Hallo! Ich beschäftige mich seit Kurzem ein bisschen mit (Radio-) Funk
und hab dazu irgendwie jede Menge Fragen. Sobald ich versuche, irgendwas
per Google oder Wikipedia nachzulesen, tauchen 100 neue Begriffe und
Fragen auf. Deswegen probier ich es jetzt einfach mal hier.
Habe mal eine Grafik rausgesucht:
http://www.radio-electronics.com/info/rf-technology-design/fm-reception/fm01.gif
(1)
Im unteren Teil "Radio frequency signal" sieht man die Modulation des
oberen Teils "Modulating signal", der eigentlichen Daten. Bei Radio
(Hörfunk) wäre das Signal dann direkt das Äquivalent der Schallwellen
von Sprache oder Musik und so weiter. Ist das richtig bis hier her?
(2)
Eine Soundkarte in meinem Computer erwartet per Line-In oder Mikrophon
eigentlich direkt die Daten, als direkt Musik oder ähnliches. (Ich
denke, ihr versteht, was ich mit "direkt" meine - gibts eine bessere
Bezeichnung für die eigentlichen Daten?) Kann ich dem Eingang auch die
modulierten Daten geben und die Demodulation per Software durchführen?
Soweit erstmal von mir. Ich wäre dankbar, wenn sich jemand die Zeit
nehmen würde, um (1) und (2) zu beantworten. :-) LG, Timo
du kennst sich FM Radio bedeutet Frequenz Moduliert
und AM Radio Amplituden Moduliert.
mann mischt zwei Signale um mehr stabilität zu bekommen.
Wenn man radio empfängt empfängt man 90 rauschen und der rest ist dein
signal.
Um besser das Signal zu finden.
Mischt man das DatenSignal mit einem Hochfrequenten Träger Signal.
Schau mal bei WIKIpedia nach AM FM
Danke für die schnelle Antwort! :-)
Deine Links waren bei mir alle schon nicht mehr blau (will heißen: da
war ich überall irgendwann schon mal). Was ich unter (1) schreibe, habe
ich also richtig verstanden, ja?
Und zu (2)? Überall steht immer Schaltung oder Mikrochip und so weiter.
Aber warum nicht per Software am Computer?
LG, Timo
Timo schrieb:> (2)> (Ich> denke, ihr versteht, was ich mit "direkt" meine - gibts eine bessere> Bezeichnung für die eigentlichen Daten?)
Das wird oft als "Baseband" bezeichnet.
> Kann ich dem Eingang auch die> modulierten Daten geben und die Demodulation per Software durchführen?
Im Prinzip ja, allerdings hat die Soundkarte sehr wenig Bandbreite (100
kHz oder so um den Dreh rum). Du kannst da kein Hörfunk-Radiosignal samt
Träger reinschicken und demodulieren -- dazu ist die Karte viel zu lahm
(zu kleine Samplerate und zu wenig Analogbandbreite). Sowas gibt es
allerdings, das heißt SDR (Software Defined Radio). Man macht das
üblicherweise nicht, weil es vor allem für höhere Trägerfrequenzen sehr
teuer und aufwendig ist.
Grüße
Sven B. schrieb:> Im Prinzip ja, allerdings hat die Soundkarte sehr wenig Bandbreite (100> kHz oder so um den Dreh rum). Du kannst da kein Hörfunk-Radiosignal samt> Träger reinschicken und demodulieren -- dazu ist die Karte viel zu lahm> (zu kleine Samplerate und zu wenig Analogbandbreite).
Da sind jetzt wieder neue Begriffe.
Samplerate wäre, wie oft ich nach der Frequenz schauen kann. Und
Bandbreite wäre, welche Frequenzen ich grad noch so von der eins
kleineren unterscheiden kann. Stimmt?
Wieso "Analogbandbreite"? Generell weil das Signal analog ist? Oder
gibts auch eine Digitalbandbreite einer Soundkarte?
mahwe schrieb:> demodulieren kannst du auch per software z.b. mit matlab.
Okay, das wäre ja schon mal gut. MATLAB kenn ich, Octave wäre die freie
Alternative für mich. Aber die Daten müssen zum Demodulieren ja erstmal
ankommen. Anscheinend kann die Soundkarte ja nichts mit dem modulierten
Signal von etwa 100 MHz anfangen, richtig?
Ich würde dir als Tipp anraten mal deinen lokalen Amateurfunk-Verein
aufzusuchen. Die sind da genau in ihrem Element und meistens geht es
wesentlich besser und schneller als hier über das i-net.
Der analoge Eingang von Soundkarten nimmt nur Wellen bis z.B. 25kHz
(oder 40, oder so) auf. Alle höheren Frequenzen werden mit Kondensatoren
kurzgeschlossen und kämen nicht mal mehr an, wenn dieser ADC in der
Soundkarte schnell genug wäre. SDR mit der Soundkarte kannst du machen
für VLF, daher haben einige hier SAQ auf 17,2kHz mit der Soundkarte
gehört (ich auch).
Wenn du höhere Frequenzen direkt digital aufbereiten willst, geht das
mit zpeziellen für diesen Zweck optimierten ADC-Bausteinen. Das wird
z.B. in DVB-T Sticks so gemacht. Fast alle SDR-Programme kommen mit dem
RTL2832 zurecht, das ist ein Beispiel für einen ADC in DVB-Sticks.
Timo schrieb:> Da sind jetzt wieder neue Begriffe.>> Samplerate wäre, wie oft ich nach der Frequenz schauen kann.
Nicht ganz.
Um bei deinem Beispiel vom Anfang zu bleiben.
Da ist im Bild im oberen Teil ein schöner Sinus abgebildet. Den kriegst
du aber aus der Soundkarte so nicht als Ergebnis raus.
Sondern was du machst, ist im Prinizip in regelmässigen Zeitintervallen
senkrechte Linien über die Kurve zu legen und nachzusehen, wo diese
Linie die Kurve schneidet. Du stellst also fest, wie gross die
Auslenkung der Kurve in Bezug zu einer 0-Linie ist. Das stellst du als
Zahlenwert fest.
Jeden dieser Zahlenwerte nennt man einen Sample.
Die Samplerate ist dann im Grunde nichts anderes als die Aussage wie
dicht diese Linien beisammen liegen. Das Problem ist: diese Linien
können nicht beliebig dicht beeinander liegen, weil ja auch der Wandler
(der den Zahlenwert bestimmt) nicht beliebig schnell arbeitet.
> Und ten> Bandbreite wäre, welche Frequenzen ich grad noch so von der eins> kleineren unterscheiden kann. Stimmt?
Nicht ganz.
Hast du zufällig eine Stereoanlage oder sonst irgend ein Musik-Gerät mit
einem Equilizer?
Wenn ja, dann probier mal gezielt: was passiert, wenn du dir ein Lied
von Kate Bush anhörst und im Equilizer die Höhen abrehst?
Du kannst das Lied immer noch erkennen, aber der Klang hat sich mächtig
verändert. Warum ist das so? Weil durch den Euqilizer die tiefen Töne
immer noch sauber durchkommen, während die hohen Frequenzen fehlen. Der
Euqilizer hat hier die Bandbreite beschnitten, indem er die hohen
Frequenzen nicht mehr transportiert.
> Wieso "Analogbandbreite"? Generell weil das Signal analog ist? Oder> gibts auch eine Digitalbandbreite einer Soundkarte?
Natürlich gibt es auch eine digitale Bandbreite. Allerdings mit einer
etwas anderen Bedeutung: Das ist ganz einfach die Datenrate, die gerade
noch über einen digitalen Pfad transportiert werden kann, ohne dass es
zu Datenverlusten kommt. Eine Bandbreite von 1kB/s bedeutet, dass über
diesen Kanal 1 Kilobyte in 1 Sekunde transportiert werden kann. Musst du
mehr transportieren, dann reicht die Bandbreite nicht mehr aus und du
musst dir etwas überlegen. Entweder du reduzierst die Datenmenge (was
Verluste bedeutet) oder du musst die Vorgabe, dass 5kB in der Sekunde zu
transportieren sind in zeitlicher Hinsicht lockern. Wenn nicht mehr als
1kB pro Sekunde geht, dann geht nicht mehr. Entweder du dampfst deine
Daten von 5kB auf 1kB ein, oder du erlaubst 5 Sekunden anstatt 1
Sekunde.
> Okay, das wäre ja schon mal gut.
Das ist nicht das Problem.
rechnen kann ein PC schnell genug.
Das Problem ist, dass du die komplette Welle inklusive Träger nicht
durch die Soundkarte kriegst. Die daraus resultierenden Samples haben
mit allem möglichen zu tun nur nichts mit der Originalwelle. Auf
Deutsch: eine 88Mhz UKW Radiowelle schwingt zu schnell für den
Analog/Digital Wandler in der Soundkarte als das du genügend Samples in
einer einzigen Welle haben würdest um daraus die Welle korrekt
rekonstruieren zu können. Und dann gibt es Aliasing. Das Abtasttheorem
ist ein Hund.
mahwe schrieb:> demodulieren kannst du auch per software z.b. mit matlab.
Und wie kriegst du beispielsweise das UKW-Band oder auch nur ein
Rundfunkprogramm ins Matlab rein?
Da gehört schon noch ein "klein wenig" mehr dazu als nur Software...
Karl Heinz (kbuchegg) (Moderator)
>Hast du zufällig eine Stereoanlage oder sonst irgend ein Musik-Gerät mit>einem Equilizer?
Für solche Experiement kann man Audacity ganz gut verwenden:
http://audacity.sourceforge.net/?lang=de
Es ist ziemlich einfach zu bedienen. Man kann damit das Frequenzspektrum
sichtbar machen, es gibt eine Eqaulizer und tausend andere Funktionen.
Noch eine Ergänzung zur Bandbreite: wenn du ein beliebiges Signal
sinnvoll digitalisieren willst, muss erfüllt sein dass
a) die höchste im Spektrum des Signals vorkommende Frequenz kleiner ist
als die Analogbandbreite deines Empfangssystems und
b) die Breite des Intervalls, in welchem das Spektrum nicht null ist,
also die Breite des Frequenzbereichs, in welchem tatsächlich Teile des
Signals liegen, muss kleiner sein als die Hälfte der Abtastfrequenz des
Analog-Digital-Wandlers (Nyquist-Theorem). Das bedeutet so etwa, dass du
pro "Welle" eines Sinus mindestens zwei Messwerte brauchst, was
anschaulich irgendwie einsichtig ist denke ich.
Grüße!