Daniel schrieb:
> Sehe ich das richtig, dass ich nun meine hochwertige
> Polyamidscheibe
> auf einen der wenigen Müllhaufen dieser Erde werfen kann, wenn dort
> OpenSSL mit Bug verwendet wird?
ja
> Ich nutze LiveCD meistens für Homebanking.
Eine LiveCD ist veraltet, sobald sie beim Nutzer ankommt :(
Einen Teil der Sicherheitslücken kann man prinzipbedingt weder von einer
LiveCD noch von einem festinstallierten Betriebssystem fernhalten,
nämlich die sog. Zero Day Exploits.
Mit denen muss man leben, manchmal jahrelang. Ein Beispiel ist die
kürzlich bekannt gewordenen Sicherheislücke von Openssl, die vor rund 2
Jahre entstanden ist.
Vermeiden lassen sich nur Sicherheitslücken, welchen den betroffenen
Entwicklern bereits bekannt geworden und bereits beseitigt und bereits
in die betreffende Linux-Distribution eingearbeitet und bereits in die
angebotene LiveCD übertragen worden sind.
Zwischen der Entdeckung einer Sicherheitslücke und deren Behebung in
einer LiveCD liegt eine Zeitspanne, deren Länge sich schlecht
vorhersagen läßt.
Manche Linux-Distributionen lassen sich mit der Überarbeitung ihrer
LiveCDs mehr Zeit, als mit dem Einspielen korrigierter Programmpakete in
die Betriesbssystemversionen, die fest installiert werden. Bei manchen
Distributionen kommen allein in diesem Punkt etliche Monate zusammen.
Deshalb hinken LiveCDs sicherheitstechnisch festinstallierten
Betriebssystemen, solange jene vom Nutzer laufend aktuell gehalten
werden.
Gegenüber LiveCDs zeigen festinstallierte Betriebssysteme den Nachteil,
dauerhaft manipuliert werden zu können. Bei einer LiveCD ist man sich
wenigstens sicher, immer wieder denselben Softwarestand ohne
zwischenzeitliche Manipulationen durch böswilliger Hacker einzusetzen.
Fast alle LiveCDs können die Platte als Zwischenspeicher nutzen. Diese
Möglichkeiten sollte man genau kennen und unterbinden können, will man
auf Nummer sicher gehen. Gefährlich sind in diesem Zusammenhang LiveCDs
die automatisch auf der Platte nach angelegten Zwischenspeichern suchen.
Verfügt der Rechner über keinen veränderlichen Speicher (Platte,
eingesteckter USB-Stick oder Speicherkarte), braucht man sich darüber
keine Gedanken machen.
Man kann allerdings die Vorteile der LiveCD (unveränderlich) mit den
Vorteilen eines laufend aktuell gehaltenen festinstallierten
Betriebssystemes (aktueller) verbinden, indem
- man die LiveCD nach jedem Sicherheitsupdate der Distribution selber
erzeugt,
- das aktuell gehaltende Betriebssystem mit geeigneten Vorkehrungen
anstelle der LiveCD übers Netzwerk bootet, ohne dass der Rechner, der
das Boot-Image zur Verfügung stellt, nach dem Booten noch gebraucht
wird.
Beide Alternativen lassen sich automatisieren. Der Aufwand für
Erst-Installation und laufende Aktualisierung fällt natürlich höher aus,
als der schlichte Einsatz einer LiveCD, die ab und zu herunter geladen
wird.
Manche Linux-Distributionen bieten etliche Hilfsmittel an.
Noch ein Hinweis: Die LiveCD bzw. das Betriebssytem auf dem Rechner, der
zum Surfen verwendet wird, repräsentiert nur eine der vielen technischen
Komponenten, die beim Homebanking verwendet werden. Wurde das Bios auf
dem Mainboard, das BIOS auf der Netzwerkkarte, der eigene Router, der
Router des Providers oder die gar die Webseite der beteileigten Bank
manipuliert, können alle Bemühungen, das eigene Betriebssystem sicher zu
halten, ins Leere laufen.
Noch ein zweiter Hinweis: LiveCDs lassen sich meistens auf einen
USB-Stick übertragen. So kann Müll verringert werden. Vom USB-Sticks
laufen LiveCDs deutlich schneller, als von CD-ROMs.
pv