Es wurden mit etlichen Presse-Tamtam einige Billig-Halbleiter aus China
beschlagnahmt:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zoll-beschlagnahmt-mehr-als-eine-million-gefaelschte-halbleiter-a-1155648.html
Als Begründung muss beispielsweise die Flug- und Verkehsr-Sicherheit
herhalten:
"Der Einbau von nachgemachten Halbleitern "kann zu Ausfällen von
Computersystemen und schweren Störungen in zivilen und militärischen
Sicherheitssystemen führen"
Werden Sicherheitsrelevante Systeme aber auch nicht dafür ausgelegt auch
ohne solche staatlichen Massnahmen zu funktionieren?!
-Wareneingangsprüfung
-enviromental stress Screening
-Qualifizierung der Zulieferer
-redundante Auslegung
-PowerOn-Selbstdiagnose und ständiges Systemmonitoring
Trifft daher diese Zollbeschlagnahme daher den falschen, nämlich den
Hobbybastler der von billige China-Teilen abhängig ist?
Kleiner Bastler schrieb:> Trifft daher diese Zollbeschlagnahme daher den falschen, nämlich den> Hobbybastler der von billige China-Teilen abhängig ist?
Du bist abhängig von Leistungetransistoren, die schon bei der halben
angegebenen max. Verlustleistung durchlegieren?
Also die paar ct. für einen Originalhalbleiter hab ich noch.
Tja,
wer erinntert sich noch von welchen Marken es
Berichte über explodierende Akkus gab?
Irgendwie gab es da keine Hinweise auf China Billigheimer.
Oder was sind die letzten Medikamentenskandale?
Ich kann mich an keine Meldung erinnern deren Inhalt
"massenvergiftung durch Türkisches Vi*gra" war.
"Die Ermittler haben mehr als eine Million gefälschte Halbleiter
sichergestellt."
Das ist nicht viel, auf einer Rolle sind mal schnell 3000 Stk drauf :-)
Kleiner Bastler schrieb:> Werden Sicherheitsrelevante Systeme aber auch nicht dafür ausgelegt auch> ohne solche staatlichen Massnahmen zu funktionieren?!
Sicherheitsrelevante Systeme werden so ausgelegt, dass sie mit den
zugesicherten Daten der Bauteile sicher funktionieren. Sie werden nicht
so ausgelegt, dass in einem 2N3055 auch einen BD135 stecken könnte, ohne
Probleme zu verursachen.
Normalerweise sind die Lieferwege so gestaltet, dass man die richtigen
Bauteile bekommt. Preisdruck unter den Unternehmen und kurzfristige
Lieferengpässe können aber dazu führen, dass man sich besonders bei
Wartung auch mal anderswo umsieht.
> Trifft daher diese Zollbeschlagnahme daher den falschen, nämlich den> Hobbybastler der von billige China-Teilen abhängig ist?
Aus wirtschaftlicher Sicht ist das ein harmloser Kollateralschaden.
Abgesehen davon verwende ich auch lieber Bauteile, die das enthalten was
draufsteht.
Der Andere schrieb:> Aber wie du klingst glaubst du das erst wenn du selbst an gefälschten> Medikamenten gestorben bist
Schwarzer Humor: Dann hat er dran glaubenmüssen
Abel
A. K. schrieb:> Normalerweise sind die Lieferwege so gestaltet, dass man die richtigen> Bauteile bekommt.
Vollkommen richtig. Die Argumentation mit der Sicherheit ist natürlich
der allerletzte Bullshit!
Die Automobilindustrie und Luftfahrtindustrie bestellt die Halbleiter
direkt ab Werk beim Chiphersteller, und nicht über irgendwelche dubiosen
Broker.
Diese Fälschungen treffen ausschließlich den Mittelstand - die nicht das
Geld haben, um eine Stichprobenprüfung bei den Bauteilen zu machen. Im
Fall meiner damaligen Firma war es sogar so, dass die Fälschung sich
identisch zum Original verhielt. Der einzige Unterschied war, dass die
ICs dann mit mehrfachen Abschalten der Übertemperatursicherung in
Flammen aufgingen. Also nichts, was beim EOL-Test aufgefallen ist.
Gerade als Hobbybastler fühle ich mich durch solche Aktionen vor
potentiell gefährlichen Fälschungen geschützt. Ich habe keine
Rechtsabteilung die sich darum kümmern kann, wenn ich betrogen worden
bin. Es geht bei mir ja auch nur um kleine Beträge.
Martin S. schrieb:> Vollkommen richtig. Die Argumentation mit der Sicherheit ist natürlich> der allerletzte Bullshit!
Sorry, aber diese Aussage ist selbst Bullshit. Das Problem liegt weniger
in der Fabrikation des Produkts, als in der Wartung davon. Bei den
Ersatzteilen.
Die Luftfahrtbranche kämpft seit Jahrzehnten mit dem Problem gefälschter
Ersatzteile. Das betrifft sogar das US-Militär.
Klaus schrieb:> Ich habe keine> Rechtsabteilung die sich darum kümmern kann, wenn ich betrogen worden> bin. Es geht bei mir ja auch nur um kleine Beträge.
Du brauchst keine Rechtsabteilung um Marken-Bauteile aus
vetrauenswürdigen Quellen zu beziehen, wie bspw. C*d.
Hallo
was mich interessieren würde und wie erwartet im Spiegel Bericht(chen)
nicht erwähnt wurde:
Wie haben das die Ermittler erkannt? Es muss,auch auf technischer Seite,
eine Ermittlung stattgefunden haben.
Nun sind Halbleiter in den seltensten Fällen direkt als Fälschung zu
erkennen - oft funktionieren sie auch scheinbar einwandfrei.
Wie wird z.B. ein Präzision OP vollständig auf all seine Daten
überprüft, noch aufwendiger stelle ich mir dass mit einen µC oder gar
einen µProzessor vor.
Selbst die Originalhersteller werden immer wieder einmal mit
Fehlfunktionen überrascht welche dann aufwendig behoben werden müssen.
Und selbst "gleiche" Bauteile (Chips) von verschiedeneren Herstellern
sind oft nicht 100% gleich und funktionieren in bestimmten Anwendungen
nicht zuverlässig nach den Motto "TI geht ST aber nicht"
Wie erkennt man nun zuverlässig (!) einen aufwendigen und gut
gefälschten Halbleiter?
Also eben nicht die Hinterhoffälschung mit erkennbar falschen Aufdruck
auf den steinalten Leistungstransistor sondern bei einen modernen hoch
integrierten IC oder "High End" IC für die im Bericht erwähnten "Zivilen
und militärischen Sicherheitssystemen" ?
Bastler
Bastler schrieb:> Nun sind Halbleiter in den seltensten Fällen direkt als Fälschung zu> erkennen - oft funktionieren sie auch scheinbar einwandfrei.
Ich könnte auch keinen echten Klimt von einem echten Kujau
unterscheiden. Andere können das. Die wissen, wie die Gehäuse und
Aufdrucke des Originalherstellers in der fraglichen Zeit aussehen. Und
können Spuren von Wiederaufbereitung ausgebauter Bauteile erkennen.
Kleiner Bastler schrieb:> Trifft daher diese Zollbeschlagnahme daher den falschen, nämlich den> Hobbybastler der von billige China-Teilen abhängig ist?
Jeder mit mehr als 3 Gehinzellen weiß, dass verglichen mit anderen
Hobbys die Bauteile für das Elektronikhobby von den Gesamtkosten her
kaum ins Gewicht fallen.
Drum kann man es sich auch leisten, bei Conrad, Reichelt, Mouser
(Sammelbestellung) Microchip direct und Konsorten einzukaufen.
Jeder mit ein bischen Hirn ist froh darum, wenigstens den Faktor "Fake
Bauteil" bei der Fehlersuche (so gut wie) ausschließen zu können. So
habe ich über die FTDI-Treiberdiskussion nur lachen können.
--> Man bekommt ALLES was man fürs Hobby braucht auch bei seriösen
Lieferanten, ohne Fake, ohne Explosion
--> Von Abhängig von Chinateilen kann keine Rede sein.
Ich gehe mal davon aus, das der Anfangsverdacht schon über den
TRansportweg/Absender ermittelt wurde.
Und die (dadurch ja geschädigten Originalhersteller) gerne mit Infos zu
Chargennummern und ggf. auch Stichprobenprüfungen mithelfen diesen
Verdacht zu begründen.
Danke
Aber wie es sich gehört kommt die Anschlussfrage, na könnt ihr sie schon
erraten? ;-)
Wie machen es den die "Anderen" - und jetzt bitte nicht die nichts
sagende Floskel "Erfahrung" zum besten geben.
Einfach nur aus Neugier, ich habe weder vor den Experten ihren Job
streitig zu machen, noch will ich in die Halbleiterfälschungbranche
einsteigen.
Bastler
Bastler schrieb:> Wie haben das die Ermittler erkannt?
Indem sie einen Verdacht haben und dann in großangelegen Aktionen alles,
was über bestimmte Vertriebswege kommt, beschlagnahmen.
Dabei spielt es erstmal gar keine Rolle, ob es sich um Elektronik oder
gefälschten Orangensaft handelt. Von beidem haben die Zöllner nämlch
keine Ahnung. Aber die Experten, die das danach untersuchen.
Soso schrieb:> Jeder mit mehr als 3 Gehinzellen weiß, dass verglichen mit anderen> Hobbys die Bauteile für das Elektronikhobby von den Gesamtkosten her> kaum ins Gewicht fallen.
Nur ist das Prinzip "Schnäppchen-Jäger und -Sammler" so tief ins
menschliche Erbgut eingebrannt, dass diese löbliche Erkenntnis nicht
immer Früchte trägt.
Wirtschaftlicher Druck führt zudem in vielen Branchen dazu, dass bei der
billigsten Quelle gekauft wird, nicht bei der qualitativ besten. Wenn
das so entstandene Produkt dann wiederum Teil eines anderen Produkts
ist, dann ist spätestens dessen Einkauf über die Malaise auch nicht mehr
im Bilde.
Und was die schon erwähnten Airlines angeht: Viele leben grad so von der
Hand in den Mund, die Branche ist gnadenlos. Der Druck, es bei der
Wartung sowohl bei den Fristen als auch bei den Bezugsquellen schleifen
zu lassen, ist dementsprechend hoch.
A. K. schrieb:> Wirtschaftlicher Druck führt in vielen Branchen dazu, dass bei der> billigsten Quelle gekauft wird, nicht bei der qualitativ besten. Wenn> das so entstandene Produkt dann wiederum Teil eines anderen Produkts> ist, dann ist spätestens dessen Einkauf über die Malaise auch nicht mehr> im Bilde.
Und nicht zu vergessen, die Schwarzen Schafe, die bewusst minderwertiges
Zeug einbauen. Pfusch gibt es nicht nur am Bau.
Bastler schrieb:> Wie machen es den die "Anderen" - und jetzt bitte nicht die nichts> sagende Floskel "Erfahrung" zum besten geben.
Man kauft nur bei "authorized distributors", die der Hersteller nennt.
Das können auch beliebig kleine Buden. Dafür gibts die ganzen
Distributoren schließlich.
Außerdem:
Kein ordentlicher Distrie (also Läden wie Digikey, Rutronik, AVNET,
Mouser...) wird dir China-Fälschungen andrehen. Authorized oder nicht.
Zusatznutzen: Zugang zu Support, den man direkt beim Hesteller nicht
bekommt.
So ähnlich gilt das auch für Conrad und Reichelt. Auch die werden dir
keine Fälschungen andrehen, wobei Reichelt-Ware manchmal etwas fishy
ist.
Pollin, naja, das ist eine andere Baustelle...
Kleiner Bastler schrieb:> Werden Sicherheitsrelevante Systeme aber auch nicht dafür ausgelegt auch> ohne solche staatlichen Massnahmen zu funktionieren?!
Im Prinzip ja, gedae die Flugzeugbranche ist für ihre exorbitanten
Ersatzteilpreise bekannt, dafür ist auch jedes Teil vom
Originalhersteoler und geröntgt.
Da gibt es sogar bei einfachen Aluteilen schon Fälschungen.
Aber man kann sicher sein, daß die beschlagnahmten Teile NICHT in
Flugzeugen landen, da muss man einiges mehr tun, um eine Fälschung
unterzubekommen.
Klar ist, dass vor allem der Reparatuer auf solche Teile reinfällt: Er
braucht nur eines, und sucht das Teil mit derselben Typennummer. Wenn
das aber gefälscht ist und beispielsweise nur den halben Strom aushält,
dann geht sein repariertes Gerät eben schnell wieder kaputt.
Angefangen haben aber die echten Produzenten mit solchem Schmuh. Wenn
der Original RCA 2N3055 robuster war als der billige nachgemachte von
ST, der ebenfalls unter 2N3055 verkauft wurde, wenn Reichelt
Transistoren von ISC verkauft die nur die Hälfte aushalten, dann ist man
mit einer offiziellen Fälschung nicht schlechter bedient.
Soso schrieb:> So ähnlich gilt das auch für Conrad und Reichelt. Auch die werden dir> keine Fälschungen andrehen, wobei Reichelt-Ware manchmal etwas fishy> ist.>> Pollin, naja, das ist eine andere Baustelle...
Eigentlich hab ich das umgekehrt in Erinnerung. Bei Pollins Standardware
(nicht den Restposten) kriegst du das, was im Prospekt steht. Bei
Reichelt kriegst du das, was die gleiche oder eine ähnliche Bezeichnung
trägt, egal von welchem Hersteller. Kann auch sein, dass du bei Reichelt
das gleiche Produkt zweimal im Katalog findest, einmal als "was grad da
ist" und einmal herstellerbezogen und teurer.
Michael B. schrieb:> Aber man kann sicher sein, daß die beschlagnahmten Teile NICHT in> Flugzeugen landen,
Yep. Weil beschlagnahmt. Weshalb man das Zeug hoffentlich auch rasch
vernichtet, denn auf schlecht bezahlte Lagerverwalter beschlagnahmter
Teile würde ich nicht unbedingt mein Leben wetten.
Bei Abstürzen müssen in manchen abgelegenen Regionen die Offiziellen
sich sputen, damit von Flugzeug noch was übrig ist bis sie da sind.
Manches von solchem Schrott landet dann im Ersatzteilhandel.
Michael B. schrieb:> Angefangen haben aber die echten Produzenten mit solchem Schmuh. Wenn> der Original RCA 2N3055 robuster war als der billige nachgemachte von> ST, der ebenfalls unter 2N3055 verkauft wurde, wenn Reichelt> Transistoren von ISC verkauft die nur die Hälfte aushalten, dann ist man> mit einer offiziellen Fälschung nicht schlechter bedient.
Bei einem richtigen Distributor haben die aber verschiedene
Bestellnummern, sofern er überhaupt beide im Portfolio hat.
Die Anzahl erscheint nicht sonderlich hoch ("eine Million gefälschte
Halbleiter" wie "Dioden, LEDs, Transistoren und integrierte
Schaltkreise"), auch weil die Bauteile nicht genauer qualifiziert werden
(bspw. Marktwert).
"Die beschlagnahmten Geräte waren überwiegend über Postdienste oder
Expresskurier in die EU gebracht worden." hört sich nach kleinen und
Kleinstmengen an. Möglicherweise waren das überwiegend private Käufer.
Statt auf die Thematik näher einzugehen kommen Allgemeinsätze:
"Produktfälschungen sorgen nach Angaben der EU-Behörde für große
finanzielle Einbußen bei der europäischen Industrie."
Der Einbau von nachgemachten Halbleitern "kann zu Ausfällen von
Computersystemen und schweren Störungen in zivilen und militärischen
Sicherheitssystemen führen", teilte das EU-Amt mit.
Das würde mich eigentlich (wie oben angesprochen) auch besorgt machen,
wenn für sicherheitsrelevante Systeme unverifizierte Lieferanten genutzt
werden (Fälschungen sind bei Elektronik ja nun wirklich an der
Tagesordnung).
Da aber weder Details noch Zusamenhänge aufgezeigt werden, wollte da
jemand wohl nur Mal eine (Online) Lücke füllen. Kann man hier im Forum
auch direkt als Freitagsposting einstellen. ;-)
A. K. schrieb:> Eigentlich hab ich das umgekehrt in Erinnerung. Bei Pollins Standardware> (nicht den Restposten) kriegst du das, was im Prospekt steht. Bei> Reichelt kriegst du das, was die gleiche oder eine ähnliche Bezeichnung> trägt, egal von welchem Hersteller. Kann auch sein, dass du bei Reichelt> das gleiche Produkt zweimal im Katalog findest, einmal als "was grad da> ist" und einmal herstellerbezogen und teurer.
Das ist schnurz wie piep - nämlich egal.
Die kleinen Distributoren haben nicht die Beziehungen und die
Lieferantenketten um solche Probleme auszuschließen. Das geht nur wenn
ich beim HERSTELLER direkt kaufe und nicht über andere Distributoren.
Und zu den kleinen Distributoren zähle ich nunmal weder Conrad noch
Reichelt und schon zweimal nicht den Pollin - dafür sind die noch zu
klein. Und die IGI (AKA Incoming Goods Inspection, Wareneingangsprüfung
Qualitätssicherung) dafür haben die auch nicht.
Mikro 7. schrieb:> Die Anzahl erscheint nicht sonderlich hoch ("eine Million gefälschte> Halbleiter" wie "Dioden, LEDs, Transistoren und integrierte> Schaltkreise"), auch weil die Bauteile nicht genauer qualifiziert werden> (bspw. Marktwert).>> "Die beschlagnahmten Geräte waren überwiegend über Postdienste oder> Expresskurier in die EU gebracht worden." hört sich nach kleinen und> Kleinstmengen an. Möglicherweise waren das überwiegend private Käufer.>> Statt auf die Thematik näher einzugehen kommen Allgemeinsätze:
Das ist das was mich irritiert. Generell ist die Thematik vorhanden aber
abgefischt wurden nur Kleinstmengen über nicht genannte Kanäle. Was sind
schon 30.000 Transistoren, 10 Rollen. Das macht bei einem Mittelständler
kein Volumen. Und wirklich dran verdienen kann amn da auch nicht dran.
es sei denn es wäre Ware die tatsächlich Wert hat. Für micht ist die
Aktion legal und sinnvoll, aber eher zur Abschreckung der Hersteller der
Ware und viel wichtiger zur Abschreckung der Kunden.
rgds
Soso schrieb:> Im Prinzip ist das der Grund, warum Profis nicht bei Reichelt kaufen.
Profis kaufen weder bei Conrad noch bei Reichelt sondern bei Digikey
oder Mouser - oder noch besser Infineon oder Fairchild :)
rgds
6a66 schrieb:> Soso schrieb:>> Im Prinzip ist das der Grund, warum Profis nicht bei Reichelt kaufen.>> Profis kaufen weder bei Conrad noch bei Reichelt sondern bei Digikey> oder Mouser - oder noch besser Infineon oder Fairchild :)>> rgds
... was ich nicht in Zweifel gezogen habe.
Allerdings eher auch nicht bei Mouser, farnell oder Digikey. Die sind
nämlich sauteuer. Das ist eher die Kategorie "Stückliste für Prototypen
bestellen".
Eher üblich wären solche wie Rutronik, AVNET, ARROW, Verical, Future und
wie sie alle heißen. Oder bei den vielen kleinen. Auch da gibts
authorisierte Distries.
Bastler schrieb:> Wie haben das die Ermittler erkannt? Es muss,auch auf technischer Seite,> eine Ermittlung stattgefunden haben.
Naja, da gibt es mehrere Wege:
1) Ein Kunde hat Probleme, grenzt dieses auf ein Bauteil ein, und setzt
sich mit dem Hersteller in Verbindung. Bei IR beispielsweise hatte man
damals in unserem Fall sehr offene Ohren dafür (Infineon lacht nur, wenn
man sagt, man kauft nur 30.000 Stück pro Jahr und legt auf - so
erlebt!). Der Hersteller hat natürlic keinerlei Interesse daran, dass
gefälschte Bauteile im Umlauf sind, und bittet um eine Probe. Die haben
wir damals eingeschickt. Die Teile können dort relativ schnell als
Fälschungen identifiziert werden. Durch den Kunden erfahren sie den
Lieferanten und erstatten Strafanzeige. Der Kunde macht das seinerseits,
weil er ja real schnell einen großen Schaden erleidet. So kommt man
wenigstens zum Lieferanten und kann dort nachvollziehen, von wem er
wiederum die Ware hat. Geht das in Richtung Russland ist die Spur kalt.
Dann hilft es nurnoch, den Lagerbestand zu beschlagnahmen. Das sind dann
ca. eine Million Teile.
2) Der Zoll fischt Sendungen ab. Im Rahmen der Routinekontrollen stellen
die Zollbeamten sofort fest, wenn Hologramme fehlen oder Begleitpapiere
unzureichend bzw. unzureichender Qualität sind. Der Hersteller wird
informiert und bemustert die Teile. Sagt der Hersteller echt, geht die
Sendung weiter. Sagt der Hersteller gefälscht, beschlagnahmt diese der
Zoll.
Jeder Erfolg ist hier zwar wichtig, aber schlussendlich nur der Tropfen
auf den heißen Stein. Die wahren Drahtzieher erwischt man nicht. Das
sind irgendwelche alten Chip-Fabs in China, die für moderne Halbleiter
nicht die notwendige Technik haben. Die fälschen dann primitive ICs und
Mosfet, weil das recht gut funktioniert und erst sehr spät auffällt.
Martin S. schrieb:
Bei IR beispielsweise hatte man
> damals in unserem Fall sehr offene Ohren dafür (Infineon lacht nur, wenn> man sagt, man kauft nur 30.000 Stück pro Jahr und legt auf - so> erlebt!).
Genau deswegen macht man doch einen Bogen um Infinion, oder nicht?
Ich käme nicht mal ansatzweise auf den Trichter von denen Was ein zu
designen.
>...und kann dort nachvollziehen, von wem er> wiederum die Ware hat. Geht das in Richtung Russland ist die Spur kalt.> Dann hilft es nurnoch, den Lagerbestand zu beschlagnahmen. Das sind dann> ca. eine Million Teile.
..was haste denn mit Rußland? Ist das besser oder schlechter als China
oder Korea?
Gruß,
Holm
Martin S. schrieb:> Im Rahmen der Routinekontrollen stellen> die Zollbeamten sofort fest, wenn Hologramme fehlen oder ......
Ich war vor paar Jahren in SO-Asien mal in einem Einkaufsviertel für
Elektronik. In einigen Läden hatte man da von so ziemlich allen
renommierten Herstellern Hologramme als "Echtheitszertifikat" billigst
im Angebot. Richtig so mit Kippbild, Tamperschutz, eingestanzter
Chargen- oder Seriennummer. Ganze Bögen voll mit hunderten davon als
Aufkleber.
Da kann einem der Glaube an "Originalteile" (z.B. auch für KFZ) schon
leicht abhanden kommen. Und die Zöllner sind da nicht zu beneiden...
regards
Ulrich E. schrieb:> Martin S. schrieb:>> Im Rahmen der Routinekontrollen stellen>> die Zollbeamten sofort fest, wenn Hologramme fehlen oder ......>> Ich war vor paar Jahren in SO-Asien mal in einem Einkaufsviertel für> Elektronik. In einigen Läden hatte man da von so ziemlich allen> renommierten Herstellern Hologramme als "Echtheitszertifikat" billigst> im Angebot. Richtig so mit Kippbild, Tamperschutz, eingestanzter> Chargen- oder Seriennummer. Ganze Bögen voll mit hunderten davon als> Aufkleber.>>> Da kann einem der Glaube an "Originalteile" (z.B. auch für KFZ) schon> leicht abhanden kommen. Und die Zöllner sind da nicht zu beneiden...>>> regards
Das ist das Problem. Wenn sowohl das Original-Bauteil als auch
Original-Verpackung und Original-Hologramm aus China kommt, kann man das
nicht mehr unterscheiden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man
das als Konsument dann noch muss.
Gruss
Axel
Holm T. schrieb:> Martin S. schrieb:> Bei IR beispielsweise hatte man>> damals in unserem Fall sehr offene Ohren dafür (Infineon lacht nur, wenn>> man sagt, man kauft nur 30.000 Stück pro Jahr und legt auf - so>> erlebt!).>> Genau deswegen macht man doch einen Bogen um Infinion, oder nicht?> Ich käme nicht mal ansatzweise auf den Trichter von denen Was ein zu> designen.
Lässt sich ja jetzt leider kaum mehr vermeiden. IR hatte nunmal mit die
besten Halbleiter am Markt - wenn nicht sogar die besten.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das katastrophale Kundenverständnis
von Infineon diese einstige TOP-Marke vollkommen zerstört hat.
Ganz abgesehen davon, dass Infineon es nie geschafft hat, so solide
Halbleiter, wie IR herzustellen. Es hat schon seinen grund, warum
Infineon sich da eingekauft hat. Sie wollen in den Autommotive-Bereich
und haben jetzt die Technologie dazu eingekauft. Den Rest werden sie
unverdaut ausscheiden.
Mikro 7. schrieb:> Statt auf die Thematik näher einzugehen kommen Allgemeinsätze:>> "Produktfälschungen sorgen nach Angaben der EU-Behörde für große> finanzielle Einbußen bei der europäischen Industrie."
Und da wird ja eher umgekehrt ein Schuh draus. Der Einkauf wird vom
Management gezwungen, beim billigsten Dealer einzukaufen, um den Profit
zu maximieren, deswegen werden ja überhaupt Fälschungen produziert und
nicht für die Hobbybastler.
Wenn sich dann Produktfehler herausstellen, die auf Fälschungen
zurückzuführen sind, gehts natürlich dem Einkäufer an den Kragen und
nicht etwa dem Management.
Soso schrieb:> So> habe ich über die FTDI-Treiberdiskussion nur lachen können.>> --> Man bekommt ALLES was man fürs Hobby braucht auch bei seriösen> Lieferanten, ohne Fake, ohne Explosion> --> Von Abhängig von Chinateilen kann keine Rede sein.
:-)
A. K. schrieb:> Und was die schon erwähnten Airlines angeht: Viele leben grad so von der> Hand in den Mund, die Branche ist gnadenlos. Der Druck, es bei der> Wartung sowohl bei den Fristen als auch bei den Bezugsquellen schleifen> zu lassen, ist dementsprechend hoch.
Aber eben dann muss man etwas aufpassen, denn ein Unfall und man ist
Pleite. ;-)
A. K. schrieb:> Eigentlich hab ich das umgekehrt in Erinnerung. Bei Pollins Standardware> (nicht den Restposten) kriegst du das, was im Prospekt steht. Bei> Reichelt kriegst du das, was die gleiche oder eine ähnliche Bezeichnung> trägt, egal von welchem Hersteller. Kann auch sein, dass du bei Reichelt> das gleiche Produkt zweimal im Katalog findest, einmal als "was grad da> ist" und einmal herstellerbezogen und teurer.
Kann ich bestätigen. Bei Pollin immer das bekommen was im Shop stand.
und bei den Restposten hatte ich auch nie Probleme, da gibts dann eben
den Rest von diesem einen Bauteiltyp und wenn der mit Hersteller genannt
wird, hält sich auch Pollin dran und schickt Dir nicht was anderes.
Bei Reichelt habe ich mal 27C512 in PLCC bestellt, 3 Bestellungen im
Abstand von jeweils 4-6 Wochen und jedes mal einen anderen Hersteller
mit unterschiedlicher Zugriffzeit gehabt. Im Shop stand auch nur
27C512-150 ohne Angabe von Hersteller. Das mit der Zugriffszeit war mir
nicht so wichtig, die war immer 150ns oder schneller.
Wenn allerdings ein Hersteller ausgewiesen wird, dann möchte ich den
auch haben und nicht kommentarlos einen anderen.
Und was die > 1 Mio Bauteile die der Zoll rausgefischt hat angeht:
Denkbar das es gegen kleinmengen ging (also eher Privat käufe), denkbar
aber auch das weder der Zoll noch die Redaktion Elektronikprofis sind
die wissen das auf einer Rolle locker 3000 Bauteile sein können. ;-)
Matthias S. schrieb:> Und da wird ja eher umgekehrt ein Schuh draus. Der Einkauf wird vom> Management gezwungen, beim billigsten Dealer einzukaufen, um den Profit> zu maximieren
ist doch sogar Vorschrift im ÖD.
Man kann zwar argumentieren sieht nicht seriös aus, aber vor Kauf
beweisen?
Ich hatte immer SanDisk ausgeklammert weil das der meistgefälschte
Speicher war, sogar in normalen Läden hatte Freunde Fälschungen
erworben.
Bei einem 10er Pack DS18B20 vom Chinesen hatte ich bis jetzt imm Glück,
andere fanden inside einen Transistor.
Die ganzen RTC mit LiR und DS3231 auf Platine mit Vogelfutter als Modul
laufen bei mir zuverlässig und kosten nur 1/5 vom einzelnen Chip nur der
DS3231 hier vor Ort.
Teuer schützt nicht vor Fehlkauf und Betrug.
Joachim B. schrieb:> Teuer schützt nicht vor Fehlkauf und Betrug.
Sicher nicht, denn auch der Distributor hier vor Ort freut sich ja über
das Schnäppchen und die ins Grenzenlose anwachsende Gewinnspanne.
Allerdings ist dein Recht als Kunde bei einem EU Händler doch deutlich
gestärkt im Vergleich mit dem Handel mit einem Shenzen Dealer, der dir
Mist verkauft hat.
Der spekuliert darauf, das du wegen der paar Euro kein Fass aufmacht -
und er hat Recht, denn die Mäuse hat er bereits und du machst wirklich
kein Fass auf. Der macht das ein paar tausend Mal und taucht dann als
neuer eBay Händler unter anderem Namen wieder auf. Wer vergleicht schon
die Geschäftsadressen?
Auch schon öfter gesehen: Artikelstandort Frankfurt/Oder, aber
Lieferzeit 4-6 Wochen :-P
Matthias S. schrieb:> Auch schon öfter gesehen: Artikelstandort Frankfurt/Oder, aber> Lieferzeit 4-6 Wochen :-P
Wegen des eventuellen Hochwassers?
:-)
-Feldkurat-
Mal'ne Frage wie sieht das ganze rechtlich mit der Haftung bei einen
US-Händler aus?
Musste schmerzlich feststellen bei einer eher kleinen Lieferung (800€)
das 40% der ICs davon defekt waren. Die waren keineswegs billig.
Mein Bestücker hatte sich anfangs nur beschert das sich diese nicht
richtig löten liesen. Er hatte dies erst nach 14 gefertigten Platinen
bemerkt!
Nach Kontrolle dieser musste ich feststellen das leider einige der
besagten Chips darauf von VCC zu GND niederohmig sind.(Kurzschluss)
Also Platinen von 2800€ Materialwert für die Tonne.
Nach genauer Kontrolle des restlichen Gurtabschnittes mit den besagten
IC war auffällig das zwar alle ICs die gleiche Typ und auch
Chargennummer aufgedruckt hatten aber das Gehäuse bei den defekten ICs
doch geringfügig abwich.
Das klingt mir ganz nach Brokerware...
Für diesen Fall: Selbst schuld.
Prinzipiell gibt es gerade in den USA eine sehr ausgeprägte
Produkthaftung. Ich würde es mit Kulanz versuchen. Alleine die Rechnung
für einen in den USA akkreditierten Anwalt wird derart horrend sein,
dass schon diese den Schaden bei weitem übertrifft. Das nächste sind
dann Gerichtskosten, wenn keine Einigung möglich ist.
Abhaken als Lehrgeld, und nächstes mal die ICs aus seriösen Quellen
besorgen.
Wir haben hier aktuell einen Schaden, der bei ca. 500.000 Euro liegt.
Aber da ist man leider auch selbst schuld, wenn sogar der Broker schon
sagt, dass er nicht weiß, was das für ICs sind.
Manchmal sollte man auch, wenn ICs nicht mehr verfügbar sind, ein
Redesign durchführen oder gar ein Produkt einstellen.
Klaus schrieb:> Gerade als Hobbybastler fühle ich mich durch solche Aktionen vor> potentiell gefährlichen Fälschungen geschützt.
der wahre Bastler recyclet und nutzt Dinge,
die sich in einem Vorleben als gut bewährt haben ;)