Aus deiner verlinkten Webseite schließe ich, dass es dir um ein
Membranausdehnungsgefäß geht wie hier beschrieben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdehnungsgef%C3%A4%C3%9F#Membranausdehnungsgef.C3.A4.C3.9F
Das lässt sich wie folgt berechnen:
Parameter des Ausdehnungsgefäßes:
V₀: Gefäßvolumen (= Gasvolumen im Ruhezustand)
p₀: Vordruck der Gaspolsters
Veränderliche Größen im Betrieb:
V₁: Gasvolumen
p₁: Druck
Vw: Volumen des Wassers im Gefäß
Da die Drücke wohl immer als Differenzdrücke zum Atmosphärendruck
angegeben werden, sind noch drei weitere Druckgrößen von Bedeutung:
p_atm: Atmosphärendruck
p₀_abs: absoluter Vordruck (= p₀ + p_atm)
p₁_abs: absoluter Druck im Betrieb (= p₁ + p_atm)
Nach dem Gesetz von Boyle-Mariotte ist für ein ideales Gas das Produkt
aus Volumen und Druck konstant, also:
Mit Relativdrücken ausgedrückt:
Aufgelöst nach V₁:
Bei zusammengepresstem Gaspolster wird der Rest des Gesamtvolumens mit
Wasser gefüllt:
Einsetzen der vorletzten Gleichung in die letzte ergibt:
Jetzt kommt das erste Problem:
Vw/V₀, also der Teil rechts des Multiplikationszeichens in der letzten
Gleichung sollte eigentlich der Wirkungsgrad sein. Für kleine Werte von
p₀ und p₁ stimmt er auch sehr gut mit den Werten in der von dir
verlinkten Tabelle überein, aber für p₀ = 8 bar und p₁ = 9,5 bar ist der
Wirkungsgrad nach obiger Formel 0,14, nach der Tabelle 0,10.
Im Netz findet man den Begriff "Wirkungsgrad" in diesem Zusammenhang nur
selten, dafür scheinen "Druckfaktor" und "Nutzfaktor" gängigere
Bezeichnungen zu sein. Dafür findet man auch Formeln, die entweder der
obigen entsprechen oder dem Kehrwert davon (da scheinen sich die Leute
nicht sehr einig zu sein). Ich habe aber keine Formeln oder Hinweise
darauf gefunden, die zu den abweichenden Tabellenwerte führen.
Ich dachte erst, die Tabelle ginge vielleicht von einem realen statt
einem idealen Gas aus. Das würde aber trotzdem nicht den sehr großen
Fehler im obigen Beispiel erklären. Außerdem müsste der Fehler dann für
weiter auseinanderliegende Drücke (also bspw. für p₀ = 0,5 bar und p₁ =
9,5 bar) noch deutlich größer sein, aber genau das Gegenteil ist der
Fall.
Leider schreibt der Autor der Webseite nicht, wie er die Werte ermittelt
hat. Vielleicht hat er versucht, irgenwelche weitere Faktoren wie
Mebranvolumen, Ausdehnung des Gefäßes durch den Druck o.ä. zu
berücksichtigen, aber das kann man eigentlich nur, wenn man die
Beschaffenheit des Gefäßes genau kennt. Vielleicht handelt es sich bei
den Tabelleneinträgen auch um gemessene Werte, keiner weiß es.
Wie auch immer, gehen wir mal weiter in Richtung Spice-Simulation:
Ich habe eine Weile mit B-Quellen und der idt- und der ddt-Funktion
experimentiert. Beide Varianten lieferten prinzipiell die richtigen
Ergebnisse, wobei die idt-Variante aus irgendwelchen Gründen mit sehr
kleinen Zeitschritten rechnete, so dass die Simulation sehr lange
dauerte. Mit der ddt-Funktion ging es besser, aber dann entdeckte ich
eine elegantere dritte Variante:
LTspice unterstützt nichtlineare Kapazitäten. Man nimmt dafür einfach
einen Kondensator, gibt im aber keine konstante Kapazität, sondern eine
Funktion Q(U), die die Ladung in Abhängigkeit von der anliegenden
Spannung beschreibt. Die vordefinierte Variable x steht dabei für die
Spannung. Da Q dem Wasservolumen und U dem Druck entspricht, kann man
die letzte der obigen Gleichungen im Prinzip direkt verwenden, wenn da
nicht noch ein kleiner Schönheitsfehler wäre:
Ist der am Anschluss anliegende Druck p₁ kleiner als der Vordruck p₀,
wird das Wasservolumen Vw negativ. Das ist theoretisch auch richtig,
denn in diesem Fall würde das Gas aus dem Ausdehnungsgefäß in die
Rohrleitung entweichen und das dort befindliche Wasser ein Stück
zurückschieben. In der Praxis passiert das aber nicht, da das Gas durch
die Membran immer im Gefäß gehalten wird. Somit kann das Vasservolumen
nicht unter 0 sinken.
Also braucht man eine Begrenzungsfunktion, die dafür sorgt, dass für
p₁ < p₀ immer Vw = 0 ist. Die Begrenzung darf aber nicht zu hart sein,
sonst zickt LTspice herum, weil die Funktion Vw(p₁) an der Stelle p₀
einen scharfen Knick aufweist. Die undokumentierte Funktion dnlim von
LTspice sorgt hingegen für eine weiche Begrenzung, wobei man sogar die
Weichheit des Übergangs als Parameter angeben kann. Diese Funktion habe
ich dann auch verwendet und heraus kam die Simulation im Anhang.
Die Variablen p₀, p₁, p_atm, V₀ und V₁ heißen in der Simulation
Vordruck, x, AtmDruck, GefVol und Q (die Namen x und Q sind durch das
Konensatormodell von LTspice so vorgegeben).
Das Ausdehnungsgefäß besteht also wirklich nur aus dem Kondensator C1.
Die restlichen Schaltungselemente sind zur Demo da:
V1 ist eine Pumpe, die einen konstanten Druck von 10 bar (10·10⁵ pa¹)
erzeugt. R1 ist eine verengte Rohrleitung, die verhindert, dass das
Wasser zuschnell in das Ausdehnungsgefäß fließt. Die Quelle B1 ist nur
ein Hilfmittel für die Erstellung des unteren Diagramms: Sie ermittelt
das Wasservolumen im Ausdehnungsgefäß, indem sie den Volumenstrom
zeitlich integriert.
Die Simulation läuft mit drei Werten für den Vordruck: 1 bar (grün),
4 bar (blau) und 7 bar (rot). Das Gefäßvolumen beträgt 5 Liter
(5·10¯³ m³), der Atmosphärendruck wird mit 1 bar angenommen.
Da obere Diagramm zeigt den sich Druck im Ausdehnungsgefäß über der
Zeit. Im unteren Diagramm ist das Verhältnis von Wasservolumen zum
Gefäßvolumen (also der Wirkungsgrad) in Abhängigkeit vom Druck zu sehen.
Es ist somit die grafische Darstellung der entsprechenden drei Spalten
der Wirkungsgradtabelle. Die Abweichungen, die sich insbesondere bei der
roten Kurve ergeben, habe ich ja schon oben hinterfragt.
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¹) In der Simulation wird ausschließlich in SI-Basiseinheiten (also m,
kg, s und den davon abgeleiteten Einheiten wie m³ und pa) gerechnet.
Nur für die Achsenbeschriftung der Diagramme wird der Druck um der
Ästhetik willen in Bar umgerechnet.