AD822 Single Supply

OP #3836142
Lesenswert?

Guten Abend.

Ich kämpfe gerade mit einem AD822. Ich möchte diesen als Single Supply 
Instrumentation Amplifier betreiben.

Meine Schaltung habe ich wie im Anhang (aus dem Datenblatt) aufgebaut.

Für Vref werden vorerst +2.5 Volt mit einem 2k5 Poti erzeugt.
+Vs wird mit +5 Volt versorgt.

Die Spannungsangaben beziehen sich auf GND, sprich ich habe keine 
negative Spannungsversorgung.

Mein WiderstandsArray sieht folgendermaßen aus:

56k + 22k + 22k + 56k

Damit will ich einen Gain von ca 3.5 erreichen.

Wenn ich Vin1 und Vin2 verbinde, so dass es hier keine 
Spannungsdifferenz gibt, sollte doch am Vout die Vref Spannung 
(+2.5Volt) rauskommen? Hier kommt gar nichts raus (0.01Volt).

Wenn ich Vin1 und Vin2 über einen Shunt lege, an dem 3.3mVolt abfallen 
stehen am Vout 220mVolt an. Der Gain stimmt also auch vorne und hinten 
nicht.

Kann der AD822 in diesem Modus nur mit festem Gain von 10 oder 100 
arbeiten oder habe ich das Datenblatt falsch verstanden?

PS: Ich habe ganz normale 5% Kohleschichtwiderstände verwendet.

Grüße
Andreas
Angehängte Dateien:
Gast #3836163
Lesenswert?

Gönne mal Vin1 und Vin2 je einen hochohmigen Widerstand nach GND.
zB. 1M Ohm.
Die OpAmps wollen ja ihre 2pA Eingangsstrom irgendwoher bekommen,
solange noch keine Signalquelle angeschlossen ist.


Nicht ohne Grund werden für DiffAmps sehr eng tolerierte Widerstände 
(0,01% oder besser) genommen.

Mit den 5% Kohleschichtwiderständen wirst du keine gute 
Gleichtaktunterdrückung hinbekommen.

Nimm wenigstens 1% Metallschicht und ggf. noch zusätzlich 
Abgleichtrimmer.
OP #3836179
Lesenswert?

@Fred Quinny:
Die 6 Widerstände sind dafür da, um zwischen 10 und 100 
Verstärkungsfaktor umzuschalten. Wenn man zb Gain 100 wählt, sind ja die 
Widerstände R1 und R2 nur in Reihe geschaltet und können durch einen 
einzelnen ersetzt werden. So 4 statt 6 Widerstände.
Mit dem jetzigen Array sollte ich einen Verstärkungsfaktor von 3.5 
haben.

Pin | Spannung in Volt gegen GND
1     0.005
2     0.7
3     0.0
4     0.0
5     0.0
6     0.005
7     0.004
8     5.24

@RoJoe

Die 1MOhm ändern leider nichts.
Ich habe gerade keine anderen Widerstände zur Hand, aber die Werte 
sollten ja trotz der schlechten Widerstände in die richtige Richtung 
gehen.

Grüße
Andreas
#3836188
Lesenswert?

Durch die schlechten Widerstände ist die Gleichtaktunterdrückung recht 
schlecht. Je nach Gleichtaktspannung kann sich das wie ein Offset 
auswirken. Einfach nur eine Messung sage da nicht viel aus. Man müsste 
schon die 2 Fälle mit Eingangsspannung von 3 mV und 0 mV vergleichen.
#3836192
Lesenswert?

Hallo Andreas,

bitte entschuldige. Ich nahm irrtümlich an, dass das Chip die Schalter 
schon mit drin hätte. Das ist aber ein normaler Doppel-OPV.

Andreas True schrieb:
> Pin | Spannung in Volt gegen GND
> 1     0.005
> 2     0.7
> 3     0.0
> 4     0.0
> 5     0.0
> 6     0.005
> 7     0.004
> 8     5.24

Was treibst Du da eigentlich? Wenn Du an Pin3 0V anlegst und an den 
Referenzeingang eine positive Spannung, so kann das wohl nicht hinhauen, 
wenn Du den OPV nicht mit einer negativen Versorgungsspannung versorgst. 
Weißt Du nicht, wie ein OPV funktioniert?

Leg mal an Pin3 +2.7V und an Pin5 +2.3V an und miss dann bitte noch 
einmal.

VG

Fred
OP #3836220
Lesenswert?

Pin3 +2.7Volt
Pin5 +2.3Volt
=> Vout aus der Schaltung oben liefert 1.1Volt

Soweit richtig :)


Pin3 +0.4Volt
Pin5 0Volt
=> Vout 0.005Volt

Hier hätte ich auch gerne 1.1Volt

Ich dachte mit dem "Single Supply" Modus könnte ich ohne negativer 
Versorgungsspannung auskommen.

Ich hätte gleich im ersten Post schreiben sollen, dass ich damit eine 
Strommessung über einen Shunt in der Low Side betreiben möchte.

Grüße
Andreas
#3836242
Lesenswert?

Ein shunt ist üblicherweise eine recht niederohmige Quelle und auf der 
Low side ist auch das Gleichtaktsignal eher kein Problem. Da kann man 
oft auch den einfachen Differenzverstärker nutzen.

Der AD822 ist vermutlich auch nicht unbedingt der beste OP für die 
Anwendung. Für einen FET Op, also eine hochohmige Quelle ist der schon 
gut, aber das wird hier eher nicht das Problem sein. Es kommt aber auf 
die Anforderungen (Frequenz, Genauigkeit, Shunt, Stromverbrauch) an.
#3836268
Lesenswert?

Hallo Andreas,

ein OPV versucht, an seinen beiden Eingängen die gleiche Spannung zu 
erreichen. Wie soll er das schaffen, wenn Du an Pin3 +0.4Volt und an 
Pin5 0Volt und am Referenzspannungseingang +2.5V einspeist?

Du musst mit Deinen Eingangsspannmungen immer um das "Referenzpotential" 
herum bleiben. Das beträgt +2.5V.

Wenn Du 0V einspeist, so speist Du also in Wirklichkeit -2.5V ein! Und 
wenn Du das noch dreimal verstärken willst, so müssten Deine OPVs mit 
wesentlich höherer Spannung versorgt werden.

Einfach mal Grundlagen über die OPVs anlesen. Gibt haufenweise Texte zu 
diesem Thema.

VG

Fred
OP #3836290
Lesenswert?

Ich muss wohl nochmal die Grundlagen eines OPVs lesen.

Dass ich mich die Ref-Spannung bewegen muss, klingt jetzt einleuchtend. 
Verstehe ich es richtig, dass ich mit dem AD822 keinen Strom über einen 
Shunt in der Lowside einer Halbbrücke bidirektional mit einem uC messen 
kann, ohne eine negative Spannung bereitzustellen?

Vref auf 0Volt oder Pin5 positiver als Pin3 würde nicht lange helfen, da 
ich den Strom in beide Richtungen messen möchte. Das hätte ich auch 
gleich am Anfang schreiben müssen, sorry RoJoe.

Vielen Dank für die vielen Tipps bis jetzt.

Grüße
Andreas
Gast #3836302
Lesenswert?

Für bidirektionale Messung mit single supply
könntest du von den +5V Ub oder von einer +Ref
je einen Spannungsteiler an jeden Anschluss des Shunt legen
und mit den OP-Eingängen die Spannungsteiler abgreifen.

Die Spannungsteiler-Widerstände müssen dann ebenfalls eng toleriert sein
oder Null-Abgleich per Trimmpoti.
#3836383
Lesenswert?

Hallo Andreas,

mit Spannungsteilern an den Messeingängen würde ich nicht rumfummeln, 
weil durch die Spannungsteiler ein Strom fließt, der den Shunt-Strom 
verfälscht. Nenene... es müssen schon die beiden nicht-invertierenden 
Eingänge der beiden OPVs mit dem Shunt verbunden bleiben.

Die gezeigte Schaltung ist ja völlig korrekt.

http://www.mikrocontroller.net/attachment/232848/AD822.jpg

Die wirklich einzige Änderung ist die, dass der AD822 eben mit -5V an 
Pin4 (und zwar ausschließlich an Pin4!) beschaltet werden muss. Der 
ganze Rest bleibt unverändert.

Die -5V kann man mit einer kleinen Ladungspumpe erzeugen. Dafür gibts 
fertige Chips von Maxim. Oder man nimmt sich einen freien Portpin des 
Controllers und legt auf den eine Rechteckspannung. Dazu noch zwei 
kleine Cs und zwei Dioden und fertig.

VG

Fred
OP #3838797
Lesenswert?

Hallo RoJoe und Fred Quinny, vielen Dank für die tollen Tipps!

Ich habe jetzt die vorgeschlagene Schaltung nachgebaut

http://images.elektroda.net/34_1315604828.gif

nur dass ich statt 30k 27k verwendet habe.
Nach mehreren Messungen kann ich den Gain aber nicht nachvollzielen.
Sollte dieser nicht bei (27k / 15k) = 1.8 liegen?

Bei mir wird die Spannung um den Faktor ~ 2.7 verstärkt. Woher kommt 
dieser Unterschied?

Grüße
Andreas

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren