Hallo
Vor vielen Jahren hat mir mein Vater einen ganzen Schwung Bohrer aus
tiefsten DDR Zeiten überlassen. Damals dachte ich, was soll ich mit dem
Schrott. Heute denke ich das nicht mehr.
Bis heute nutze ich einige dieser Bohrer regelmäßig zum bearbeiten von
Stahl und habe einige noch nie!!! nachgeschliffen.
Jetzt habe ich mir einen goldglänzenden Baumarktsatz "Superbohrer"
0.5-13mm für fast 70€ gekauft und was soll ich sagen der 4mm Bohrer war
nach 5 Löchern in 5mm Flachstahl Schrott.
Ich bin entäuscht.
Gibt es heute noch Bohrer in der "Guten alten" Qualität, und was sollte
man investieren? Oder ist das der Standart der Baumarktware? Die hatten
auch noch ein Set für 30€, wohl für 1 Loch.
Gruß Horsti
Hallo,
sicher gibt es gute Bohrer, man muss nur den richtigen für die Aufgabe
haben.
Meine Erfahrung (5 Jahre nebenberuflich als CNC Dreher) in der Hinsicht
ist Folgende:
- Beschichtete Bohrer (die toll glänzenden) kosten mehr als sie bringen
- Die passenden Schnittdaten sind das A und O
Für den Privatgebrauch und Stahl würde ich HSS-G Bohrer verwenden. Soll
auch Edelstahl gebohrt werden würde ich auf HSS-E Bohrer gehen (die
verwenden wir auch in der Dreherei und die halten bei uns ca. 1000
Löcher a 5mm tiefe, wobei wir mit dem doppelten Vorschub fahren, da die
Arbeitszeit teurer als die Bohrer sind). Als Schnittdaten würde ich 10
m/min empfehlen (sind bei einem 4mm Bohrer 800 1/min). Nicht nur eine zu
hohe Schnittgeschwindigkeit, sonder auch eine zu niedrige machen den
Bohrer kaputt. Der Vorschub wir meist mit 30 mm/min angegeben. Auch
sollte der Bohrer gekühlt/geschmiert werden. Oft genügen ein paar
tropfen Öl dazu. Auch Gewindeschniedpaste ist ganz gut geeignet.
Vollhartmetallbohrer nehmen es einem doch recht leicht übel, wenn sie
mit den falschen Schnittdaten verwendet werden (hab damit allerdings
noch nicht mit Hand gebohrt, die kommen bei uns nur auf die Maschine, da
man von Hand die Schnittdaten fast nicht erreichen kann (z.B. 4mm VHM
Bohrer, 50 m/min und 0,07 mm/U macht 3980 1/min und 278 mm/min)
Gruß Kai
Die HSS oder HSS-Cobalt von Heller aus dem Reichelt.
Die HSS-Cobalt bekommst Du praktisch nicht stumpf, kleinere Bohrer
brechen aber schneller ab als normale HSS.
Die Bohrer sind gedreht und nicht gewalzt. Kosten aber entsprechend.
dödel schrieb:> Baumarkt = Müll> oder total überteuert...
Laß das. Im seriösen Fachhandel gibt es die gleichen Probleme. Man muß
explizit danach fragen, ob die Bohrer auch wirklich geschliffen und
nicht rollgewalzt sind. Letztere eiern nämlich. Und teuer sind sie alle.
W.S.
Tja, dummerweise sieht man es den Bohrern selten an, ob sie gut sind.
Billiger vergoldeter Bohrersatz, geschenkt bekommen, wahrscheinlich von
Praktiker: Halten seit Jahren, Leiterplatten und Pertinax setzen ihnen
etwas zu.
Die HHS von Reichelt sind sehr gut, zumindest die ich mal vor paar
Jahren gekauft habe.
Die HSS von Lux ausm Biber halten auch gut.
Bohrer mit einem Billig-Akkuschrauber lassen sich mit der Hand biegen,
der Schrauber ist auch inzwischen Schrott.
Bohrersatz NoName mit ganz vielen ganz kleinen Größen: Nur für
Pappelsperrholz geeignet. Und ausserdem meist schief angeschliffen. Aber
bei dem Schrott lohnt nichtmal das Nachschleifen...
Schlagt mich nicht, hab die nicht alle selbst gekauft. Ich würd mir gern
mal ein neues Bohrerset zulegen, aber die Chancen damit reinzufliegen
sind halt recht groß.
W.S. schrieb:> dödel schrieb:>> Baumarkt = Müll>> oder total überteuert...>> Laß das. Im seriösen Fachhandel gibt es die gleichen Probleme. Man muß> explizit danach fragen, ob die Bohrer auch wirklich geschliffen und> nicht rollgewalzt sind.
Es sind ja auch unterschiedliche Bohrer - da sehe ich kein Problem drin.
Du wirst auch für Hartmetallbohrer explizit nachfragen müssen.
> Letztere eiern nämlich.
Kann ich nicht bestätigen. Wir haben hier auch schwarze Ware für
normalen Stahl/Alu im Gebrauch (damals bei ebay für knapp 25 Euro als
lose Schüttung für 50 Bohrer - die tun es heute noch - offenbar hab ich
da viel Glück gehabt :-) und da eiert nichts. Die Löcher sind so
maßhaltig, wie man sie erwarten darf.
Natürlich sind die Bohrungen geschliffener Bohrer sauberer - deswegen
sind sie ja geschliffen - aber trotzdem kann man auch mit
ungeschliffenen Bohrern vernünftig arbeiten.
Voraussetzung ist natürlich immer ein gutes Futter (hier nur Albrecht)
und eine spielarme Spindel.
> Und teuer sind sie alle.
Muss nicht sein - unser Werkzeughändler hat da sehr humane Preise. Ein
normaler, geschliffener 10mm-Spiralbohrer aus HSS von Format kostet
keine 3 Euro. Und die sind haltbar.
Chris D.