An die Frickelkönige hier: kann man VQFN40 mit Fädeldraht verlöten?

Gast #4130885
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Hallo zusammen,

ich bin dummerweise auf den blöden Top-/Bottom-View-Trick im Datenblatt 
eines ICs im VQFN-40 Gehäuse gestoßen. Daher kann ich nun entweder die 
PCBs des Prototypen wegschmeißen oder noch versuchen, einen 
Kupferdrahtverhau mit geflipptem IC hinzuzaubern.

In den Anhang habe ich mal ein Foto von der Situation gepackt.

Meine Frage ist nun, hat schon jemand in ähnlicher Größe 
Kupferdrahtverhau basteln müssen? Wenn ja, hat es funktioniert oder kam 
die PCB letztendlich doch in den Müll?
VQFN-40 hat 0.5mm Pitch.

Ich hatte es schon kurz versucht, und eine Verbindung ist auch 
hinzubekommen. Will ich allerdings die zweite machen möchte, fiel die 
erste wegen der Hitze wieder ab. Meine Idee ist daher, mit SMD Kleber 
die Verbindungen zu sichern. Könnte das aussichtsreich sein?

Vielen Dank für alle Anregungen!
Angehängte Dateien:
(Firma: www.harerod.de) Persönliche Seite #4130905
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Das passiert schon mal. Ist nicht so schlimm, danach fühlst Du Dich wie 
ein Großer. :)

Ob das Gefrickel funktioniert, hängt natürlich vom Baustein ab.
Einen USB-Hub-Controller habe ich so schon am Laufen gehabt.

Das Ergebnis wird aber nicht ideal sein, insbesondere hinsichtlich
- Thermalanbindung
- Masseanbindung - ggf. dem Thermalpad noch einen Kappa und einen dicken 
Anschluss gönnen
(- EMV)

Aber vielleicht finden sich bei der Gelegenheit andere Fehler in der 
Schaltung?

Zur Umsetzung selbst:
- Fluxi und Entlötsauglitze bereithalten
- ich nehme gerne Einzeladern aus Kupferlitzen
- wenn die feinste Pinzette zu grob ist, hilft eine Nadel

Grüße,
 Marcus
Gast #4130919
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Danke schonmal an alle für ihre Beiträge!

Noch einer schrieb:
> Laut http://elm-chan.org geht das absolut Problemlos. Ich dagegen
> brauche nach spätestens 10 Drähten eine Pause. Da überfällt einen der
> Drang, das ganze Graffel inklusive Lötstation aus dem Fenster zu werfen.

Ich habe mich jetzt mal nicht durch die Seite gewühlt, um das passende 
Thema zu finden. Hab nach 1 Minute schon Augenkrebs ;)

Das mit der Pause nach 10 Drähte wäre kein Problem. Ich hätte alles aber 
am liebsten schon beim Bemerken des Fehlers aus dem Fenster geworfen...

Marcus H. schrieb:
> Das passiert schon mal. Ist nicht so schlimm, danach fühlst Du Dich wie
> ein Großer. :)

Wie ein großer Volltrottel fühl ich mich jetzt schon -.-

Marcus H. schrieb:
> Ob das Gefrickel funktioniert, hängt natürlich vom Baustein ab.
> Einen USB-Hub-Controller habe ich so schon am Laufen gehabt.
>
> Das Ergebnis wird aber nicht ideal sein, insbesondere hinsichtlich
> - Thermalanbindung
> - Masseanbindung - ggf. dem Thermalpad noch einen Kappa und einen dicken
> Anschluss gönnen
> (- EMV)
>
> Aber vielleicht finden sich bei der Gelegenheit andere Fehler in der
> Schaltung?

Dass es sehr suboptimal ist, ist logisch. Aber für meine Zwecke sollte 
es erstmal reichen. Ich möchte mit der Prototypen-PCB nur ausschließen, 
dass ich im Enddesign dann wieder Fehler einbaue und daher vorher alles 
testen.

Marcus H. schrieb:
> Zur Umsetzung selbst:
> - Fluxi und Entlötsauglitze bereithalten
> - ich nehme gerne Einzeladern aus Kupferlitzen
> - wenn die feinste Pinzette zu grob ist, hilft eine Nadel

Hmm, vielleicht auch eine gute Idee. Ich hätte jetzt sowas hier gekauft:
http://de.farnell.com/pro-power/tcw35-250g/kupferdraht-verzinnt-0-21mm-785m/dp/1230989

Und was haltet ihr von der SMD Kleber Idee?! 
http://de.farnell.com/electrolube/sma10sl/smd-kleber-10ml/dp/106610
Könnte man damit schon geschafftes sichern?


Winfried J. schrieb:
> Sollte gehen pitch 0.5 ist halt ein bisserl fummelich aber machbar.

Danke auch für die Ermutigung, es zu versuchen ;)
Gast #4130970
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Datenblatthasser schrieb:
> Meine Frage ist nun, hat schon jemand in ähnlicher Größe
> Kupferdrahtverhau basteln müssen? Wenn ja, hat es funktioniert oder kam
> die PCB letztendlich doch in den Müll?
> VQFN-40 hat 0.5mm Pitch.

Herzliches Beileid!
Augenkrebs und ein krummer Rücken garantiert :)

Ein Vorschlag zur Abarbeitung:
Erst alle Drähte auf der Platine anbringen, mal so mit 30mm Länge also 
Überschuss, kontrollieren ob die Drähte keinen Kurzschluss haben.
Danach erst einmal su etwa 10mm nach außen führen, nach oben knicken um 
180Grad, einwärts führen und auf richtige Länge bringen, danach 
verzinnen. Die Länge brauchst Du da sonst der Draht beim Verzinnen wegen 
der Wärmeleitung unten wieder abgeht. 0,1mm Draht würde reichen denke 
ich (schneller verzinnbar).

rgds
Gast #4130972
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Datenblatthasser schrieb:
> VQFN-40 hat 0.5mm Pitch.

Ich habs noch nicht probiert, aber M3 Schrauben haben eine Steigung von 
0,5mm und sollten sich daher als Kämme eignen.

Kleinen Rahmen bauen, in welchem zwei M3 (Meterware) im richtigen 
Abstand die Seiten bilden.
Das IC dazwischen, CuL oder Blankdraht drumwickeln, Lack abkratzen, 
Anschlüsse auf beiden Seiten des ICs mit dem Drahtgitter verlöten.

Dann die Mittelstücke auf dem IC mit dem Skalpell herausschneiden.

Anschliessend das IC mit den angelöteten Drähten um 90° drehen, wieder 
in den Rahmen und  die Prozedur  für die beiden anderen Seiten 
wiederholen.
#4131088
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Hallo,
man kann sowas auch von Hand verdrahten.
Da es eine 1:1 Verdrahtung ist, wird es gar nicht so kompliziert.
http://uwiatwerweisswas.schmusekaters.net/Uwi/ELEKTRONIK/Opto_Laser/Lasersteuer_2_kl.jpg

Man sollte dazu aber haben:
1) Geduld
2) Etwas Erfahrung
3) Einen wirklich guten Lötkolben (Spitze 0,4...0,6mm)
4) Eine ruhige Hand
5) Eine ordentliche Lupe, besser ein passendes Mikroskop (5...10--fach)

Verzinnter Draht aus feindrähtiger Litze oder feindrähtigem 
Schirmgeflecht ist geeignet. Dazu gutes Flussmittel und bloss nicht mit 
bleifreinem Lot arbeiten.
Gruß Öletronika
Gast #4131110
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Kurz mal selbst probiert, geht eigentlich recht einfach.

- Pins verzinnen mit viel Flussmittel

- CuLackenden verzinnen.

- CuLackdraht mit guter spitzer Pinzette auf Pin aufsetzen

- Mit "trockener" 0.4mm Loetspitze mit der Spitze senkrecht von oben
auf den Draht aufsetzen und 1-2sec warten bis Zinn auf Draht & Pin 
aufgeschmolzen ist - fertig.

Bei obiger sinnfreien Verdrahtung hab ich die Enden verschraenkt 
eingeloetet, d.h. zwischen zwei bereits festgeloeteten Enden einen 
weiteren Draht eingeloetet.
Da die Loetspitze selbst kein Zinn hat, kann auch nichts zum Nachbarpin
rueberspringen. Wichtig jedoch ist das exakte Aufsetzen der Spitze auf 
den Draht.

Die Pinzette verhindert die Waermeuebertragung auf das bereits 
verloetete Ende.

Mit etwas Uebung kann man das sicher noch schoener hinbekommen.
Angehängte Dateien:
#4131121
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Datenblatthasser schrieb:
> VQFN-40 hat 0.5mm Pitch.

je nachdem, was die das IC so machen soll, kann man sich auch mit 4 
folienleitern behelfen.
http://cdn.pressebox.de/a/771351a019cef821/attachments/0204094.attachment/filename/FPC%20Cable_Big.jpg
hab ich schon mal so gemacht und das hat richtig gut geklappt. sowohl 
pads als auch folienleiter vorher verzinnen. mit gutem flussmittel 
bestreichen, aufeinanderlegen und verlöten.
nur das letzte der 4 kabel ist etwas lästig. aber alles deutlich 
entspannter als 40 einzel-drähte.
die teile kosten auch geld, aber bestimmt weniger als eine leiterplatte: 
http://www.esskabel.de/kalkulation/ffc_konfigurator/
#4131133
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Bestelle den Chip doch im 04-NFQV Package... ;-)

Mit sehr ruhiger Hand, Stirnlupe, viel Licht, sehr dünnem Lackdraht und 
ner Flasche Whisky ist das vielleicht sogar machbar.
Ich würde die Drähte erst auf die Pads auf der Platine anlöten, so dass 
sie zu allen 4 Seiten nach aussen zeigen.
Dann auf Länge bringen, und nach oben biegen. Pads am Chip vorher 
verzinnen, und dann den Draht so biegen, dass er auf dem Chippad schon 
aufliegt. Dann nur kurz das Pad mit der (0.7mm-)Lötspitze antippen. 
Zugegebenermaßen sehr frickelig bei 0.5mm Pitch.

Die Idee mit dem Kleber ist evtl. nicht so schlecht, denn selbst dünner 
Fädeldraht fatzt einem gerne an einem Ende wieder von der Lötstelle, 
wenn man das andere Ende erhitzt.
Muss halt temperaturbeständiger Kleber sein. Heisskleber z.B. taugt nix.

Um sich den stundenlangen Ärger zu ersparen würde ich jedoch lieber neue 
Platinen bestellen. Ab und zu muss man eben leider sein Lehrgeld 
bezahlen...
#4131197
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Herzlichen Glückwunsch!
Alles schon gemacht: 
Beitrag "Re: Quick&dirty - schnelle Problemlösungen selbst gebaut"

Damit benachbarte Pins nicht wieder auflöten mußt Du schnell arbeiten. 
Es empfiehlt sich, vorher die Lötstelle mit Kolophonium/Isopropanol oder 
einem anderen Flußmittel zu benetzen. Dann geht es schneller.
Auch die Lötspitze nicht zu dünn wählen.
Ich habe vorher die Drähte auf die Pads gelötet, dann abgelängt, die 
Enden verzinnt und am Schluß das IC verlötet.

Viel Spass!
Andreas
Gast #4147674
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Vielen herzlichen Dank für die rege Beteiligung. Leider konnte ich aus 
Zeitmangel hier nicht eher antworten.

Mittlerweile funktioniert die Schaltung aber wie sie soll. 
Nichtsdestotrotz war das Flicken ein recht schwieriges Unterfangen. 
Insbesondere die kurzen Pads auf der Platine mit einer viel zu dicken 
Lötspitze (1,2 x 0,7 mm Meißelspitze - C245-906) zu erreichen war eine 
echte Herausforderung.
Wenn ich das noch einmal mache, organisiere ich mir wohl erstmal eine 
kleinere Lötspitze...

Die Tips mit dem zu lang lassen des Drahts zwecks Wärmeabführung war 
übrigens sehr hilfreich.
Angehängte Dateien:
Gast #4147703
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A. K. schrieb:
> Datenblatthasser schrieb:
>> Ich habe mich jetzt mal nicht durch die Seite gewühlt, um das passende
>> Thema zu finden. Hab nach 1 Minute schon Augenkrebs ;)
>
> Wenn du schon diese übersichtliche Seite als Augenkrebs betrachtest, wie
> wird es dann bei der Verdrahtung? ;-)
> http://elm-chan.org/docs/wire/wiring_e.html

Naja, dafür ist die Seite nicht so ekelig. Und die Verdrahtung sieht 
recht geordnet aus, also passt ;)

P.S.: Student ist in dem Fall gleich Datenblatthasser ;) ganz vergessen, 
dass ich darunter gepostet habe....
#4147824
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Student schrieb:
> Nichtsdestotrotz war das Flicken ein recht schwieriges Unterfangen.
> Insbesondere die kurzen Pads auf der Platine mit einer viel zu dicken
> Lötspitze (1,2 x 0,7 mm Meißelspitze - C245-906) zu erreichen war eine
> echte Herausforderung.
> Wenn ich das noch einmal mache, organisiere ich mir wohl erstmal eine
> kleinere Lötspitze...

Ich mag aber dennoch Meißel lieber als Rundspitze. Für solche Drähtchen 
mag ich z.B. die C210-023 (0,4 x 0,2 mm Meißel) ganz gerne. Und der 
C210er-Kolben ist natürlich auch noch handlicher was auch nicht schadet.

Ne ordentliche Fotoausrüstung zur Nachkontrolle hast Du aber wohl 
schon...
Gast #4147878
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Gerd E. schrieb:
> Ne ordentliche Fotoausrüstung zur Nachkontrolle hast Du aber wohl
> schon...

Ja, Nachkontrolle leider nur, nicht live.
Man sieht auch, dass ich den Fokus leider meist nicht 100% auf die 
Stelle getroffen habe, wo er eigentlich hingemusst hätte. Habe einfach 
die DSLR mitm Makro-Objektiv (EF-S 60mm f/2.8 Macro USM) dran verwendet, 
und manuell fokussiert, und dabei nicht so genau gearbeitet.
Sind natürlich alles auch Ausschnitte aus viel größeren Bildern...
Gast #4147982
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Andreas Schwarz schrieb:
> Student schrieb:
>> Die Tips mit dem zu lang lassen des Drahts zwecks Wärmeabführung war
>> übrigens sehr hilfreich.
>
> Berühren die Drähte das Pad auf der Unterseite (bzw. jetzt Oberseite)
> des IC, oder sieht das nur auf dem Foto so aus?

Dass der Cheffe in einem meiner Threads antwortet, ich hätte es nicht 
für möglich gehalten... ;)

Ja, es war ein Zwischenstand, und da haben die Drähte das "Exposed Pad" 
noch berührt. Wurden dann aber nachher mit einem Mediziner-Skalpell 
passend abgeschnitten.
#4148005
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Student schrieb:
> Man sieht auch, dass ich den Fokus leider meist nicht 100% auf die
> Stelle getroffen habe, wo er eigentlich hingemusst hätte.

Die geringe Schärfentiefe ist halt das Problem. Wenn man wirklich will, 
kann man mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfeebenen machen 
und daraus dann per Software eine Bild mit durchgängiger Schärfe rechnen 
lassen.

>(EF-S 60mm f/2.8 Macro USM)

ja, das ist echt nicht schlecht, genau das hab ich auch. Zusammen mit 
nem Stativ und etwas flexibler Beleuchtung bekommt man da ganz gute 
Makroaufnahmen von Lötstellen, ICs etc. hin.
Gast #4148013
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Gerd E. schrieb:
> Student schrieb:
>> Man sieht auch, dass ich den Fokus leider meist nicht 100% auf die
>> Stelle getroffen habe, wo er eigentlich hingemusst hätte.
>
> Die geringe Schärfentiefe ist halt das Problem. Wenn man wirklich will,
> kann man mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfeebenen machen
> und daraus dann per Software eine Bild mit durchgängiger Schärfe rechnen
> lassen.

Jaja, Focusstacking, ich weiß. Aber das war mir dann doch zu aufwändig. 
Will ja hier nichts verkaufen ;)
Hatte auch extra abgeblendet auf f/8 oder so, damit es ein wenig tiefer 
scharf ist. Ab da geht der Detailverlust aber los, sodass ich nicht noch 
weiter abgeblendet hatte..

>>(EF-S 60mm f/2.8 Macro USM)
>
> ja, das ist echt nicht schlecht, genau das hab ich auch. Zusammen mit
> nem Stativ und etwas flexibler Beleuchtung bekommt man da ganz gute
> Makroaufnahmen von Lötstellen, ICs etc. hin.

Jop, ohne Stativ ging garnichts. Beleuchtung hat bei mir die Sonne 
gespielt ;)

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