Hi,
Michael_ schrieb:
> 99% machen im Heimbereich die Platinen mit Positivplatinen.
Also vorweg: Ich denke auch das für jemanden der einfach nur ein paar
Platinen machen will die mit Positivlack vorbeschichteten Platinen die
beste Lösung sind. Besonders wenn sich jemand schon gedanken darum wie
er denn den Schritt Natriumcarbonatlösung anzusetzen wegoptimieren kann
weil ihm der Aufwand stört.
> In der DDR gab es am Anfang nur Negativlack. Eigentlich kein Problem.
> Aber woher bekommst du heute noch Negativlack?
Photostrukturierbarer Negativlack ist heute noch relativ Problemlos
verfügbar! In der Industrie durchaus das Übliche Verfahren.
Mindestbestellmenge ist etwa 1kg für grob 25-30 Euro.
Verglichen mit den Sprühdöschen Positivlack oder der Schnittware an
Laminat ist das günstig. Wobei der nomale Bastler das wohl kaum auch nur
annähernd aufbrauchen kann bevor der Lack tatsächlich verdorben ist. Von
der offiziellen Haltbarkeit ganz zu schweigen...
> Und Photoresist, wie willst du das aufbringen? An einer Hochschule im
> Labor konnte ich das besichtigen. Die Geräte und das Resist dazu sind
> nicht billig.
Zuerst: Ich denke du meinst hier mit "Resist" das Laminat, oder?
Denn "Resist" meint bei der Leiterplattenfertigung nicht Speziell das
Laminat sondern alle Arten von Mitteln zur Oberflächenstrukturierung die
man Aufbring um Ätzen oder das Auftragen von Kupfer an diesen Stellen zu
verhindern.
Egal ob als Laminat oder flüssig.. (Resist von Resistor == Widerstand!)
Laminat Speziell wird als Trockenresist, DryFilm (resist) oder direkt
einem Produktnamen wie "Tenting Resist(Bungard)" bezeichnet.
Das Auftragen von Trockenresist kann man im Heimbereich mit einem
normalen Laminator machen. Wird der TE ja mit dem Lötstopplaminat wohl
auch bereits so machen...
Flüssigresist kann man mittels eines improviesiertem Siebdruckrahmens
auftragen. Habe ich anfangs so gelöst: Siebdruckgewebe gekauft, ein
halber Quadratmeter für 5 Euro. Dann einen Einfachen Din A4 Rahmen aus
Latten vom Baumarkt zusammengezimmert. (2,60 Euro) Dann ein Passendes
Stück Siebdruckgewebe zurechtgeschnitten und aufgespannt. Als Rakel
dient eine Abgelaufene Kreditkarte...
Wenn ich mal das reinigen verschwitzt habe oder das Gewebe beschädigt
wird weil der Rahmen mal wieder ungünstig herumlag nehme ich ein neues
Stück Gewebe vom Vorrat. Funktioniert 1A. Da es nur um den ganzflächigen
Lackauftrag geht spielt die schlechte Spannqualität keine Rolle.
Fertige Siebe mit "Professioneller Bespannung" gibt es übrigens bereits
für 20 Euro, allerdings hat man da den Nachteil das diese nur sehr
schwer selbst zu bespannen sind. Wenn man dann mal vergessen hat zu
reinigen oder das Gewebe beschädigt wird muss man den erst mal wieder
neu bespannen lassen. (Ab 10Euro + Transport von und zur Fachfirma)
Für den Ätzvorgang bei Durchkontaktierten Leiterplatten bin ich noch am
Überlgen wie ich weiterhin arbeiten werde. Mit dem Tenting Resist von
Bungard das die zu erhaltenden Strukturen (Insbesondere DUKOs)einfach
abdeckt, oder mit dem Flüssigresist das die zu entfernenden Strukturen
beim Verzinnungsprozess abdeckt und vor dem Ätzen bereits entfernt wird.
(Zinn stellt hier das eigendliche Ätzresist dar!)
Der erste Prozess ist deutlich einfacher und ich habe die freie Auswahl
bei den Ätzmitteln. Falls aber eine Bohrung nicht 100% abgedeckt ist
weil die etwas verrutscht ist oder die Laminatabdeckung beschädigt wird
(durch den Heimprozess ist die gefahr ja größer) habe ich öfter mal
defekte DuKos wenn die Löscher dann Leergeätzt werden.
Der Prozess mit Zinn als Ätzresist ist Aufwendiger, Ich habe auch
erhebliche Einschränkungen beim Ätzmittel was sich auf die
Beschaffungssituation auswirkt. Ganz Kurzfristig Ätzmittel beschaffen
oder wenn alle Stricke reissen doch ausnahmsweise mal HCL+H2O2 zu nehmen
scheidet da aus. Lieferzeit um die 10 Tage und nur mit nachgewiesener
Sachkunde...
Dafür habe ich da eine Ausfallrate von NULL! Ich brauche als nicht mehr
die Bohrungen mit dem Mikroskop einzeln begutachten um defekte Manuell
mit Draht zu brücken(geht schneller als Durchpiepen oder Fehlersuche in
der bestückten Schaltung)
Beim Lötstopp bin ich aber komplett vom Laminat runter!
Da lohnt meiner Ansicht nach die erheblich bessere Qualität des
Ergebnisses den erhöhten Aufwand für das Flüssigprodukt (1Kg unter 30
Euro)
Auch kann ich da andere Farben wählen...
(Geringere Schichtdicke, ERHEBLICH Widerstandsfähiger, keine Probleme
mit Unterwanderung und Ablösung durch Lötzinn wenn an einer Stelle der
Laminierdurck des Bürolaminators mal nicht hoch genug war...
Absolut Lösemittelfest) Verarbeitung wie beim Ätzresist. Entwicklung für
Lötzstopp und dem Negativen Ätzresist mit 1% Natriumcarbonat.
Aber noch einmal: Nur für gelegentliche Anfertigung von ein paar
Platinen ohne Duko usw. würde ich mir den Aufwand mit dem Negativresist
nie Antun. Egal ob Fest oder flüssig. Fertig Beschichtete Platinen von
Bungard oder Rademacher und man ist auf der sicheren und bequemen
Seite...
Falls man allerdings sehr sehr feine Strukturen hat ist die Überlegung
beim Lötstopp zum Flüssigen Produkt zu greifen hingegen auch für
Hobbyisten zumindest nicht abwegig. Das funktioniert auch mit Bauteilen
wie TQFP100+ noch hervorragend!
Wer nur THT oder maximal SMD in SOIC, vielleicht noch TQFP44 macht, der
kann natürlich auch beim Laminat bleiben.
Gruß
Carsten