Ich habe immer noch eine einfache Frage und hoffe, das sie nicht wieder
ausartet:
Angenommen, ich möchte Zusatzelektronik (Messtechnik für verschiedene
Temperaturen etc.) für den Automobilbereich in Umlauf bringen, also eine
nennenswerte Stückzahl davon verkaufen.
Wenn ich also ein paar solcher Teile für den Automobilbereich verkaufen
will, welche Vorschriften sind zu beachten und welche Prüfungen muss man
nachweisen um nicht die Firma für die man arbeitet, aber vor allem sich
selbst, einem rechtlichen Risiko auszusetzen.
Hat denn dein erster Thread nicht die für dich passende Antwort liefern
können?
Beitrag "Automobilelektronik legal in Umlauf bringen"
Du möchtest also Infos zu "zu beachtende Vorschriften" haben. Wenn nun
Vorschriften genannt werden, dann gefallen diese dir auch nicht.
Wesentlich ist halt, daß die "Allgemeine Betriebserlaubnis" (ABE) nicht
erlischt (durch Berücksichtigung der genannten Vorschriften)
wenn doch sogar schon der Einbau einer LED-Funzel zur
Kennzeichenbeleuchtung eine mögliche Erlöschung der allgemeinen
Betrieberlaubnis zur Folge haben könnte, dann wird "Messtechnik für
verschiedene Temperaturen etc." vermutlich größere Voraussetzungen
fordern, sofern es nicht nur ein Thermometer ist, welches mit Klettband
ans Armaturenbrett geklebt wird.
Das Anti-Blockier-System (ABS) hingegen ist von deiner Zusatzelektronik
vermutlich (hoffendlich) nicht betroffen. Oder doch? Dann müßte man
darüber vielleicht diskutieren ....
Sofern du dich nur an den 12V der Batterie bedienst und ansonsten keine
Verbindungen zum Bordnetz hast, kannst du dich relativ frei austoben. Du
musst nur so Dinge beachten wie EMV und darfst das Erscheinungsbild des
Fahrzeugs nicht verändern (Lichterspiele o.ä.).
Sobald du irgendwie anderen Kontakt zum Bordnetz hast, brauchst du
entweder eine Unbedenklichkeits Bescheinigung oder eine ABE. Beides
bekommst du beim TÜV oder einer anderen anerkannten europäischen
Prüfbehörde. Es gibt in einschlägigen Kreisen Hinweise, welche Behörde
für welches Zubehör zu empfehlen ist.
Die von dir gewählte Behörde wird dir dann genau sagen, welche
Unterlagen und Nachweise sie braucht. Wenn es dein erster Kontakt ist,
wird man etwas mehr verlangen.
Und noch ein Hinweis: Das ganze kostet richtig viel Geld. Und geh mal
davon aus, dass du einige Anläufe brauchst, bis du durch bist.
Georg G. schrieb:> Und noch ein Hinweis: Das ganze kostet richtig viel Geld. Und geh mal> davon aus, dass du einige Anläufe brauchst, bis du durch bist.
Das ist so was von richtig!
Nur so als Tip: Da Zulassungen ja EU-weit gelten, muss man nicht
zwingend in DL zulassen...
Webasto lässt offenbar in Belgien zu.
Auch Portugal, Rumänien u.a. gehören noch zur EU...
MfG
Eluxx
Eluxx schrieb:> Nur so als Tip: Da Zulassungen ja EU-weit gelten, muss man nicht> zwingend in DL zulassen...
Deshalb ja der diskrete Tipp, dass man vorher einschlägige Kreise
befragen sollte. Es gibt dünne und dicke Bretter. Aber hier im Forum
wird niemand aus dem Nähkästchen plaudern.
Markus schrieb:> Wenn ich also ein paar solcher Teile für den Automobilbereich verkaufen> will, welche Vorschriften sind zu beachten und welche Prüfungen muss man> nachweisen um nicht die Firma für die man arbeitet, aber vor allem sich> selbst, einem rechtlichen Risiko auszusetzen.
Die Vorschriften und Prüfungen usw. wirst du wahrscheinlich niemals
erfüllen können.
Ich hatte mich auch einmal mit dem Thema beschäftigt, ist aber schon ca.
15 Jahre her. Damals schien es mir als absolut hoffnungslos. Und dabei
wollte ich nicht einmal an den CAN-Bus. Heute ist es noch viel
hoffnungsloser, da ja die EU auch noch zusätzliche und teils
widersprüchliche Normen mit einbringt.
Ich sehe es so, dass der einzig gangbare Weg für eine Einzelperson bzw.
kleine Firma ist, auf die Verpackung drauf zu schreiben, dass das Gerät
nur auf Privatgelände eingesetzt werden darf. Die Leute welche es wollen
werden es trotzdem kaufen und "vergessen" es aus zu schalten, wenn sie
das Privatgeländee verlassen.
Da du ja eh den CAN-Bus nur abhören möchtest wird ja auch nach
menschlichem Ermessen nichts passieren. Vor allem wird das ach so
furchtbar wichtige ABS trotzdem funktionieren.
Falls du es selbst für nötig erachtest, dann kannst du ja eine
EMV-Prüfung machen lassen. Ich weiss nicht was das kostet, aber soooo
viel wird das ja nicht sein. Dann baue 5 oder 10 Stück davon auf und
baue diese in die Autos von ein paar guten Feunden ein. Die sollen ein
halbes Jahr damit herum fahren und darauf achten, ob das Radio rauscht
oder das Cellphone piept.
Was ich nicht verstehe: Möchtest du die Teile selbst bauen und
vermarkten oder bist du Angestellter und die Firma möchte die Teile
verkaufen?
mfG
Ulli
Ich arbeite bei einer Firma die bislang Industielle Elektronik
entwickelt hat und jetzt das Produkt (Idee eines Vertrieblers...) für
Autos in Kleinserie auch vermarkten will. Um den Markt zu testen
sozusagen.
Georg G. schrieb:> Sobald du irgendwie anderen Kontakt zum Bordnetz hast, brauchst du> entweder eine Unbedenklichkeits Bescheinigung oder eine ABE. Beides> bekommst du beim TÜV oder einer anderen anerkannten europäischen> Prüfbehörde. Es gibt in einschlägigen Kreisen Hinweise, welche Behörde> für welches Zubehör zu empfehlen ist.
Heißt das, dass ich mit dem ganzen Messequipment von Vector, BMCM,
IPETronic... und wie sie alle heißen nicht auf die Straße darf? Soweit
ich mich erinnere, ist da bei keinem dieser Teile eine Unbedenklichkeits
Bescheinigung oder gar ABE dabei.
Eigentlich nicht. :) Könnte ja sein, daß dadurch irgendwie das
EMV-Verhalten des Autos verändert wird und es sich in diesem Punkt nicht
mehr wie in seinen zugelassenen Betriebsparametern verhält. Interessiert
eigentlich keine Sau, aber wir müssen schließlich jeden Fliegenschiss
parametrisieren, normen, zulassen und kontrollieren. Eigentlich ists ein
Wunder, daß Vogelscheiße nicht eingetragen werden braucht, obwohl sie
das optische Erscheinungsbild und den Windwiderstand (und damit das
Abgasverhalten) beeinflußt.
Übrigens kann man sich sehr wohl eine Lichtshow in's Auto einbauen. Man
muß nur dafür Sorge tragen, daß dieses Licht nicht nach außen dringt.
Leuchten am Auto sind sicherheitsrelevante Bauteile und da find ich es
richtig wenn diese Dinge zulassungspflichtig sind. Es gibt schon genug
Deppen, die mit völlig verstellten Lichtern durch die Gegend fahren und
alle damit blenden weil diese seit dem letzten Crash nicht mehr so gut
in die Karosserie passen wollen. Meiner Meinung nach haben die alle mal
einen Strafzettel verdient, find ich schlimmer als 20 km/h zu schnell zu
fahren.
Unwissender schrieb:> Heißt das, dass ich mit dem ganzen Messequipment von Vector, BMCM,> IPETronic... und wie sie alle heißen nicht auf die Straße darf?
So ist es. Die Erprobungsfahrzeuge der Hersteller haben alle eine
Ausnahmegenehmigung des KBA dabei. Voraussetzung dafür ist u.A. der
Abschluss einer passenden Versicherung. Zusätzlich muss der Fahrer
entsprechend ausgebildet sein (einfach zu erfüllen, eintägiger Kurs).
Unwissender schrieb:> Heißt das, dass ich mit dem ganzen Messequipment von Vector, BMCM,> IPETronic... und wie sie alle heißen nicht auf die Straße darf?
Korrekt. Diese Tools dürfen ausschliesslich ausserhalb der StVZO
verwendet werden, bzw. für Versuchsträger die auf der Strasse fahren
brauchst Du die übliche Sonder-ABE vom Landkreis (und die entsprechende
Haftpflichtversicherung).
Beim CANoe musst Du bei jedem Programmstart eine Meldung wegklicken,
dass Du diese Einschränkung gelesen und verstanden hast.
Hallo,
ich kenne eine Projekt einer kleinen Firma, die eine spezielle
Elektronik für den Einbau in's KFZ gebaut hat.
Inkl. E1 (oder e1) Zulassung. Gefertigt wird's bei einem Fertiger nach
ISO_schlagmichtot.
EMV,KBA Freigabe war ein Aufwand von vielleicht 10-20t€
Das muss man investieren. Dann geht es prinzipiell.
maniko
Zum Thema "OHNE ABS-Diskussion" siehe den vorherigen Thread, Ist in eine
Diskussion ob ABS gut oder böse ist ausgeartet mit einer Menge
Vollprofis (so im Sinne von Vollschlank...)
Theoretisch mal angenommen die Kosten sind zu hoch und das Produkt wird
ohne E1 Zulassung verkauft. Was könnte dann im schlimmsten Fall
passieren wenn z.B. ein Konkurrent davon Wind bekommt?
Markus schrieb:> Was könnte dann im schlimmsten Fall> passieren wenn z.B. ein Konkurrent davon Wind bekommt?
Dann bekommst du im besten Fall eine Abmahnung und im schlimmsten Fall
eine Anzeige. Und wenn dein Teil ursächlich für einen Unfall ist,
bekommst du Post vom Staatsanwalt.
Warum kontaktierst du nicht einen anderen Hersteller und versuchst ein
Joint Venture? Das Risiko wird geringer (ok, der Gewinn auch) und du
kannst Know How abgreifen.
Das dieses Thema noch immer keine Antwort gefunden hat würde ich als
Hinweis deuten, dass hier im falschen Forum gefragt wird. Das hat mit
Elektronik nur wenig zu tun. Es geht hier um rechtliche Fragen und die
klärt man am besten mit einem Anwalt oder jemandem der sich auf die
Beratung in diesem Themengebiet spezialisiert hat.
Von Firmen die selber Elektronik für die Automobilindustrie Entwickeln
und Fertigen wird man da aber wenig Auskunft bekommen. Denen ist nicht
daran gelegen Know-How abzugeben und andere zu Beraten.
Ich glaub wenn Dein Konkurrent Wind davon bekommt, wenn Dein Gerät mit
nichts zertifiziert ist dann bist Du ganz einfach dran. Das kostet den
ein paar Telefonate und Dich diverse Strafanzeigen. Und wenn irgendein
Idiot sagt er hat die alte Frau Müller, von der nur die Stiefel auf dem
Fußgängerüberweg stehengeblieben sind, nicht gesehen weil ihn Deine zu
helle LED-Anzeige geblendet hat dann machst Du jahrelang Urlaub auf Camp
Knacki und finanziell bist Du auch auf viele Jahre am Ende.
Es geht ja nicht nur um eine ABE im automobilen Sektor, bei
elektronischen Geräten muß man ja diverse Normen einhalten, auf die das
Ding geprüft und zugelassen werden muß. Siehe Emissionsschutzverordnung,
GS-Zeichen, TÜV-Zeichen oder VDE ...
Ich hatte die Idee ja selbst schon. Viele Kumpels haben mir sowas
vorgeschlagen weil ich denen diverse Wunsch-Geräte für ihre fahrbaren
Hifi-Anlagen realisiert habe... aber dieses ganze Zulassungsgehabe ist
der einzige Grund warum ich es leider nicht machen kann. Ich glaube da
könnte ich sonst sehr gut von leben, aber das will der Staat nicht. Gut,
dann kriegt er auch die daranhängenden Steuereinnahmen nicht...
Im Endeffekt wurde doch alles schon im anderen Thread und hier genannt.
* Anfrage beim KBA was genau für dein Modul zur Zulassung benötigt wird.
* ISO 9001 Zertifizierung der Entwicklungs- und Fertigungsstätte
* Entwicklung nach ISO 26262
Damit bist du auf der sicheren Seite.
Alles andere hat mehr oder weniger Riskio das es für euch später richtig
teuer werden kann.
Da ihr ja schon Industrie Elektronik entwickelt habt, sollte die ISO
9001 ja nichts neues sein.
http://www.kba.de/cln_031/nn_124586/DE/Fahrzeugtechnik/Typgenehmigung/typgenehmigungen__node.html?__nnn=true
> Das dieses Thema noch immer keine Antwort gefunden hat
Hat sie, daher hat der alte thread schon längst seine Richtung
gewechselt, unser Held war nur zu beratungsresistent um sie zu
verstehen.
Wie üblich wird mehr Mühe in die Umgehung von Vorschriften und Regeln
gesteckt als ins eigentliche Produkt.
Es ist geklärt dass der Fertigungsbetrieb eine dauernde Zulassung
benötigt und das Produkt, und man nicht wie bei CE einfach nur selber
ein Bapperl draufmacht. Es ist geklärt was das kostet und dass der
Anschluss an den CAN Bus die Sache heikel macht, selbst wenn es nur ein
Anzeigegerät ist und damit für sich selbst gesehen nicht
sicherheitsrelevant.