BTM schrieb:
> ...ok, also wirklich eine dumme Frage..., aber warum geht das nicht?
"Blindleistung" und "Abstrahlung" sind diametrale Gegensätze.
Abgestrahlte Leistung ist "weg", d.h. bezüglich der Antennenklemmen
tritt sie als Wirkleistung auf. Also Leistung, die im zeitlichen Mittel
in die Klemmen hineinfließt. Diese Leistung wird durch den Realteil der
Klemmenimpedanz repräsentiert. Der Imaginärteil repräsentiert die
Blindleistung, also den Anteil der Momentanleistung, der mal positiv und
mal negativ und mittelwertfrei ist. Das ist Leistung die eben
definitionsgemäß nicht abgestrahlt wird, sondern zwischen Antenne und
Generator hin- und her pendelt. Gespeichert wird die zugehörige Energie
in reaktiven Nahfeld der Antenne.
> ich meine, zwei Leitungen können doch jeweils eine komplexe Impedanz
> aufweisen und in dem Falle, dass beide gleich sind, findet keine
> Reflexion an den Übergangsstellen statt...
Der Satz enthält gleich zwei Fehler:
- Eine einigermßen vernünftige Leitung hat keinen komplexen
Wellenwiderstand. Der Wellenwiderstand wird erst durch Leitungsverluste
komplex. Eine Leitung, bei der der Imaginärteil von Z_L nicht mehr
vernachlässigbar ist, hat auch eine so hohe Dämpfung, dass sie praktisch
unbrauchbar ist.
- Die Leistunganpassung an einen Generator mit komplexer Impedanz
erfolgt durch die konjugiert komplexe Last. Das ist der Punkt, an dem
die maximale Wirkleistung abgegeben wird. Eine Reflexion tritt aber
dennoch auf, weil durch den Imaginärteil der Last die Momentanleistung
auch mal negativ wird, d.h. es tritt Blindleistung auf. Das ist aber
identisch mit dem Auftreten einer rücklaufenden Welle. Das heißt man
kann eine komplexe Last so anpassen, dass der Generator die
größtmögliche Wirkleistung an sie abgibt, reflexionsfrei ist das aber
nicht.
> Wenn eine zunächst rein ohmsche Antenne z.B. Kapazitiv geladen wird,
> dann hat sie doch erstmal eine komplexe Impedanz, d.h. doch widerum,
> dass eine gleichartige Antenne aufgrund der Reziprozität grundsätzlich
> geneigt sein sollte, entsprechende Strahlung der ersten Antenne
> besonders gut aufnehmen zu können...
Völliger Blödsinn und mit Reziprozität hat das gar nichts zu tun. Es ist
mit hier jetzt auch zu aufwendig, diese krummen Gedanken geradezubiegen,
weil es ein gewisses Grundwissen an Feldtheorie benötigt.
> Warum aber bemüht man sich dann, eine Antenne immer an die ohmschen 50
> oder 75 Ohm anzupasssen?
Weil 50 Ohm sich in der Mess- und Aufbautechnik etabliert hat. Von der
Bezugsimpedanz hängt soviel ab (Messgeräte, Bauelemente, Steckverbinder,
...), dass es zweckmäßig bis unumgänglich ist, sich auf eine Impedanz zu
einigen. 50 Ohm ist bei Koaxialleitungen ein guter Kompromiss zwischen
minimaler Dämpfung und bester Spannungsfestigkeit, 75 Ohm hat sich in
der TV-Technik durchgesetzt, weil es 1/4 der Impedanz eines Faltdipols
ist. Faltdipole waren verbreitete Antennen und ein 1:4-Balun war leicht
zu realisieren.
> ...und was ich mich dabei auch noch Frage: Warum werden die Antennen
> nicht auf 377 Ohm, also den Wellenwiderstand des freien Raums ausgelegt?
Derart hohe Wellenwiderstände führen zu ungünstigen
Leitungseigenschaften und die Feldtypwandlung in der Antenne (von einer
geführten Leitungswelle zu einer Freiraumwelle) wird dadurch auch nicht
wesentlich begünstigt.