Elektronik luftdicht versiegeln

#2248307
Lesenswert?

Hallo,

ich bin auf der Suche nach einer Lösung, Elektronik luft- und 
wasserdicht zu versiegeln. Wassertropfen dürfen keine Chance mehr haben. 
Es soll also nicht 100m wasserdicht sein.... es geht eher um 
Kondenswasser. Die Elektronik wird also nicht untergetaucht.

Am besten wäre aufpinseln oder einzelne Bahnen auflegen, die man dann 
anfönt und somit auch die kleinen SMDs umschlossen werden. So eine Art 
flach auflegbarer Schrumpfschlau, der nicht schrumpft, sondern nur die 
Konturen der Auflage annimmt.

Die ganze Sache sollte nicht zu flüssig sein, damit die "Masse" nicht 
zwischen die IC Beinchen fließt oder unter BGAs kriecht, sondern sich 
eher über die Beinchen/ICs legt.

Nach dem Einsatz sollte sich das Ganze wieder restlos ablösen lassen. 
Also eine starke Klebewirkung ist nicht erwünscht. Eher sowas wie eine 
Peel-off-Gesichtsmaske für Hardware.

Natürlich darf kein Strom geleitet werden. Die Spannungen betragen 
maximal 24V... also muss es jetzt kein unendlicher Isolationswiderstand 
sein, aber ein paar MOhm wären schon gut. Die zu isolierende Platine hat 
eine Größe von ca. 300x15mm... ist also nicht allzu klein.

Im Anhang ein Bild, wie ich es mir ungefähr vorstelle.

Kennt jemand ein solches Harz/Latex Gemisch?

Vielen Dank!
Andi
Angehängte Dateien:
Gast #2248342
Lesenswert?

>Kennt vielleicht jemand diesen Flüssiggummi?

Mit dem Wort "Gummi" muß man aufpassen. Oft verstecken sich Silikone und 
Polyurethane dahinter und die haben eine sehr hohe 
Wasserdampfdurchlässigkeit, womit die ja teilweise auch werben.

Auch bei Begriffen wie "wasserdicht" und "100% wasserfest" sollte man 
sehr mißtrauisch sein.

>Ist Silikon nicht auch zu wasserhaltig?

Nein, es nimmt selbst nur sehr wenig Wasser auf. Deswegen denkt ja alle 
Welt, daß es gut zum Abdichten geeignet ist. Es hat habe Kanäle, durch 
die sehr leicht Wassermoleküle hindurchtreten können, was es zum 
dauerhaften Abdichten gegen Wasserdampf völlig unbrauchbar macht! Schau 
dir dazu noch mal mein Bildchen an. Die Wasserblasen sind UNTER der 
Silikonschicht!!!
(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite #2248353
Lesenswert?

Wenn die Elektronik nur bei mäßigen Temperaturen betrieben wird, dann 
bieten sich auch wachsartige Substanzen (Paraffin, Stearin) an, die man 
recht einfach mit Heißluft wieder herunterblasen kann.

Früher(tm) wurden damit auch die Abstimmelemente in Radio fixiert. Es 
gab überhaupt keine Probleme, eine mit dieser Masse kontaminierte Fläche 
zu löten. Es roch lediglich etwas nach Teelicht.

Mir ist leider nicht bekannt, wie die Substanz hieß und ob sich auch 
angesichts möglicher Rissbildung für die Feuchtigkeitsisolierung 
geeignet wäre.

Eventuell könnte man auch eine Gaze einlegen, mit der man einen Teil der 
Schicht wieder abgezogen bekommt.
Gast #2248383
Lesenswert?

> Stearin.

...könnte bei ausreichender Kälte brüchig werden oder bei Erwärmung 
einzelner Bauteile weglaufen. Man sollte auch nicht vergessen, daß 
Vergussmasse einen endlichen Widerstand haben kann und andererseits 
Kapazitäten verändern könnte.
Evtl. könnte man die Leiterplatte mit geeignetem Pulver einstauben und 
dann Plastikspray versuchen. Mit etwas Glück gehen da Flecken wieder ab.
Gast #2248537
Lesenswert?

Simon K. schrieb:
> Das Kontakt-Plastikspray kann man durchlöten.

....ja schon wenn man nur lange genug rumbrät ...tut aber weder der 
Platine noch meinen Augen gut.Zwar könnte man das auch abkratzen wo 
gelötet werden soll aber ist aber nur dann zu machen wenn man den Fehler 
kennt und nicht mehr suchen muß.Aber man kann damit recht gut in Gehäuse 
eingebaute Sachen Baluns Antennenvorverstärker zusätzlich versiegeln.Da 
muß man bei einem defekt nur das Gehäuse vom Lack ...meist nur an den 
Nähten befreien.
Gast #2248644
Lesenswert?

Es gibt von Electrolube so eine durchsichtige 2 -komponenten Vergusmasse 
- Ich glaube UR51 heißt das Zeug. Bei der Verabeitung ist aber auf 
ausreichende Lüftung / Absaugung zu achten (Isocyanate...)
Bekommt nach dem Aushärten die Konsistenz von einem die Schaltung 
umschließenden Gummibärchen. Lässt sich wieder abpulen, aber mit 
gewissem Aufwand, das Material ist zäh, bricht beim Prokeln aber auch in 
größeren Stückchen raus.
Kostet etwa 30 Euronen pro halbem Kilo, ist sehr fließfreudig, also am 
besten kleich das ganze Gehäuse mit vollschütten.


vg

maik
Gast #2249354
Lesenswert?

Andreas B. schrieb:
> Nach dem Einsatz sollte sich das Ganze wieder restlos ablösen lassen.
> Also eine starke Klebewirkung ist nicht erwünscht. Eher sowas wie eine
> Peel-off-Gesichtsmaske für Hardware.

Warum schweißt du das ganze nicht in einen Gefrierbeutel ein? Die 
Haushaltsgeräte machen sogar Vakuumversieglung und dickere Folien gibt 
es im Fachhandel.
#2249502
Lesenswert?

Hallo,

Andreas K. schrieb:
> Was gibts überhaupt für nen Grund dafür, das es nicht unter IC`s
> kriechen darf?

vermutlich geht es darum wie man ein PC-Board beim Übertakten vor dem 
durch die Kühlung des Prozessors entstehenden Kondenswasser schützt. Das 
Board soll nach dem Übertakten wieder in den ursprünglichen Zustand 
versetzt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Guido
Gast #2249530
Lesenswert?

Unsere erste Anlaufstelle für solche Probleme sind,
wie auch schon weiter oben erwähnt, die Lackwerke Peters.
Nur erwarten die freundlichen Spezialisten sehr genaue Angaben
über dein Vorhaben und die Randbedingungen.

Achte auch darauf, daß ggf. ausdunstente Lösungsmittel oder
ähnliches für sehr unangenehme Überraschungen führen können,
habe da so meine Erfahrungen.

Wir müssen unsere Platinen aus verschiedenen Gründen gegen
Umwelteinflüsse sicher schützen, da ist es sogar gewünscht,
daß der Lack auch unter Bauteile kriecht, dichter ist es
dann allemal.

So ein "Peel-Off-Zeug" (z.B. Lötsmasken auf Direkt-Steckern)
hält zwar ganz ordentlich auf der Leiterplatte,
aber die Feuchtigkeit kann trotzdem drunter kriechen-
nicht so optimal, denke ich.
#2249573
Lesenswert?

Andreas B. schrieb:
> Die zu isolierende Platine hat
> eine Größe von ca. 300x15mm

Sind das wirklich Millimeter? Dann böte sich doch ein Schrumpfschlauch 
an. Ich hab im Betrieb Schrumpfschlau mit ca. 25mm Breite als Meterware.

z.B. diesen hier: 
http://www.conrad.de/ce/de/product/531308/SCHRUMPFSCHLAUCH-254/0200231&ref=list

Der liese sich später auch leicht wieder lösen.
Persönliche Seite #2249606
Lesenswert?

herbert schrieb:
> Simon K. schrieb:
>> Das Kontakt-Plastikspray kann man durchlöten.
>
> ....ja schon wenn man nur lange genug rumbrät ...tut aber weder der
> Platine noch meinen Augen gut.Zwar könnte man das auch abkratzen wo
> gelötet werden soll aber ist aber nur dann zu machen wenn man den Fehler
> kennt und nicht mehr suchen muß.

Also DIESE Erfahrung habe ich nicht gemacht. Man kann mit dem Plastik 
Spray sogar den Lötstopplack ersetzen. Nach dem Ätzvorgang die 
Kupferseite einsprühen und dann anfangen zu löten. Ging bisher immer 
absolut problemlos. Das Zeug ist im Prinzip nur Klarlack. 
Dementsprechend ist auch die Schichtdicke.
Persönliche Seite #2249739
Lesenswert?

Joe Redfish schrieb:
> Silikon kann man mit Testbenzin verdünnen und dann die Sachen tauchen.
> Wenn man die Platine vorher mit Trennmittel behandelt auf dem Silikon
> haftet kann man das auch wieder abziehen.

Du meinst wohl nicht haftet?!

Hm. Zum Verdünnen müßte das Silikon erstmal flüssig sein. Also mit 
Fugendicht-Silikon wird das wohl nichts? Gehen auch andere 
Lösungsmittel?
#2249995
Lesenswert?

Das Verfahren wurde glaube ich von Schlenzig beschrieben und 
funktionierte mit Cenusil, wenn Dir das was sagt.

Ich benutze das normale Silikon aus der 400ml Kartusche.
In eine Konservendose pressen, (nicht zu viel) Benzin dazu, umrühren, 
benutzen...

Hier z.B. eine Selbstbautastatur für den AC1:
http://www.ac1-info.de/galerie/zeidler_andreas/zeidler.htm
Persönliche Seite #2250844
Lesenswert?

Joe Redfish schrieb:
> Abdul schrieb:
>> Gehts auch mit Aceton?
>
> Nein, muss Benzin sein, ohne Benzol wie das an der Tankstelle.
> Waschbenzin, Feuerzeugbenzin, Testbenzin...
>

Was macht Benzol in diesem Zusammenhang? Interessiert mich jetzt 
chemisch, denn Benzin ist ja auch nur ein Gematsche. Welcher Stoff ist 
da ausschlaggebend?

Mist, mein Forscherdrang muß warten bis morgendlichen Baumarkt...


> Lukas schrieb:
>> Vakuumieren, so wie Fleisch.
>
> Keine Ahnung wie das geht, ich bin Vegetarierer.
> Meinst Du vielleicht Vakuumverschweißen?
>
> ...und die Zuleitungen auch?

Das dachte ich auch bereits zweimal im Thread ;-)
#2250960
Lesenswert?

Motorenbenzin an der Tankstelle enthält 1% des giftigen Benzols.

Bei 2 % Luftvolumenanteil Benzol in der Atemluft kommt es nach 5 bis 10 
Minuten zum Tod. Die akute letale Dosis (oral) beträgt beim Menschen 50 
Milligramm pro Kilogramm. Zwischen einem Luftvolumenanteil von 1,4 bis 8 
% bildet Benzol explosive Gemische.

http://de.wikipedia.org/wiki/Benzol
http://de.wikipedia.org/wiki/Benzin
http://de.wikipedia.org/wiki/Motorenbenzin
http://de.wikipedia.org/wiki/Testbenzin
http://de.wikipedia.org/wiki/Leichtbenzin
#2251729
Lesenswert?

Ungesund <--> tödlich, krebserregend,...

Hängt davon ab wo das flüssige Silikon dann benutzt wird,
ich würde es keinesfalls in meiner Wohnung haben wollen.
Auch nicht ausgehärtet...

Mein Vater ist an Krebs gestorben, ich habe
mich deshalb eingehen informiert...

www.toxcenter.de

http://www.toxcenter.de/stoff-infos/b/benzol.pdf

Normales Motorenbenzin von der Tanke ist eine Mischung
die diesen Namen kaum verdient.
Nimm einfach richtiges Leichtbenzin.
#2251747
Lesenswert?

Andreas schrieb:
> Gehört verboten! Wirklich jetzt, was wäre Deutschland wenn man es nicht
> sofort verbieten würde??

Diese Ironie ist typisch für kurzlebige Helden.
Immer nach dem lebensmissachtenden Motto:
Alles was uns nicht tötet, härtet uns ab.
Nennt man Draufgänger und kommt von draufgehen.

Damit möchte ich Dich nicht beleidigen, nur zu Denken anregen.
Ich hoffe Du verzeihst mir.
Persönliche Seite #2251760
Lesenswert?

OK. Morgen fahr ich eh einkaufen. Dann wird abends ausprobiert.

Zu Andreas und Benzin fällt mir noch was ein: Die Helden die Benzin 
kaufen, sind doch auch die, die über die Straßen brettern. Dabei sind 
50Km/h schon für Menschen tödlich.
Ach, ich habs gut: Keine Staus in der Gegend und mit 60-70 fährt man 
hier wunderbar auf den Landstraßen.
Persönliche Seite #2256553
Lesenswert?

Ich lasse das Benzin nun schon seit zwei Tagen auf (essigsäurehaltiges) 
Silikon einwirken. Die Wurst wird mehr und mehr dicker, aber es wird 
nicht flüssig. Ist das normal? Die Kartusche war schon 2 Jahre 
abgelaufen und teils ausgehärtet. Habe den noch flüssigen Teil in der 
Mitte rausgepreßt. Hm. Entweder das Silikon ist der falsche Typ oder zu 
alt.
#2256745
Lesenswert?

Ich habe mir jetzt bei plastidip.de das liquid tape bestellt. Das ist 
wie der Flüssiggummi, soll sich wieder restlos abziehen lassen und 
isoliert mit 57000V/mm laut Hersteller. Ist bis -37Grad freigegeben... 
also hoffe ich, dass es bei -190°C nicht reisst oder brüchig wird... 
hauptsache es hält dicht.

Ich werde das mal austesten und dann berichten.
#2256851
Lesenswert?

Nicht was habe ich vor, sondern was ich seit Jahren mache :D

Ich kühle Hardware (CPUs, Grafikkarten) mit Flüssigstickstoff und 
übertakte extrem. Da hat man immer Probleme mit Kondenswasser. Bisher 
habe ich immer mit Knetradiergummi von Faber-Castell isoliert. Das geht 
mir aber langsam auf die Nerven und das geknete/abisolieren nervt... 
deswegen suche ist etwas einfacheres...
#2256934
Lesenswert?

Rosa-Kleidchen schrieb:
> wenn die Elektronik in einem Gehäuse mit Gummidichtung installiert ist
> und ein Umgebungstemperaturbereich von -20° bis 60° zu erwarten ist,
> dann bieten sich Druckausgleichselemente geradezu an. Die sorgen dafür,
> dass sich kein Kondenswasser im Gehäuse bildet.

Das muss ich leider verneinen, das ist nicht der Fall :)
#2257332
Lesenswert?

Abdul K. schrieb:
> Aber warum, Andreas, schreibst du nicht gleich am Anfang was
> du machen willst?

Das habe ich in anderen Threads immer schon gemacht, wo das Thema 
wichtig war und dann ging es immer um das "wie, warum und wieso" und 
nicht mehr um das eigentliche Problem. Deswegen erspare ich euch diese 
Informationen vorerst immer :)

Lackwerke Peters werde ich dazu mal kontaktieren.

Danke :)
Persönliche Seite #2257349
Lesenswert?

Andreas B. schrieb:
> Das habe ich in anderen Threads immer schon gemacht, wo das Thema
> wichtig war und dann ging es immer um das "wie, warum und wieso" und
> nicht mehr um das eigentliche Problem. Deswegen erspare ich euch diese
> Informationen vorerst immer :)
>

Verstehe. Du bist aber sowieso unvergessen. Mein Gedächtnis ist recht 
gut.
#2259784
Lesenswert?

Andreas K. schrieb:
> Dann pack den Kram doch in ein Gehäuse und mach das mit Stickstoff voll.
> Keine Luftfeuchtigkeit, kein Kondenswasser.

Das funktioniert recht gut, da hast du recht... sobald man aber mal eine 
Komponente tauschen will/muss (und das kommt häufig vor), macht man die 
Box auf und schon ist das ganze System klatsch nass. Das haben wir schon 
mehrfach getestet und ausprobiert. So eine Box ist also eher 
kontraproduktiv...

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren