Ich habe eine Optisch-mechanische Frage, basierend auf einem
Selbst-Test. Ich bin kurzsichtig und trage normalerweise eine Brille.
Nun erzählte mir jemand, dass man statt der Brille auch einfach durch
ein Stück Pappe mit einem winzigen Loch gucken kann und dann scharf
sehen würde.
Habe ich interessehalber ausprobiert indem ich einen alten Schuhkarton
seziert, und mit einer Stecknadel ein kleines Loch reingestochen habe.
Dann Tele-Text am Fernseher angemacht, den ich ohne Brille nicht lesen
kann und durch die Pappscheibe geguckt -> funktioniert!!!
Wie kann das sein? Da ist doch keinerlei Linse involviert!?
Die Unschärfe jeder Optik kommt daher, dass ein und derselbe Punkt eines
(Licht)Objekts auf verschiedenen Wegen durch das System läuft und am
Ende auf unterschiedlichen Punkten der Projektion landet. Eine Linse
kann das "elegant" durch ihre Brechung korrigieren (aber auch nur
begrenzt). Die harte Methode ist es, die möglichen Wege einzuschränken.
Und da ist ein 0.1mm Loch schon mal besser als das 3mm-Loch der
Pupille...
Wenn man nur leicht fehlsichtig ist, kann schon die kleine Pupille im
Hellen das korrigieren, im Dunkeln sieht man trotzdem unscharf.
Selbes Spiel beim Fotoaparat mit einstellbarer Blende. Blende offen ->
Schärfebereich recht klein, Blende zu -> grosser Schärfebereich, aber
duster.
Achja, noch ein Nachtrag: Wenn man durch so ein kleines Loch auf eine
helle Wand schaut, sieht man den Randbereich des Lochs unscharf und vor
allem mit leichten Eindellungen (zackiger Rand). Das ist nicht das
Gezacke des Lochs im Papier! Das merkt man, weil die Dellen sich nicht
mitdrehen, wenn man diese Lochblende dreht. Das sind die
Ungleichmässigkeiten der Iris...
Das ganze funktioniert im Notfall sogar ganz ohne jedes Hilfsmittel, und
zwar einfach nur dadurch, daß man mit den Daumen und Zeigefingern beider
Hände ein kleines bis winziges Loch formt und dieses so gebildete
Löchlein dann ganz dicht vor das Auge bringt.
Wenn man jetzt z.B. als eigentlich schlechtsichtiger Brillenträger mal
ohne Brille durch dieses Löchlein hindurchlinst, dann kann man plötzlich
problemlos Geschreibsel auf dem Computermonitor lesen, das man ansonsten
ohne Brille noch nicht mal sicher überhaupt als Schrift identifiziert
hätte.
Einfach mal ausprobieren!
Physik 7. Klasse wiederholen oder Fotokurs an der VHS belegen, wenn man
nicht selber zum Thema Blende und Schärfentiefe googlen kann.
Eine entsprechende Brille mit durchlöcherten, aber dunklen Gläsern gab
es schon vor geschätzten 20 Jahren bei Pearl.
http://www.pearl.de/a-PE1777-5220.shtml
Es gibt diese Lochrasterbrillen. Die Theorie ist nach meiner Info so,
dass das Auge zum einen ein scharfes Bild erhält (na ja) und zum anderen
durch die sprunghaften Bewegungen irgendwie trainiert wird.
Es kommt aber noch besser: Eine Methode um Altersweitsichtigkeit zu
"korrigieren" ist der Einsatz einer Art Lochblende direkt ins Auge.
Man würde in der Anfangszeit etwas dunkler sehen, aber das gäbe sich.
Nun, mein Ding wäre es nicht.
Blindfisch schrieb:> Wie kann das sein? Da ist doch keinerlei Linse involviert!?
Das Auge fixiert seinen Brennpunkt dann hauptsächlich auf die Pappe.
Danke, das werde ich auch mal testen. Mit einem Stück Pappe durch den
Aldi rennen, um die winzigen Packungsaufschriften zu lesen, die ich seit
einer Weile nicht mehr lesen kann. Sowas gibt vielleicht ein nettes
Gespräch mit anderen Kunden.
Ich habs gerade mal probiert, den Zeigefinger zu einem Kringel mit
Lochdurchmesser 3mm geformt. Erstaunlich! Das Zielobjekt ändert auch
noch den Ort, wandert seitlich weg, wie bei einer richtigen Lupe.
Wilhelm Ferkes schrieb:> Ich habs gerade mal probiert, den Zeigefinger zu einem Kringel mit> Lochdurchmesser 3mm geformt. Erstaunlich! Das Zielobjekt ändert auch> noch den Ort, wandert seitlich weg, wie bei einer richtigen Lupe.
Man kennt ja auch da Sprichwort: Einfach mal ein Auge zudrücken!
Im übrigen wurden besonders zu Beginn der Photographie (schrieb man
damals auch so und nicht "Fotografie") auch viele Bilder mit sog.
Lochkameras gemacht. Da sitzt dann überhaupt keine Linse im
Strahlengang.
Wilhelm Ferkes schrieb:> Das Auge fixiert seinen Brennpunkt dann hauptsächlich auf die Pappe.
Davon wird aber die Sicht nicht schärfer.
Bei kleiner Blendenöffnug vergrößert sich die Schärfentiefe und
Gegenstände, die bei großer Öffnung nicht mehr scharf abgebildet werden
können, liegen dann u.U. im Schärfetiefenbereich und werden scharf
abgebildet.
Ursache sind Abbildungsfehler aus dem Randbereich der Linse. Die Blende
nimmt sie aus dem Strahlengang. Allerdings ist auch die Lichtmenge
kleiner, die durch die Optik kommt, wird kleiner und das Bild dunkler.
Uhu Uhuhu schrieb:> Allerdings ist auch die Lichtmenge> kleiner, die durch die Optik kommt, wird kleiner und das Bild dunkler.
Das Bild wird definitiv dunkler und aufgrund der weniger durch Unschärfe
ausgefransten Ränder könnte es auch kleiner WIRKEN. Rein vom
Abbildungsmaßstab wird sich aber nix ändern.
Uhu Uhuhu schrieb:> Davon wird aber die Sicht nicht schärfer.
Egal wie man es begründen mag:
Ich konnte bei schwachem Licht und den Zeigefinger zu einem Loch
gekrümmt gerade eine Kleinstschrift lesen. Anders nicht.
Klobrille schrieb:> ohne Brille durch dieses Löchlein hindurchlinst, dann kann man plötzlich> problemlos Geschreibsel auf dem Computermonitor lesen,
Naja, aber nur mit dem Blickfeld von zwei Wörtern. Als "problemlos"
würde ich das nicht bezeichnen, zumal man in jedem Supermarkt für
2...3 EUR eine Lesebrille kaufen kann.
Gruss
Harald
Klobrille schrieb:> Das ganze funktioniert im Notfall sogar ganz ohne jedes Hilfsmittel, und> zwar einfach nur dadurch, daß man mit den Daumen und Zeigefingern beider> Hände ein kleines bis winziges Loch formt und dieses so gebildete> Löchlein dann ganz dicht vor das Auge bringt.>> Wenn man jetzt z.B. als eigentlich schlechtsichtiger Brillenträger mal> ohne Brille durch dieses Löchlein hindurchlinst, dann kann man plötzlich> problemlos Geschreibsel auf dem Computermonitor lesen, das man ansonsten> ohne Brille noch nicht mal sicher überhaupt als Schrift identifiziert> hätte.>> Einfach mal ausprobieren!
Habe es gerade mal mit ner Klobrille als Gegencheck probiert. Das Loch
ist ja leider tatsächlich zu gross für einen spürbaren Effekt ;o)))
Vielleicht muss man die weiter weg halten ;o)))
bye uwe, der das natürlich weder im montierten Zustand, noch überhaupt
probiert hat ;o))
PS: Ironiefilter nicht vergessen...
Harald Wilhelms schrieb:> Uwe R. schrieb:>>> Habe es gerade mal mit ner Klobrille als Gegencheck probiert.>> Du hast recht. Mit Brille siehst Du viel intelligenter aus.
Echt? Na zum Glück hab ich immer eine auf... ;o))
Die Lichtstärke so einer Klobrille sollte man nich unterschätzen.... ;o)
bye uwe
Uwe R. schrieb:> Die Lichtstärke so einer Klobrille sollte man nich unterschätzen.... ;o)> Na zum Glück hab ich immer eine auf... ;o))
Vor allen nicht den "Cool-Faktor". :-) Du solltest Deine Klobrille
öfters zum Diskobesuch mitnehmen.
Meint
Harald
Harald Wilhelms schrieb:> Uwe R. schrieb:>>> Die Lichtstärke so einer Klobrille sollte man nich unterschätzen.... ;o)>> Na zum Glück hab ich immer eine auf... ;o))>> Vor allen nicht den "Cool-Faktor". :-) Du solltest Deine Klobrille> öfters zum Diskobesuch mitnehmen.
Hmm, muss ich mir zumindest mal für Fasching merken. Kommendes Jahr hab
ich schon was, aber 2014 wäre noch als Termin dafür frei... ;o))
bye uwe
PS: 2 Klobrillen ist schlecht, oder? Vielleicht könnte man die
berührenden Teile der Sitzgelegenheit absägen (quasi die negierte
Schnittmenge bilden wenn sich die Innendurchmesser berühren), dann hat
man auch gleich was zum zusammenkleben und eben nicht so einen breiten
Nasensteg... ;o))
Erfahrungsbericht....
Das scharf Sehen durch ein kleines Loch funktioniert definitiv!
Grosspapa hat den Kindern Papa Moll vorgelesen, mit Lesebrille. Ohne
diese konnte er den Text nicht lesen, haben wir ausprobiert.
Nachdem er ein Blatt Papier mit einem per Stecknadel reingestochenen
Loch vor ein Auge gehalten hat, konnte er problemlos lesen.
Es war aber doch eine mühsame Angelegenheit: die aufkommenden Fragen zu
beantworten war nicht so einfach...
Harald Wilhelms schrieb:> Uwe R. schrieb:>> Habe es gerade mal mit ner Klobrille als Gegencheck probiert.> Du hast recht. Mit Brille siehst Du viel intelligenter aus.
Och, komm, lass den armen Uwe in Ruhe. Der hat viel durchgemacht!
;-)
hawa mand schrieb:> Erfahrungsbericht....> Das scharf Sehen durch ein kleines Loch funktioniert definitiv!
Warum auch nicht?
M.W. hat das schon Leonardo da Vinci erkannt.
Gruss
Harald
Frank M. schrieb:> Harald Wilhelms schrieb:>> Uwe R. schrieb:>>> Habe es gerade mal mit ner Klobrille als Gegencheck probiert.>> Du hast recht. Mit Brille siehst Du viel intelligenter aus.>> Och, komm, lass den armen Uwe in Ruhe. Der hat viel durchgemacht!
Durch die Brille? unglaublich.... ;o))
bye uwe
Mal angenommen man hätte Komplett Schwarze Undurchsichtige Kontaktlinsen
in die man dieses 1mm Loch Sticht.
Würde das damit noch besser Funktionieren ?
Weil das Loch in Prinzip direkt auf der Augenoberfläche wäre.
Michael M. schrieb:> Mal angenommen man hätte Komplett Schwarze Undurchsichtige Kontaktlinsen> in die man dieses 1mm Loch Sticht.> Würde das damit noch besser Funktionieren ?> Weil das Loch in Prinzip direkt auf der Augenoberfläche wäre.
Wieso sollte es? Die Linse hat doch schon von sich aus eine
Sammelfunktion.
Gruss
Harald
Harald Wilhelms schrieb:> Wieso sollte es? Die Linse hat doch schon von sich aus eine> Sammelfunktion.
Deren Fokussierung funktioniert eben mit den Jahren nicht mehr so toll.
Wenn man nicht gerade selbst betroffen ist, bringen die Dinge wie Löcher
in einer Pappe auch rein gar nichts.