Hallo Klonk.
> in Libraries und Datenblättern von SMD-Bauteilen werden oft Pad-Layouts
> vorgeschlagen, die wohl eher für industrielle Lötung gedacht sind.
Richtig.
> Um wieviel größer würdet ihr die Pads machen, wenn ihr das erste Mal
> SMD-Bauteile handlöten wolltet? Ich interessiere mich vorerst für
> Hühnerfutter in 0805, 1206 und 1210er Größe.
Also Du must bei diesen Bauformen nicht zwingend vergrößern. Wenn du
einen spitzen, heissen Lötkolben hast, geht es mit etwas Übung auch
damit recht flott.
Vorgehensweise: Ein Pad verzinnen. Mit der Pinzette das Bauteil auflegen
und am verzinnten Pad mit dem Lötkolben erwärmen. Es sollte vom
Verzinnen vorher ein kleiner Huckel mit genug Lötzinn zum Anheften über
sein. Letzteres geht mit Lötstopplack etwas leichter, aber Lötstopplack
ist kein Muss.
Jetzt die andere Seite verlöten. Zum Löten vorzugseise dünnen (0,5mm
oder vergleichbar) Flussmittel gefüllten Lötdraht verwenden. Bei Bedarf
die erste Seite nachlöten.
Wenn zu viel Lot aufgebracht wurde, mit Entlötlitze entfernen. Aber nur,
wenn Kurzschlussgefahr zu Nachbarleiterbahnen oder anderem besteht,
NICHT für die Ästhetik (Ausnahme siehe Schluss des Postings und z.b.
HF-Probleme).
Fertig.
Die eigentliche Herausforderung ist das Entlöten, weil man nicht wie bei
bedrahteten Bauteilen an den Anschlüssen biegen kann und damit
nacheinander
entlöten kann. Bei SMD sollten dazu alle Anschlüsse gleichzeitig erwärmt
werden.
Das kann man z.B. mit Entlötpinzetten machen, eine Pinzette, deren beide
Spitzen als Lötkolben ausgeführt sind. Teuer.
Eine günstige Alternative ist, zwei Lötkolben zu verwenden. Ob man dazu
beidhändig Arbeiten muss oder beide Lötkolben wie chinesiche Essstäbchen
einhändig Handhaben kann, entscheidet leider auch die Größe der Hand,
und nicht nur das Geschick....
Ein kleines SMD Heissluftgebläse. Die Anschaffung ist jedenfalls zu
empfehlen, wenn Du häufiger was in SMD machst.
Zum Auslöten von zweipoligen Bauteilen habe ich auch gerne ausgenudelte
Lötkolbenspitzen verwendet, bei denen die "Dauerverzinnungskappe"
hinterlaugt und abgefallen war. Diese Spitzen habe ich vorne senkrecht
zur Längstachse flachgefeilt, bis ein genügend grosses Plateau
entstanden war. Dann mit einer Metallsäge senkrecht zur Plateaufläche
eingesägt. Es entsteht eine zweispitzige Lötspitze. Die Spitzen können
nun auseinandergebogen werden, bis sie über ein Bauteil passen, und
beide Seiten gleichzeitig erwärmen. Man sollte eine normale Pinzette
bereithalten, mit der man das entlötete Bauteil aus dem Spalt nimmt.
Wegen der fehlenden Dauerverzinnung ist die Haltbarkeit dieser Sitzen
sehr eingeschränkt. Es ist aber eh Resteverwertung, die Spitze ginge ja
sonst in den Schrott. Um genügend Wärme in die Spitzen zu bekommen, muss
man entweder die Temperatur hoch genug wählen, bzw. es geht bei den
Magnastat Typen nur mit Nr. 7 und aufwärts. Der Zeitaufwand zur
Herstellung ist bei entsprechender Übung klein. Das Material ist sehr
weich (Kupfer) und mit drei Feilen- und drei Sägestrichen ist es
erledigt.
Es ist natürlich Luxus, ein etwas größeres Pad zu haben, um z.B. noch
bequem eine meisselförmige Spitze ansetzten zu können. Dazu vergrößerst
Du die Länge des Pads nach aussen vom Bauteil weg um 0,5-2mm, je nach
Deiner Feinmotorik und deiner Meisselspitze.
Diese Methode mit den vergrößerten Pads ist aber zwingend nötig bei
Bauteilen mit Anschlüssen, die unter dem Bauteil, aber noch dicht am
Rand liegen. Hier benötigt man das vergrößerte Pad für besseren
Wärmeübergang vom Lötkolben in das Pad. Die Wärmeleitung des Pads und
die Oberflächenbenetzung des Lötzinns erreichen dann noch eine Verlötung
unter dem Bauteil. Zur Verbesserung der Benetzung halte Dir eine
Pipettenflasche mit in Isopropanol gelöstem Kolophonium als Flussmittel
bereit. Das sollte aber zur Flussmittelfüllung des Lötzinns passen. Also
KEIN "no clean" Flussmittel.
Aus Sicht einer industriellen Massenfertigung ist das zwar Murks, aber
für Prototypen oder Hobbyanwendungen durchaus ok (und viel sicherer und
robuster als befürchtet).
Die meissten SMD Bauteile sind sehr robust. Das von meinen Vorpostern
erwähnte Problem mit den Keramikkondensatoren kenne ich zwar auch, aber
eher bei Werten von größer als 470nF. Die üblichen 100nF sind weniger
kritisch. Also probier es ruhig mal, und behalte nur für die Fehlersuche
im Hinterkopf, das dort ein Problem auftreten könnte.
Das Problem tritt vor allem bei bleifreiem Lot auf, weil dieses deutlich
härter ist als das sehr duktile bleihaltige Lot. Bei großen bzw. dünnen
Platinen, die sich biegen bzw. vibrieren wird das auch zum Problem. Ein
weiteres Problem dabei sind häufige starke Temperaturwechsel. In dem
Falle könnte eine verkleinerung der Lötstelle Entlastung bringen. Mach
Dir aber darum erstmal keine Angst und übe ruhig. Du wirst sehen, es ist
einfacher als gedacht.
Mit freundlichem Gruß: bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de