Ich steh grade total auf dem Schlauch, was im Titel genannte Schaltung
angeht. Ich habe die Schaltung auch nochmal als Screenshot angehangen,
damit nicht jeder das Buch rauskramen muss. Ich habe den R1 als
Belastung hinzugefügt, weil ich sehen wollte, wie sich die Belastung auf
die Schaltung auswirkt.
Laut den Autoren würde die Schaltung "Gleichstrom wiederherstellen",
also einen Gleichanteil zu einem Wechselspannungssignal hinzufügen.
Als ich die Schaltung gesehen habe, dachte ich zuerst, dass einfach
alles unter -0,6V abgeschnitten wird und alles positive so bleibt wie es
ist. Wenn ich den Kondensator durch einen Widerstand ersetze bestätigt
das LTSpice auch.
Allerdings in der Schaltung so wie sie im Buch (und auch hier im Anhang)
steht, also mit Kondensator, sagt LTSpice wirklich, dass das Signal
unverändert ist und nur ein Gleichanteil hinzukommt. Wie groß der
Gleichanteil ist, hängt von C, R1 und Diodentyp leicht ab, aber in
meinem Beispiel ca 1,2V.
Kann mir jemand erklären wie das hinzufügen des Gleichanteils
funktioniert?
Der Wechselstrom fließt über C1, D1 und R1. Da D1 in eine Richtung
sperrt, lädt sich C1 auf etwa 2 * 0.707 Volt auf und entlädt seinen
Gleichstromanteil auch über R1. Da er sich über R1 langsamer entlädt als
er über D1 aufgeladen wird -> Gleichstromanteil.
Also ich verstehs nicht :-( Ich hab jetzt bestimmt 10 Seiten im Internet
dazu angeguckt, aber mein Verständnis will nicht wachsen.
Sobald die Eingangsspannung negativer als 0,3V wird, fließt langsam
Strom durch die Diode. Irgendwann (in meinem Beispiel kurz nachdem der
Sinus wieder ansteigt) hört die Diode auf zu leiten, obwohl die
Eingangsspannung noch weit unter der Schwellspannung der Diode liegt.
D.h. der Kondensator wurde aufgeladen und jetzt einen bestimmten
Spannungsabfall, so dass die Diode nicht mehr leitet. Danach fließt laut
LTSpice nie mehr Strom (außer noch ein paar winzigen Peaks beim
Einschwingen). Und jetzt?
Im Endeffekt haben wir doch hier einen Spannungsteiler, der zumindest in
der positiven Halbwelle einigermaßen linear ist. Nachdem die Diode in
der positiven Halbwelle immer gesperrt ist, müsste doch - unabhängig von
der Impedanz des Kondensators - die ganze Eingangsspannung an der Diode
abfallen. Dann habe ich aber keinen zusätzlichen Gleichanteil. Wo ist
denn mein Denkfehler?
Irgendwie scheine ich das Verhalten des Kondensators nicht zu verstehen.
Ich habe auch nicht viel gefunden zu Kondensatoren im Wechselstromkreis,
wenn kein ohmscher Widerstand dabei ist.
der Kondensator lädt oder entlädt sich, wenn Strom durch ihn fließt. Das
ist im Wesentlichen nur in der ersten, negativen Halbwelle des Sinus der
Fall (weil da die Diode Strom fließen lässt). Wenn du in deiner
Simulation V(n002,n001) aufträgst siehst du die Aufladekurve des
Kondensators.
Diese Aufladung würde sich nur verändern, wenn wieder Strom duch den
Kondensator fließen würde. Das ist später aber praktisch nicht mehr der
Fall, weil du rechts keinen Verbraucher angeschlossen hast und weil die
Diode danach praktisch nie mehr in Durchlassrichtung geplot ist.
Der Kondensator ist nach der ersten Halbwelle auf ca. 2,5V aufgeladen,
d.h. an seinem linken Ende ist das Potential 2,5V niedriger als am
rechten. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir anstelle des Kondensators
eine 2,5V Batterie vorstellst.
Wenn jetzt die Quellenspannung wieder ansteigt, steigt die Spannung am
rechten Ende um den selben Wert an. Die Diode sperrt (sie sieht die
Quellenspannung +2,5V), daher fließt kein Strom durch den Kondensator,
damit bleibt der Kondensator immer im selben Ladezustand (auf 2,5V
aufgeladen).
Chris schrieb:> Im Endeffekt haben wir doch hier einen Spannungsteiler, der zumindest in> der positiven Halbwelle einigermaßen linear ist.
Das ist eine wenig hilfreiche Betrachtung. Die Diode ist ein
nichtlineares Bauelement. Wenn sie sperrt, dann kannst du sie
bestenfalls mit einem extrem hohen Widerstand vergleichen, der keinen
Strom fließen lässt
Betrachten wir die Diode einfach mal als ideales Ventil (Ud = 0V):
Nach der negativen Halbwelle befinden sich 2V am Kondensator. Die rechte
Platte hat ein Potential von +2V, die Linke 0V. Nun kommt die positive
Halbwelle, die Diode verhindert jedoch den Stromfluss, was passiert mit
der Spannung am Kondensator? Garnichts! ABER(!!) das Potential der
rechten Platte verändert sich, da sich auch das Potential der linken
Platte (sinusförmig) ändert und die Spannung am Kondensator ja erhalten
bleiben muss, da kein Strom fließt.
Definierst du nun deinen Bezugspunkt so wie du es in deiner Simulation
getan hast, dann erhältst du die Spannung die sich aus der
Potentialdifferenz aus rechter Platte und "unterem" Pol der
Spannungsquelle ergibt: ein pulsierendes Gleichsignal.
Dreh die Schaltung einfach um!
Dann hast Du eine ganz normale Einweggleichrichtung.
Nach ein paar Perioden ist der Kondensator dann ganz mit einer
Gleichspannung geladen.
Maschenregel dazu: Die Spannungen der Reihenschaltung Diode und
Kondensator sind zu jedem Zeitpunkt genau so groß, wie die
Wechselspannung. Und nun kannst Du nachrechnen, wie groß die Spannung
über der Diode ist. ;-)
Gruß
Jobst