Irgendwie befriedigt mich die Antwort selbst nicht.
Es gibt nämlich bei der Analyse von Netzwerken durchaus den Fall, das
man Ströme in mathematischen Ausdrücken, welche diese Netzwerke
beschreiben mit negativem oder positiven Vorzeichen versieht.
Zur Erinnerung: Das beruht auf der Regel, das die Summe der in einen
Knoten hineinfliessenden Ströme gleich der Summe der hinausfliessenden
Ströme ist.
Nimmt man mal an, das es einen Knoten gibt, in den genau ein Strom I1
hineinfliesst und genau ein Strom I2 herausfliesst, so gilt nach dieser
Regel: I1 + I2 = 0. Umgestellt ergibt das I1 = -I2 aber es gilt ebenso
I2 = -I1. Dennoch hat sich an der tatsächlichen Stromrichtung nichts
geändert, in dem ich die Formel umstelle. Das sind nur mathematische
Operationen.
Bei einer Spule und dem erzeugten Magnetfeld ist alleine die Richtung
des Stromes in Bezug auf den Leiter wichtig und wie sich das Magnetfeld
dadurch verändert, das die Spule aufgewickelt ist. Selbst wenn man einen
Knoten irgendwo auf der Länge der Spule in dem Leiter definiert, ändert
sich die Richtung des Stromes nicht.
Das festlegen eines Knotens in der Spule ist ja nur eine mentale, eine
abstrakte Operation - sozusagen Phantasie.
Ob Du nun also den Strömen eine Eigenschaft "positiv" oder "negativ" zu
sein zuordnest und das in Relation zu einem irrealen Knoten in der Spule
ändert an den physikalischen Gegebenheiten garnichts.
Man kann also nicht sagen, das es so etwas wie einen "negativen" oder
"positiven" Strom überhaupt nicht gibt. Andererseits muss man aufpassen
in welcher Situation man diesen Begriff anwendet. Bei Netzwerkanalysen
ist er nützlich. Bei der Betrachtung von Magnetfeldern von Spulen nicht.