Abend.
Ich arbeite seit 2 Jahren als HiWi in einer kleine Firma (ca. 20
Menschen) weit in Süden Deutschland. Die Firma beschäftigt sich mit der
OEM Entwicklung.
Als ich in der Firma angefangen habe, wurde ein Projekt gestartet, und
ich habe an der Entwicklung ziemlich viel mitgemacht. Passende Bauteile
ausgesucht und bestellt, PCBs gelayoutet, Prototypen gebaut,
programmiert etc.
Nicht nur ich, auch andere, "echte" Ingenieure haben da mitgemacht.Nun
stellt sich fest, das der Kernbauteil, um den sich alles gebaut wurde,
für seinen Zweck nicht passt, und das Projekt wird anscheinend deswegen
geschlossen, weil es keine Alternative dazu gibt.
Für mich ist die Situation sehr lustig, weil hätte man am Anfang das
Datenblatt gelesen(ich habe es nicht gelesen,das war für meine Aufgaben
nicht nötig), hätte es sofort aufgefallen, das der Teil für den Zweck
nicht geeignet ist.
Jetzt waren 2 Jahren Arbeit und so um 10-15k€ für verschiedene
Prototypen/ Dev. Boards/Bauteile umsonst.
Was mich noch wundert ist die Reaktion der Mitarbeiter : "Ja, XYZ passt
dafür nicht, daraus wird nichts, das Projekt wird nicht weitergemacht."
Ist so eine Situation ganz normal im Berufsleben?:D
Mark Brandis schrieb:> Du vergisst die Personalkosten.
Ne. Es lag mir auf der Tastatur zu schreiben, dass demgegenüber die 15k€
lächerlich sind. Das habe ich dann aber jedem selber überlassen zu
erkennen...
Ohne Name schrieb:> Auch für ein so kleines Unternehmen?
Was wäre die Alternative? Dem schlechten Geld noch mehr gutes
hinterherwerfen? Genau das können sich kleinere, wirtschaftlich
arbeitende Unternehmen nicht erlauben, sondern nur ein paar staatlich
subventionierte Großunternehmen.
WENN es aber für das Produkt wirklich einen Markt gäbe UND eine
Neuentwicklung auf Basis eines komplett anderen Ansatzes möglich wäre,
könnte es Wege geben, dass Projekt auf Basis der bisherigen Erkenntnisse
noch einmal neu aufzusetzen.
Aber einfach weiter herumzuwurschteln, nur weil schon viel Geld
ausgegeben wurde, ist hingegen tötlich.
Ohne Name schrieb:> soweit ich weiß wurde das Projekt tatsächlich gefoerdet
Dann kann es sich ja fuer den Betrieb gelohnt haben nicht ins Datenblatt
zu schauen. Ist aber schon 'pfui' sowas.
Erst mal hatte ja irgendwer die Idee zu dem Projekt. Der sollte ja nicht
nur mit Tunnelblick genau einen Parameter des Bauteils beachtet haben,
der gerade passend aussah.
Und ein Produkt genau auf einem Bauteil aufzubauen, ohne Second source
und Alternativen - was passiert, wenn der Hersteller nicht mehr mag oder
kann?
Was issn das für ein Bauteil bzw. warum war das so unmöglich zu sehen,
dass es nicht klappt?
Ich weiß, dass es wo sogar noch schlimmer ist: Da bastelt man seit >zwei
Jahren herum und mittlerweile ists jedem klar dass es wohl SO nicht
geht. Aber es wird weitergemacht...
Hatte ich kuerzlich auch. Ein Geraet basieren auf einem Sensor gebaut.
Dann stellt sich heruas, der Sensor selbst ist ein Prototyp und haelt
die spezifikationen nicht ein, und hat je nach Stueck andere Offsets.
Also .. neuen Sensor suchen, Interface passt nicht. Also Leiterplatte,
Firmware und PC software anpassen. Macht 4 Monate Mehrarbeit. Ja ... ist
halt so.
Christoph Kessler (db1uq) schrieb:> Und ein Produkt genau auf einem Bauteil aufzubauen, ohne Second source> und Alternativen - was passiert, wenn der Hersteller nicht mehr mag oder> kann?
Sehr viele Projekte basieren darauf, und es ist vielfach auch nicht zu
vermeiden. Schauen wir uns Smartphones an: ein Gerätehersteller steckt
hunderte oder tausende von Mannjahren in ein Gerät, dessen
Schlüsselkomponenten während der ersten Hälfte des Projektes noch nicht
einmal vorliegen, sondern von dem betreffenden Halbleiterhersteller noch
entwickelt werden müssen! Mit sehr viel Glück erhält er dann
irgendwelche fehlerhaften Engineering Samples und noch keine
serientauglichen Bauteile. Und dann muss er sich darauf verlassen, dass
die Bauteile rechtzeitig zum avisierten Fertigungsbeginn des Gerätes
lieferbar sein werden. Verpasst auch nur ein einziger Beteiligter seine
zugesagten Termine, platzt das ganze Produkt, denn ein halbes oder gar
ganzes Jahr später kann man sich die Produkteinführung auch gleich
schenken.
Ohne Name schrieb:> Nun> stellt sich fest, das der Kernbauteil, um den sich alles gebaut wurde,> für seinen Zweck nicht passt, und das Projekt wird anscheinend deswegen> geschlossen, weil es keine Alternative dazu gibt.
Gibt es in der µC-Entwicklung sowas wie eine D-FMEA?
Da hätte sowas IMHO frühzeitig auffallen müssen.
tmomas schrieb:> Ohne Name schrieb:>> Nun>> stellt sich fest, das der Kernbauteil, um den sich alles gebaut wurde,>> für seinen Zweck nicht passt, und das Projekt wird anscheinend deswegen>> geschlossen, weil es keine Alternative dazu gibt.>> Gibt es in der µC-Entwicklung sowas wie eine D-FMEA?> Da hätte sowas IMHO frühzeitig auffallen müssen.
bei einem 15.000 Euro Projekt? :)
War das Projekt ein Lückenfüller, an dem zumindest die "echten"
Ingenieure nur zwischendurch gewerkelt haben?
Hätten mindestens 3 Entwickler hauptsächlich an diesem Projekt 2 Jahre
verschwendet, dann wäre ein Schulterzucken nicht normal.
Wird nur ab und zu an dem Projekt gearbeitet, wenn man bei den wichtigen
Projekten gerade Standzeit hat, und nebenbei auch noch eine Förderung
mitgenommen, dann ist das ganze nicht so tragisch.
15k€ über 2 Jahre sind keine 700€ im Monat, das muß sich eine Firma
leisten können, sonst hat sie echte Probleme.
Mir ist, als ich noch Techniker war, was Ähnliches passiert.
War damals für Alarm und Videoanlagen, sowie Zeit/Zutritt zuständig.
Jedenfalls sollte ein größeres Pharmaka Unternehmen abgesichert werden,
Produktion/Lager.
Wie das so ist, der Vertriebler/Planer plant und verkauft dem Kunden die
Dinge, der Techniker muss das Ganze dann montieren (bzw. das eher der
Sub), anschalten, programmieren, etc.
Was ist nun, ich komme morgens dahin, erst mal kein Material da.
Vertriebler: Ja, hab es definitiv losgeschickt/geordert.
Um 15:00 (am Freitag!) kam es dann. 7 Stunden rumgesessen
Das Beste war aber, der Kollege hat sich dermaßen verplant, er hat 2
Anlagen verkauft, das hat aber im Leben nicht für die ganze Peripherie
gereicht! Es mussten dann noch 3 Anlagen nachbestellt werden. Der Kunde
weigerte sich zu zahlen, klar er hatte ja den Vertrag schon. Das waren
dann auch etwas über 15.000 Euro die da dann fehlten.
Allgemein hatte ich damals Pech mit dem Planer/Vertiebler für mein
Gebiet.
Kunde hat EISEN-Tür, Planer plant ein Einbausatz für Holztüren!
tmomas schrieb:> Ohne Name schrieb:>> Nun>> stellt sich fest, das der Kernbauteil, um den sich alles gebaut wurde,>> für seinen Zweck nicht passt, und das Projekt wird anscheinend deswegen>> geschlossen, weil es keine Alternative dazu gibt.>> Gibt es in der µC-Entwicklung sowas wie eine D-FMEA?> Da hätte sowas IMHO frühzeitig auffallen müssen.
Eine kurze Zwischenfrage:
Wie muss ich mir so eine D-FMEA denn in der Praxis vorstellen?
Bisher versuchen wir hier mit gesundem Menschenverstand Fehler im Design
zu vermeiden (insbeondere bzgl. Beschaffungsproblematik bei langjährigen
Serien), aber ein richtiges Konzept habe ich bisher nicht. Ist
vielleicht bei zwei Leuten auch nicht nötig bzw. der Aufwand zu groß(?).
Wikipedia liefert dazu leider, was es ist, aber nicht, wie das praktisch
wirklich aussieht.
Zum Thema: Shit happens :-)
€15000 sind nicht wirklich viel, eineinhalb Gehälterzahlungen. Das
sollten für ei größeres Unternehmen wirklich Peanuts sein.
Ohne Name schrieb:> weil hätte man am Anfang das> Datenblatt gelesen(ich habe es nicht gelesen,das war für meine Aufgaben> nicht nötig)
Das werden sich wohl deine Kollegen auch gedacht haben ;)
Ja, in der Realität kommt das schon mal vor. Gut, wenn dann die Eier da
sind, das Projekt abzudrehen. Wir hatten so etwas in der
Softwareentwicklung. Da wurde eine Plattform gewählt, die laut
PowerPoint die eierlegende Wollmilchsau ist. In der Realität ist sie
aber ein untauglich Haufen Müll.
Das hat man leider nicht abgedreht, sondern Massen an gutem Geld
nachgeschmissen. Der Zombie ist leider nicht mehr weg zu bekommen und
der notwendige Support ein Wahnsinn. Nachdem so viel Entwicklung in das
Projekt gesteckt wurde, hat das Management beschlossen dieses Produkt
auch an andere Kunden zu verkaufen. Nur sind leider nicht alle Kunden
unwissend und gutmütig ;) Finanziell und imagemäßig wird die Tragödie
daher immer tragischer, je mehr man es zu retten versucht.
Kenne ich nur zu gut :-)
Ebenfalls Sicherheitstechnik, Habe in zwei Schränken Material für ca
30k€ aus drei Projekten im laufe von 3 Jahren :-(
Auftrag mach dass und am schluss ne zu teuer oder kein bedarf mehr :-(
Chris D. schrieb:>> Eine kurze Zwischenfrage:>> Wie muss ich mir so eine D-FMEA denn in der Praxis vorstellen?>
Bei einer FMEDA (Failure Modes, Effects and Diagnostic Analysis)gehst du
jedes einzelne Bauteil einer Schaltung durch und beschreibst die
Auswirkungen auf das System, wenn
- das Bauteil fehlt
- das Bauteil den doppelten Wert hat
- das Bauteil den halben Wert hat
- das Bauteil kurzgeschlossen ist
So findet man die kritischen Bauteile heraus und kann aus einer
Fehlerbeschreibung von Rückläufern schnell die schuldigen Bauteile
einkreisen.
Dumdi Dum schrieb:> War das Projekt vielleicht gefoerdert? Oder ist die Firma auf allen> Kosten sitzen geblieben?
Ich bin nicht in der Branche tätig und frage mich gerade was das
bedeutet. Der Hersteller des Bauteils ist an interessanten
Applikations-Beispielen zur Produktförderung interessiert und lässt
dafür bare Münze springen, für denjenigen der soetwas entwickelt oder
wie kann ich mir das vorstellen?
Grüße
Klaus
Klaus I. schrieb:> Ich bin nicht in der Branche tätig und frage mich gerade was das> bedeutet. Der Hersteller des Bauteils ist an interessanten> Applikations-Beispielen zur Produktförderung interessiert und lässt> dafür bare Münze springen, für denjenigen der soetwas entwickelt oder> wie kann ich mir das vorstellen?
Ich vermute eher den Klassiker: Eine staatliche oder halbstaatliche
Organisation hat, fest das Ziel "Budget muss ausgegeben werden" in den
Augen, das Projekt gefördert, weil ein Aspekt des Projekts formal auf
dem Papier mit einem Ziel der Organisation übereinstimmte.
Das kann irgendeine regionale Wirtschafts- oder Technologieförderung
sein, vielleicht auch eine Arbeitsplatsförderung, bis hinauf zu den ganz
dicken Brocken, wie EU-geförderten Forschungsprojekten. Fleischtöpfe
gibt es genug.
Hallo,
je größer die Firma, desto normaler.
War bei einem Dax-Konzern in der Entwicklung eines Steuerungsprojektes:
Software-Entwicklungssystem wurde angeschafft vom Oberblender
(200.000DM), hat nie richtig funktioniert. Dann neues System für
100.000.
Aufteilung der Entwicklung auf 2 Standorte, Reisekosten im fünfstelligen
Bereich.
Hardware hat EMV-Prüfungen nicht bestanden. Nachbesserungen zu teuer.
Neuentwicklung der Hardware begonnen. Hardware irgendwann o.k.
Entscheidung des Oberblenders für ein Zukauf-Echtzeitbetriebssystem,
nach 10 Mannjahren Softwareentwicklung dort gravierenden Fehler
gefunden. Hersteller erstaunt, angeblich 10.000 Auslieferungen, keiner
hat es bisher gemerkt. Großer Teil der SW-Entwicklung für die Katz.
Neuer Anlauf bei der Softwareentwicklung. Fertiges Programm zu groß für
den Speicher.
Weiterentwicklung der Hardware mit größerem Speicher.
Softwareentwicklungssystem unterstützt Speichervergrößerung nicht.
Neues Softwareentwicklungssystem angeschafft, 60000DM.
usw. usw. usw.
Nach 4 Jahren mit etwa 4 Millionen Entwicklungskosten eingestellt, wobei
ein Teil wohl für andere Projekte "abgezweigt" wurde.
In diesem Sinne ...
Chris D. schrieb:> Wie muss ich mir so eine D-FMEA denn in der Praxis vorstellen?
Umfangreich. :)
Chris D. schrieb:> Wikipedia liefert dazu leider, was es ist, aber nicht, wie das praktisch> wirklich aussieht.
Vereinfach gesagt, macht man sich bei einer Design-FMEA Gedanken, welche
Funktionen das System haben soll, welche Fehlermöglichkeiten (Failure
modes) es gibt die die korrekte Funktion verhindern können, wie schwer
die Auswirkungen der Fehlermöglichkeiten sind (Severity), wie hoch die
Entdeckungs- (Detection) und Auftretenswahrscheinlichkeit (Occurence)
ist
und letztendlich: Wie man die Fehler vermeidet. Ganz wichtig: Das
passiert BEVOR das Produkt fertig ist und bevor Fehler auftauchen.
Eine D-FMEA hier detailierter zu beschreiben würde sicher den Rahmen
sprengen. Wenn das Thema für dich interessant ist wirst du nicht
drumrumkommen, dich ein wenig einzulesen oder noch besser: Eine Schulung
zu besuchen. Alleine durch Literatur läßt sich die richtige Anwendung
einer FMEA IMHO nicht erlernen.
Erst kürzlich bin ich bei Durchführung einer Interface-FMEA auf Probleme
gestoßen, an die ich ohne FMEA nie im Leben gedacht hätte.
Auch wenn eine FMEA einen Arsch voll Arbeit bedeutet zeigt sich doch
immer wieder: Die Zeit, die eine FMEA erfordert, ist gut investiert.
Vor einiger Zeit wurde ich auch zu einer FMEA-Runde eines Kunden
eingeladen. Dort wurden dann die einzelnen Bestandteile des Produktes
nach und nach durchgekaut. Das, was mir von vornherein extreme
Bauchschmerzen bereitete, dass der jeweils verantwortliche Entwickler
aus dem Bauch heraus entsprechende Ausfallwahrscheinlichkeiten angeben
sollte.
Nach rund der Hälfte der Zeit begann das Pokern. Das Tool, in welches
der FMEA-Moderator die zuvor intuitiv ermittelten
Ausfallwahrscheinlichkeiten eingetragen hatte, spuckte einen Haufen
kritischer Stellen aus. Nun ging es darum, die Ursachen zu ermitteln. Da
wurden Ausfallwahrscheinlichkeiten zurechtgelogen, bis sich die Balken
bogen. Ich weigerte mich, bei solchen wenig fundierten Aktionen
mitzumachen, woraufhin unterstellt wurde, die von uns zu entwickelnden
Komponenten wären offenbar von so schlechter Qualität. Letztendlich war
das Ziel des Tages, alle "roten" Positionen zu beseitigen, so dass ich
mich entscheiden musste, entweder als Lieferant herauszufallen oder
einer Verwässerung der kritischen Komponenten bzw. Pfade zuzustimmen.
Bei den Mitarbeiter meines Kunden lief es eher umgekehrt: "WAAAAS, Herr
X. vermutet für eine Komponente ein Risiko von 5 und wir liegen bei 8?
Das kann nicht sein! Wir sind mindestens genauso gut, so dass das Risiko
höchstens bei 3 liegt." Und Herr X. wollte dann natürlich nicht
eingestehen, dass Herr Y. "bessere" Leistungen liefert, und bestand dann
natürlich auf einer 2.
Am Ende des sehr langen und anstrengenden Tages gab es laut Tools
keinerlei kritische Komponenten und Pfade mehr. Die zuständigen Manager
klopften sich selbst und gegenseitig vor Stolz auf die Schultern.
Der FMEA-Moderator war dabei keineswegs ein kundeneigener Mitarbeiter,
sondern ein sehr teuer eingekaufter externer "FMEA-Papst". Eigentlich
hätte ich von ihm doch ein paar sehr deutliche Worte erwartet.
Ich befürchte, dass der von mir beobachtete Verlauf solcher FMEA nicht
etwa die Ausnahme darstellt, sondern leider eher die Regel.
Mir ist vor einiger Zeit auch mal ein interessanter Spruch zu dem Thema
über den Weg gelaufen.
"Auch ein rechzeitig abgebrochenes Projekt kann ein erfolgreiches
Projekt sein"
Das dürfte auf das o.g. Projekt zutreffen, denn nur um es irgendwann mal
fertig zu bekommen wird man nicht mehr investieren, als mit dem fertigen
Produkt zu verdienen ist.
Ja, das habe ich in meinen FMEAs so ebenfalls erlebt.
Unterschiedliche Lösungswege für ein Problem werden jeweils in einer
FMEA bewertet, wobei der aus Kostengründen oder im Sinne der
Produzierbarkeit einfachste Weg derart favorisiert in das Rennen
startet, dass schlichtweg alle Punktbewertungen so ausfallen, dass die
ohnehin favorisierten Lösungen am Ende "gewinnen".
Andreas Schweigstill schrieb:> ...> Ich befürchte, dass der von mir beobachtete Verlauf solcher FMEA nicht> etwa die Ausnahme darstellt, sondern leider eher die Regel.
Das ist natürlich übel - aber so etwas passiert, wenn niemand das
Gesicht verlieren will.
Auch die angesprochenen Wahrscheinlichkeiten könnte ich so konkret für
unsere Bauteile/Produkte nicht angeben. Man kennt natürlich seine
"Pappenheimer" (= kritischen Bauteile) und setzt diese entsprechend ein,
aber Punkte dafür zu vergeben - diese Ausfallwahrscheinlichkeiten also
in Relation zueinander zu setzen - dafür fehlen einfach die Daten.
Einen guten Ansatz finde ich den von Martin genannten:
Martin B. schrieb:> Bei einer FMEDA (Failure Modes, Effects and Diagnostic Analysis)gehst du> jedes einzelne Bauteil einer Schaltung durch und beschreibst die> Auswirkungen auf das System, wenn>> - das Bauteil fehlt> - das Bauteil den doppelten Wert hat> - das Bauteil den halben Wert hat> - das Bauteil kurzgeschlossen ist>> So findet man die kritischen Bauteile heraus und kann aus einer> Fehlerbeschreibung von Rückläufern schnell die schuldigen Bauteile> einkreisen.
Das ist recht einfach durchführbar (die Simulationen könnte man sogar
automatisieren), transparent und nicht auf das gewünschte Ergebnis
"hinbiegbar".
FMEA schrieb:> Ja, das habe ich in meinen FMEAs so ebenfalls erlebt.> Unterschiedliche Lösungswege für ein Problem werden jeweils in einer> FMEA bewertet, wobei der aus Kostengründen oder im Sinne der> Produzierbarkeit einfachste Weg derart favorisiert in das Rennen> startet, dass schlichtweg alle Punktbewertungen so ausfallen, dass die> ohnehin favorisierten Lösungen am Ende "gewinnen".
Ja, das wird öfter passieren. Deswegen wären wirklich konkret messbare
Kriterien wie Martins wichtig anstatt irgendwelcher Bauchgefühle der
Anwesenden, wo dann auch noch Gesichtswahrung hinzukommt.
Danke für die Einblicke :-)
Zumindest wenn es um Funktionale Sicherheit geht dienen die FMEA
vorrangig dazu, Dokumente zu generieren.
Da geht es weniger darum, das Produkt zu verbessern (naja zum Teil
schon).
Hauptsächlich müssen eben bestimmte Prozesse durchgeführt werden um im
Fehlerfall die Haftung zu Regeln.
Dazu gehört eben die FMEA + ordnerweise Papier um nachzuweisen, das
alles vorschriftsmäsig gemacht wurde.
Kommt es dennoch zu einem Schaden weil etwas übersehen wurde bzw.
schöngerechnet wurde ist das auch kein Problem, denn Irren ist
menschlich. Die meisten Zahlen die in einer FMEA auftauchen
(Auftrittswahrscheinlichkeiten etc.) sind eh nicht belegbar sondern
Schätz- und Erfahrungswerte.
Hauptsache, es wurde der Prozess eingehalten.
war das jetzt ironisch gemeint?
Ich vertraue immer noch auf den Generationenkonflikt. Die nächste
Managergeneration hält wieder alles für Unsinn, was ihre Vorgänger
heiliggesprochen hatten. Hoffentlich kommt mal wieder jemand auf die
Idee die Methode "Hirn einschalten" zu probieren.