Hallo, ich habe mal eine Frage zu Strom aus dem Netz.
Ich betrachte einen "Verbraucher" und einen "Erzeuger". Ich möchte auch
jetzt nicht von Strom reden, sondern von Energie.
Meine Frage ist jetzt folgende - wenn ein Kraftwerk eine Momentanenergie
1000 Watt liefert, der Verbraucher aber nur 300 Watt benötigt - was
passiert dann mit der übrigen Energiemenge, die nicht "abgerufen" wird.
Natürlich werden genaugenommen an Kraftwerken irgendwelche Regler
vorhanden sein, die die Momentanleistung messen und bei Energieabfall
z.B. das Gas vom Gaskraftwerk drosseln oder bei einem Anstieg mehr Gas
in den Verbrenner stecken.
Aber das ist nicht meine Frage - mich interessiert, ob zu viel erzeugte
Energie im Netz auch zu Problemen führen kann?
Anfänger schrieb:> Meine Frage ist jetzt folgende - wenn ein Kraftwerk eine Momentanenergie> 1000 Watt liefert, der Verbraucher aber nur 300 Watt benötigt
Nun, das geht nicht. Es darf nur genausoviel Energie erzeugt werden,
wie auch abgenommen wird.
> Aber das ist nicht meine Frage - mich interessiert, ob zu viel erzeugte> Energie im Netz auch zu Problemen führen kann?
Ja, es gibt einen Frequenz- und Spannungsanstieg. Dieser setzt dann
entsprechende Regelvorgänge in Gang. Dabei kann es durchaus auch zu
Regelschwingungen kommen, die dann auch zu Abschaltungen führen.
Gruss
Harald
Anfänger schrieb:> Meine Frage ist jetzt folgende - wenn ein Kraftwerk eine Momentanenergie> 1000 Watt liefert, der Verbraucher aber nur 300 Watt benötigt - was> passiert dann mit der übrigen Energiemenge, die nicht "abgerufen" wird.
Dann dreht der Generator schneller (wird zu wenig belastet) und die
Netzfrequenz geht hoch.
Im schlimmsten fall, bei einem so einfachen Beispiel vielleicht auch die
Spannung. Da bin ich mir aber nicht sicher.
Anfänger schrieb:> Aber das ist nicht meine Frage - mich interessiert, ob zu viel erzeugte> Energie im Netz auch zu Problemen führen kann?
Auf jeden Fall!
Es muss zu jeder Zeit genau so viel Leistung erzeugt werden wie
verbraucht wird. Deswegen bereiten die ganzen Wind- und Solarparks den
Netzbetreibern solche Kopfschmerzen, Sonne und Wind lässt sich halt bei
Bedarf nich an und wieder ab schalten.
Es ist nicht möglich zuviel Energie zu produzieren. Ohne Verbraucher
wird auch keine Energie erzeugt.
Atomkraftwerke kann man schlecht "drosseln". Das geschieht mit Gas-
Wasser und anderen Kraftwerken, die die Frequenz halten.
Wenn die Frequenz aus den Fugen kommt, klappt das komplette Energienetz
zusammen. Dann kannst Du nicht mal mehr die Klospülung betätigen.
> wenn ein Kraftwerk eine Momentanenergie 1000 Watt liefert,> der Verbraucher aber nur 300 Watt benötigt - was passiert> dann mit der übrigen Energiemenge
Die Spannung erhöht sich nur unwesentlich, aber die Frequenz
der Wechselspannung erhöht sich deutlich, der Generator des
Kraftwerks läuft ohne ausreichende Belastung und dreht daher
schneller.
Damit er nicht kaputt geht, MUSS die Leistung in den Generator
vermindert werden, also das AKW heruntergefahren oder beim
Kohlekraftwerk weniger Kohle nachgelegt werden (bei beiden ist
also erkennbar eine Regelung nicht so schnell möglich) oder
daher gibt es schnell regelbare Kraftwerkstypen "GuD" und die
Möglichkeit die Leistung in Pumpen für Wasserkraftwerke zu
"vernichten".
Lies mal Blackout von Marc Elsberg. Ein guter Thriller. Wenn Du das Buch
durch hast, wirst Du das verstehen und wurdest dabei auch noch
unterhalten :-).
super Frage, wer das versteht, versteht auch wieso es keinen Sinn macht
Strom an Börsen zu handeln, weil es eben de fakto niemals einen
Produktionsüberschuss geben wird, was ja das eigentliche Handeln und
Preisanhebungen und senkungen vorraussetzt.
Ich habe noch eine Frage - wie sieht es aus bei Solarwechselrichtern?
Angenommen, eine Anlage hat Max-Leistung 10kW. Wenn ich jetzt einen
Verbraucher habe, der 500 Watt zieht, die Anlage 5kW Leistung verfügbar
machen könnte - was passiert mit den 90 Prozent? Muss die der
Wechselrichter z.B. durch Abwärme nach draußen führen? Oder wird die
Energie der Solarzellen dann einfach - wenn sie nicht "abgerufen" wird,
nicht benutzt?
> Muss die der>Wechselrichter z.B. durch Abwärme nach draußen führen? Oder wird die>Energie der Solarzellen dann einfach - wenn sie nicht "abgerufen" wird,>nicht benutzt?
einfachstes beispiel: 9V Batterie an einen Verbraucher hängen der nur 3V
verträgt. Was passiert? Er geht kaputt. Tut er es nicht wird er heißer
weil die kompletten 9V an ihm abfallen.
Anfänger schrieb:> Meine Frage ist jetzt folgende - wenn ein Kraftwerk eine Momentanenergie> 1000 Watt liefert
Watt ist Leistung und keine Energie.
Das Wort Momentanenergie ist eher eine eigene Wortschöpfung, du meinst
Leistung = Energie/Zeit. Dann stimmen auch wieder die Watt.
frank schrieb:> einfachstes beispiel: 9V Batterie an einen Verbraucher hängen der nur 3V> verträgt. Was passiert? Er geht kaputt. Tut er es nicht wird er heißer> weil die kompletten 9V an ihm abfallen.
Also würde der Wechselrichter immer wärmer werden, bis irgendwann was
durchschmorrt, wenn die Kühlung nicht ausreichend ist?
Anfänger schrieb:> Ich betrachte einen "Verbraucher" und einen "Erzeuger". Ich möchte auch> jetzt nicht von Strom reden, sondern von Energie.>> Meine Frage ist jetzt folgende - wenn ein Kraftwerk eine Momentanenergie> 1000 Watt liefert ...
Watt ist Leistung nicht Energie.
stefan schmitt schrieb:> super Frage, wer das versteht, versteht auch wieso es keinen Sinn macht> Strom an Börsen zu handeln, weil es eben de fakto niemals einen> Produktionsüberschuss geben wird, was ja das eigentliche Handeln und> Preisanhebungen und senkungen vorraussetzt.
Abgesehen davon, dass "Sinn machen" schlechtes Deutsch ist: Natürlich
ist kein Produktionsüberschuss notwendig um zu handeln. Es genügt schon
ein potentieller Angebotsüberschuss, also wenn z.B. viele Kraftwerke
heruntergefahren aber einsatzbereit sind. Wenn sich ein Abnehmer findet,
dann kann man die natürlich hochfahren. Auch bei der Regelung selbst
können Börsen natürlich helfen.
Stell Dir mal vor Dein Energieerzeuger ist eine Batterie.
Da kann man z.B einen "Verbraucher" mit einer Leistung von 10W
drannhängen.
Was passiert mit der Batterie, wenn der Verbraucher abgeschaltet wird?
Explodiert die, weil der Verbraucher keine Leistung mehr abnimmt?
stefan schmitt schrieb:> super Frage, wer das versteht, versteht auch wieso es keinen Sinn macht> Strom an Börsen zu handeln, weil es eben de fakto niemals einen> Produktionsüberschuss geben wird
Produktionsüberschuss nicht, aber Produktionsüberschusskapazität. Je
nach dem, wer den Strom billiger prodozieren will, darf die Leistung ins
Netz einspeisen und der andere muss sein Kraftwerk drosseln.
Axel Düsendieb schrieb:> Stell Dir mal vor Dein Energieerzeuger ist eine Batterie.> Da kann man z.B einen "Verbraucher" mit einer Leistung von 10W> drannhängen.>> Was passiert mit der Batterie, wenn der Verbraucher abgeschaltet wird?> Explodiert die, weil der Verbraucher keine Leistung mehr abnimmt?
Nein, aber was hat das mit dem Stromnetz zu tun?
Wenn du eine 20V-Batterie hast und daran so viele LEDs parallel
schaltest, dass durch den Innenwiderstand nur 2V übrig bleiben: Was
passiert, wenn du jetzt die Hälfte der LEDs abklemmst?
Jens G. schrieb:> Der Wechselrichter läßt nur soviel Energie durch, wie auch wirklich> benötigt wird (also was der Verbraucher zieht).
Und was passiert dann mit dem eventuellen "Rest", der nicht
durchgelassen wird? Muss der abgeleitet werden und es entsteht Wärme
dadurch irgendwo?
Axel Düsendieb schrieb:> Explodiert die, weil der Verbraucher keine Leistung mehr abnimmt?
Ja, das ist der Unterschied zwischen Batterie und Kraftwerk, denn
das kann durchaus "explodieren".
Gruss
Harald
@ fragensteller (Gast)
>Jens G. schrieb:>> Der Wechselrichter läßt nur soviel Energie durch, wie auch wirklich>> benötigt wird (also was der Verbraucher zieht).>Und was passiert dann mit dem eventuellen "Rest", der nicht>durchgelassen wird? Muss der abgeleitet werden und es entsteht Wärme>dadurch irgendwo?
Es gibt keinen Rest vorm Wechselrichter, weil das Solarpanel keine
Energie liefert, die nicht vom Wechselrichter angefordert wird (wie bei
einer Batterie).
Der Überschuß, der von der Sonne geliefert wird, und nicht an den
Wechselrichter weitergeleitet wird, wird in der Solarzelle in Wärme
verbraten (die ist sozusagen wärmer, wenn Du keinen Strom ziehst).
frank schrieb:>> Muss die der>>Wechselrichter z.B. durch Abwärme nach draußen führen? Oder wird die>>Energie der Solarzellen dann einfach - wenn sie nicht "abgerufen" wird,>>nicht benutzt?>> einfachstes beispiel: 9V Batterie an einen Verbraucher hängen der nur 3V> verträgt. Was passiert? Er geht kaputt. Tut er es nicht wird er heißer> weil die kompletten 9V an ihm abfallen.
Und dabei völliger Unsinn.
fragensteller schrieb:> Und was passiert dann mit dem eventuellen "Rest", der nicht> durchgelassen wird? Muss der abgeleitet werden und es entsteht Wärme> dadurch irgendwo?
Stell dir einfach mal vor, deine Solarzelle wird ganz ohne Verbraucher
betrieben. Brennt dann was durch?
vn nn schrieb:> Stell dir einfach mal vor, deine Solarzelle wird ganz ohne Verbraucher> betrieben. Brennt dann was durch?
Sie brennt zwar nicht durch, aber sie wird wärmer. :-)
Gruss
Harald
Anfänger schrieb:> Ich betrachte einen "Verbraucher" und einen "Erzeuger". Ich möchte auch> jetzt nicht von Strom reden, sondern von Leistung.> Natürlich werden genaugenommen an Kraftwerken irgendwelche Regler> vorhanden sein, die die Momentanleistung messen
Das deutsche Verbundnetz ist Teil des europäischen Verbundnetzes, UCTE.
Wenn die aufgenommene Wirkleistung der Verbraucher nicht mit der
abgegebenen Wirkleistung sämtlicher (!) Synchrongruppen übereinstimmt,
verändert sich die Netzfrequenz. Schon wenn die Frequenz sich permanent
um 0,02 Hertz ändert (insbesondere bei Unterfrequenz) fangen die
Regelungen an, den Wirkleistungszustand des Verbundes zu beeinflussen.
Nachdem das EEG dahingehend repariert wurde, daß die verantwortlichen
Ingenieure in den Regelzonen leistungsschwache Quellen (Windräder usw.)
inzwischen ohne Strafe abschalten dürfen, wird üblicherweise genau das
gemacht. Des weiteren läßt sich an den Synchrongruppen herumschrauben,
so daß das Verhältnis von Blindleistung und Wirkleistung der
Synchronmaschinen verändert wird, um z.B. die Wirkleistungsabgabe zu
reduzieren. Oder es werden regelbare Lasten angefahren, die viel
Wirkleistung aufnehmen können. Betriebe der Schwerindustrie sind hierfür
die üblichen Verdächtigen (Schmelzöfen).
Der absolute Havariefall des deutschen Stromnetzes ist übrigens ungefähr
dies: Ostersonntag (sehr geringe Last) und kräftiger Wind an der Ostsee
und Nordsee (große Wirkleistungserzeugung abseits stromintensiver
Verbraucher), der hin und wieder Sturmböen von über 25 m/s entwickelt
und die Windräder in die Sicherheitsabschaltung treibt.
Grundsätzlich unterscheidet man Primärregelung ("Sekundenreserve"),
Sekundärregelung, Tertiärregelung ("Minutenreserve"), Stundenreserve und
Tagesreserve, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Im UCTE-Verbund
gelingt dies mitunter jedoch nicht, und zwar hauptsächlich deswegen,
weil seit der Privatisierung und Liberalisierung der
Elektroenergieversorgung die Regelzonen nicht mehr vorrangig die
benötigte Regelleistung selbst erzeugen, sondern innerhalb des
UCTE-Verbundes komplizierte Energieströmungen von Regelzone zu Regelzone
vorherrschen. Regelenergie kommt von außen und geht nach außen.
Die Elektroenergiesysteme wurden für solche Betriebszustände dummerweise
nicht entworfen, so daß die Übertragungsnetzbetreiber mittlerweise
"Engpaßmanagement" brauchen. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen,
bin schließlich Fachmann und das soll keine Vorlesung werden ;-), aber
die Engpässe können zu unzulässigen Beanspruchungen von Betriebsmitteln
(Elektroenergieanlagen) führen; Überschreitung der Übertragungsleistung
von Kuppelleitungen, Überschreitung der zulässigen Schaltleistungen von
Leistungsschaltern, das (n-1)-Prinzip wird unterlaufen, Spannungen
liegen außerhalb von Toleranzen, bla bla bla. Ist die Synchronität des
UCTE-Verbundes nicht zu gewährleisten, wird das Verbundnetz in
asynchrone selbständige Teilnetze aufgetrennt (identisch mit den
nationalen Regelzonen, die dann im Inselbetrieb laufen), bis der Fehler
abgestellt ist und die Inseln wieder verbunden werden können.
Die genannte Minutenreserve ist hierbei die von Dir angesprochene
Maßnahme, das heißt, daß Kraftwerke angefahren werden. Das dauert
allerdings selbst bei Pumpspeicherkraftwerken 5-15 Minuten. Bis dahin
muß die Sekundenreserve die Frequenz irgendwie stabilisieren.
Wie geht das prinzipiell? Im Augenblick großer Lastzuschaltungen
ermöglicht die kinetische Energie, die in den rotierenden Massen
sämtlicher Synchronmaschinen (!) des Netzes gespeichert ist, die
transiente Zustandsänderung abzufedern, so daß die Primärregelung Zeit
hat und versuchen kann, den Betriebszustand der Synchronmaschine bzw.
der Synchrongruppe, also des Turbosatzes, zu ändern. Die Turbine bekommt
mehr Dampf, um den Polradwinkel des Generators unterhalb des Kippunktes
zu belassen und den Drehzahlabfall der Maschine zu kompensieren.
Innerhalb von 5-15 Sekunden muß ein Kraftwerk 50% der Sekundenreserve
abgeben können, und 100% nach 30 Sekunden. Die Synchrongruppen eines
Kraftwerkes müssen hierbei stets so betrieben werden, daß 2,5% der
Nennleistung als Sekundenreserve abgegeben werden können. Die
Primärregelung fängt an, aufzupassen, wenn die Frequenz "permanente"
0,02 Hz abweicht und aktiviert sich auf 100% ab 0,2 Hz (= Fehlen von
3000 MW).
Innerhalb von 15 Minuten muß die Minutenreserve angefahren worden sein,
so daß die Kraftwerke in der Lage sind, die Sekundenreserve
wiederzugewinnen. Es gibt positive und negative Minutenreserve. Unter
positiver Minutenreserve werden alle Maßnahmen verstanden, die die
Wirkleistung im Netz vergrößern. Negative Minutenreserve ist das
Gegenteil, also den Überschuß an Wirkleistung zu reduzieren.
Hinter der Stundenreserve verbergen sich thermische Kraftwerke, die auf
Grund ihrer langsamen Regeldynamik eigentlich die Grundlast und
Mittellast abdecken, und genau dann angefahren werden, wenn der
Minutenreserve die Ausregelung des Verbundes nicht gelingt.
Die Netzspannung ist von diesen Vorgängen nicht bzw. nur indirekt
betroffen, denn die Spannung wird über die Blindleistung reguliert und
das ist im Gegensatz zur Frequenz hochgradig ortsabhängig. Deswegen kann
man Power Factor Correction (Blindleistungskompensation) nicht im
Kraftwerk machen, sondern muß die Kondensatorbänke überall dort
hinstellen, wo die Wirkleistung verbraucht wird.
> mich interessiert, ob zu viel erzeugte> Energie im Netz auch zu Problemen führen kann?
Ja. ;-)
Überfrequenz ist aber bei Weitem nicht so kritisch wie Unterfrequenz.