Ich habe da mal eine Frage aus Neugier. Wie schnell ist Elektrizität in
einem üblichen Kabel?
Ein einzelner Elektron das sich in einem Kabel bewegt, benötigt eine
gewisse Zeit, um von A nach B zu gelangen.
Aber der Fluss der Elektronen im gesamten Kabel beginnt augenblicklich.
Ist das korrekt? Falls ja, beginnt dieser Fluss wirklich ohne jede
messbare Verzögerung oder gibt es da sehr wohl minimale Zeitspannen?
Wer kann mal richtig aufklären? ^^
Hallo
Ein Elektron bewegt sich in einem Leiter soweit ich mich erinnere mit
gut 0,5 cm / Sekunde, sprich, du könntest locker daneben herlaufen.
Wieso nun aber das Licht direkt angeht?
Stell dir einen Leiter vor, wie einen Gartenschlauch der gefüllt ist mit
Wasser. Sobald du die Wasserleitung aufdrehst, befindet sich ja schon
Wasser im ganzen Schlauch (vorrausgesetzt du leerst ihn nicht :P)
Das selbe ist auch so bei Strom. Ein Leiter ist ständig randvoll mit
Elektronen, legst du eine Spannung an, schiessen die Elektronen welche
bereits beim Verbraucher sind direkt in diesen hinein. Die Ausbreitung
eines solchen Signales geschieht ungefähr mit 2/3 Lichtgeschwindigkeit.
Hoffe konnte helfen.
Igor99 schrieb:> Ich habe da mal eine Frage aus Neugier. Wie schnell ist> Elektrizität in> einem üblichen Kabel?>> Ein einzelner Elektron das sich in einem Kabel bewegt, benötigt eine> gewisse Zeit, um von A nach B zu gelangen.
Ja. Das ist gar nicht mal viel. Es sind wenige cm pro Sekunde.
> Aber der Fluss der Elektronen im gesamten Kabel beginnt augenblicklich.
Richtig, da die Wechselwirkung zwischen den Elektronen auch ohne
Stromfluss besteht.
> Ist das korrekt? Falls ja, beginnt dieser Fluss wirklich ohne jede> messbare Verzögerung oder gibt es da sehr wohl minimale Zeitspannen?
Was heißt verzögerungen? Stell Dir einen Schlauch vor, der vollständig
mit Wasser gefüllt ist. Das Wasser sind dabei die freien Elektronen.
Schiebst Du nun von einer Seite aus Wasser herein, will es ohne
Umschweife auf der anderen Seite wieder heraus. Das Wasser selbst bewegt
sich dabei mit einer sehr geringen Geschwindigkeit, der Vorgang
hingegen, dass Wasser raus muss, solange welches hineinkommt, geschieht
zeitlos*. Der elektrische Strom ist in dieser Analogie die
Flussgeschwindigkeit des Wassers. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass
eine Seite des Schlauches höher liegt, als die andere Seite, so gibt es
durch das Gefälle einen Druck im Schlauch. Dieser Druck ist die
elektrische Spannung.
*praktisch nicht zeitlos, da der Schlauch nachgibt, Wasser in begrenztem
Maße kompremierbar ist...
Martin Schwaikert schrieb:>> Ist das korrekt? Falls ja, beginnt dieser Fluss wirklich ohne jede>> messbare Verzögerung oder gibt es da sehr wohl minimale Zeitspannen?
Ganz vergessen:
Real muss zuerst ein Elektron rein, bevor es auf der anderen Seite
heraus kann. Der "Impuls" zwischen den Elektronen bewegt sich ebenfalls
mit einer endlichen (Licht-)Geschwindigkeit, die die Konstante "c"
trägt.
Martin Schwaikert schrieb:> Martin Schwaikert schrieb:>>> Ist das korrekt? Falls ja, beginnt dieser Fluss wirklich ohne jede>>> messbare Verzögerung oder gibt es da sehr wohl minimale Zeitspannen?>> Ganz vergessen:>> Real muss zuerst ein Elektron rein, bevor es auf der anderen Seite> heraus kann. Der "Impuls" zwischen den Elektronen bewegt sich ebenfalls> mit einer endlichen (Licht-)Geschwindigkeit, die die Konstante "c"> trägt.
Ja. Elektronen haben eine Masse, das heisst, sie koennen sich nicht mit
Lichtgeschwindigkeit bewegen (sonst waere die notwendige Energie
->unendlich). Deswegen ist zumindest das "zugeben" und "entfernen" der
Elektronen langsam. Der Impuls pflanzt sich dann mit nahezu
Lichtgeschwindigkeit fort ( ist aber nicht "c" da fuer die
Lichtgeschwindkeit in Materie c< gilt)
Martin Schwaikert schrieb:> geschieht> zeitlos
Nö, mit der Schallgeschwindigkeit des Systems Wasser-Schlauch. Das ist
schnell, aber nicht unendlich schnell.
Nicolas S. schrieb:> Martin Schwaikert schrieb:>> geschieht>> zeitlos>> Nö, mit der Schallgeschwindigkeit des Systems Wasser-Schlauch. Das ist> schnell, aber nicht unendlich schnell.
"*" wegrationalisiert ;-)
Die Geschwindigkeit eines Elektrons ist so niedrig in einem
Kupferkabel weil die Elektonendichte so hoch ist.
In einem Halbleiter ist die (freie) Elektronendichte 10^6 kleiner, dort
fliessen die Elektronen recht flott.
Bis zu 85000m/s /Sättigungsdriftgeschwindigkeit)
Hm,
eigentlich eine sehr interessante Frage...
<klugscheissmodus>
der TO suchte vermutlich die Ausbreitungsgeschwindigkeit der
Wellenfront, hervorgerufen durch den Einheitssprung am Vierpoleingang.
Also ein elektrodynamisches Problem entlang der
Leiter*schleifen*-*oberfläche*.
Der Leiter leitet ja erst mal nichts da er wegen seiner Leitfähigkeit ja
im inneren praktisch Feldfrei ist... also muss mal wieder der
maxwellsche Zaubertrick mit der Verschiebungsstromdichte herhalten.
Der Einheitssprung wird entlang der Leitung in der Phase verschmiert,
zerläuft dann, und endet im stationären Zustand mit echter
Elektronenleitung mit der bekannten Driftgeschwindigkeit.
Ich hoffe ich liege nicht ganz daneben ;-) Evtl. kann das mal ein
Physiker richtig erklären.
@michi42
>Ich hoffe ich liege nicht ganz daneben ;-)
Aber zimmlich! Du bringst da einiges durcheinder, dass nix mit dem Thema
zu tun hat!
Von Wellenfronten spricht man bei der Ausbreitung von
elektromagnetischen Wellen, also H- E-Felder im nichtleidendem Material
(Dielektrikum, Luft, Vaccuum).
>Der Einheitssprung wird entlang der Leitung in der Phase verschmiert
Hierbei geht es um "Dispersion"
@psavr
Nun, ich bin wie gesagt kein Physiker und für mich hat bisher der
Verkürzungsfaktor gereicht. Aber ich würde schon gerne wissen wie das
nun richtig funktioniert.
Zur Vereinfachung sollten wir uns auf igendeine Geometrie einigen. Z.B.
eine Stegleitung oder eine koaxiale Leitung. Ob nun offen oder
geschlossen sei mal dahingestellt. Damit hat das Ding auch einen
definierten Wellenwiderstand und eine Dämpfung - kurz gesagt eine
bekannte Übertragungsfunktion.
Nun wird die Leitung "eingeschaltet". Also z.B. eine Spannung von 1V in
0-Zeit auf den Eingang aufgeprägt.
Das ist nicht sehr Geichstromähnlich oder? Nach der
Fouriertransformation sehe ich da ein theoretisch unendliches Spektrum.
Jeder Frequenzanteil läuft unterschiedlich schnell zum Ende der
Leitungfalls da die Heaviside-Bedingung verletzt ist (für normale
Leitungen ist sie das immer. Ob sie darunter leidet glaub ich jedoch
eher nicht) Dazu hätte ich auch "Dispersion" sagen können, das klingt
auch viel besser.
Um dem elenden Thema Gruppen/Phasen/Signallaufzeit zu entgehen hätte ich
jetzt als Signalübertragungszeit oder Wellenfront die erste von 0
verschiedene Reaktion am Ausgang bezeichnet. Ich dachte, das wäre eine
brauchbare Definition.
Damit wir uns nicht auch noch mit Reflexionen plagen müssen, hätte ich
mal angenommen die Leitung sei impedanzrichtig abgeschlossen.
Also alles weit weg vom stationären Fall.
Soweit zu unserem Spielfeld, jetzt die Frage:
Wie kommt denn nun das erste bischen Leistung an unserem
Abschlusswiderstand an? (Die Leitung nimmt ganz klarer Weise sofort
Leistung auf - egal was hinten dranhängt. Solange die Welle noch nicht
wieder zurück ist "weiss" der Eingang nichts davon)
Der Leiter wird wohl nicht durchströmt. Er leitet ja und ist daher
zwangsweise (praktisch) feldfrei. Also muss der Einschaltvorgang ja doch
irgendein E&H Feld Transport sein oder?
Im eingeschwungen Zustand strömt's dann so vor sich hin.
Wie gesagt, wäre nett wenn es mal jemand richtig erklären kann.
Michael R. schrieb:> Damit wir uns nicht auch noch mit Reflexionen plagen müssen, hätte ich> mal angenommen die Leitung sei impedanzrichtig abgeschlossen.
Den Satz könntest du teuer an ne HiFi-"Fach"-Zeitschrift verkaufen,
damit die für den nächsten 1000€/m Kabeltest mal was neues schreiben
können;-)
Im Heiend Bereich machen die Elektronen nämlich noch viel verrücktere
Sachen. Da gibt es richtungsgebundene Wechselstromkabel und
dergleichen..
Peter S. schrieb:> @michi42>>Ich hoffe ich liege nicht ganz daneben ;-)> Aber zimmlich! Du bringst da einiges durcheinder, dass nix mit dem Thema> zu tun hat!>> Von Wellenfronten spricht man bei der Ausbreitung von> elektromagnetischen Wellen, also H- E-Felder im nichtleidendem Material
Das halte ich für ein großes Gerücht. Von Wellenfronten spricht man bei
Wellen jeglicher Art, zum Beispiel ist die Geschwindigkeit der
Wellenfront von Druckwellen in Luft (AKA Schall) 343m/s.
Im übrigen geschieht auch bei Kabeln der Energietransport über E/H
Felder um den Leiter herum. Von daher ist es hier völlig richtig von
Wellenfronten und deren Geschwindigkeiten zu sprechen.
Die Wellengeschwindigkeit in einen elektrischen Leiter ist gleich der
Lichtgeschwindigkeit in diesen Leiter. Das ist von Leiter zu Leiter
leicht unterschiedlich aber eine EM-Welle in einen Kabel kommt in einer
Sekunde so ca. 7,5 mal um die Erde.
Die statistische Elektronengeschwindigkeit in einen Leiter ist
abhängig von der Elektronendichte im Material und reicht von der
Schrittgeschwindigkeit bis so etwa zu Schallgeschwindigkeit, variiert
also sehr stark.
Grüße Löti
> Dieser Link beantwortet die Frage des TO umfassend, ausführlich und> verständlich.
Na ja, jede dieser oberflächlichen Erklärungen sagt nicht,
welcher Strom im ersten Moment in eine Leitung fliesst,
wenn die Spannungsquelle doch erst mit Verzögerung durch
die Lichtgeschwindigkeit erfahren kann, welche Last (welcher
Widerstand, im einfachsten Fall) am Ende der Leitung hängt,
welcher Strom also für I=U/R notwendig sein kann.
http://www.dse-faq.elektronik-kompendium.de/dse-faq.htm#F.19
@MaWin
ja, ist schon klar das die Impedanz der Quelle und die der Leitung im
Einschaltmoment die Spannung und die Stromaufnahme der Leitung bestimmen
(egal was hinten hängt), aber über den Energietransportmechanismus sagt
das auch nichts genaues.
Ich hätte gerne mehr gewusst über die Ausbreitung der EM-Wellenfront am
Leiter entlang. (nicht IM Leiter, der dürfte praktisch E-Feld frei sein)
Insofern halte ich das Schlauch-Modell also Ausbreitung a'la
"elastischen Stoß der freien Ladungsträger" für falsch. Die Reihung der
diskreten Bauteile beschreibt es schon besser, aber auch durch die
fließt ja ein "echter" Strom.
btw. Das mit dem Verschiebungsströmen fand ich schon immer etwas "fishy"
aber ohne die gehen die Maxwellgleichungen wohl nicht auf. Wenn die
falsch sein sollten, sind sie zumindest so gut "falsch" dass es bisher
nur den Skalarwellenforschern aufgefallen ist ;-)
Wie gesagt, das ist was für Physiker.
@Ottmar K.
Es geht dem Fragesteller wohl weniger um die Driftgeschwindigkeit der
Elektronen im Draht, sondern um die Geschwindigkeit der
Signalausbreitung.
Da diese üblicherweise mit TDR Meßgeräten ermittelt resp. benötigt wird,
sollte man dort nachlesen
http://en.wikipedia.org/wiki/Time-domain_reflectometer
Zitat von unterhalb "Example traces": " The propagation velocity of this
cable is approximately 66% of the speed of light in a vacuum." Also 2/3
der Lichtgeschwindigkeit c.
In der ganz realen Praxis sind diese Werte vom Typ (der Qualität) des
verwendeten Kabels abhängig und liegen zwischen 0,5 und 0,8 *c.
Freileitungen liegen fast bei c.
Siehe auch
http://www.inw.hs-merseburg.de/~viuser/Links/Anleitung%202.pdf Seite
18ff.
Sowie Beitrag "Signalgeschwindigkeit in einem Leiter messen (2,45GHz)"
Gruss
michi42 schrieb:> Der Leiter leitet ja erst mal nichts da er wegen seiner Leitfähigkeit ja> im inneren praktisch Feldfrei ist
Nicht wirlich. Das Feld erstreckt sich über die gesamte >Länge< des
Leiters.