Spannungsfestigkeit Elkos

Gast #2320058
Lesenswert?

Hallo,

insbesondere Elektrolytkondensatoren haben ja meist eine bestimmte 
Spannungfestigkeiten von 6,3V oder 10V, 16V, 25V, 35V, 50V, 63V, 100V 
und 450V.

Sind diese teilweise "seltsamen" Spannungsfestigkeiten technologisch 
bestimmt oder welche Gründe gibt für diese meistens genutzten 
Spannungsfestigkeiten ?
Die 450V Typen sind ja wohl speziell für Schaltnetzteile gedacht, aber 
warum so "krumme" werte wie 16V oder 63V.
Weder für 15V Systeme (16V Kondensator) noch 24V Systeme (25V 
Kondensator) oder 48V Systeme (50V Kondensator) ist meiner Meinung genug 
Sicherheit vorhanden.
Klar ist je geringer die Spannungsfestigkeit umso geringer ist der Preis 
und die Baugröße (bei gleicher Technologie).

mfg
      Justinius
Gast #2320070
Lesenswert?

Justinius schrieb:
> Hallo,
>
> insbesondere Elektrolytkondensatoren haben ja meist eine bestimmte
> Spannungfestigkeiten von 6,3V oder 10V, 16V, 25V, 35V, 50V, 63V, 100V

Normalerweise sind die Werte immer um den Faktor 1,6 gestuft. Früher
hatte man dann auch 40V-Elkos. Warum man heute 35V hat, weiss ich nicht.
Gruss
Harald
Gast #2320098
Lesenswert?

>Weder für 15V Systeme (16V Kondensator) noch 24V Systeme (25V
>Kondensator) oder 48V Systeme (50V Kondensator) ist meiner Meinung genug
>Sicherheit vorhanden.

Früher gab es Datenbücher über Elkos. Da stand drin, daß eine Reihe von 
Parametern besser werden, wenn man die Nennspannung nicht voll ausreizt. 
Dazu kommt, daß man oft eine Sicherheitsspanne vorsieht, für den Fall, 
daß die angelegte Spannung mal größer ist. Deswegen würde ich auch 
niemals einen 16V Elko für eine 15V-Speisung verwenden.

>Sind diese teilweise "seltsamen" Spannungsfestigkeiten technologisch
>bestimmt oder welche Gründe gibt für diese meistens genutzten
>Spannungsfestigkeiten ?

Warum haben "Alpina-Weiß" und "Papyrus-Grün" genau diese Farben?? Es ist 
schlicht historisch begründet. Früher hatten Elkos extreme 
Herstellungstoleranzen, da war eine feinere Stufung unsinnig.
#2320121
Lesenswert?

Diese Spannungsstufen sind im Wesentlichen nicht technologisch 
begründet.

In der Fertigung von Tantalkondensatoren habe ich einmal gesehen wie in 
der gleichen Fertigungssstraße losweise die Sperrschicht verschiedener 
Tantalelkos entstand. Die Dicke der Sperrschicht und die damit 
verbundene max.Sperrspannung war anhand der Farbe der Sperrschicht zu 
"sehen" und die Formierung am passenden Punkt (bei der passenden Farbe) 
grob kontrollierbar und beendbar.

Natürlich dürften HV-Elkos in den inneren Verbindungen weitere Abstände 
und weniger scharfkantige Enden haben, aber die Stufung fogt, mit etwas 
Abstand, den üblichen Spannungen in elektrischen Schaltungen.
Gast #2320238
Lesenswert?

smörre schrieb:
>> Diese Spannungsstufen sind im Wesentlichen nicht technologisch
>> begründet.
> Die Werte von Kondensatoren und Widerständen sind ja in E-Reihen nach
> DIN DIN IEC 60063 festgelegt (siehe:
> http://de.wikipedia.org/wiki/E-Reihe)
> ... ich gehe mal davon aus, daß die Spannungsstufen ebenfalls
> irgendeiner Norm entsprechen, die ich allerdings nicht kenne.

Ja, die E5-Reihe.
Gruss
Harald
Gast #2320260
Lesenswert?

>Weder für 15V Systeme (16V Kondensator) noch 24V Systeme (25V
>Kondensator) oder 48V Systeme (50V Kondensator) ist meiner Meinung genug
>Sicherheit vorhanden.

Wenn du dieser Meinung bist dann nimmst du für 15V -> 25V
für 24V -> 35V und für 48V -> 63V.

Wo ist hier eigentlich das Problem?
Der gesunde Menschenverstand gibt das doch an sich schon so her.
#2320300
Lesenswert?

> Bemessungsströme sind gemäß DIN VDE 0820 nach der Normzahlreihe
> R10 (ISO 3-1973) angegeben.

Bezieht sich jetzt zwar auf Gerätesicherungs-Nennströme aber die 
Nennspannungen von Elkos liegen (bis 250V) meistens auch auf dieser 
Reihe.

R10 (R5)     (1)  1,25  (1,6)  2  (2,5)  3,15  (4)  5  (6,3)  8
Gast #2320310
Lesenswert?

Dieter Werner schrieb:
>> Bemessungsströme sind gemäß DIN VDE 0820 nach der Normzahlreihe
>> R10 (ISO 3-1973) angegeben.
>
> Bezieht sich jetzt zwar auf Gerätesicherungs-Nennströme aber die
> Nennspannungen von Elkos liegen (bis 250V) meistens auch auf dieser
> Reihe.
>
> R10 (R5)     (1)  1,25  (1,6)  2  (2,5)  3,15  (4)  5  (6,3)  8

Ja, das erklärt aber den inzwischen oft üblichen Wert 3,5 nicht.
Gruss
Harald
Gast #2320459
Lesenswert?

> Ja, die E5-Reihe.
Irrtum Harald, eine E5 Reihe existiert nicht, es wird immer verdoppelt, 
E3, E6, E12, usw. und bezieht sich im übrigen nur auf die Nennwerte.
Die Spannungsfestigkeit resultiert aus Prüfspannungen, Faktor 1.6 - 
aufgrund welcher Normierung diese Spannungen beruhen weiß ich leider 
nicht.
Moderator #2320468
Lesenswert?

Nachdem ich im Netz auch keine passende Erklärung finden konnte, habe
ich mir einfach selbst eine ausgedacht:

Einst in grauer Vorzeit sollte die Dekade in 5 Schritte unterteilt
werden, und zwar so, dass die einzelnen Werte eine geometrische Folge
bilden:
1
Zehnerpotenz  Wert  gerundet
2
————————————————————————————
3
   10^0,0     1,00    1,0
4
   10^0,2     1,58    1,6
5
   10^0,4     2,51    2,5
6
   10^0,6     3,98    4,0
7
   10^0,8     6,31    6,3
8
   10^1,0    10,00   10,0
9
————————————————————————————

Das Verhältnis aufeinanderfolgender Werte war immer ungefähr 1,6.

Dann kam einer des Wegs und meinte, man solle doch auch den Wert 5 in
die Liste mit aufnehmen, weil das eine so schöne Zahl sei. Zum einen ist
5 gerade die Hälfte von 10, zum anderen passt 5 aber auch gut in das
logarithmische System, denn 5 ist ziemlich genau 10^0,7. Also gab es
jetzt 6 Schritte:
1
Zehnerpotenz  Wert  gerundet
2
————————————————————————————
3
   10^0,0     1,00    1,0
4
   10^0,2     1,58    1,6
5
   10^0,4     2,51    2,5
6
   10^0,6     3,98    4,0
7
   10^0,7     5,01    5,0
8
   10^0,8     6,31    6,3
9
   10^1,0    10,00   10,0
10
————————————————————————————

"Der Unterschied zwischen 4, 5 und 6,3 beträgt jetzt ja nur noch 25 bzw.
26 Prozent, so feine Abstufungen braucht doch kein Mensch.", erwiderte
ein anderer. Sprach's und verschob die 4 nach unten und dir 6,3 nach
oben, so dass der Unterschied zwischen zwei aufeinanderfolgenden Werten
im Bereich von 2,5 bis 10 in gleichmäßige 40-42% geändert wurde:
1
Zehnerpotenz  Wert  gerundet
2
————————————————————————————
3
   10^0,0     1,00    1,0
4
   10^0,2     1,58    1,6
5
   10^0,4     2,51    2,5
6
   10^0,55    3,55    3,5
7
   10^0,7     5,01    5,0
8
   10^0,85    7,08    7,1
9
   10^1,0    10,00   10,0
10
————————————————————————————

"So nicht", brüllte aus der Ferne der Meister einer Kondensatormanufak-
tur. "Ich muss jetzt meine Lehren zur Herstellung des Dielektrikums von
40V auf 35V und von 63V auf 71V umbauen, sonst feilen meine Gesellen das
Material in die falsche Dicke. Außerdem werde ich meine noch im Keller
lagernden 40V- und 63V-Typen jetzt nicht mehr los!"

Die anderen hatten Einsehen, und man einigte sich auf einen Kompromiss:
Die Erhöhung von 6,3 auf 7,1 wurde als nicht zumutbar angesehen und
rückgängig gemacht. Die 3,5 wurde aber beibehalten, da der aufgebrachte
Meister seine 40V-Typen problemlos auch als 35V (mit zusätzlicher
Reserve) verkaufen konnte. Auch seine Lehren musste er deswegen nicht
sofort umbauen (tat es aber irgendwann doch, weil die echten 35V-Elkos
bei einigen Kapazitätswerten in die nächstkleineren Becher passten, die
mit weniger Anstrengung geschmiedet werden konnten).

So gelangte man also zu der heute üblichen Abstufung:
1
Zehnerpotenz  Wert  gerundet
2
————————————————————————————
3
   10^0,0     1,00    1,0
4
   10^0,2     1,58    1,6
5
   10^0,4     2,51    2,5
6
   10^0,55    3,55    3,5
7
   10^0,7     5,01    5,0
8
   10^0,8     6,31    6,3
9
   10^1,0    10,00   10,0
10
————————————————————————————


Diese Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlich
stattgefundenen Begebenheiten sind rein zufälliger Natur.

Man könnte sich noch eine andere Geschichte ausdenken, die darauf fußt,
dass 3,5 ≈ 2,5·√2 = 5,0/√2. Vielleicht gibt ja es einen Zusammenhang mit
Effektivwerten von Wechselspannungen. Ich glaube das aber eher nicht,
deswegen war's das für heute mit Geschichten Erzählen :)
Gast #2320475
Lesenswert?

Schöne Geschichte!
Aber vielleicht kommen manche Werte wie die 6,3/12,6V bei Röhren und 
auch diese Spannungen von 63V aus dem englischen Raum.
Manches ist eben so wie es ist. Es gibt doch interessantere Sachen als 
über so etwas zu grübeln.
Gast #2320745
Lesenswert?

Justinius schrieb:
> insbesondere Elektrolytkondensatoren haben ja meist eine bestimmte
> Spannungfestigkeiten von 6,3V oder 10V, 16V, 25V, 35V, 50V, 63V, 100V
> und 450V.

Das heißt aber lange noch nicht, daß nach x Jahren Lagerung diese 
Spannungsfestigkeit noch existiert. Zu lange gelagerte Elkos brauchen 
einen langsamen Spannungsanstieg sonst sind gelegentlich dicke Backen 
möglich.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren