>Ist es bei einem Operationsverstärker besser zwei Abblock-Kerkos zu
>nutzen und diese je wischen V+ und GND sowie V- und GND zu setzen ODER
>einen Kerko zwischen V+ und V-.
Eigentlich eine simple Frage, mit einer sich aufdrängenden simplen
Antwort: Natürlich vom beiden Rails zur Signalmasse.
Jetzt gibt es da dummerweise einige wenige Datenblätter, die genau das
nicht empfehlen, sondern einen einzigen Cap zwischen den Rails. Die
Begründung ist folgende: Da die Versorgungströme ein verzerrtes Abbild
der Signalströme sind, würden Entkoppelcaps zur Masse verzerrte Ströme
in die Masse leiten und das Massepotential mit Klirr verseuchen.
Ich halte diese Begründung für Unsinn, weil es im Zweifelsfall sehr
leicht ist, die in Frage kommenden Masseverbindungen genügend
niederohmig zu machen, am besten mit einer durchgehenden Massefläche.
Wer aber die Entkopplcaps von den Rails zur Masse direkt bei den OPamps
wegläßt, handelt sich weitaus gravierendere Nachteile ein, weil die
OPamps nun nicht mehr voneinander entkoppelt sind und bei größeren
Systemen ins Schwingen geraten können. Auch wenn OPamps Kabel oder
kapazitive Lasten treiben müssen, kann sich ein fehlender Entkoppelcap
zur Signalmasse verheerend auswirken.
Ganz Schlaue haben früher in Mischpulten die Masse in die Signalmasse
und die Entkopppelmasse aufgeteilt und bis zum Netzteil feinsäuberlich
von einander getrennt geführt, was zu irrsinnig langen Entfernungen
zwischen Entkoppelcaps und OPamps geführt hat. Die Entkoppelcaps sind
dann derart nutzlos, daß man sie auch gleich ganz weglassen kann.
Entkoppelcaps gehören immer in unmittelbare Nähe zu OPamps und sollten
auf eine durchgehende Massefläche referenziert werden.
Es gibt noch ein anderes Argument, das gegen Caps zur Signalmasse
spricht: Natürlich können auch Störungen vom Netzteil, also Rauschen,
Brummen und Spikes auf den Versorgungsleitungen über die Entkoppelcaps
auf die Signalmasse eingekoppelt werden. Eine hochverstärkende Baugruppe
verstärkt sie dann eventuell ungewollt mit und schleust sie in den
Signalweg. Dazu ist zu sagen, daß eine Versorgungsspannung für eine
empfindliche Schaltung natürlich ausreichend sauber sein muß. Ein
Weglassen der Entkoppelcaps ist natürlich keine Lösung, weil es die
Stabilität der Schaltung zusätzlich verschlechtert. Hier kann es nur
darum gehen, das Netzteil zu verbessern.
Außerdem kann die Problematik wieder mit einer niederohmigen,
durchgehenden Massefläche erheblich entschärft werden. Auch
Serienimpedanzen in den Versorgungsleitungen direkt bei den
Entkoppelcaps, also RC- bzw. RLC-Glieder anstelle von Entkoppelcaps,
können extrem hilfreich sein, vor allem, wenn größere
Entkoppelkapazitäten verwendet werden. Der große Vorteil von RC- bzw.
RLC-Gliedern ist, daß Störer ihre Störströme gezielt aus dem Reservoir
ihres lokalen Entkoppelcaps beziehen können und die Serienglieder R bzw.
RL ein Weiterreichen der Störung über die Versorgungsleitung und Masse
gerade verhindern. Der Rest der Schaltung bekommt von den Störströmen
auf der Versorgungsleitung und Masse überhaupt nichts mit, weil sie nur
lokal im RC- bzw- RLC-Glied fließen.
Am aller sinnvollsten ist aber eine intelligente Masseführung, bei der
man sich immer im Klaren ist, welche Ströme an welcher Stelle eigentlich
über die Massefläche fließen.