Hallo,
ich Überlege mir gerade ob es möglich ist ein GPS System für Innenräume
auf Ultraschall Basis zu bauen.
Was meint ihr?
Welche Sender und Empfänger nimmt man da? Man benötigt doch eine gewisse
Bandbreite.
Mfg
Michael
Ein US-GPS wird sehr mit Raumreflektionen/Mehrwegausbreitungen zu
kämpfen haben. IMHO wäre US-LORAN günstiger, weil da nicht alle
durcheinander senden.
Michael schrieb:> ein GPS System für Innenräume> auf Ultraschall Basis
Das setzt voraus, dass das Signal jedes Senders den Empfänger auf
direktem Weg erreicht, und NUR auf diesem Weg. Das ist in einem realen
Innenraum nicht realisierbar.
Theoretisch könntest du natürlich die gesamte Einrichtung entfernen und
die Wände so beschichten, dass sie den Schall nicht reflektieren
(schalltoter Raum), dann ginge das.
Gruss Reinhard
Ich muss ja sowieso PN Folgen korrelieren. Sehe also die
unterschiedlichen Ausbreitungswege. Um wie viel Prozent ist das Echo
leiser als das direkte Signal. Oder verhalten sich bei US alle
Materialen wie Spiegel?
Das Prinzip lässt sich ja auch umdrehen so das das bewegliche Target die
PN Folge sendet und mehrere Mikrofone im Raum das Signal auffangen. So
hätte ich wenigstens keine Probleme mit der Rechenleistung.
Danke
Michael
Der "Trick" bei GPS ist ja, dass es ein Referenzsystem gibt, das Geoid
WGS84. Die Umlaufbahnen der Satelliten sind bekannt, werden korrigiert
und im Almanach mitgesendet. Bezugspunkt ist der Erdmittelpunkt (bzw.
das Baryzentrum des Geoids), das ist quasi ein fixer Pseudolit. Darum
reichen auch 3 Sats für einen 2D-fix: Einer gibt die genaue Uhrzeit vor,
mittels der anderen beiden und der Annahme, dass du dich auf der
Erdoberfläche befindest (also bekannten Abstand zum Erdmittelpunkt hast)
kann eine Triangulation durchgeführt werden. Für einen 3D-fix mit
Höheninformation braucht man dann noch den vierten Satelliten.
Bei einem Indoor-GPS würdest du mit jedem Betreten eines neuen Zimmers
das Referenzsystem wechseln. Das echte GPS sagt dir war die exakte
Position auf der Erde, nicht aber wo, sich der Planet bzgl. der Sonne
oder anderen Planeten befindet.
Michael schrieb:> Hallo,>> ich Überlege mir gerade ob es möglich ist ein GPS System für Innenräume> auf Ultraschall Basis zu bauen.
Die Schallgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig. Du musst also
die Durchschnittstemperatur kompensieren. Und die temperaturverteilung
ist in realen Räumen weder örtlich noch zeitlich konstant. Ferner
verändern Luftströmungen die Ausbreitungsrichtung und "blasen" deine
koordinate "weg".
Mehrwegeausbreitung ist ein beherrschbares Problem. Jede Sonographie
beim Arzt beweist das der ort der reflexion bestimmbar. Das hat aber nix
mit GPS gemein.
MfG
<laut_denk>
Schau mal, wie ein VOR funktioniert, da wird die Winkelinformation zur
Sendequelle kodiert.
Evtl. könnte das mit einer genügend hohen Anzahl von Sendern klappen.
</laut_denk>
Michael schrieb:> Oder verhalten sich bei US alle Materialen wie Spiegel?
Manche bündeln sogar den Schall, so dass das Echo lauter ist als der
erste Impuls.
Reinhard Kern schrieb:> dass das Signal jedes Senders den Empfänger auf> direktem Weg erreicht, und NUR auf diesem Weg
Nein. Das Signal, das zuerst ankommt, war das Signal auf direktem Weg.
Echos kommen später.
Man könnte sich also ein System überlegen, bei dem in bestimmten
Zimmerecken je ein Ultraschallsender steht, die nacheinander einen
kurzen aber zuordnungsbaren Impuls aussenden.
Der Empfänger bekommt von jedem Sender den Impuls dank Echo mehrfach und
nutzt nur den ersten zur Zeit- und damit Entfernungsbestimmung, und weil
er die Impulse auseinander halten kann, weiss er welcher von welchem
Sender stammte. Irgendwie muss er nun die Raumkoordinaten der Sender
kennen, damit er per Triangulation zurückrechnen kann, wo er steht.
Um eine hohe Zeitauflösung zu bekommen, würde ich SI-Impulse
unterschiedlicher Frequenz und Phase senden.
Mit GPS Technik hat das so viel natürlich nicht uz tun.
MaWin schrieb:> Reinhard Kern schrieb:>> dass das Signal jedes Senders den Empfänger auf>> direktem Weg erreicht, und NUR auf diesem Weg>> Nein. Das Signal, das zuerst ankommt, war das Signal auf direktem Weg.> Echos kommen später.
Das ist zwar manchmal richtig, aber es gibt ja keine Garantie dafür,
dass es das von dir gemeinte erste Signal überhaupt gibt. In einem
realen Raum ist es durchaus wahrscheinlich, dass keine direkte Sicht
besteht, dann ergibt das erste Signal eine vollkommen falsche Laufzeit
und Position. Damit ist dein Konzept unbrauchbar.
Gruss Reinhard
Reinhard Kern schrieb:> MaWin schrieb:>> Reinhard Kern schrieb:>>> dass das Signal jedes Senders den Empfänger auf>>> direktem Weg erreicht, und NUR auf diesem Weg>>>> Nein. Das Signal, das zuerst ankommt, war das Signal auf direktem Weg.>> Echos kommen später.>> Das ist zwar manchmal richtig, aber es gibt ja keine Garantie dafür,> dass es das von dir gemeinte erste Signal überhaupt gibt. In einem> realen Raum ist es durchaus wahrscheinlich, dass keine direkte Sicht> besteht, dann ergibt das erste Signal eine vollkommen falsche Laufzeit> und Position. Damit ist dein Konzept unbrauchbar.
Für Schallausbreitung braucht es keine direkte Sicht, ich höre in meinem
Büro auch den Kollegen am Ende des Flures, obwohl ich nicht sehe.
Die Richtung des Schalls wird auch durch (Kanten-) Beugung bestimmt, von
Körperschall mal ganz zu schweigen. beugungseffekte kann man bei
EM-wellen vernachlässigen, nicht aber bei Schall.
MfG,
Fpga Kuechle schrieb:> Für Schallausbreitung braucht es keine direkte Sicht, ich höre in meinem> Büro auch den Kollegen am Ende des Flures, obwohl ich nicht sehe.
Mit indirektem Schall kann man nicht orten. Mawin hat das verstanden, du
nicht.
Gruss Reinhard
Ganz schön viele Einwende. Ist wohl nicht ganz einfach.
Meine Ideen/Anmerkungen:
Temperaturverteilung: die Schallgeschwindigkeit ist nicht so extrem
Temperaturabhängig d.h. wenn der Signalweg ca. gleich ist gibt es
dadurch sicher nur kleine Fehler (z.B. Sender in den 4 Zimmerecken)
Referenzsystem: Das System soll nur in einem Raum funktionieren. Das
Referenzsystem ist hier sicher einfach festlegbar. Die Position der
Sender im Referenzsystem ist bekannt. (Bei GPS viel schwerer da Sender
sich bewegen)
VOR: Bei VOR existieren meines Erachtens die gleichen Probleme wie bei
der Laufzeitmessung von verschiedenen Sendern.
Probleme bei nicht direkter Sicht: Das ist ja wie beim GPS System. Auch
hier müssen die Satelliten direkt gesehen werden. Im Raum darf also
nicht allzu viel rumstehen.
Beugung: Die Wellenlänge von GPS Signalen ist ca. 20 cm. Mit Ultraschall
kann man in den selben Bereich kommen. Die
Dichteverhältnis/Dielektrizitätskonstanten sind ungefähr gleich.
Mfg
Michael
Wenn mir jemand ein breitbandiges US Mikrofon bzw US Sender empfehlen
kann mach ich mal ein paar Versuche mit Matlab.
Bei 15 - 20kHz reicht vermutlich sogar eine einfache Soundkarte.
MfG
Michael
Reinhard Kern schrieb:> Fpga Kuechle schrieb:>> Für Schallausbreitung braucht es keine direkte Sicht, ich höre in meinem>> Büro auch den Kollegen am Ende des Flures, obwohl ich nicht sehe.>> Mit indirektem Schall kann man nicht orten. Mawin hat das verstanden, du> nicht.
?? Man kann sehr wohl anhand Echo's den Ort einer Reflexion bestimmen
und somit den Ort einer Ungänze (reflexion) lokalisieren - nennt sich
Echoortung -> http://de.wikipedia.org/wiki/Echoortung.
Oder zählst Du reflexionsecho nicht zum indirekten Schall?
MfG
Frag doch mal dort an:
Beitrag "TOBBY THE ROBBY">Meine Zielanwendungen liegen im KI-Bereich: "Schwarm Intelligenz" und>ein LPDS (Local Position Detection System = mini GPS), d.h. TOBBY(s)>soll(en) einen Raum (Zimmer inkl. Möbel) autonom erfassen und auf eine>SD-Card digitalisieren (SD-Card).
Oder gebe als Suchbegriff: "Positionsbestimmung" ein
Reinhard Kern schrieb:> Mawin hat das verstanden, du nicht.
Nun,
Fpga Kuechle schrieb:>>> Für Schallausbreitung braucht es keine direkte Sicht
ist schon richtig, ein Pfosten der die direkte Sicht behindert, aber
links und rechts von den Schallwellen umlaufen werden kann, behindert
die Messung nicht und verfälscht die Ergebnisse unwesentlich.
Aber da vorher jemand gejammert hat über Einschränkungen, nimmt man
direkte Sicht (ohne Glasscheibe) als uneingeschrönkten Fall.
Wie währe es wemm man dem Signal Daten mitgibt?
z.B. eine einstellige Zahl, die bei jedem mal Senden incrementiert wird.
Damit weis man ob das Signal eine Reflexion ist.
Man muss nur sicher gehen, dass im gesammten Arbeitsbereich immer ein
direktes Signal empfangen werden kann.
Bernd schrieb:> Wie währe es wemm man dem Signal Daten mitgibt?> z.B. eine einstellige Zahl, die bei jedem mal Senden incrementiert wird.> Damit weis man ob das Signal eine Reflexion ist.> Man muss nur sicher gehen, dass im gesammten Arbeitsbereich immer ein> direktes Signal empfangen werden kann.
Ein Unterscheidungsmerkaml zwischen reflektierter und direkter Welle
auszunutzen ist ein guter Ansatz.
Eine (?ungeradzahlige?) Anzahl von Reflexionen kann man auch am
Phasensprung der reflektierten Schallwelle erkennen und damit eine
reflektierte von einer direkten unterscheiden.
MfG,
Reinhard Kern schrieb:> Das setzt voraus, dass das Signal jedes Senders den Empfänger auf> direktem Weg erreicht, und NUR auf diesem Weg. Das ist in einem realen> Innenraum nicht realisierbar.>> Theoretisch könntest du natürlich die gesamte Einrichtung entfernen und> die Wände so beschichten, dass sie den Schall nicht reflektieren> (schalltoter Raum), dann ginge das.
?Ich sitz hier in meiner garantiert nicht reflexionsarmen Wohnung, die
zudem reichlich verwinkelt und zugestellt ist und kann dennoch gut orten
wo das Handy gerade läutet. Wahrscheinlich geht es anderen realen Leuten
in ihren realen Räumen nicht anders.
>Fpga Kuechle schrieb:>> Für Schallausbreitung braucht es keine direkte Sicht, ich höre in meinem>> Büro auch den Kollegen am Ende des Flures, obwohl ich nicht sehe.>Mit indirektem Schall kann man nicht orten. Mawin hat das verstanden, du>nicht.
Mit reflektierten Wellen kann man orten, klassisches Beispiel:
Überhorizontradar. Ein weniger bekanntes Verfahren zur Ortung mittels
(totalreflektierten) (Wasser-)Wellen sind die SOFAR-bomben. Dieses
Verfahren wurde zum Aufspüren der gewasserten Mercury-Kapseln benutzt.
So pauschal wie Du deine Aussage formulierst stimmt sie nicht.
Als aktuelles Beispiel der Ortung einer Schallquelle in einer
reflexions- und störungsreichen Umgebung sei der "Gunfire-Locator" wie
von ShotSpotter Inc. genannt.
MfG,
MN schrieb:> Darum> reichen auch 3 Sats für einen 2D-fix: Einer gibt die genaue Uhrzeit vor,> mittels der anderen beiden und der Annahme, dass du dich auf der> Erdoberfläche befindest (also bekannten Abstand zum Erdmittelpunkt hast)> kann eine Triangulation durchgeführt werden.
Das mit der Uhrzeit läuft ein bisschen anders. Da besitzt keiner der
Satelliten eine Sonderstellung. Der Empfänger bestimmt vielmehr für
jeden Satelliten eine fiktive Entfernung (Pseude Range) aus einer
Laufzeit, die sich aus einem fiktiven Aussendezeitpunkt ergibt. Das
ergibt ein Gleichungssystem, mit - für 2D - drei Unbekannten, nämlich
den zwei Ortskoordinaten und der richtigen Beobachterzeit.