Guten Abend allerseits,
Ich habe in der Elektor 01/02.2014 eine einfach Schaltung zur drahtlosen
Energieübertragung gefunden. Diese habe ich nachgebaut, der Schaltplan
ist anbei. (Ich hoffe es ist rechtlich ok so, dass ich den Schaltplan
selbst im Egale gezeichnet habe und nicht das Original veröffentlicht
habe)
Nun habe ich folgendes Problem, der N-Fet wird sehr schnell sehr heiss.
Allerdings kann ich mir nicht erklären warum und bin deshalb etwas auf
euren Rat angewiesen. Lötbrücken kann ich ausschließen, habe alles schon
kontrolliert.
Der Trimmkondensator hat 30pF und an Pin JP1 und JP5 (Masse) ist die
Spule angeschlossen. Elektor schreibt 5 Windungen von 0,3mm Lackdraht
vor (Streichholzschachtel als Wickelkörper). Ich habe es auch mit der
folgenden Spule probiert:
http://www.pollin.de/shop/dt/NTc2OTQ3OTk-/Bauelemente_Bauteile/Passive_Bauelemente/Spulen_Filter/Luftspule.html
ebenfalls ohne Erfolg.
R1 hat 2,2MOhm und der Quarz schwingt mit 14Mhz.
An Pin 4 des 4069 ist eine schöne Sinusschwingung zu sehen mit der
vollen Amplitude von 9V (Versorgt wird die Schaltung mit einem 9V
Block).
An Pin 8 kommt nur eine sehr mikrige Sinusschwingung an. Nur etwa 200mV.
Im Original werden als FETs der
BS170https://www.fairchildsemi.com/datasheets/bs/bs170.pdf
und der
BS250http://www.vishay.com/docs/70209/70209.pdf
verwendet.
Der 4069 ist von Reichelt
http://www.reichelt.de/ICs-C-MOS-DIL/MOS-4069/3//index.html?ACTION=3&GROUPID=2924&ARTICLE=12622&SHOW=1&OFFSET=16&
Ich habe es jetzt sowohl mit den FETs aus meinem Schaltplan als auch mit
BS170 und BS250 probiert --> immer wird der N-Fet heiß.
Hat jemand eine Idee was bei dem Problem Abhilfe schaffen könnte?
Achja, als Empfänger dient eine identische Spule. die an einen
Brückengleichrichter aus 4 1N4148 Dioden angeschlossen ist. Am Ausgang
des Gleichrichters hängt ein 1nF Kerko und eine LED.
Laut Elektor soll das ganze so funktionieren, hat jemand das zufällig
schon mal nachgebaut und konnte Erfolge verzeichnen?
Viele Grüße
Paul
Paul schrieb:> Achja, als Empfänger dient eine identische Spule. die an einen> Brückengleichrichter aus 4 1N4148 Dioden angeschlossen ist. Am Ausgang> des Gleichrichters hängt ein 1nF Kerko und eine LED.
Parallel zu der Empfängerspule ist nochmal der gleiche 30pF
Drehkondensator geschaltet, um die Frequenzen der Schwingkreise
abzustimmen.
Abdul K. schrieb:> Deine FETs sind viel stärker als die Originalen. Die Treiber werden zu> stark belastet.
Aber BS170 und BS250 machen die selben Probleme?
Abdul K. schrieb:> Die Schaltung hat noch diverse andere Macken.
Welche meinst du?
Müssen es 14MHz sein? Das ist einfach megazuviel für einen 4000er bei
dieser Last! Versuch die Frequenz kräftig zu senken. Was hast du an
Kenntnissen und Bauelementen verfügbar?
Die ganzen anderen Macken wird ne lange Liste. Ich denke du wirst mit
einem anderen Treiber glücklicher.
Bei Elektor waren es 13,xx MHz, hab dann den nächst passenden genommen.
Wie gesagt, an Pin 4 der Schaltung sieht der Sinus recht gut aus. Hätte
noch nen 3,6864MHz Quarz, wäre der eventuell besser oder sollte es noch
weiter nach unten gehen?
An Bauelementen ist alles da, was man so braucht. Keine super speziellen
ICs aber viele der gängigsten Transistoren/FETs. Die E24 Reihe an
Widerständen und viele Kondensatorwerte. Auch Atmegas, Spannungsregler,
OPVs, Optokoppler, Pegelwandler und der NE555 sind vorhanden.
Weisst du eine Alternative die man als Chip/Treiber verwenden könnte?
Geh auf die 3,6MHz runter und schalte hinter die Inverter BJT
komplementär als Treiber. HC-Logik wäre besser.
Schau mal bei Falk Brunner Royer-Converter.
Die Bipolartransistoren haben leider nix gebracht, das Signal wird nicht
besser, es nimmt nach jeder Stufe mehr ab, der BS170 raucht trotzdem
augenblicklich ab. Ich glaub ich muss mir was anderes suchen bzw mein
Glück mal mit dem Royer Converter versuchen.
Allerdings tun sich dazu auch schon wieder Fragen über Fragen auf.
Ich danke dir auf jeden Fall recht herzlich für die schnelle und nette
Hilfe.
Paul schrieb:> Bipolartransistoren haben leider nix gebracht, das Signal wird nicht> besser, es nimmt nach jeder Stufe mehr ab, der BS170 raucht trotzdem> augenblicklich ab.
Ich kann keine Bemühungen für eine systematische Fehlersuche erkennen.
Mal ganz von den prinzipiellen Schwächen der Schaltung abgesehen ...
1. Wie sieht das Signal an den Pins 2, 4, 6, 8 des 4069 aus wenn die
MOSFETs nicht eingelötet sind?
2. Wie ändert sich das Signal an Pin 8, wenn nur der n-MOSFET
eingelötet wird?
3. Dito wenn nur der p-MOSFET?
4. Wenn beide MOSFET in der Schaltung sind aber keine Last (Spule)
angeschlossen ist?
5. Mit Last?
Außerdem sind da noch zwei unbenutzte Inverter in dem 4069. Nach deinem
Layout sind deren Eingänge offen. Das ist falsch. Unbenutzte
CMOS-Eingänge müssen immer auf einen festen Pegel gelegt werden. Wobei
es sich in dieser Schaltung natürlich anbieten würde, immer zwei
Inverter als Treiber für die MOSFETs parallel zu schalten.
PS: vermutlich hast du den 4069 schon gehimmelt. Bevor da nicht knackige
Rechtecksignale rauskommen, solltest du besser keine weiteren MOSFETs
anschließen. Und dermaßen fette Brummer wie einen IRF740 sowieso nicht.
Du versuchst ja auch nicht, einen Wohnwagen mit dem Fahrrad zu ziehen.
Kann es sein, daß die beiden Gatter, die die Mosfet ansteuern, nicht
richtig beschaltet sind? So, wie es oben gezeichnet ist, werden die
Mosfet immer zusammen angesteuert -das ist bestimmt nicht im Sinne
des Erfinders.
MfG Paul
Paul Baumann schrieb:> So, wie es oben gezeichnet ist, werden die Mosfet immer zusammen> angesteuert -das ist bestimmt nicht im Sinne des Erfinders.
Abgesehen von der fehlenden Totzeit passt das schon. Kurzzeitig leiten
dann beim Umschalten eben immer beide Mosfets. Wenn die Versorgung das
aushält. Obwohl, wenn ichs recht überlege könnte das durchaus auch zum
Erwärmen eines der Mosfets führen... ;-)
Paul Baumann schrieb:> Kann es sein, daß die beiden Gatter, die die Mosfet ansteuern, nicht> richtig beschaltet sind? So, wie es oben gezeichnet ist, werden die> Mosfet immer zusammen angesteuert -das ist bestimmt nicht im Sinne> des Erfinders.
Der Fehler ist nicht bei den Gattern, er besteht darin, daß der obere
MOS-FET (P-Kanal) falschrum drin ist, Source gehört an den +, dann passt
die Ansteuerung schon, allerdings ohne Totzeit. Bei kleinen Leistungen,
und passender Auswahl der FETs kann das aber gehen.
Mit freundlichen Grüßen - Martin
Martin Schlüter schrieb:> Der Fehler ist nicht bei den Gattern, er besteht darin, daß der obere> MOS-FET (P-Kanal) falschrum drin ist, Source gehört an den +, dann passt> die Ansteuerung schon, allerdings ohne Totzeit.
Das denke ich nicht; der ist schon richtig drin. Was nicht stimmt, ist
das Bild: Der Gate-Anschluss muss oben liegen statt unten.
Bezüglich der fehlenden Totzeit gibt es eine interessante Lösung:
http://www.irf.com/technical-info/appnotes/an-978.pdf
Gemeint ist Figure 11 auf Seite 14 und zwar nur Q1....Q4 mit R1
Hier wird der Shoot-Through zwischen Q1 und Q2 durch R1 auf 120mA
(bei 12V) begrenzt. Durch das RC-Glied R1/Cgate geschieht das
Einschalten von Q3 bzw. Q4 verzögert, während das Ausschalten des
jeweils anderen schnell passiert. Fertig ist die Totzeit.
Lothar Miller schrieb:> Obwohl, wenn ichs recht überlege könnte das durchaus auch zum> Erwärmen eines der Mosfets führen... ;-)
Ich hatte mir auch überlegt, dass die Erwärmung eventuell dadurch
passieren könnte. Zumal die Kombi dicker Mosfet und schwacher Treiber
nicht so schnell schaltet.
Habe es aber verworfen weil nur ein Mosfet warm wird.
Kannst du mir erklären wie es in dem Szenario dazu kommen könnte dass
nur der 'untere' Mosfet heiss wird?
Hallo Paul,
ich sehe zwei Probleme deiner Schaltung. Eines wurde schon angesprochen,
die fehlende Totzeit.
Die Gatespannung der Transistoren springt nicht augenblicklich von Low
nach High, sondern durchläuft, analog, alle Spannungen von L auf H. Und
nun stelle dir vor, sie hat gerade 6V, also gerade in der Mitte. Der
untere Transistor (IRF740) hat eine wirksame Steuerspannung(UGS) von
+6V. Laut Datenblatt kann jetzt ein Strom von ca. 4A durch ihn fließen.
Der obere Transistor hat eine UGS von -6V und kann damit bis 10A leiten.
Es gibt also bei jeder Flanke, steigend und fallend, einen kurzen
Stromimpuls bis ca. 4A. Sicher, die Impulszeit ist kurz, aber du
arbeitest mit 28000000 Flanken je Sekunde.
Und da sind wir beim zweiten Problem. Ich glaube nicht, daß die
Transitoren bei der Frequenz von 14MHz überhaupt noch vernünftig
arbeiten. Die Erholzeit des IRF740 liegt bei 370ns, das entspricht einer
maximalen Frequenz von unter 3MHz. Beim IRF9530 sind es 120ns, also
unter 8MHz.
Mit einer niedrigeren Frequenz (deutlich < 3MHz) und einer Totzeit
sollten die Transistoren wunschgemäß arbeiten.
Viel Erfolg. Tom
Hallo Udo,
ich vermute, die Verlustleistung ist wegen der untersciedlichen
Leitfähigkeit der Transistoren (Datenblatt) asymetrisch. Der obere
Transistor leitet besser als der Untere, somit bekommt der Untere mehr
Spannung, bei gleichem Strom.
Gruß. Tom
Bernd K. schrieb:> Das denke ich nicht; der ist schon richtig drin.
Da muß ich Dir Recht geben, hatte mich von der Lage der Gate-Anschlüsse
täuschen lassen.
Ein Problem könnte auch sein, daß die Transistoren nicht gut zueinander
passen. Bei solchen Einfach-Ansteuerungen sollte man immer darauf
achten, Transistoren auszuwählen, die bezüglich Schaltzeiten, und
Gate-Kapazität ähnliche Eigenschaften haben, bei einem N-Kanal / P-Kanal
Paar nicht immer einfach. Wenn der Gate-Strom sehr begrenzt ist, sollte
man es, bei den Transistoren, auch nicht übertreiben. Viel hilft viel
ist hier der falsche Ansatz. Kleinere Transistoren haben auch kleinere
Gate-Kapazitäten, und schalten damit, bei gegebenem Gate-Strom, auch
schneller.
Mit freundlichen Grüßen - Martin
TomA schrieb:> Und da sind wir beim zweiten Problem. Ich glaube nicht, daß die> Transitoren bei der Frequenz von 14MHz überhaupt noch vernünftig> arbeiten. Die Erholzeit des IRF740 liegt bei 370ns, das entspricht einer> maximalen Frequenz von unter 3MHz. Beim IRF9530 sind es 120ns, also> unter 8MHz.>
Es gibt keine Erholzeit bei MOSFETs. Prinzipiell schalten sie innerhalb
weniger Nanosekunden. Diese Datenblattwerte kommen von der
Testschaltung, die meist auf 50 Ohm basiert.
Es stellen sich bei sehr hohen Frequenzen aber reale Probleme ein:
1. unterschiedliche Laufzeiten auf dem Chip
2. induktives Überschwingen
Daher kann so ein hier genannter MOSFET real mit sinnvollem Wirkungsgrad
nur mit ein paar MHz laufen. Schalttechnisch ist vielleicht bei einem
TO220 so um die 15MHz Schluß.
Eine andere Baustelle ist die parasitäre Diode im MOSFET! Je nach
Schaltung ist diese allerdings oft nie an. Kann aber auch anders sein
und dann kann man nach FRED suchen...
TomA schrieb:> ich sehe zwei Probleme deiner Schaltung. Eines wurde schon angesprochen,> die fehlende Totzeit.
[schnipp]
> Und da sind wir beim zweiten Problem. Ich glaube nicht, daß die> Transitoren bei der Frequenz von 14MHz überhaupt noch vernünftig> arbeiten.
Die von Paul verbauten Boliden sicher nicht. Die im Original
vorgesehenen BS170 und BS250 schon eher. Die haben jeweils um die 30pF
Gatekapazität und 10ns Schaltzeit. Außerdem sind die Ein-Widerstände mit
typisch 1.5R und 9R hoch genug, um den Querstrom im Zaum zu halten.