Hallo,
ich möchte einen Modellbauservo mit einem Mikrocontroller ansteuern. Da
ich noch nie mit Servomotoren gearbeitet habe und sich leider auch keine
Datenblätter für mein Modell finden lassen, hoffe ich dass ihr mir
einige meiner Fragen beantworten könnt:
Modell: Modelcraft MC-L560 DMG (49,95 EUR)
Link:
http://www.conrad.de/ce/de/product/207888/Modelcraft-Spezial-Servo-MC-L560-DMG-Doppelt-kugelgelagert-Getriebe-Metall-JR-Buchse
Drehwinkel:
Ich möchte den Servo mit einem selbstgenerierten PWM-Signal ansteuern
(20ms Periode, 1ms-2ms Pulsbreite). Welchen Drehwinkel kann ich
erwarten? Auf vielen Youtube-Videos sieht man Servos die sich nur etwa
60° drehen und die Verfasser nennen das "Vollaussteuerung". Ich gehe
aber davon aus, dass die mit Modellbau-Fernbedienungen oder Servotestern
arbeiten,
welche eben nur ein so eng umgrenztes Steuersignal liefern. Mit welchem
Drehwinkel kann ich mit einem selbstgenerierten Signal rechnen? Ich
weiß, dass die meisten Servos wohl 180° können, aber gilt das auch für
mein Modell ohne ihn zu modifizieren?
Ansteuerung:
Ich habe mich für einen relativ guten Digital-Servo entschieden um eine
etwas höhere Winkelgenauigkeit zu erhalten. Funktioniert
die Ansteuerung trotzdem wie bei einem Analog-Servo mit den oben
genannten PWM-Parametern, nur eben mit feinerer Abstufung?
Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar,
Viele Grüße,
Tommy
Tommy schrieb:> Ich möchte den Servo mit einem selbstgenerierten PWM-Signal ansteuern> (20ms Periode, 1ms-2ms Pulsbreite). Welchen Drehwinkel kann ich> erwarten?
Musst du ausprobieren.
Regulär sind es ca. 45° nach jeder Seite. In Summe also 90° total.
> Auf vielen Youtube-Videos sieht man Servos die sich nur etwa> 60° drehen und die Verfasser nennen das "Vollaussteuerung".
Weil man im Modellbau selten mehr benötigt.
Für die Fälle in denen man tatsächlich mehr braucht (Einziehfahrwerk
fällt mir da zb ein, gibt es spezielle 180° Servos)
> arbeiten,> welche eben nur ein so eng umgrenztes Steuersignal liefern.
Nö.
Der springende Punkt ist, dass vom Servo ein Gestänge weggeht, je weiter
sich die Abstriebsscheibe auf einer Seite dreht, desto weniger Weg
kriegst du auf diesem Gestänge zusätzlich. Irgenwann lohnt es einfach
nicht mehr noch weiter zu drehen. Nur weil du weiter drehst, kriegst du
am Gestänge nicht mehr Weg zu Stande.
Abgesehen davon kommen sich ab einem bestimmten Winkel Servohebel und
Gabelkopf irgendwann mechanisch in die Quere.
Karl Heinz schrieb:> Tommy schrieb:>>> Ich möchte den Servo mit einem selbstgenerierten PWM-Signal ansteuern>> (20ms Periode, 1ms-2ms Pulsbreite). Welchen Drehwinkel kann ich>> erwarten?>> Musst du ausprobieren.> Regulär sind es ca. 45° nach jeder Seite. In Summe also 90° total.
Das ist als Zirka-Angabe zu verstehen!
Tommy schrieb:> Ich habe mich für einen relativ guten Digital-Servo entschieden um eine> etwas höhere Winkelgenauigkeit zu erhalten.
Das ist nicht der Grund, warum man Digitalservos im Modellbau nimmt.
Digitalservos haben eine bessere Wiederholgenauigkeit und sind
schneller. Ausserdem regeln sie Stellabweichungen schneller aus.
> Funktioniert> die Ansteuerung trotzdem wie bei einem Analog-Servo
SOlange das kein Servo mit einem Bussystem ist: ja. Genau gleich.
Muss auch so sein, denn ich will ja nicht im Flieger meine komplette
Empfangsanlage austauschen, nur weil ich ein Digitalservo einsetze. Das
Digitalservo wird an genau den gleichen Ausgang vom Empfänger
angesteckt, an dem vorher ein Analogservo war.
Karl Heinz schrieb:>> Ich habe mich für einen relativ guten Digital-Servo entschieden um eine>> etwas höhere Winkelgenauigkeit zu erhalten.>> Das ist nicht der Grund, warum man Digitalservos im Modellbau nimmt.> Digitalservos haben eine bessere Wiederholgenauigkeit.
Naja, sie halten meiner Erfahrung nach bei von außen wirkenden Kräften
ihre Position genauer, weil sie schneller und auch bei kleineren
Auslenkungen schon mit voller Kraft reagieren.
Rolf Magnus schrieb:> Karl Heinz schrieb:>>> Ich habe mich für einen relativ guten Digital-Servo entschieden um eine>>> etwas höhere Winkelgenauigkeit zu erhalten.>>>> Das ist nicht der Grund, warum man Digitalservos im Modellbau nimmt.>> Digitalservos haben eine bessere Wiederholgenauigkeit.>> Naja, sie halten meiner Erfahrung nach bei von außen wirkenden Kräften> ihre Position genauer, weil sie schneller und auch bei kleineren> Auslenkungen schon mit voller Kraft reagieren.
Jep.
Nachteil ist, dass dadurch auch der Stromverbrauch der kompletten Anlage
steigt. Was gerade am Anfang, als Digitalservos aufkamen, so manchen auf
dem falschen Fuss erwischt hat.
Digitalservos halten auch ihre Position, wenn keine Impulse anliegen ...
habe ich mehrfach selber getestet. Zum ANsteueren reichen teilweise
Einzelimpulse, in jedem Falle aber 3...5.
Zum Drehwinkel: Gaaanz langsam und vorsichtig den Servo (mit
aufgesetztem Horn oder Rad) per Hand von einem zum anderen Anschlag
drehen. Das soll man nicht oft machen und wenn überhaupt, nur mit Servos
mit Metall-Getriebe - so erfährt man den maximalen Drehwinkel.
Hallo,
vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Ich bin nun nicht sicher ob
der von mir ausgesuchte Motor doch der richtige ist. Ich will möglichst
bevor ich ihn kaufe wissen wie weit er drehen kann.
Kennt jemand zufällig einen Servo mit ungefähr 180° Drehwinkel und
möglichst viel Stellmoment? So ab 80Ncm oder mehr (200 Ncm ...) wären
gut. Gewicht, Stromverbrauch und Preis spielt bei mir eine eher
untergeordnete Rolle.
Viele Grüße,
Tommy
Tommy schrieb:> Kennt jemand zufällig einen Servo mit ungefähr 180° Drehwinkel und> möglichst viel Stellmoment?
Je nun, jeder Servohersteller hat Tabellen, da kann man nachschauen.
Ansonsten mal bei den üblichen Verdächtigen durch den Shop blättern
(Conrad, hobbyking, lindinger).
Oliver
Ich finde schon komisch, dass Conrad keine Angabe zum maximalen
Drehwinkel macht.
Ich habe drei unterschiedliche analoge Servos (einer davon mini klein)
von Modelcraft. Sie decken alle ein kleines bisschen mehr als 180 Grad
ab.
Nochmals danke für eure Antworten! Ich habe mich nun nach 360°-Servos
umgeschaut und bin dabei auf ein interessantes Modell gestoßen:
http://www.mhm-modellbau.de/part-112785.php
Es scheint nun aber so zu sein, dass die PWM-Ansteuerung ein bisschen
anders funktioniert, wie üblich. Da diese "Windenservos" auf
Dauerdrehbetrieb ausgerichtet sind, gibt man per PWM die Drehrichtung
und Geschwindigkeit vor! Für mich wäre es nun interessant zu wissen, ob
ich solche auch auf die herkömmliche Art, mit Positionsangaben,
ansteuern kann. Grund zu diesem Verdacht habe ich, da ein Händler
schreibt, dass der oben genannte Motor
"... is not like other standard servos since it can provide both
continuous rotation in either direction (variable speed), AND position
control over 3.5 turns."
Die Grafik auf der Seite unten legt aber eher wiederum nahe, dass man
nur Geschwindigkeit und Richtung vorgeben kann, nicht aber die Position
(es also keine zwei Betriebsmodi gibt):
http://www.robotshop.com/en/hitec-hs785hb-servo-motor.html
Weiß jemand genaueres?
Ansonsten wäre ich mit einem >= 200 Ncm Motor mit ca. 180° Drehwinkel
vollkommen glücklich!
Viele Grüße,
Tommy
180° bekommst Du ohne Mühe. Die 360° Servos funktionieren anders. Das
sind eigentliche keine Servos, sondern Motoren, die man vorwärts und
rückwärts laufen lassen kann, ohne eine konkrete Position oder Winkel.
Tommy schrieb:> Nochmals danke für eure Antworten! Ich habe mich nun nach 360°-Servos> umgeschaut und bin dabei auf ein interessantes Modell gestoßen:>> http://www.mhm-modellbau.de/part-112785.php>> Es scheint nun aber so zu sein, dass die PWM-Ansteuerung ein bisschen> anders funktioniert, wie üblich.
Da auch diese Segelwinden ganz normal an einen Fernsteuerungsempfänger
angeschlossen werden, funktioniert die Ansteuerung exakt und 100%
identisch zu einem normalen Servo.
Lediglich drehen diese Servos weiter nach rechts bzw. nach links. Das
ist alles. Ihr Getriebe ist mechanisch ein wenig anders aufgebaut, bzw.
das Rückmeldepoti sitzt an einer anderen Stelle des Getriebes bzw. ist
als 10-Gang Poti ausgeführt anstelle eines normalen Potis / je nachdem
wer sie gebaut hat.
Meine Wettkampf-Winden haben 10-Gang Poti und starke H-Brücken. Aber die
grundlegende Servoelektronik ist dieselbe wie in jedem anderen Servo.
Die Scheibe macht ca. 3 komplette Umdrehungen.
> Da diese "Windenservos" auf> Dauerdrehbetrieb ausgerichtet sind
Nö. sind sie nicht.
Damit könnte man in einem Segelboot nix anfangen.
> http://www.robotshop.com/en/hitec-hs785hb-servo-motor.html
Das sind sog. Roboter-Servos.
Ihr Einsatzgebiet ist nicht dort, wo es darum geht, einen Arm
selbsttätig in eine bestimmte Position zu fahren, sondern ihr
Einsatzgebiet ist mehr der Antriebsmotor des 'kleinen Mannes'. Also
Motor + Motortreiber in einer Einheit. Zb. als Fahrmotor für einen
Roboter.
Werde mir wohl nun diesen hier bestellen:
http://www.smdv.de/products/22699/Big-Scale-Servo-IQ-920mg.html
Kyosho IQ-920MG
Servo-Technologie: Analog-Servo
Stell-Moment bei 4,8 / 6 V: 240 / 288 Ncm
Gewicht: 180 g
Abm.: (L x B x H) 63 x 32 x 61,6 mm
Stecksystem: JR
Getriebe: Metall
Habe irgendwo einen Erfahrungsbericht gesehen, dass er ungefähr 180°
Drehwinkel haben soll. Mal sehen ob das hin kommt ...
Außerdem hat er einen relativ hohes Stellmoment für den Preis (25 EUR)
Viele Grüße,
Tommy
Nicolas S. schrieb:> Karl Heinz schrieb:>> Meine Wettkampf-Winden>> Was sind Wettkampf-Winden?
Eine Segelwinde, die in Regatta-Boote eingebaut wird.
Ja sowas gibt es :-) Modellsegel-Regatten.
Und da wir auch bei Sturm noch fahren, müssen die Winden ein wenig
kräftiger sein, als bei den Modellbauern, die dann schon längst im
Trockenen sitzen. Da kommen die kleinen Segel drauf und ab geht die
Luzi.