"linearer" und nichtlinearer Zusammenhang - Begrifflichkeit

OP #3084094
Lesenswert?

Hi
Ich habe gerade einen Hänger und komm nicht auf das Wort das ich suche 
;-)

Wenn ich sagen will der "Zusammenhang ist linear" und damit keinen 
"geradlinig-linearen" Zusammenhang (y(x) = a+b*x) meine, sondern etwas 
wie z.B. einen quadratischen, reziproken (oder sonst was) Zusammenhang 
meine. Wie heißt das dann? Nichtlinear ist in diesem Kontex z.B. eine 
Sprungfunktion (z.B. Schwellwerte), trigonometerische Funktionen wie 
sin, cos etc.

Ich glaube wir haben das auch immer lineare System genannt... aber kann 
man dan icht noch sprachlich unterscheiden?

Gruß
#3084171
Lesenswert?

A. K. schrieb:
> Christoph abc schrieb:
>> Ich glaube wir haben das auch immer lineare System genannt... aber kann
>> man dan icht noch sprachlich unterscheiden?
>
> Linear: Kleine Ursache kleine Wirkung, grosse Ursache grosse Wirkung.

Linear ist eher:

Doppelt soviel Ursache -> doppelt soviel Wirkung

Alles andere ist nicht-linear, womit aber nix spezifisches verbunden 
ist, ausser das das einfache "n-fache Ursache ergibt n-fache Wirkung" 
nicht gilt.
#3084203
Lesenswert?

Karl Heinz Buchegger schrieb:
>> Linear: Kleine Ursache kleine Wirkung, grosse Ursache grosse Wirkung.
>
> Doppelt soviel Ursache -> doppelt soviel Wirkung

Nein, das ist die andere Sorte "linear". Dieser Begriff hat zwei 
Bedeutungen. Einerseits werden dadurch lineare Gleichungen beschrieben. 
Andererseits sind nichtlineare Systeme die Grundlage von mathematischem 
Chaos, weil obige Aussage darauf nicht zutrifft.
http://en.wikipedia.org/wiki/Nonlinear_system

In den 80ern war das beliebteste Beispiel dafür die Mandelbrot-Menge.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mandelbrot-Menge
#3084240
Lesenswert?

A. K. schrieb:
> Aus dem Ursprungsposting geht eindeutig hervor, dass eben keine linearen
> Gleichungen gemeint sind, sondern lineare vs. nichtlineare Systeme.

Das ist irrelevant. Ein System muss zwei Bedingungen erfüllen, damit es 
sich straffrei "linear" nennen darf:

a) Wenn Du das Eingangssignal um einen beliebigen Faktor erhöhst, erhöht 
sich das Ausgangssignal um denselben Faktor.

b) Wenn Du die Summe von zwei Signalen an den Eingang legst, ist das 
gleichbedeutend, wie wenn Du jedes einzelne Signal durch je eine "Kopie" 
dieses Systems durchlässt, und die Ausgänge dann summierst.

Äquivalt beim Begriff "linearer Zusammenhang".

Wie oben schon mit der Gleichung (einfacher) verdeutlicht.

Mit der Linearität ist es wie mit dem Gewicht, der Geschwindigkeit, der 
Energie und der Leistung: Viele Menschen benutzen den Begriff, haben 
aber keine Ahnung, was er bedeutet. Und da ihre Gesprächspartner das 
eben auch nicht wissen, weiss man dann doch irgendwie, was gemeint ist 
(oder glaubt es zumindest).
Oder würdet Ihr Polizisten zurechtweisen, wenn er die (eigentlich 
sinnfreie) Aussage macht: "Ihre Geschwindigkeit betrug 60 km/h", und ihn 
nach den beiden anderen Vektorkomponenten fragen? :-))

:-)

Gruäss
Simon
#3084269
Lesenswert?

Zwoelf von Neunzehn schrieb:
> Linear bedeutet : a*(X+Y) = a*X + a*Y  // fuer alle a= const
Was? Das ist das Distributivgesetz.
Linear bedeutet: Seien (G,*), (H,°) Gruppen und f: G -> H eine Abbildung 
von G nach H. f heißt linear, falls für alle g1, g2 aus G gilt:
f(g1 * g2) = f(g1) ° f(g2).
Für Vektorräume etc. fordert man zusätzlich noch das korrekte Verhalten 
der Skalarmultiplikation.

In R bedeutet "linear" schon das, was gesagt wurde: y ist linear in x, 
wenn y(x) = a*x + b gilt (im engeren Sinne sogar nur wenn b=0 ist). Wenn 
du nur sagen willst, dass die beiden Größen irgendwie korrelieren, dann 
kannst du genau das sagen... dass sie korrelieren ;)
Oder, wie auch schon erwähnt wurde, "y hängt stetig von x ab" ist auch 
ganz gut. Extrem aussagekräftig ist letzteres halt nicht gerade, denn da 
kann immer noch jede Menge Unfug passieren (chaotisches Verhalten ist 
davon nicht ausgeschlossen).

Gruß,
Sven
Moderator Persönliche Seite #3084290
Lesenswert?

Sven B. schrieb:
> Linear bedeutet: Seien (G,*), (H,°) Gruppen und f: G -> H eine Abbildung
> von G nach H. f heißt linear, falls für alle g1, g2 aus G gilt:
> f(g1 * g2) = f(g1) ° f(g2).

ACK.

> In R bedeutet "linear" schon das, was gesagt wurde: y ist linear in x,
> wenn y(x) = a*x + b gilt (im engeren Sinne sogar nur wenn b=0 ist).

"Im engeren Sinne" ist der Spezialfall b = 0 eben "proportional". 
Proportional schließt linear mit ein, aber nicht umgekehrt ;-)

> Wenn
> du nur sagen willst, dass die beiden Größen irgendwie korrelieren, dann
> kannst du genau das sagen... dass sie korrelieren ;)

ACK

> Oder, wie auch schon erwähnt wurde, "y hängt stetig von x ab" ist auch
> ganz gut.

Sehe ich auch so.

Unter "Linearität" sehe ich immer einen Zusammenhang, der sich durch 
eine Gerade auf dem Blatt Papier abbilden lässt.
#3084301
Lesenswert?

Frank M. schrieb:
> Sehe ich auch so.

Das wäre jetzt eben die "Geschwindigkeit" im Vergleich zur 
"Schnelligkeit". Oder "Gewicht" zu "Masse". Jeder versteht, was man 
meint, aber die Definition ist anders:

http://www2.math.uni-paderborn.de/fileadmin/Mathematik/AG-Krause/teachings/ss07_mif2/kapitel10.pdf

Zum Beispiel ist ein Offset nicht erlaubt.

Aber eben, Obiges meinte ich nicht despektierlich. Ich sage auch, mein 
GEWICHT ist 90kg.

Nur: Wenn ein Systemtechniker das so lasch nimmt, werden seine 
Regelkreise ganz schnell Samba tanzen... :)

Gruäss
Simon
Moderator #3084417
Lesenswert?

Für den Begriff Linearität gibt es mehrere unterschiedliche
Definitionen, die sich teilweise gegenseitig widersprechen.

Im streng mathematischen Sinn ist Linearität so definiert:

  http://de.wikipedia.org/wiki/Lineare_Abbildung

Nach dieser Definition ist bspw. f(x)=a·x+b für b≠0 keine lineare
Funktion. Das wurde ja bereits erwähnt.

Ich glaube aber nicht, dass "linear" bzw. "nichtlinear" die richtigen
Bergiffe sind, um die von dir beschriebenen Zusammenhänge zu benennen:

Christoph abc schrieb:
> Wenn ich sagen will der "Zusammenhang ist linear" und damit keinen
> "geradlinig-linearen" Zusammenhang (y(x) = a+b*x) meine, sondern etwas
> wie z.B. einen quadratischen, reziproken (oder sonst was) Zusammenhang
> meine.

Quadratische und reziproke Funktionen sind schon einmal nicht mathema-
tisch linear.

> Wie heißt das dann? Nichtlinear ist in diesem Kontex z.B. eine
> Sprungfunktion (z.B. Schwellwerte),

Der auffälligste Unterschied zwischen der Sprung- und den oben genannten
Funktionen ist die Unstetigkeit der Sprungfunktion. Der Begriff Stetig-
keit wurde aber ja auch schon vorgschlagen und von dir nicht akzeptiert.

> trigonometerische Funktionen wie sin, cos etc.

Hmm, sin und cos sind aber wieder stetig, genauso wie die quadratische
Funktion. Welcher Unterschied zwischen f(x)=x² und f(x)=sin(x) soll denn
durch den Begriff hervorgehoben werden?

> Ich glaube wir haben das auch immer lineare System genannt... aber
> kann man dan icht noch sprachlich unterscheiden?

Ein lineares System ist ein System, das irgendwelche Eingangsgrößen
linear auf die Ausgangsgrößen abbildet. Beispiele für lineare Systeme
sind:

- Netzwerke von ohmschen Widerständen, Kapazitäten und Induktivitäten,
  wobei die Eingangs- und Ausgangsgrößen bspw. als komplexe Spannungen
  oder Ströme dargestellt sind

- Regelstrecken, die aus linearen Übertragungsgliedern (P-, I-, D, PT₁-,
  PT₂-, Totzeigliedern usw.) zusammengesetzt sind. Die Eingangs- und
  Ausgangsgrößen sind hier die kompletten Signalverläufe über der Zeit
  (oder wahlweise auch über die Frequenz).

Diese Beispiele bspw. die durch diese Systeme realisierten Funktionen
erfüllen auch die o.g. mathematische Definition von Linearität.

Am besten postest du einfach weitere Beispiele, die die von dir gesuchte
Eigenschaft erfüllen bzw. nicht erfüllen, jeweils mit einer kurzen
Begründung (warum haben bspw. sin und cos diese Eigenschaft nicht?).
Evtl. kristallisiert sich dann der gesuchte Begriff heraus.

Wenn du uns den Kontext mitteilst, im Rahmen dessen du diesen Begriff
suchst, würde das die Suche ebenfalls erleichtern.
#3084475
Lesenswert?

Uhu Uhuhu schrieb:
>> f(g1 * g2) = f(g1) ° f(g2).
> Wenn schon, dann so: f(g1 ° g2) = f(g1) ° f(g2)
Nein, was ich geschrieben habe war schon richtig. g1 ° g2 macht 
überhaupt keinen Sinn, so wie ich die Gruppen definiert habe.

> Wenn du für f   a * x setzt und für ° +, dann bekommst du
> a * (X+Y) = a * X + a * Y
Mit dieser Argumentation könnte ich auch sagen "linear heißt 0=0" weil 
wenn ich f=0 setze und für G und H die triviale Gruppe {0} wähle passt 
das ja auch.

Grüße,
Sven
#3084624
Lesenswert?

Eben, wie schon weiter oben gesagt, ich vermute, die Abhängigkeit, die 
der TO benennen möchte, ist am ehesten:

stetig (streng) monoton steigend (oder fallend).

Was in etwa soviel heisst wie: Wenn ich die Eingangsgrösse ein bisschen 
erhöhe, erhöht sich die Ausgangsgrösse auch ein bisschen.

Beispiel Stereoanlage, Lautstärkeregler:

Stetig heisst: Wenn ich ganz fein am Knopf drehe, wird es nicht 
plötzlich sehr laut.

(streng) Monoton steigend heisst: Nach rechts drehen führt immer zu 
lauterer Musik, nie zu leiserer.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren