Hallo zusammen,
ich hab mal gelernt, daß man aus EMV-Gründen beidseitige Masseflächen in
regelmäßigen, gitterförmigen Abständen verbinden soll (Via).
Hat jemand zufällig etwas mehr Info oder einen Link zu diesem Thema?
Danke!
Ja wenn du sie nicht verbidest, sind es 2 Flächen beliebigen Potentials.
Wenn du sie nur an einem Punkt verbindest, gilt das zumindest für die
weitabgelegenen Enden.
Aber wozu ZWEI Masseflächen ? Nicht doch lieber 2 Powerplanes ?
Da gibt es keine allgemein gültige Aussage.
Ob Masseflächen helfen oder sogar Schädlich sind ist von Fall zu Fall
abzuwägen.
Nicht alles was vom EMI Standpunkt toll ist lässt sich auch gut
fertigen.
Die Gitteranordnung ist bereits ein Fertigungskompromiss.
Vollflächig ist von der Wirkung am besten.
Unter Übertragern, Filterdrosseln etc. haben Masseflächen nichts zu
suchen.
Masseflächen können Störungen minimieren, für ihre Ausbreitung sorgen
oder Störungen erst verursachen je nach Situation.
Man muss sich eine 'HF' Betrachtung angewöhnen um das entscheiden zu
können.
Alles ist RCL nur in unterschiedlichen Ausprägungen.
Suche nach EMI gerechtes Leiterplattenlayout für einen Einstieg.
MaWin schrieb:> Aber wozu ZWEI Masseflächen ? Nicht doch lieber 2 Powerplanes ?
Beidseitige Masseflächen mit ordentlich VIAS können oft die Powerplanes
ersetzen.
Nicht verbundene Flächen würde ich tunlichst unterlassen.
Die fangen alles ein und transportieren es bis in den entlegensten
Winkel der Schaltung.
Bronco schrieb:> Es geht mehr darum, einen Kollegen von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen,> und da wäre eine Quelle gut.
Das heißt, Du kennst den Sinn und die Funktionsweise nicht so genau,
willst aber einen Kollegen davon überzeugen ?
Hm, das ist meist keine so gute Idee weil man sich dann um
Glaubensfragen statt um Wissensthemen streitet.
Michael Knoelke schrieb:> Das heißt, Du kennst den Sinn und die Funktionsweise nicht so genau,> willst aber einen Kollegen davon überzeugen ?
Konkret:
Ich habe eine Platine eines Kollegen vorliegen, bei der die Masseflächen
oben und unten nur sehr sporadisch verbunden sind. Wenn ich ihm was von
HF erzählen will, kommt sein Killerargument: "Des mach I scho immer so"
Aus eben diesem Grund suche ich eine neutrale Quelle, in der Fakten
stehen, auf die man abseits der zwischenmenschlichen Reibereien
verweisen kann.
Moin,
wenn die Platte funktioniert, warum dann ändern?
Ganz ehrlich, wenn dein Kollege gute Erfahrungen damit gesammelt hat und
er nicht Willens ist dazu zu lernen gibt es eigentlich nur eines...
LASSEN.
An dem Punkt kannst du nur verlieren. Man muss nicht immer um alles in
der Welt Recht haben und die Kollegen belehren. Wenn das funktioniert,
was er da treibt, dann ists gut. Diese Verbesserungen sind in diesem
Fall nur Perfektionismus. Damit kann man eigentlich nur anecken.
Einfach mal alle fünfe gerade sein lassen.
PS: Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Meinung in diesem Fall eher
ein Alleinstellungsmerkmal ist. Allerdings kann ein wenig Gelassenheit
nie schaden. Wenns irgend wann mal Kracht, kannst du ja immer noch
sagen, dass du es besser wusstest.
keiner niemand schrieb:> Ganz ehrlich, wenn dein Kollege gute Erfahrungen damit gesammelt hat und> er nicht Willens ist dazu zu lernen gibt es eigentlich nur eines...> LASSEN.
Dem stimme ich zu. Manche Fehler muss man eben selbst machen, um daraus
zu lernen.
Der Hardwerker eines meiner Kunden verteilte munter Leiterbahnen auf der
ganzen Leiterplatte und berief sich auch darauf, dass er das schon immer
so mache und es noch niemals Probleme gegeben hätte. Meinen Einwand,
dass er bisher aber nur irgendwelche kleinen 8051 usw. verwendet hätte
und man bei dem von mir kritisierter Layout für ein DDR-RAM-Interface
mit 400 MHz Takt schon auf die Leiterbahnführung achten müsse,
ignorierte er. Nun ja, ich hatte damit meinen Auftrag, nämlich die
Fehlersuche, sicher. Letztendlich musste er dann doch sein Layout noch
einmal deutlich überarbeiten, wodurch dann die massiven
Speicherzugriffsprobleme verschwanden.
Du kannst mal in die Atmel EMC Design Consideration [1] schauen. Dort
sind unter 4.7.5 (Two-layer Boards) einige Absätze zu finden, die dein
Kollege und du diskutieren können!
Darüber hinaus hilft testen, testen, testen!
Viele Grüße
[1] http://www.atmel.com/images/doc1619.pdf
Matthias Lipinsky schrieb:>>Letztendlich musste er dann doch sein Layout noch einmal deutlich>>überarbeiten,>> Und wie war die Reaktion?
Die Bitfehler, die ich in meinen Speichertests nachweisen konnte, traten
exakt korreliert bei den Datenleitungen auf, die nicht direkt vom
Prozessor zum RAM verliefen, sondern auf Umwegen verlegt waren. Mit
diesen Feststellungen und Verbesserungsvorschlägen war mein Auftrag
abgeschlossen. Einige Wochen später berichtete mir der Kunde, das nach
den vorgeschlagenen Layoutänderungen keine Probleme mehr aufträten.
Bronco schrieb:> ich hab mal gelernt, daß man aus EMV-Gründen beidseitige Masseflächen in> regelmäßigen, gitterförmigen Abständen verbinden soll (Via).
Nur so bekommst du statt 2 Masseflächen eine Einzige.
> Es geht mehr darum, einen Kollegen von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen,> und da wäre eine Quelle gut.
Eine extrem gute Alternative ist "selber Nachdenken". Mit ein paar
Strömen lässt sich das blitzschnell nachvollziehen: je kleiner ein
Stromkreis, desto geringer die EMV (Störstrahlung und Empfindlichkeit).
Bronco schrieb:> Ich habe eine Platine eines Kollegen vorliegen, bei der die Masseflächen> oben und unten nur sehr sporadisch verbunden sind.
"Sporadisch" und "regelmäßig" sind keine belastbaren Angaben. Wenn die
Schaltung funktioniert, war sporadisch ausreichend, das ist die einzig
konkrete Angabe, die man hier machen kann. Vielleicht hat dein Kollege
einfach mehr Erfahrung und weiss, wann man die Vias dichter oder weniger
dicht setzen muss (Das ist ohnehin ein fragwürdiger Gesichtspunkt, sie
müssen an der richtigen Stelle sitzen, z.B. dort, wo ein HS-Signal die
Lage wechselt!).
Eine Lehrbuchaussage der Art "bei 140 MHz müssen die Vias alle 5,38 mm
gesetzt werden" wirst du nicht finden - hoffe ich wenigstens, denn sie
wäre ziemlich blödsinnig. Und für die Positionierung stur im Gitter gibt
es keine physikalische Rechtfertigung.
Gruss Reinhard
Bronco schrieb:> Aus eben diesem Grund suche ich eine neutrale Quelle, in der Fakten> stehen, auf die man abseits der zwischenmenschlichen Reibereien> verweisen kann.
Die einzige zuverlässig neutrale Quelle sind die Ergebnisse einer
qualifizierten EMV-Messung.
Diese bewährte Methode durch eine theoretische Diskussion von Eierköpfen
zu ersetzen, hilft bestenfalls selbst-überzeugtes aber dimensionsloses
und nicht quantifiziertes Geschwafel wie bspw.:
Jonas K. schrieb:> ...recht viel mehr bringt...
im Raum zu vernebeln - befeuert von der Treibkraft geistiger Ergüsse
statt praktischer Ergebnisse.