Löten von oxidierten Kabeln

OP #2641340
Hallo zusammen,

ich habe Coax-Kabel, im Außeneinsatz. Was heißt, das Kabel kann nass 
werden und Feuchtigkeit kann an den Kupferschirm kommen. Oxidation ist 
die Folge.

Der Kupferschirm lässt sich dann absolut nicht mehr löten.

Habe es mit Blei-Zinn und Bleifrei-Zinn, diversen Flussmitteln probiert, 
unterschiedliche Löttemperaturen und Kolben probiert.
Habe die Oberfläche mechanisch abgeschabt.
Nichts hat geholfen. Das Kupfer nimmt absolut kein Zinn an.

Die andere Seite des Kables (die im Trockenen ist) lässt sich 
einwandfrei löten.

Hat jemand einen Tipp was ich noch probieren kann ?

Ein neues Kabel zu verwenden ist keine Option.

Die Feuchtigkeit vom Kabel fern halten funktioniert nicht immer und ich 
muss löten.
#2641412
Säurehaltiges Flussmittel aka "Lötfett"
Billigste Baumarktqualität.
Einwirken lassen , löten und dann peinlichst saubermachen.
Und darauf achten, das kein Lötfett in der Isolierung noch "oben" 
wandert.

Zm Schutz dann mit Vaseline / Wählerfett einhüllen.
Kappe von einem BNC-Stecker o.ä. drüberziehen.
Hält nicht ewig, aber lange.
Gast #2641605
>Jörg Wunsch schrieb:
> wo kauft man sowas?
Evtl. im Schreibwarenladen um die Ecke.
Ursprünglich wurde es zum abschaben von Tusche auf technischen 
Pergamentzeichnungen verwendet.
Moderator Persönliche Seite #2641606
j. c. schrieb:
> probier einfach A. dest. mit ein paar Tropfen HCl

HCl allein ist nicht so toll.  Klassisches "Lötwasser" enthält
zusätzlich noch Zinkchlorid (einfach ein wenig Zink in der HCl
auflösen).

Aber: HCl muss man danach sehr sauber wieder entfernen, und vor
allem muss man unbedingt verhindern, dass das Zeug irgendwie unter
die äußere Isolierhülle des Kabels kriecht.  Andernfalls hält das
Ganze kein Jahr mehr, dann löst sich das alles in Wohlgefallen auf.
#2641626
>HCl allein ist nicht so toll

Deshalb empfehle ich alles zu lesen: ein paar Tropfen in ein 
Elektrolysebad! Das ist gar kein Problem. Das HCl soll nix lösen, der 
entstehende naszierende Wasserstoff soll das CuO killen. Das kann 
Wasserstoff nämlich sehr gut --> Wasserstoffkrankheit von 
nicht-sauerstofffreiem Kupfer.
OP #2641786
Lötfett habe ich noch nicht probiert.
Aber ich habe es mal mit Fittingsflussmittel für Kupferrohre probiert.
leider ohne Erfolg.

Zum Schaben geht auch die Kante einer Leiterplatte (Glasfaser).

Was mir aufgefallen ist:
Der Kupfermantel sieht nach dem Abmanteln scheibar gut aus. 
Kupferfarbend aber etwas matt.
Wenn ich jetzt schabe (mit Glas) wird die Stelle blank. ABER nicht wie 
zu erwarten Kupferrot, sondern eher silberfarbend.



Sorry Leute, ich muss an dieser Stelle wirklich löten. Workarounds 
helfen nicht.

Nur Säure habe ich noch nicht probiert.
#2641793
Winfried Z. schrieb:

> Der Kupfermantel sieht nach dem Abmanteln scheibar gut aus.
> Kupferfarbend aber etwas matt.
> Wenn ich jetzt schabe (mit Glas) wird die Stelle blank. ABER nicht wie
> zu erwarten Kupferrot, sondern eher silberfarbend.

Dann ist es möglicherweise doch kein kupfer und kann deshalb nicht
gelötet werden. Versuchs doch mal mit Alulot.
Gruss
Harald
OP #2641802
> Dann ist es möglicherweise doch kein kupfer und kann deshalb nicht
> gelötet werden. Versuchs doch mal mit Alulot.

Nein, die andere Seite des Kables lässt sich einwandfrei löten.

> Versuchs doch mal mit Alulot.

Ein anderes Kupferkabel mit Alulot an den Mantel anlöten ? Das geht wohl 
auch nicht.
#2641820
Winfried Z. schrieb:
>> Dann ist es möglicherweise doch kein kupfer und kann deshalb nicht
>> gelötet werden. Versuchs doch mal mit Alulot.
>
> Nein, die andere Seite des Kables lässt sich einwandfrei löten.
>
>> Versuchs doch mal mit Alulot.
>
> Ein anderes Kupferkabel mit Alulot an den Mantel anlöten ? Das geht wohl
> auch nicht.

Alulot heisst nicht so, weil es aus Alu ist, sondern es enthält
zusätzliche Flussmittel, um auch schwer lötbare Metalle zu benetzen.
Vielleicht besteht Dein Mantel ja aus verkupfertem Eisen oder Alu.
Wenn Du dann das Kupfer abschabst, ist er mit normalen Lot nicht
mehr benetzbar.
Gruss
Harald
Moderator Persönliche Seite #2641827
Winfried Z. schrieb:
> Nein, die andere Seite des Kables lässt sich einwandfrei löten.

Und es ist sicher, dass es sich dort wirklich um das gleiche Kabel
handelt?

Könnte natürlich auch sein, dass das Geflecht aus verkupfertem
Al-Draht besteht.  Sowas macht man zuweilen zur Masse- (und Kosten-?)
Einsparung.  In diesem Falle bleibt nach dem Abkratzen des
vergammelten Kupfers natürlich nur ein (nahezu) unlötbarer Al-Draht
übrig.

[Edit: Harald hatte den gleichen Gedanken, seh' ich gerade.]
OP #2641833
> Alulot heisst nicht so, weil es aus Alu ist, sondern es enthält
> zusätzliche Flussmittel, um auch schwer lötbare Metalle zu benetzen.
> Vielleicht besteht Dein Mantel ja aus verkupfertem Eisen oder Alu.
> Wenn Du dann das Kupfer abschabst, ist er mit normalen Lot nicht
> mehr benetzbar.

Das macht Sinn.
Aber Eisen ist es nicht (Magnettest)

Hast Du vielleicht eine Bezugsquelle oder einen Handelsnamen für solch 
Alulot?

Wenn ich Alulot google kriege ich nur Alulot für Aluminium.
OP #2641888
So ich habe mal auf der "guten" Seite des Kabels geschabt.

Scheint tatsächlich kein reines Kupfer zu sein. (siehe Foto)

Wenn ich da ne Weile mit dem Lötkolben "rumkokel" "geht" auch nichts 
mehr.

Also wenn es so ein Lot für Alukabel gibt,  wo bekomme ich so etwas ?
Angehängte Dateien:
Gast #2642118
Vergiß das! Das ist eine Wissenschaft für sich und teuer. Und die 
Temperatur übersteht der Rest des Kabels auch nicht.
Es gibt doch wunderschöne Zwischenstücke zum quetschen.
OP #2643306
Ok, ich kann ja mal was zum Einsatz des Kabels schreiben.

Beim Kabel handelt es sich um ein aus zwei Kabeln bestehendes Kabel 
(coax und 2pol) die in einem Mantel gefertigt sind. Coax für 
Videoübertragung, 2pol für serielle Daten.

An der "feuchten" Seite ist (von mir) ein wasserdichter Stecker 
angelötet und nach dem anlöten wasserdicht vergossen. An den Stecker 
wird eine Unterwasserkamera angeschlossen.

Die Kameras (4 insgesamt) sind in einem Schwimmbecken aufgebaut um eine 
Unterwassersportveranstaltung zu zeigen. (Wen es interessiert, es geht 
um Unterwasserrugby live im Internet 
http://vimeo.com/championscup/groups )

Zurück zur Lötstelle >>
Erfahrungsgemäß müssen von Zeit zu Zeit die Stecker erneuert werden. 
Gründe dafür sind kaputte Stecker, beschädigte Kabel, Feuchtigkeit im 
Kabel oder gebrochene Kabel im Stecker.

Klemmverbindungen im Stecker haben sich als ungünstig ergeben, da der 
Verguss des Steckers sich nachteilig auf Klemmverbindungen auswirkt. Die 
besten Erfahrungen haben wir mit Lötverbindungen.

Bisher hatten wir Kabel mit reinem Kupfermantel.

Die neuen "Alu"-Kabel waren recht preisgünstig jetzt weiß ich wieso.

Inzwischen habe ich eine Firma gefunden, die die verschiedensten Lote 
zum Thema anbietet. Ich werde hier über die Ergebnisse berichten.

http://www.rexin-loettechnik.de/

Kurios, aber die haben auch Alulot für 65°C
Gast #2651124
Zum Thema Alu-Lot bei 65 Grad liegt ein Fehler vor : dieses Lot ist laut 
www.rexin-loettechnik.de für Weissmetall, was bei 73 Grad schmilzt und 
nicht für Alu.

Beim Löten werden die meisten Fehler beim richtigen Erwärmen gemacht. In 
der Regel klappen die Lote, wie angegeben.

Der zweit-meiste Fehler ist, dass das Metall nicht metallisch blank und 
fettfrei gemacht wird. Bei oxyidiertem Kabelgeflecht ist das sehr 
schwierig zu entfernen.

Außerdem gibt es hunderte von Spezial-Loten und sehr viele verschiedene 
Flußmittel, man muss sich genau erkundigen, welches für welche Anwendung 
geeignet ist. Die unterscheiden sich nach Metall, Temperatur und 
Festigkeit. Kein leichtes Thema.
Gast #2651137
Kenn jetzt deinen Stecker nicht, aber wenn alles nichts hilft vielleicht 
mehrere Aderendhülsen auf das Geflecht rundherum aufquetschen und die 
dann verlöten.
OP #2662353
Ich habe jetzt das Lot von Rexin ausprobiert. Es funktioniert sehr gut.
Vergleichbare Lötstellen, die sich mit Elektroniklot überhaupt nicht 
verzinnen ließen, lassen sich mit der Lot von Rexin gut verzinnen. 
Jedoch muss etwas anders gelötet werden als gewohnt.

Wenn man mit Elektroniklot auf Kupferlötstellen relativ viel Zeit zum 
Verzinnen hat, ist die Verarbeitungszeit mit dem Alulot sehr kurz 
bemessen. Zu langes Löten verändert das Lot und die Lötoberfläche so 
weit, dass die Lötstelle immer schlechter wird. Das Lot wird z.T. 
bröckelig, die vorher gemachte Verzinnung fließt ab und die Lötstelle 
wird wieder unbrauchbar.

Auch ist durch den Aufbau der Schirmung des Coax-Kabels eine kurze 
Lötzeit erforderlich.
Bei meinem Kabel ist (wie oft üblich) zwischen dem verkupferten 
Alugeflecht und der Kunststoffisolierung noch eine Lage "Alufolie".

Durch das Alulot verflüssigt sich die "Alufolie" und die 
Kunststoffisolierung beginnt zu fließen.

Mit Elektroniklot bleibt die "Alufolie" und wirkt als thermische 
Isolation bzw. verhindert eine Beschädigung der Isolierung.


Das Lot von Rexin ist zu empfehlen.

Sehr gut ist auch die Beratung durch den Inhaber Dieter Drewanz.

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