Hallo!
Ich würde gerne für meine nächsten Platinen SMT verwenden, am Ende
werden's für den ersten Run wohl ca. 100 Stück, ca. 5 x 5cm Platinen mit
geschätzten 30 (max) Bauteilen werden. Es müssen aber auch
Durchsteckbauteile drauf.
Die Platinen würde ich dann natürlich bestückt bestellen. Jetzt frag ich
mich, was grad die derzeite 'gängigste' Form bei SMD-Bauteilen ist?
0603? Oder macht die Baugröße keinen Unterschied beim Preis? Und wie ist
das, wenn man gleichzeitig Durchsteckbauteile (Buchsen, Potis, Trimmer)
verwendet, die man danach selber auflöten möchte? Geht das überhaupt?
Oder sind die Löcher dann dicht? Oder werden die abgeklebt?
Bin über jeden Hinweis dankbar, auch über Erfahrungen mit verschiedenen
Lieferanten, bis jetzt hab ich immer bei PCBcart bestellt, die Qualität
find ich gut, auch wenn die in letzter Zeit ein bisschen langsam
waren...
Vielen Dank für alle Gedanken zu dem Thema!
chrisi
Bei 0603 muss man schon etwas mit der Verlustleistung aufpassen;
außerdem sind die Widerstände oftmals nicht beschriftet oder nur mit
Lupe ablesbar. Deshalb würde ich dir eher zu 0805 raten. Bei
maschineller Bestückung ist 0603 auch kein Problem; würde ich aber nur
machen, wenn der Platz sehr begrenzt ist.
Der Preisunterschied ist nicht so groß, zumindest solange man
Hobby-Mengen verarbeitet.
osterchrisi schrieb:> Und wie ist> das, wenn man gleichzeitig Durchsteckbauteile (Buchsen, Potis, Trimmer)> verwendet, die man danach selber auflöten möchte? Geht das überhaupt?> Oder sind die Löcher dann dicht? Oder werden die abgeklebt?
Hängt davon ab, wie die SMD-Bauteile gelötet werden. Wenn du
THT-Bauteile hinterher selber auflöten möchtest, wäre Reflow für die
SMD-Bauteile sinnvoll. Dann bleiben die Löcher auf jeden Fall frei.
Wellenlötung wäre dann sinnvoll, wenn THT-Bauteile und SMD-Bauteile auf
der Lötseite in einem Durchgang gelötet werden sollen. Das ist
eigentlich der Industriestandard.
Was für Bauteile sollen denn verwendet werden? Nicht alle Gehäuseformen
sind für Wellenlötung geeignet.
Beachte außerdem, dass je nach Lötverfahren die Lötpads der SMD-Bauteile
unterschiedlich aussehen sollten. Bei Wellenlötung braucht man größere
Pads, bei Reflow eher kleinere.
Standard-Packages im Heimgebrauch in der Industrie sind 1206, 0805 und
0603. 0403 bringt keinen Spaß mehr. Je nach Kapazitätswerten von
Kondensatoren und notwendige Wirkleistungen Widerstände sucht man sich
die richtigen Packages raus. Grundsätzlich sollte man aber mit 0805 sehr
weit kommen.
Bisher habe ich zwei Möglichkeiten erlebt:
- Du denen eine Liste mit den Teilen und wo diese zu bestellen sind
(inkl Best-Nr). Dabei kannst du auch angeben, welche überhaupt bestückt
werden sollen. Bestimmt Spezialteile musst du ev sogar selber kaufen und
dann hinschicken.
- Alternativ schickst du nur das Layout hin und die suchen sich die
Teile selber raus. Wenn sie was nicht finden können, fragen sie nach. Da
musst du halt irgendwie kennzeichen oder dazuschreiben, was nicht drauf
soll.
Die Löcher der nicht bestückten Teile sind nicht zu, es wird ja nur für
diejenigen Lötpaste aufgetragen, die auch wirklich eingelötet werden
sollen.
Edit: ok, wenn bei Wellenlötung wären sie natürlich zu.
Johannes E. schrieb:> Bei 0603 muss man schon etwas mit der Verlustleistung aufpassen;> außerdem sind die Widerstände oftmals nicht beschriftet oder nur mit> Lupe ablesbar. Deshalb würde ich dir eher zu 0805 raten. Bei> maschineller Bestückung ist 0603 auch kein Problem; würde ich aber nur> machen, wenn der Platz sehr begrenzt ist.
Ich habe letztens ein Layout (privat, reine Handbestückung) mit
0805er Hühnerfutter gemacht. Danach habe ich mich geärgert, die
Platine wäre doch ein ganzes Stück kleiner (und damit billiger)
geworden bzw. weniger gedrängt, wenn ich durchweg 0603 benutzt hätte.
Seither kaufe ich mir neu (bis auf begründete Ausnahmen) nur noch
0603er Bauteile. 0805 werde ich nur noch benutzen, "solange der
Vorrat reicht". ;)
ich würde ebenfalls 0603 empfehlen, da sie meiner Meinung nach den
besten Kompromiss aus Größe und Handhabbarkeit darstellen.
0805 macht man heute eigentlich nicht mehr, es sei denn, die
Verlustleistung eines 0603ers reicht nicht mehr - aber dann reicht
i.d.R. ein 0805er auch nicht mehr.
Die Bohrungen für THT bleiben frei - die werden einfach im Pastenblech
ausgespart.
Bei entsprechender Dioptrienzahl beschränke ich mich auf 1206 und
maximal 0805. Alles darunter tue ich mir nicht an. Außerdem kann ich
1206 als Brücke(n) verwenden. Lieber lasse ich die Platine ein bisschen
größer werden als mich rumzuquälen. Dem Wahn alles so winzig wie nur
irgend geht zu machen verfalle ich nicht. Schließlich ätze ich meine
Platinen selbst und löte sie auch selbst.
Normal hat der Bestücker Rs und Cs in gängigen Werten sowohl in 0603 als
auch in 0805 in großen Mengen auf Lager. Die Kaufen ihren Bedarf für
mehrere Monate auf großen Rollen und bekommen daher sehr gute Preise.
Du kannst also beide Größen flexibel verwenden. Ich nehm z.B. für die
Entkopplungs-Cs und die für den Quarz immer 0603 weil es in der Nähe des
µC meist eng zugeht und kurze Bahnen an der Stelle auch weniger
störanfällig sind. Für die sonstigen Sachen nehm ich aber normal 0805
weil leichter handhabbar, mehr Wärmeleistung möglich, größere
Kapazitäten verfügbar.
> Wellenlötung wäre dann sinnvoll, wenn THT-Bauteile und SMD-Bauteile auf> der Lötseite in einem Durchgang gelötet werden sollen. Das ist> eigentlich der Industriestandard.
Wenn Du SMD-Teile und die Beinchen (=Rückseite) von THT-Teilen auf der
selben Seite hast, kenne ich es normal so daß man die SMD-Sachen per
Reflow lötet und dann hinterher mit der Selektivwelle die THT-Sachen
macht. Das ist aber teurer weil die Selektivwelle langsamer ist.
Alternativ kann man die SMD-Teile festkleben und dann gemeinsam in der
Welle löten. Das wird aber auch nicht gerne gemacht weil man beim Kleben
mit der Verarbeitungszeit aufpassen muß und nicht mehr Nacharbeiten kann
wenn was nicht gepasst hat.
Am einfachsten ist es, wenn SMD- und THT-Teile auf einer Seite sind.
Dann sind die Beinchen der THT-Teile auf der anderen Seite. Dann macht
man zuerst Reflow für SMD und zieht hinterher die Seite mit den Beinchen
über die Welle.
Geklebte Teile sieht man nicht so häufig. Deshalb verstehe ich die
Aussage "Das ist eigentlich der Industriestandard" nicht ganz. Hab ich
Dich da falsch verstanden oder ist da noch eine Lücke in meinem Wissen
über Fertigungstechnik?
Gruß,
Gerd
Gerd E. schrieb:> Geklebte Teile sieht man nicht so häufig. Deshalb verstehe ich die> Aussage "Das ist eigentlich der Industriestandard" nicht ganz. Hab ich> Dich da falsch verstanden oder ist da noch eine Lücke in meinem Wissen> über Fertigungstechnik?
Es gibt natürlich beides, also Reflow kombiniert mit Selektivwelle und
die normale Wellenlötung. Aber in großen Stückzahlen ist die
Selektivwelle deutlich teuerer, deshalb werden insgesamt mehr Platinen,
bei denen THT und SMD gemischt bestückt sind, auf der Welle gelötet.
Das gilt zumindest für die Bestückungsfirmen, bei denen wir unsere
Platinen bestücken lassen. Wenn man allerdings auf der Unterseite
Bauteile verwenden muss, die nicht für Wellenlötung geeignet sind, geht
es nur mit Selektivwelle (oder Handbestückung).
Das ist aber auch Regional unterschiedlich. In China wird wesentlich
mehr auf der Welle gelötet als in Europa, was aber vermutlich auch mit
den Stückzahlen zusammenhängt.
Wow, super! Danke für die vielen Antworten!
Ich glaub, allzuviel Zauber is gar nicht notwendig für meine kleine
Schaltung, ich hab die mal angehängt... Die Schaltung wird sich
geringfügig verändern, aber im großen und ganzen ist der Schaltplan eine
gute Referenz.
Vielleicht wäre auch 1206 sinnvoll, wenn man selber mal was reparieren
dran möchte? Oder ist das eher 'ne 'veraltete' Größe?
Es geht auch eher gar nicht so sehr drum, die Platinen so klein wie
möglich zu kriegen, ich hab die zur Zeit im THT hier und die passt
locker schon ins Gehäuse rein. Ich denke eher, dass es vermutlich
billiger ist, das ganze SMT zu machen, aber vielleicht lieg ich da ja
auch falsch? Es wär halt auch eine schöne kleine Schaltung, wo ich mich
mal in SMD ausprobieren könnte... Welche Firmen in Deutschland (od.
Berlin) machen denn SMD-Prototypen oder lohnt sich das bei kleinen
Stückzahlen (so 5 - 10 halt) gar nicht? Als Dateiformat hab ich extended
Gerber zur Verfügung.
Eh, jaja und wie ihr gemerkt habt (Gerd), hab ich da noch ne 'Lücke' :)
Respektive: gar keine Erfahrung... Ich hab diese ganzen Sachen nie in
einer Ausbildung gelernt, sondern mir selbst angeeignet. Unsere ersten
beiden Produkte sind jetzt THT und wir bestücken selber, aber wir merken
halt, dass das überhaupt nicht geht, weil viel zu viel Zeit damit
verschwendet wird, die Geräte zu bauen... Deswegen möchte ich unser
nächstes Gerät mit vorgefertigten Platinen konstruieren (+ Buchsen,
Potis selber löten eben).
Bei 5-10 Platinen und relativ wenigen Bauteilen wird sich vermutlich
eine maschinelle Bestückung nicht lohnen, da sind die Rüstkosten höher
als die Arbeitszeit für Handbestückung.
Such dir am besten einen Dienstleister, der das von Hand macht und lass
ihn auch die Bauteile beschaffen. Der wird dir dann auch sagen, ob 0603
oder 0805 besser ist.
> Vielleicht wäre auch 1206 sinnvoll, wenn man selber mal was reparieren> dran möchte? Oder ist das eher 'ne 'veraltete' Größe?
Auch 0805 oder 0603 kannst Du gut selbst reparieren. Siehe mein Thread
hier vor ein paar Tagen mit dem Hühnerfutter entlöten.
In 1206 wirds halt schon größer und Leiterplattenfläche musst Du
bezahlen, nicht nur für die Leiterplatten selber, sondern auch für die
Bestückung weil weniger auf ein Panel passt.
1206 nehm ich nur wenn es vom Bauteil her nötig ist.
> Ich denke eher, dass es vermutlich> billiger ist, das ganze SMT zu machen, aber vielleicht lieg ich da ja> auch falsch?
Nö, da liegst Du goldrichtig.
> Es wär halt auch eine schöne kleine Schaltung, wo ich mich> mal in SMD ausprobieren könnte...
gute Idee erst mal Erfahrung zu sammeln.
> Welche Firmen in Deutschland (od.> Berlin) machen denn SMD-Prototypen oder lohnt sich das bei kleinen> Stückzahlen (so 5 - 10 halt) gar nicht?
Die Schaltung sieht mir nicht wirklich komplex aus. Der Aufwand da einen
Bestücker zu finden, mit dem die Details abzuklären, den Einkauf zu
organisieren etc. wird sich kaum lohnen.
Wenn die Schaltung nicht richtig viele oder besonders schwierig zu
verarbeitende Teile (z.B. BGA) hat, bestücke ich den
Entwicklungsprototypen und die Nullserie mit 10 bis 20 Stück immer von
Hand.
Hat auch den Vorteil der Geschwindigkeit: Wenn Du nen Bestücker im Boot
hast, hat der immer Vorlaufzeiten etc. Bei der Entwicklung hast Du immer
mal ne Stelle wo sich was nen Tag oder auch mehr verzögert. Da muß der
Bestücker also flexibel sein. Und Flexibel+Schnell = teuer. Da bist Du
selbst von Hand billiger.
Die Leiterplatten lässt man natürlich machen, siehe Artikel
Leiterplattenhersteller hier.
Gruß,
Gerd
Gerd E. schrieb:> Wenn die Schaltung nicht richtig viele oder besonders schwierig zu> verarbeitende Teile (z.B. BGA) hat, bestücke ich den> Entwicklungsprototypen und die Nullserie mit 10 bis 20 Stück immer von> Hand.
Ja ok, das dachte ich mir. Es gibt ja grad mal zwei ICs da drauf, die
werd ich dann vermutlich in SOIC verwenden. Dann werd ich wohl die
Prototypen selbst bestücken und durchtesten und die Produktion dann von
einem externen Dienstleister bestücken lassen. Ich hab schon ein paar
Platinen SMD gelötet, das ging eigentlich ziemlich locker, das waren
eben 1206 Teile.
Na gut so, damit haben sich ja meine größten Fragen erstmal geklärt,
alles weitere werd ich dann wohl im Laufer der Zeit mit meinem
Leiterplattenhersteller klären.
Vielen Dank nochmal für alle Antworten, wer hier noch was zu sagen hat,
ist immer noch dazu eingeladen :)
osterchrisi schrieb:> Vielleicht wäre auch 1206 sinnvoll, wenn man selber mal was reparieren> dran möchte? Oder ist das eher 'ne 'veraltete' Größe?
Ohne Not würde ich die Größe nicht verwenden, eventuell als Brücke oder
wenn man dadurch eine Lage bei der Platine sparen kann.
> Es wär halt auch eine schöne kleine Schaltung, wo ich mich> mal in SMD ausprobieren könnte... Welche Firmen in Deutschland (od.> Berlin) machen denn SMD-Prototypen oder lohnt sich das bei kleinen> Stückzahlen (so 5 - 10 halt) gar nicht? Als Dateiformat hab ich extended> Gerber zur Verfügung.
Andere Firmen siehe z.B.
http://www.mikrocontroller.net/articles/Platinenhersteller, aber afaik
kann man z.Z. nur bei PCB-POOL online die Kosten kalkulieren lassen
(allerdings nur wenn man Eagle oder Target auswählt)
http://www.pcb-pool.com/ppde/order_productconfiguration_js.html
1206 ist schwieriger zu löten als 0805... zwischen 0805 und 0603 tut
sich nicht viel wobei ich auch hier die kleineren angenehmer finde.
0402 ist für mich aber auch kein Problem von Hand zu löten daher bin ich
hier vielleicht ne Ausnahme ;-)
Im Handy ist man ja schon bei 0201 und kleiner angelangt - das sind dann
wirklich übelste Staubkrümel :-P
--> 0603 ist standard und super leicht lötbar.
Also für mich ist 1206 die Normalgrösse. Habe zwar auch 0805 und 0603 im
Einsatz, allerdings nur wo es nötig ist.
Für mich macht es keinen Sinn, kleine Grössen als Standart zu nehmen, da
würde ich mir das leben ja nur schwerer machen. Platz ist bei meinen
Projekten meist genug vorhanden. Da nehme ich 1206..
Michael S. schrieb:> Ist das nicht auch eine Frage, was man da für Werkzeug zum Bestücken> zur Verfügung hat?
naja, 0603 und 0805 ist ja jetzt nicht sooo kritisch. Nen
temperaturgeregelter Lötkolben mit meißelförmiger Spitze mit so um die
2,5mm Breite reicht doch vollkommen aus. Dann halt noch ne normale
Pinzette und 0,5mm Lötzinn. Alles nicht wirklich exotisch.
osterchrisi schrieb:> Ich glaub, allzuviel Zauber is gar nicht notwendig für meine kleine> Schaltung, ich hab die mal angehängt... Die Schaltung wird sich> geringfügig verändern, aber im großen und ganzen ist der Schaltplan eine> gute Referenz.
Hallo osterchrisi
Nur mal aus Neugier:
Wo hast Du denn den LM324 mit 5 (!!!) OP's (1a - 1e) her ?
Da will ich auch welche :-D
(Just kidding)
A.