Hallo,
ich habe eine elektronische Schaltung gebaut, bei der jeweils mehrere
LEDs angesteuert werden. Dadurch, dass die LEDs (schnell) gemultiplext
werden, ist der Strom den mein Messgerät anzeigt jedoch wesentlich
geringer als mein errechneter Strom. Für welche Leistung sollte das
Netzgerät nun ausgelegt sein?
Und das Gleiche gild für den FET, reicht es wenn dieser für den
"Effektivstrom" ausgelgt ist oder sollte er für meinen errechneten Wert
sein?
Bsp: 10 LEDs, Multiplexstrom 100mA -> 1000mA
Strom den mein Messgerät anzeigt -> 300mA
LG Jana
Jana schrieb:> Bsp: 10 LEDs, Multiplexstrom 100mA -> 1000mA
Multiplexstrom ist ja der, der pro LED fliesst. Da Multiplex, fliesst
der nur für ´ne kurze Zeit immer nur durch "eine" LED, in deinem
Beispiel 100mA,was dein Messgerät auch anzeigen würde wenn es denn auch
dafür geignet wäre, was es nicht zu sein scheint.
Soweit meine unmaßgebliche Meinung
Andreas M.
Jana schrieb:> 10 LEDs, Multiplexstrom 100mA -> 1000mA
???
In der On Zeit für eine Diode fliesst durch diese 100mA, ist das
korrekt?
Wie viele Leds sind tatsächlich gleichzeitig an?
Wo misst du denn den Strom? Direkt aus deiner Spannungsversorgung?
Wenn du den Strom pro LED messen möchtest muss dein Messgerät "True RMS"
können und die entsprechende Multiplexfrequenz verkraften. Dann zeigt es
dir einen errechneten Mittelwert an.
Andreas schrieb:> was dein Messgerät auch anzeigen würde wenn es denn auch> dafür geignet wäre, was es nicht zu sein scheint.
Nö.Schonmal was von einem Effektivwert gehört? Das Multimeter zeigt den
Effektivwert an, nicht den Maximalstrom.
Also ich messe am "Eingang" der gesamten Schaltung, direkt in Reihe zum
Netzgerät quasi. Es sind zwischen 0 ud maximal 10 LEDs gleichzeitig an,
dannach erst sind die nächsten an. Also müsste der Strom zwischen 0mA
und 1000mA (plus vernachlässigbarer µC) sein, er ist aber wenn alle LEDs
an sind maximal bei ca. 300mA (bedingt durch das Multiplexen denke ich).
Doch wie hoch muss ich jetzt das Netzteil auslegen, für meine
errechneten Stromspitzen oder für den Effektivwert?
LG Jana
Hallo Jana,
das Netzteil muss dir den zeitlich gemittelten Strom liefern können. Den
hast du schon gemessen (300 mA), sofern bei deiner Messung der
Messbreich auf DC eingestellt war. (Oder auf "-" oder "=" oder wie auch
immer es auf deinem Messgerät angegeben wird). Wenn du in einer anderen
Einstellung gemessen hast (z.B. in "AC" oder "AC+DC" oder "~" oder
.....) dann wiederhole die Messung einfach noch mal im "DC" Bereich
(nennt sich auch "Gleichstrombereich" und ist genau dafür gemacht, den
zeitlichen Mittelwert zu ermitteln). Achte dabei darauf, dass deine LEDs
maximal leuchten. Der Strom, den du dann misst, entspricht dem Wert den
dein Netzteil liefern muss.
Der Spitzenstrom ist durch das Schalten der LEDs zwar höher, aber zur
Abpufferung dieser Stromspitzen nutzt man Kondensatoren: wenn gerade
eine Stromspitze verlangt wird, liefern diese den Extrastrom, in der
restlichen Zeit werden sie vom Netzteil aufgeladen. Wahrscheinlich hat
dein Netzteil schon ausreichend große Kondensatoren verbaut, aber es ist
keine schlechte Idee, auch ein paar davon auf den Eingang deiner
Schaltung zu setzen.
viele Grüße
Achim
Achim S. schrieb:> auch ein paar davon auf den Eingang deiner Schaltung zu setzen.
Stützkondensatoren am rechten Ort sind immer nützlich.
Jana schrieb:> Für welche Leistung sollte das Netzgerät nun ausgelegt sein?
Frage dabei wäre was konkret passiert, wenn das Multiplexen nicht
funktioniert und alle LEDs VOLLEN Strom bekommen! Entweder ist
konstruktiv vorgesorgt oder ein schwächliches Netzteil meldet weißen
Rauch.
Danke für die (wirklich) nachvollziehbaren Antworten !!
Wie groß sollten die Kondensatoren denn sein, reichen da kleine Folien-
oder Keramikkondensatoren oder sollten es schon größere Elkos sein,
wobei diese eventuell zu langsam sind, oder?
LG Jana
Hallo Jana,
im wesentlichen brauchst du Elkos mit ausreichend Kapazität. Die sind
zwar wirklich nicht allzu schnell, aber dein Multiplex läuft ja auch
nicht bei sehr hohen Frequenzen. Und um die steilen Schaltflanken
abzupuffern schaltest du den Elkos noch ein paar kleinere Tantal-Elkos
parallel.
Bei der Auswahl der Elkos solltest du aber darauf achten, dass im
Datenblatt so etwas wie "pulsbelastbar" oder "low-ESR" oder ähnlich
angegeben ist, sonst reduziert sich bei deiner Anwendung die Lebensdauer
der Teile.
Die Kapazität der Elkos berechnest du über deine Mux-Frequenz und über
den Spitzenstrom. Mal angenommen, du multiplext mit 1 kHz und die ersten
5 LEDs leuchten, die anderen 5 LEDs sollen nicht leuchten. Dann muss der
Elko 5 ms lang den Spitzenstrom liefern (eigentlich nur die Differenz
zwischen Spitzenstrom und mittlerem Strom) und während der nächsten 5 ms
den selben Strom wieder aufnehmen.
Angenommen die Differenz zwischen Spitzenstrom und mittlerem Strom
beträgt 0,5 A, dann werden 0,5 A * 5 ms = 2,5 mC an Ladung abgegeben und
wieder aufgenommen. Wenn du also einen Elko mit 2,5 mF wählst, würde die
Spannung rechnerisch um 1 V hin und her wackeln, was eigentlich ein
bisschen viel ist. Andererseits liegen wahrscheinlich im Netzteil noch
Elkos am Ausgang parallel, und der MUX-Strom variiert nicht immer so
stark wie im hier berechneten worst case, so dass die 2,5 mF vielleicht
doch ausreichen.
Mit den konkreten Zahlen deiner Schaltung kannst du also einen
Anhaltswert für die benötigte Kapazität ausrechnen, und es wird
irgendwas im mF Bereich herauskommen. Je nachdem, wie viel Platz du auf
der Schaltung hast und ob dich 2 € mehr für zusätzliche Elkos stören
oder nicht, kannst du dann die berechnete Kapazität verbauen, oder ein
Vielfaches davon als "Sicherheitspolster".
Wenn du alles zusammengebaut hast, kannst du ja die LEDs mal mit dem
worst case Muster ansteuern und ausmessen, wie start die
Versorgungsspannung tatsächlich schwankt. Dazu musst du das Multimeter
aber auf "AC" (nicht auf "AC+DC") schalten. Dann wird dir der
Effektivwert der Spannungsschwankungen angezeigt (wenn dein Messgerät
den echten Effektivwert bestimmen kann) oder ein Wert, der dem
Effektivwert zumindest nahe kommt (wenn du ein etwas einfacheres,
"sinuskalibriertes" Messgerät verwendest). Wenn die Schwankungen nicht
zu hoch sind, und deine Schaltung zuverlässig damit klar kommt, dann
passt alles...
viele Grüße
Achim
Achim S. schrieb:> Anhaltswert für die benötigte Kapazität ausrechnen
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, daß Deine Gleichrichter
oder ein schwächliches Netzteil die verursachten Spitzenströme durch
Deine weiteren Elkos verkraften müssen.
Weiterhin sollte man bei Multiplexbertrieb mögliche Störungen durch
Rechteckimpulse und deren Oberwellen genauer betrachten! Jeder Draht ist
auch eine wunderschöne Antenne.
>Das Multimeter zeigt den Effektivwert an, nicht den Maximalstrom.
Wenn es KEIN TrueRMS Multimeter ist, dann zeigt es den 1,11fachen
Gleichrichtwert als Effektivwert an.