Hallo zusammen,
ich hab mir bei Pollin SMD-Dioden geholt und wundere mich nun dass die
Dinger in Durchlassrichtung einen Widerstand von ca. 600 Ohm haben. Sind
die Dinger kaputt oder liegt das an der Bauform? Ich hab noch nie erlebt
dass eine funktionsfähige Diode in Durchlassrichtung einen (mit
Multimeter messbaren!) Widerstand hat...
kent schrieb:> Hallo zusammen,>> ich hab mir bei Pollin SMD-Dioden geholt und wundere mich nun dass die> Dinger in Durchlassrichtung einen Widerstand von ca. 600 Ohm haben. Sind> die Dinger kaputt oder liegt das an der Bauform? Ich hab noch nie erlebt> dass eine funktionsfähige Diode in Durchlassrichtung einen (mit> Multimeter messbaren!) Widerstand hat...
Beim Messen liegt an den Strippen eine Spannung an, um dann anhand des
fließenden Stromes zu sagen, wie groß der Widerstand ist. Die Spannung
ist höher als die Flußspannung einer Diode...
Sind es eventuell Schottky-Dioden? Die hätten eine geringere
Schleusenspannung als normale pn-Dioden. Gib doch mal die genaue
Typenbezeichnung oder Link zur Produktseite durch.
Ernestus Pastell schrieb:> Sind es eventuell Schottky-Dioden?
Eher nicht.
kent schrieb:> Durchlassrichtung einen Widerstand von ca. 600 Ohm haben.
ist gleich ca. 0,6 V.
kent schrieb:> komisch ist halt dass eine normale Siliziumdiode beim gleichen> Multimeter "0" anzeigt.
Wenn kaputt normal ist...
Die hat Durchgang (kurzschluß) würde ich mal denken.
In Durchlassrichtung natürlich, hab ich doch oben geschrieben!
Wenn die in Sperrichtung 600R Widerstand hätte wär klar dass die
kaputtgelötet wurde, aber so ist es halt sehr merkwürdig.
Ich habe auch gerade mal den Widerstand von ein paar PN-Dioden gemessen
und kam ebenfalls auf Werte zwischen 500Ω und 700Ω. Das war aber mit
einem billigen Multimeter, da kann ja das Ergebnis nicht stimmen. Also
ein etwas teureres genommen, aber oh Schreck: Die Dioden hatten plötz-
lich alle zwischen 300kΩ und 450kΩ (man beachte das 'k'), wohlbemerkt in
Durchlassrichtung. Selbst die relativ dicken BYV28 leiten also kaum
noch. Habe ich jetzt alle meine Dioden geschrottet?
Anschließend habe ich (wieder mit dem billigen Multimeter) den Wider-
stand von zwei parallelgeschalteten (neuen) Dioden gemessen. Jede Diode
für sich hatte einen Widerstand von 540Ω. Parallelgeschaltet sollte sich
rein rechnerisch die Hälfte, also 270Ω ergeben. Gemessen habe ich aber
500Ω, also nur unwesentlich weniger als die Einzelwiderstände. Habe ich
damit die Rechenregeln für die Parallelschaltung von Widerständen wider-
legt, und der Herr Ohm hat sich geirrt?
Nein, ganz sicher nicht. Wer misst, misst bekanntlicherweise Mist. Wer
aber versucht, den Widerstand eines stark nichtlinearen Bauelements wie
einer Diode zu messen, misst Obermist. Das Verhältnis von U/I hängt bei
der Diode stark vom Prüfstrom ab. Damit ist das Ohmsche Gesetz auf die
Diode nicht anwendbar, und die Diode darf sich nicht ohmscher Widerstand
nennen. Deswegen ist es Unfug, ihren Widerstandswert messen zu wollen.
PS: Die für die obigen Messungen verwendeten Dioden sind weder von
Pollin noch SMD :)
> Habe ich jetzt alle meine Dioden geschrottet?
Nein, aber damit ein Digitalmultimeter was misst,
braucht es eine Spannung am Eingang,
und beim Widerstandsmessbereich wird halt
irgendein Strom durchgeschickt und die Spannung angezeiogt.
Weil Dioden eben KEINEN (festen) Widerstandswert haben,
aber sehr wohl einen Spannungsabfall, wird 'irgendwas'
angezeigt, und zwar in jedem Messbereich was anderes.
Kluge Messgerätehersteller verwenden wenigstens im kleinsten
Widerstandsmessbereich einen Strom der zu einem Spannungsabfall
von genau so viel Millivolt führt, wie angezeigt wird, eine 600
(mV als Ohm angezeigt) Diode ist also eine normale Siliziumdiode,
eine 1100 eine IR-LED, bei 400 ist es oft eine Schottky.
0 Ohm zeigt keines meiner Messgeräte bei heilen Dioden an,
nur bei durchlegierten kurzgeschlossenen.
@kent:
Fast alle Multimeter haben auch eine Dioden-Test-Funktion. Damit wird
direkt der Spannungsabfall der Diode angezeigt. Widerstandsmessung ist
hier nicht sinnvoll.
Aaah sorry! Da hab ich wohl eine ziemliche Verwirrung verursacht.
Also getestet wurde mit dem Durchgangsprüfer(?) des Multimeters, also
das Ding wo eine Diode als Symbol ist. Ich bin immer davon ausgegangen
dass das Ding einen Widerstand anzeigt, aber Spannungsabfall macht
natürlich mehr Sinn.
Nur: Wieso zeigt es bei eine Siliziumdiode "0" an und nur bei den
SMD-Dioden 600?
Kann es sein dass da irgendeine "Intelligenz" eingebaut ist, die
normalerweise einen PN-Übergang von einem ohmschen Widerstand
unterscheidet, und die hier irgendwie durcheianander kommt? Vielleicht
weil die Kontakte der SMD-Diode schlecht sind?
Ich hab leider keine Anleitung mehr zu dem Multimeter; ist min. 10 (eher
15) Jahre alt.
kennie schrieb:> Kann es sein dass da irgendeine "Intelligenz" eingebaut ist
Sicher nicht.
Wenn deine SI-Diode da 0 anzeigt, dann hat eine Siliziumschmelze
stattgefunden. Und dieser Wert wird dann in beiden Richtungen
angezeigt...
kennie schrieb:> Also getestet wurde mit dem Durchgangsprüfer(?) des Multimeters, also> das Ding wo eine Diode als Symbol ist. Ich bin immer davon ausgegangen> dass das Ding einen Widerstand anzeigt, aber Spannungsabfall macht> natürlich mehr Sinn.
Auch hier ist Vorsicht geboten: Bei meinem Multimeter liegt der Durch-
gangsprüfer (Schallwellensymbol) und der Diodentester (Diodensymbol) an
der gleichen Position des Drehschalters. Mit einem zusätzlichen Taster
wird zwischen beiden Modi umgeschaltet. Bei der Durchgangsprüfung wird
der Widerstand in Ohm, beim Diodentest der Spannungsabfall in Volt
angezeigt. Netterweise zeigt das Gerät aber auch die Einheit im Display
an, so dass eigentlich kaum Verwirrung entsteht.
MaWin schrieb:>> Habe ich jetzt alle meine Dioden geschrottet?>> Nein, aber damit ein Digitalmultimeter was misst,> braucht es eine Spannung am Eingang,> und beim Widerstandsmessbereich wird halt> irgendein Strom durchgeschickt und die Spannung angezeiogt.
Die Frage nach den geschrotteten Dioden war rhetorischer Natur :)
>Nur: Wieso zeigt es bei eine Siliziumdiode "0" an und nur bei den>SMD-Dioden 600?
Wieso ist eine SMD-Diode keine Si-Diode, bzw. wieso eine Si-Diode keine
SMD-Diode (bzw. könnte sein)? Dioden können beides sein, also kannste
die Begriffe Si-Diode und SMD-Diode nicht als Einteilungsbegriff nehmen,
die einander ausschließen.
Grundsätzlich: ein Wert 0 stellt eine schrottige Diode dar. Messe doch
mal im echten R-Meßbereich. Wenn es da auch gegen 0 geht, dann ist es
wohl nur noch ein Stück gutleitenden Materials.
>ich hab mir bei Pollin SMD-Dioden geholt und wundere mich nun dass die>Dinger in Durchlassrichtung einen Widerstand von ca. 600 Ohm haben. Sind>die Dinger kaputt oder liegt das an der Bauform? Ich hab noch nie erlebt>dass eine funktionsfähige Diode in Durchlassrichtung einen (mit>Multimeter messbaren!) Widerstand hat...
Bei deiner Diode fließt bei 0,8V rund 100µA und bei 0,95V rund 1mA. Wenn
dein Ohmmeter jetzt einen Strom von 1mA durch deine Diode schickt, einen
Spannungsabfall von 0,95V mißt und daraus einen "Widerstand" von R =
0,95V/1mA = 950 Ohm "errechnet", ist doch alles in Ordnung.
Würde dein Ohmmeter mit 100µA messen, dann hättest du jetzt 8kOhm auf
der Anzeige. Also mißt dein Ohmmeter wahrscheinlich mit etwas mehr als
1mA.