rechnen, dann reden.
Wenn wir schon genau sind... ;)
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit in Leitungen beträgt nur ca 70-50% der
Lichtgeschwindigkeit. Im Worst-Case (Bei 50%) wären das also nur etwa
450m. :P
Wieder Ernst:
Aber du hast warsch. recht damit, dass die Laufzeituntschiede bei dieser
Anwendung noch zu vernachlässigen sind, und eher die unterschiedlichen
Kapazitäten/Induktivitäten eine Rolle spielen.
Vielen Dank, Helmut S. und Michael Lenz (und auch allen Anderen) für die
spitzen Beiträge!!
Ein Problem das ich noch nicht erwähnt habe ist, dass die Objekte die
gemessen werden sollen, eventuell auch mit einer oder mehreren Spulen
(induktiver Beschleuniger) beschleunigt werden. Der durch die Spulen
erzeugte elektromagnetische Impuls induziert in die Leitungen der
Umgebung eine Spannung die der µC als High interpretieren könnte (oder
Interrupts auslöst).
Darum sollte nach Möglichkeit alles möglichst gut geschirmt sein (im
Notfall können auch noch Differenzverstärker am Eingang verbaut werden).
Leider stehe ich etwas unter Zeitdruck, deshalb sollte alles möglichst
beim ersten Mal funktionieren, da langes experimentieren leider nicht
möglich ist.
Mit sehr freundlichen Grüßen,
Benjamin W.
@ Benjamin W. (Gast)
>betrieben) werden soll, versuche ich so wenig Kabel wie möglich zu den>einzelnen Modulen (Steuer-Modul, Lichtschranke, Kurzzeitblitzgerät,>Hochgeschwindigkeitskamera,) zu legen.
Es durchaus KABEL, mit Schirmung und mehreren Adern. Netzwerkkabel z.B.
>> Da muss man schon verdammt viel Kabel legen, um die oben berechneten 3µs>> Laufzeit hinzukriegen, das sind um die 600m ;-)>> Erst rechnen, dann reden.>Wenn wir schon genau sind... ;)>Die Ausbreitungsgeschwindigkeit in Leitungen beträgt nur ca 70-50% der>Lichtgeschwindigkeit. Im Worst-Case (Bei 50%) wären das also nur etwa>450m. :P
Wenn der Herr denn die Güte haben würde, und mal WIRKLICH nachdenken und
rechnen würde, wäre Ihm aufgefallen, dass 600 Kabel nur dann 3µs
Laufzeit ergeben, wenn man mit 5ns/m rechnet, was ca. 0,66 als
Verkürzungsfaktor ergibt.
>Ein Problem das ich noch nicht erwähnt habe ist, dass die Objekte die>gemessen werden sollen, eventuell auch mit einer oder mehreren Spulen>(induktiver Beschleuniger) beschleunigt werden.
Aha, man baut mal wieder ne Coilgun ;-)
> Der durch die Spulen>erzeugte elektromagnetische Impuls induziert in die Leitungen der>Umgebung eine Spannung die der µC als High interpretieren könnte (oder>Interrupts auslöst).
Ein noch viel stärkeres Argument dafür, den TIA diekt an die Photodiode
zu setzen und das Ganze in einer Weißblechkiste verschwinden zu lassen.
>Darum sollte nach Möglichkeit alles möglichst gut geschirmt sein (im>Notfall können auch noch Differenzverstärker am Eingang verbaut werden).
;-)
Du bist lustig.
>Leider stehe ich etwas unter Zeitdruck, deshalb sollte alles möglichst>beim ersten Mal funktionieren, da langes experimentieren leider nicht>möglich ist.
Eben darum muss man die aller Wahrscheinlichkeit nach robusteste
Schaltungsvariante wählen. Aber solche Hau Ruck Aktionen gehen
regelmäßig an den Baum.
Falk Brunner schrieb:> Wenn der Herr denn die Güte haben würde, und mal WIRKLICH nachdenken und> rechnen würde, wäre Ihm aufgefallen, dass 600 Kabel nur dann 3µs> Laufzeit ergeben, wenn man mit 5ns/m rechnet, was ca. 0,66 als> Verkürzungsfaktor ergibt.
Und wenn du in der Lage wärst den Inhalt richtig zu interpretieren, dann
hättest du bemerkt, dass ich nur erwähnt habe, dass im Wost-Case schon
450m für 3µs Laufzeitunterschied ausreichen, und nicht dass du mit der
Ausbreitungsgeschwindigkeit im Vakuum gerechnet hast... Und vll. auch,
dass ich keine Coilgun, Wirbelstrom-Kanone, etc baue, sondern nur
(möglicherweise) die Geschwindigkeit derer Projektile messe.
Und da, die Methode(ja ich weiß, Sie ist vom technischen Standpunkt aus
nicht die Beste) laut der Simulation funktioniert, werde ich es so
bauen.
MfG
Benjamin W. schrieb:> Und da, die Methode laut der Simulation funktioniert, werde ich> es so bauen.
Wieder mal ein typisches Beispiel, wo eine Simulation kein
vernünftiges Ergebnis bringt. Aber wenn Du es liebst, Deine
Arbeit doppelt zu machen...
Gruss
Harald
Harald Wilhelms schrieb:> Aber wenn Du es liebst, Deine> Arbeit doppelt zu machen...
Ich liebe es natürlich nicht. Darum frage ich ja hier im Forum, ob es so
funktioniert. Nun sagen die Einen jedoch ja und die Anderen nein. Wenn
ihr (Harald Wilhelms, Falk Brunner, ...) jedoch sicher seid, dass es so
nicht funktioniert wird, dann werde ich den TIA wohl doch zur Photodiode
setzen. Es wäre nur schade, wenn ich auch einfacher zum Ziel kommen
würde...
MfG
Benjamin W.
Ich hab ja wenig Erfahrung mit Analogelektronik und gleich gar keine mit
schneller Analogelektronik, aber wenn ich mir überlege, dass da etwas
Railgun-artiges neben Photodioden im Betrieb sein soll, kommt mir das
recht ambitioniert vor.
Ich würde versuchen, die Photodioden zusammen mit der Auswerteelektronik
in ein geschirmtes Gehäuse zu setzen und die Lichtschranken über
Lichtleiter, die nicht EMP-empfindlich sind, anzuschließen.
Was meint Ihr?
Grüße,
Stefan
@ Benjamin W. (Gast)
>ihr (Harald Wilhelms, Falk Brunner, ...) jedoch sicher seid, dass es so>nicht funktioniert wird,
Das hat keiner gesagt. Solche Schwarz-Weiß Aussagen gibt es meistens
nicht.
Aber wir sind der Meinung, dass es viele Probleme geben wird.
>setzen. Es wäre nur schade, wenn ich auch einfacher zum Ziel kommen>würde...
Was ist daran so viel einfacher, die Diode per Kabel anzuschließen? Den
TIA muss man so oder so aufbauen.
@ Stefan Hennig (Gast)
>Ich würde versuchen, die Photodioden zusammen mit der Auswerteelektronik>in ein geschirmtes Gehäuse zu setzen
Das haben wir vorgeschlagen.
> und die Lichtschranken über>Lichtleiter, die nicht EMP-empfindlich sind, anzuschließen.
Man muss es nicht übertreiben.
Benjamin W. schrieb:> Wenn ihr (Harald Wilhelms, Falk Brunner, ...) jedoch sicher seid,> dass es so nicht funktioniert wird, dann werde ich den TIA wohl> doch zur Photodiode setzen.
Ich bin mir nicht sicher. Die Wahrscheinlichkeit, das es zu
Störungen kommt, ist aber recht gross. Ausserdem ist vermut-
lich der Aufwand mit Verstärker direkt an der FD geringer,
weil man dann, bei richtiger Auslegung, ein normales drei-
poliges Anschlusskabel nehmen kann. Ein Koaxkabel ist dann
nicht mehr nötig.
Gruss
Harald
Harald Wilhelms schrieb:> Ein Koaxkabel ist dann> nicht mehr nötig.
Ich würde dann gleich ein mehrfach geschirmtes Ethernet-Kabel verwenden,
die verdrillten Paare dürften optimal geschützt sein und man kann es
fertig konfektioniert überall kaufen. Mit einem Splitter kann man dann
die beiden "Head Amplifier"* in 1 m Abstand mit einem gemeinsamen Kabel
anschliessen.
* Die heissen traditionell so, weil sie am besten ganz dicht am
Messpumkt angeschlossen werden.
Gruss Reinhard
Ich würde das Koax-Kabel zwischen Fotodiode und TIA nicht mit einer
reinen Kapazität simulieren, da das Kabel auf der TIA-Seite ja mit einem
virtuellem Kurzschluß abgeschlossen wird.
Der Anhang zeigt eine LTSpice-Simulation mit unterschiedlichen
Kabellängen (50cm und 5m) und unterschiedlichen "phase lead"-Kapazitäten
(10p und 47p). Man kann deutlich erkennen, daß der TIA sehr sauber durch
eine geeignete "phase lead"-Kapazität in der Gegenkopplung stabilisiert
werden muß, damit er nicht schwingt. Man erkennt aber ebenfalls, daß der
Anschluß eines längeren Koax-Kabels am Eingang durchaus machbar ist,
auch wenn es nicht sehr sinnvoll ist.
Wie währe es wenn der Laser direkt auf einen 1mm Kunststoff-LWL strahlt?
Die Fotodioden und Transimpendanzverstärker befinden sich dann auf der
gleichen Platine wie der Mikrocontroller.
Reinhard Kern schrieb:> die beiden "Head Amplifier"*> * Die heissen traditionell so, weil sie am besten ganz dicht am> Messpumkt angeschlossen werden.
Ach, und ich dachte immer, der Name sagt, das man "ein bisschen
Köpfchen" braucht, um eine solche Schaltung zu entwickeln. :-)
Gruss
Harald
Bon z'O schrieb:> Mit einem 100k Feedback Widerstand ist die Geschwindigkeit schon im Bach> unten.
Das denke ich auch. Naja, wurd ja alles dazu gesagt. PD-TIA-Kabel ist
einfacher zu realisieren, PD-Kabel-TIA ist aufwendiger da der TIA ans
Kabel angepasst werden muss. Was gibts jetzt noch zu sagen? Ich denke
nichts mehr.
Und, TE, ob du nun zu jeder Lichtschranke ein Koax-Kabel verlegst oder
z.B. ein 2*2*0.2mm^2 Kabel ist doch im Prinzip wurscht, oder? ;)