Hallo!
Ich finde bei Google widersprüchliche Angaben über die Ausgangsspannung
der GPIOs eines Raspberry Pi Zeros. Manche sagen 5V, einige 3,3V.
Versorgt wird der Pi über 5V.
Ist die Ausgangsspannung evtl. einstellbar auf 3,3 oder 5V?
Grüße, PL
OK, dann noch eine Frage: Direkt am GPIO hängt ein IRF540N Mosfet (mit
150 Ohm Gatevorwiderstand). Der müsste bei 3,3V ja eigentlich aufgehen
oder? Leider wird bei einer Last am Ausgang (12V/2A) Uds nicht null,
sondern bleibt bei ca. 4V, und an der Last fallen somit nur 8V statt 12
ab. Hab ich den falschen MOSFET genommen? An sich ist er hier im Forum
mit Ugs(th)=3V angegeben (https://www.mikrocontroller.net/part/IRF540).
Pythagoraslover schrieb:> OK, dann noch eine Frage: Direkt am GPIO hängt ein IRF540N Mosfet (mit> 150 Ohm Gatevorwiderstand). Der müsste bei 3,3V ja eigentlich aufgehen> oder?
Oder.
p.s.
Bei der Gate-Source Schwellspannung fängt der FET an zu leiten. Von
richtig leitende ist der dann noch weit, weit entfernt. Guck dir mal die
Ausgangskennlinie (Fig.1 um Datenblatt) an.
Die Gate Threshold Voltage liegt laut Datenblatt irgendwo zwischen 2V
und 4V. Das Diagramm Figure 3 zeigt, wie viel Volt du an das Gate
anlegen musst, um einen gewissen Laststrom schalten zu können.
3V liegen außerhalb des Diagramms. Der transistor ins ungeeignet.
Ich möchte dazu noch etwas sagen: In diesem Fall begnnt das Diagramm
erst bei 4V (der maximalen Threshold Voltage). In den meisten anderen
Datenblättern beginnen diese Diagramme mit dem mittleren Wert (das wäre
hier 3V).
Wenn das Diagramm nicht mit dem max. Wert beginnt, muss man die Kurve
Gedanklich horizontal nach rechts verschieben, so dass sie mit der
maximalen Threshold Spannung beginnt. Nur dann kann man dort halbwegs
verlässliche Werte ablesen.
Ich bin nur interessierter Laie. Könnt ihr auch sagen warum? Bzw. welche
Spannung nötig ist? In der MOSFET-Übersicht dieses Forums steht
Ugs(th)=3V. Im Datenblatt steht Ugs(th)Min=2V/Max=4V. Oder ist das der
komplett falche Wert?
Ugs(th) schwankt fertigungsbedingt sehr stark. Verschiedene Exemplare
desselben Types können in der Tat von 2V-4V streuen.
Der Wert ist aber wenig praxisrelevant und die erhebliche Streuung soll
Dir nur sagen, dass Du nicht auf Kante nähen kannst, um sicheren Betrieb
zu gewährleisten (es sei denn, Du misst das Exemplar explizit durch).
Also: Vgs immer satt im Bereich des sicheren Leitens einstellen.
Dein Transistortyp ist auf jeden Fall nicht geeignet.
Ein IRF3708 schaltet bei 3,3V schon sehr niederohmig durch. Der hing
hier auch schon direkt am Raspi. Sollte man aber nicht machen, wenn man
ordentliche Leistung schalten möchte. Bei einem Kurzschluss etc. reisst
es sonst den Raspi mit ins jenseits.
Am besten über Optokoppler arbeiten. Dann kann es knallen und der Raspi
lebt weiter :-)
Pythagoraslover schrieb:> Ich bin nur interessierter Laie. Könnt ihr auch sagen warum? Bzw.> welche Spannung nötig ist?
Kein Transistor ist ideal, es gibt immer Abweichungen von den
Soll-Werten. Deswegen verspricht das Datenblatt nur wenige konkrete
Zahlen, sondern eher Bereiche von-bis.
Wenn du beim Bäcker Brötchen kaufst, kannst du dich zum Beispiel darauf
verlassen, dass sie nicht kleiner als 10cm und nicht größer als 15cm
sind, denn solche extremen Ausreißer würde der Bäcker aussortieren.
So ist das auch bei den Transistoren. Nun steht im Datenblatt, dass die
Threshold Spannung zwischen 2V und 4V liegt. Wenn dein Transistor 4V
benötigt, ist er völlig in Ordnung (da im Rahmen der Spezifikation),
aber für deinen Anwendungsfall ungeeignet.
Jetzt kommt noch dazu, dass der Laststrom, den der Transistor schalten
kann, von der Steuerspannung abhängt. Je höher die Steuerspannung ist,
umso mehr Laststrom kann er schalten. Genau das stellt Figure 3 dar.
Deine Last hat 2 Ampere und wir gehen mal von Zimmertemperatur aus. Du
kannst an Figure 3 ablesen, dass die Steuerspannung in diesem Fall etwas
höher als 4 Volt sein muss. Du hast aber nur 3,3V (im Idealfall).
Deswegen schaltet der Transistor nur halb durch und wird heiß.
"Threshold voltage, Vth, is defined as the minimum gate
electrode bias required to strongly invert the surface
under the poly and form a conducting channel between
the source and the drain regions. Vth is usually measured
at a drain-source current of 250mA. Common values are
2-4V for high voltage devices with thicker gate oxides, and
1-2V for lower voltage, logic-compatible devices with
thinner gate oxides."
(Aus den MOSFET Basics von Infineon)
Pythagoraslover schrieb:> Mit 5V wäre ich also dabei?
Nein.
> Kann ich mit dieser Schaltung die 5V sicher ans Gate schalten?
Nein. Das ist ein Emitterfolger, und 5V reichen eh nicht.
Pythagoraslover schrieb:> hinz schrieb:>> 5V reichen eh nicht>> Wieso nicht? Laut Fig.3 im Datenblatt können bei 25°C über 10A mit> Ugs=5V geschaltet werden!?
Die Toeranzen schon wieder verdrängt?
Wolfgang schrieb:> p.s.> Bei der Gate-Source Schwellspannung fängt der FET an zu leiten. Von> richtig leitende ist der dann noch weit, weit entfernt. Guck dir mal die> Ausgangskennlinie (Fig.1 um Datenblatt) an.
Kann mir jemand sagen wieso dieser Wert immer als Hauptmerkmal von
Mosfets in Tabellen auftaucht?
Hatte damit auch lange zu kämpfen um zu begreifen dass dieser Wert
schlicht nutzlos ist, um zu entscheiden ob der Mosfet in einer digitalen
Schaltung (also wo beim Ausschalten praktisch 0V angelegt wird)
brauchbar ist, oder nicht und offensichtlich bin ich da bei weitem nicht
der einzige Anfänger der sich davon verwirren ließ.
Immer auf den Graphen zu schauen ist das Gegenteil von übersichtlich.
Weshalb nennt man nicht einen standardisierten Wert
"Xv" welcher beschreibt welche Spannung am gate notwendig ist, damit
sagen wir mal, die Hälfte der Nenn-Stromstomtärke bei der Hälfte der
Nennspannung, ohne Zusatzkühlung durch den Mosfet geschaltet werden
kann?
Von mir aus auch hier ein Xvmin und Xvmax. Das wäre immer noch sehr gut
zum Vergleichen geeignet...
Man würde auf dem ersten Blick sehen ob man das Bauteil mit dem
vorliegenden uC ansprechen kann, oder nicht.
Pythagoraslover schrieb:> Mit 5V wäre ich also dabei?Pythagoraslover schrieb:> Laut Fig.3 im Datenblatt können bei 25°C über 10A mit> Ugs=5V geschaltet werden!?
Es kann gehen. Die Kurve geht von typischen Werten bei 25°C aus, dein
vorhandenes Exemplar kann das erfüllen, muss es aber nicht.
Wenn du es in Serie fertigen willst, ist das zu unsicher. Für ein
Einzelexemplar würde ich es mal bei 5V ausmessen. Die Chancen für 2A
stehen nicht ganz schlecht. Es hängt auch davon ab, wie viel Drop du an
Drain-Source zulassen willst.
> Kann ich mit dieser Schaltung die 5V sicher ans Gate schalten?
Nein, wie schon gesagt ist es ein Emitterfolger. Der hätte dann gerade
mal 2.7V am Ausgang - noch weniger!
Wenn du aber den Widerstand (1k, keine 56k) auf die Kollektorseite
bringst und dort das Gate anschließt, dann erreichst du die 5V.
Allerdings ist die Logik dann invertiert, was aber bei der
Programmierung des IOs leicht korrigiert werden kann.
Pythagoraslover schrieb:> Danke für Eure Antworten, jetzt bin ich um einiges schlauer!> Würde dann die angehängte Schaltung (jetzt als Emitterschaltung)> funktionieren?
Ja, wobei der Basiswiderstand auch deutlich größer sein darf, 10kOhm
sind kein Problem.
Stefanus F. schrieb:> So ist das auch bei den Transistoren. Nun steht im Datenblatt, dass die> Threshold Spannung zwischen 2V und 4V liegt. Wenn dein Transistor 4V> benötigt, ist er völlig in Ordnung (da im Rahmen der Spezifikation),> aber für deinen Anwendungsfall ungeeignet.
Nochmal: Die Threshold Spannung hat nichts mit der für anständiges
Durchschalten erforderlichen GS-Spannung zu tun.
Dafür gibt es die Ausgangskennline mit U_GS als Parameter.
Alex G. schrieb:> Immer auf den Graphen zu schauen ist das Gegenteil von übersichtlich.> Weshalb nennt man nicht einen standardisierten Wert
Weil das von dem zu steuernden Strom abhängt. Es ist wenig sinnvoll, für
FETs in verschiedenen Leistungsklassen eine Kennzahl für den selben
Arbeitspunkt anzugeben.
Wolfgang schrieb:> Stefanus F. schrieb:>> So ist das auch bei den Transistoren. Nun steht im Datenblatt, dass die>> Threshold Spannung zwischen 2V und 4V liegt. Wenn dein Transistor 4V>> benötigt, ist er völlig in Ordnung (da im Rahmen der Spezifikation),>> aber für deinen Anwendungsfall ungeeignet.>> Nochmal: Die Threshold Spannung hat nichts mit der für anständiges> Durchschalten erforderlichen GS-Spannung zu tun.> Dafür gibt es die Ausgangskennline mit U_GS als Parameter.
Wenn du mich vollständig zitiert hättest, wäre Dir aufgefallen, dass ich
genau den selben Hinweis direkt im nächsten Satz geschrieben hatte.
hinz schrieb:> Pythagoraslover schrieb:>> Danke für Eure Antworten, jetzt bin ich um einiges schlauer!>> Würde dann die angehängte Schaltung (jetzt als Emitterschaltung)>> funktionieren?>> Ja, wobei der Basiswiderstand auch deutlich größer sein darf, 10kOhm> sind kein Problem.
Genau.
@Pythagoraslover
Bei 12V-Betrieb kann der 1k R am Kollektor auch etwas größer sein. So
fließen im aktiven Zustand 12mA, die Hälfte oder ein Drittel tun es
auch. 1k an 12V sind schon ≈150mW. Es wird ja keine PWM gemacht.
Wenn du dir die 12mA leisten kannst, dann lass es so.
Dein FET schaltet so jedenfalls perfekt!
Hallo, nachdem die üblichen "Schlaumeier" sich ausgetobt haben, rate ich
dir dringend, dich in einem der hervorragenden RasPi-Foren umzuschaun.
Da findest du alles was das Herz begehrt und noch mehr...
Gruß Rainer
Rainer V. schrieb:> Hallo, nachdem die üblichen "Schlaumeier" sich ausgetobt haben
du auch?
Rainer V. schrieb:> rate ich> dir dringend, dich in einem der hervorragenden RasPi-Foren umzuschaun
wo ist der Link?
welche hervorragenden RasPi-Foren kennst du?
also ich habe hier einige hilfreiche Beiträge gelesen, deiner zählt
nicht dazu nur rumgemaule, kein Tipp für den TO
Joachim B. schrieb:> Rainer V. schrieb:>> Hallo, nachdem die üblichen "Schlaumeier" sich ausgetobt haben
Sag ich doch...der TO hat sich seit drei Tagen nicht mehr gemeldet und
ein Schlaumeier findet auch RasPi-Foren...wenn nicht er! Der TO sicher.
Gruß Zippel
hinz schrieb:> Vth is usually measured> at a drain-source current of 250mA.
Wenn das nicht mal ein Dreckfuhler ist.
Im verlinkten DB des IRF540 steht 250µA, ebenso bei den meisten
aktuellen wie IRLR2905 und sogar bei einem 240+ A Typen wie dem
IRLS3034-7PPbF.
Lediglich beim uralten BUZ10 sind es 1mA, und bei Brocken mit etlichen
100W Verlustleistung, wie dem IXFB70N60Q2, findet man auch mal 8 mA.
Vermutlich sind diese Stromangaben i.W. den Meßmöglichkeiten der
Testautomaten geschuldet.
Jedenfalls sollte man die Spannungsangabe bei U_GS(th) eher als
Abschaltkriterium ansehen, unterhalb derer der Transistor auf jeden Fall
sperrt.
Pythagoraslover schrieb:> Hier nochmal was vom TO ;-) Ihr habt mir alle sehr geholfen
wie hast du es gelöst?
wäre ja nicht uninteressant für andere, merke Forum ist nehmen & geben!
Pythagoraslover schrieb:> dieses> Forum ist trotz des rauen Umgangstons meistens sehr hilfreich
auch DU bist Forum!
nachtmix schrieb:> hinz schrieb:>> Vth is usually measured>> at a drain-source current of 250mA.>> Wenn das nicht mal ein Dreckfuhler ist.
Kein Druckfehler, siehe Bild. Dass Copy&Paste so einen Mist bauen kann
vermutet man nicht, und deshalb ist es mir auch nicht aufgefallen.
hinz schrieb:> Dass Copy&Paste so einen Mist bauen kann vermutet man nicht
Das kommt immer auf den Zeichensatz drauf an und ob beide Programme
(Quelle und Ziel) die Übergabe über die Zwischenablage ggf.
zeichensatzübergreifend unterstützen.
Wolfgang schrieb:> hinz schrieb:>> Dass Copy&Paste so einen Mist bauen kann vermutet man nicht>> Das kommt immer auf den Zeichensatz drauf an und ob beide Programme> (Quelle und Ziel) die Übergabe über die Zwischenablage ggf.> zeichensatzübergreifend unterstützen.
Hab ich jetzt gelernt.