Hi, Minteo,
> Wir machen Richtfunkübertragung im Feld und werden in bestimmten
> Gebieten von den Reflektionen von Windkraftanlagen gestört. Da diese
> sich bewegen, gross und massiv sind senden sie eine Art von Impulsmuster
> an den Sender zurück, der den Empfang stört. Wie liese sich so etwas vom
> Ansatz her lokalisieren und unterdrücken?
1. Lokalisierung
Die erste Standlinie ist die Senderichtung. Peilen auf maximale Störung.
1.1. Optisch
Mach das Maximum der Störung akustisch deutlich.
Schau mit einem Fernstecher über die Richtfunkstrecke, wo ein
Windradflügel gerade zu sehen ist - und bei jeder erneuten Störung in
derselben Flügelstellung.
1.2. Kreuzpeilung
Die zweite Standlinie durch Maximumpeilung ermitteln - von einem anderen
Standort aus. Immer dann, wenn die Reflektionen besonders stark sind.
1.3 TDOA
Dazu müsste ich mir das Nutz- und das gestörte Signal anschauen.
2. Unterdrückung
Minteo, Die ist die Hoffnungslosigkeit Deines Wunsches doch schon längst
klar. Vor allem, wenn nicht nur eine Windmühle Deine Richtfunklinie
zerhackt, sondern weitere Mühlen dazu kommen könnten.
Ich befürchte, da wird der Verkäufer der Richtfunklinie Schwierigkeiten
haben, seinem Kunden das zu liefern, was er dem Kunden zugesagt hat.
2.1 Polarisation
Ein gewisser Einfluss der Polarisation auf das Mass der Störung sollte
erkennbar sein.
2.2 Troposcatter
Dafür ist vermutlich die Bandbreite zu groß und die erlaubte
Sendeleistung viel zu klein. Bei Neubrandenburg stand mal eine
Troposcatter-Station der NVA, die mit etwa 1 kW ein paar Telefoniekanäle
übertrug.
2.3 Überhohe Maste
Gewiss erstens unerschwinglich und zweitens nicht durchsetzbar.
2.4 "Autoroutendes Funknetz"
Wenn nur Daten zu übertragen sind und diese in Datenpaketen, dann könnte
man eine Richtfunklinie mit nur zwei Endstellen ersetzen durch ein Netz
mehrerer kleinerer Richtfunkstrecken mit kürzeren Streckenlängen, wobei
das Netz gestörte Richtfunkstrecken kurzzeitig ausblendet und den
Datenverkehr über Alternativrouten schickt.
Ein standardisiertes Gefechtsfunknetz der US Army macht das, jeder
Panzer, jedes Kfz, jeder Hubschrauber hat einen Transceiver dafür an
Bord.
Minteo, für eine kommerzielle Richtfunkstrecke sehe ich auf Dauer keine
Lösung, schon gar nicht für eine kommerzielle Anlage, wo der Kunde auch
in Zukunft bekommen soll, was ihm versprochen wurde - und wo jede
Gemeinde und jeder Landwirt in erneuerbare Energien investieren kann.
> Wenn wir wüssten wo so einen Anlage steht (X,Y) könnte man die
> rückgeworfenen Signale berechnen und vorher aus dem Nutzsignal abziehen.
Denkbar, aber kaum realistisch.
Die Störung ist amplitudenmoduliert in Abhängigkeit von der Ausrichtung
der Windmühle und der Position des Mühlenflügels.
Sie ist ferner frequenzmoduliert nach dem Dopplereffekt.
Nee, der Umstieg von Atomkraft auf Windkraft ist der Tod der klassischen
Richtfunktechnik mit Überlandstrecken.
Wenn urbane Hausvermieter auf die Idee von Windkraft auf dem Dach
kommen, müssen die Betreiber von Mobilfunknetzen ihre bisherigen
Richtfunknetze (bei >20 GHz) wohl durch Glasfaser ersetzen, wieder
einmal würden die Strassen aufgerissen und die Preise erhöht.
Ciao
Wolfgang Horn