Hallo Forum,
wir haben hier im Haushalt eine Bosch Waschmaschine Maxx5 Top Loader.
Irgendwann hat das Display nichts mehr angezeigt (bzw. nur sichtbar wenn
man stark draufdrückt..).
Das mit dem draufdrücken habe ich leider erst später gemerkt..
Hatte das Display ausgebaut und wollte das Flachbandkabel nachlöten weil
ich dachte Wackelkontakt. Leider ist das Kabel direkt weggeschmolzen
sobald ich zu nah ran kam.
Es gibt das Display als Ersatz für !!! 50€ !!!. Die Platine besteht
wirklich nur aus einem billigen Display, nen schwarzen Blobb und dem
Stecker..
Die Maschine läuft auch ohne Display ohne Probleme nur es wird leider
nicht mehr die Zeit angezeigt bis die Maschine fertig ist (was manchmal
blöd ist).
Meine Idee war nun ich mess mal die Signale und schnapp mir ein kleines
LCD und einen Mikrocontroller und bau mir eine eigene Anzeige.. (Zur Not
auch nur mit Rot/Grüner Led..)
Es gehen 4 Signale an die Platine:
+5V, GND, und ach wie schön I2C ;-)
Habe mal einen Waschgang bzw zumindest einen Teil mitgeschnitten (siehe
.csv im Anhang)
Mein Problem ist nun die gesendeten Zeichen richtig zu interpretieren...
Ich hatte gehofft ein paar Steuerzeichen und dann die Zeit einfach als
Zahlen aber nein.. irgendwas anderes. Vielleicht kann mir ja jemand Tips
geben oder kann mir bei der "Entschlüsselung" helfen.
Was hilfreich ist:
Die Waschmaschine zeigt am Ende vom Waschgang konstant: "-0-" an..
Da mit dürfte man doch zumindest am Ende des Mitschnitts rausbekommen
was für diese Zeichen gesendet wird, welche ich dann zumindest so
einprogrammieren kann, dass wenn mein Controller diese Zeichen sieht mir
ne 0 Minuten anzeigt oder halt von LED Rot (noch nicht fertig) auf LED
Grün (Waschgang fertig) wechselt.
Das Display wird ein Segment-Display sein, das also ein paar Zahlen und
zusätzliche Segmente darstellen kann. Der Controller auf dem Display
bekommt nun mitgeteilt, welche Segmente aktiviert werden sollen und
welche nicht.
Ein völlig willkürlich gewähltes Beispiel für solch einen Controller ist
das hier:
http://www.nxp.com/products/interface_and_connectivity/lcd_drivers/lcd_segment_drivers/series/PCA8547.html
50 EUR für das Ersatzteil ist übrigens kein besonders hoher Preis. Das
ist schließlich ein kundenspezifisches Display und keine zu
hunderttausenden in China aus der Hinterhofklitsche purzelnde
"Maker"-Ware.
NasserSack schrieb:> Ich hatte gehofft ein paar Steuerzeichen und dann die Zeit einfach als> Zahlen aber nein.. irgendwas anderes. Vielleicht kann mir ja jemand Tips> geben oder kann mir bei der "Entschlüsselung" helfen.
Du machst Spass, mal eben so durch fast 43MB CSV durchfräsen. Dein
Reverse-Engineering-Ehrgeiz ist sportlich, aber meinst Du nicht dass das
wesentlich teurer wird als 50,-€?
Reimplementieren halte ich für etwas zeitfressend.
Das Problem hatte schon einmal jemand:
http://forum.electronicwerkstatt.de/phpBB/Ersatzteile_Reparatur_Waschmaschine/waschmaschine_bosch_maxx_5_lcd_defekt-t131810f55_bs0.html
Ich nehme an, es handelt sich hiermit um dieses Teil:
http://www.bosch-home.com/de/store/product/Anzeige/00619406
Mit der Teile-Nummer 00619406 weiter suchen, es gibt (oder gab
zumindest) mal Weiße-Ware-Gebrauchtteilehändler, oder vielleicht
veranstaltet jemand ein Schlachtfest auf eBay.
Rufus Τ. F. schrieb:> Ein völlig willkürlich gewähltes Beispiel für solch einen Controller ist> das hier:> http://www.nxp.com/products/interface_and_connectivity/lcd_drivers/lcd_segment_drivers/series/PCA8547.html
Guter Tipp, das könnte genau hinhauen!
Die I²C-Teile habe eine unique upper address, die von den Herstellern
vergeben werden um so die Interoperabilität verschiedener Bausteine an
einem Bus zu sichern(*). Nur ein paar Low-Bits kann der User vergeben,
um mehrere Bausteine des gleichen Types an einen Bus zu klemmen. Über
die Slave-Address kann man also die Teile identifizieren.
Laut Mitschnitt wird der Baustein mit Adresse 0x70 angesprochen, und das
ist auch die Basisadresse des PCA8547 (Datenblatt Seite 48).
(*) Hier eine Liste gefunden, es gibt wohl aufgrund der kurzen Adresse
doch Mehrfachbelegungen:
http://dlnware.com/theory/I2C-Address-Allocation-Table
Genau um diese Display handelt es sich...
Es kann gut sein, dass die 57€ "billig" sind für Ersatzteile aber ich
seh es einfach nicht ein, da packt mich dann doch eher der Ergeiz da was
zu basteln was eventuell anderen Leuten später mit dem selben Problem
hilft.
Vor allem hab ich die Waschmaschine damals (vor 6 Jahren) nahezu neu für
knapp 200€ ersteigert... Und dann nun 1/4 des Kaufpreises für ein
Display? Finde ich für den "Mehrwert" nicht gerechtfertigt.
Bzgl. 43MB .csv. Wenn man grob erkennen kann was "Müll" und was
nützliche Daten sind kannn man die auch mal eben durch ein Matlab Script
oder ähnliches Jagen.
Ich glaube über den Adress Ansatz komme ich vll weiter, mal schaun ob
man mit etwas Glück schnell auf den passenden Chip stößt..
Den "Blobb" abschmirgeln und unter dem Mikroskop nach Chip Nummern o.ä.
zu suchen wäre natürlich auch ne Möglichkeit ;-)
Hätte ja sein können das jemand was ähnliches schonmal gemacht hat..
NasserSack schrieb:> Den "Blobb" abschmirgeln und unter dem Mikroskop nach Chip Nummern o.ä.> zu suchen wäre natürlich auch ne Möglichkeit ;-)
Das kannst Du nicht abschmirgeln, da brauchst Du ziemlich aggressive
Säuren, um den Kunststoff so wegzubekommen, daß das Silizium soweit
erhalten bleibt, daß man noch etwas erkennen kann.
Du könntest Dir aber mal das Displayglas genauer ansehen und Dir
aufmalen, welche Segmente es gibt, und in welcher Reihenfolge sie an den
Controller angeschlossen sind. Das hilft möglicherweise beim
Stöbern/Vergleichen mit den verschiedenen Varianten, die NXP herstellt.
Wie stellst Du Dir das jetzt eigentlich weiter vor? Selbst wenn bekannt
ist, welcher Controller dort verbaut ist, musst Du immer noch einen
Ersatz für irgendwas beschaffen -- und für was?
Zeig doch mal ein Bild vom Istzustand Deines Displays.
Ansonsten:
Den jetzt magisch um 7 EUR gestiegene Preis allerdings würde ich
Lehrgeld nennen - Lehrgeld für den Versuch, einen Folienleiter zu
löten.
NasserSack schrieb:> Den "Blobb" abschmirgeln und unter dem Mikroskop nach Chip Nummern o.ä.> zu suchen wäre natürlich auch ne Möglichkeit ;-)
Die heute verwendeten Strukturbreiten sind Dir aber schon bekannt?
Gut nächstens mach ich Zwinkersmileys noch auffälliger...
Aber das sowas geht beweist ja dieser eine russische Blog..
Also das mit den Segmenten wo am Controller könnte vll auch klappen...
Muss ich demnächst das Display nochmal ausbauen. Das Display ist bis auf
4-5 zerschmurgelte Leitungen am Folienleiter intakt. Es zeigt auch noch
Reste an aber nur wenn etwas stärker aufs Glas drückt..
Ich würde das Display durch ein LCD 2*8 Zeichen HD4... + Pic16 ersetzen
von der Einbaugröße sollte es passen.
Und der Pic interpretiert die gesendeten Zeichen und beschreibt das LCD.
Ich dachte bei dem Folienleiter die wären genauso stabil wie die FFC\FPC
Kabel auf der Arbeit..
NasserSack schrieb:> Ich würde das Display durch ein LCD 2*8 Zeichen HD4... + Pic16 ersetzen> von der Einbaugröße sollte es passen.> Und der Pic interpretiert die gesendeten Zeichen und beschreibt das LCD.
Dann musst Du mal sehen ob der Mitschnitt Sinn ergibt bei dem PCA8547.
Ist zwar dann eigentlich nur Fleißarbeit, aber kann doch in einige
Stunden ausarten...
Was eventuell noch einfacher wäre ist, ich schließe das Display direkt
an einen Mikrocontroller oder an meinen Bus-Pirate an und schau mal ob
ich vielleicht in den Datenblättern ein Register finde und auslese
woraus sich auf den Chip schließen lässt.
Wenn Du das Display noch irgendwo anschließen kannst ... dann ist es ja
gar nicht kaputt, dann müsstest Du es ja auch wieder an die
Waschmaschine anschließen können.
Also: Zeig' doch bitte mal ein (scharfes) Bild, auf dem man das
eigentliche Problem erkennen kann. Wo z.B. ist da ein Folienleiter? Das
weiter oben verlinkte Display beispielsweise hat keinen.
Anja D. schrieb:> Die Folienleiter kann man nachkaufen in pitch und length...
Hättest Du mir bitte eine Bezugsquelle? Speziell für solche Kleinmengen?
Ich hab da ein paar Telefon-Displays, die auch neue Folienleiter
benötigen.
Danke !
NasserSack schrieb:> Das oben verlinkte hat auch einen Folienleiter. Der ist unter dem> Display.
Auf dem Bild sieht man ein Display, dessen Displayglas mit seitlich
aufgeklipsten Metallkontakten verbunden ist.
Damit wir wirklich von gleichen reden:
(Anhang "display1.jpg")
Das sieht ohne Plastikrahmen so aus:
(Anhang "display2.jpg")
Wo soll da ein Folienleiter ins Spiel kommen?
Interessant dann scheint es 2 Versionen zu geben. Wenn man nach der
Nummer des Displays sucht dann findet man auch hier
http://www.ronatsklep.pl/upload/1920/wysw.jpg meine Version mit
Folienleiter...
Ah. Und bei dem Folienleiter geht es um die Kontaktierung des
Displayglases. So allmählich wird klar, wo das Problem liegt.
Ob es möglich ist, nach dem Entfernen des Folienleiters vom Displayglas
eine Kontaktierung z.B. mit Zebragummi hinzubekommen?
Falls ja, müsstest Du nur eine Platine o.ä. mit einem Streifenraster im
zum Folienleiterraster verwenden, um über einen Zebragummistreifen das
Display ansteuern zu können. Und das verbindest Du wiederum mit der
Platine mit dem Controller drauf.
Welches Raster verwendet denn Dein Folienleiter? Sind in dem die
Leitungen parallelgeführt, oder ändert das Ding seine Breite?
(Wo bleibt eigentlich das Bild, auf dem man Deine Platine mit kaputtem
Folienleiter und Displayglas drauf sehen kann?)
Das Bild kommt Montag oder Dienstag, muss dazu erstmal wieder die
Maschine aufschrauben. Komm vor Montag nicht dazu. Der Folienleiter
bleibt gleichbreit die Leitungen sind parallel. Aber selbst Zebragummi
behebt ja nicht das Problem, dass das Display nur mit Druck von oben
lesbar ist.
NasserSack schrieb:> Was hilfreich ist:> Die Waschmaschine zeigt am Ende vom Waschgang konstant: "-0-" an..
Eventuell so etwa ab 01:36:11 nach Start der Aufzeichnung?
Wenn man mal annimmt, daß das so ist, dann mußt du nach folgender
10-Byte Sequenz an Adresse 0x70 suchen:
CD 80 E0 F8 70 08 37 90 00 09
Wobei allerdings nur die Bytes auf den (nullbasierten) Sequenz-Offsets
5,6 und 7 relevant sind, also 08 37 90. Der ganze restliche Quatsch ist
bei allen anderen an diese Adresse gerichteten Sequenzen exakt gleich.
Aber Vorsicht, ganz offensichtlich ist mindestens noch ein zweites Gerät
mit der Adresse 0xA0 am Bus und das verarbeitet im Gegensatz zum Gerät
auf 0x70 Sequenzen variabler Länge.
Es könnte auch gut sein, daß eigentlich dieses Gerät auf 0xA0 das
Display ist. Um das einschätzen zu können, hast du allerdings nicht
genug Informationen dazu geliefert, was auf dem Display eigentlich über
die Dauer der Aufzeichnung hinweg tatsächlich passiert. Wenn es z.B. so
ist, daß erst etwa 5s nach Beginn der Aufzeichnung erste
Display-Aktivitäten stattfinden, dann wird es sogar recht
wahrscheinlich, daß das Gerät auf Adresse 0xA0 das Display ist...
Schäm' dich!
NasserSack schrieb:> Aber selbst Zebragummi behebt ja nicht das Problem, dass das Display nur> mit Druck von oben lesbar ist.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Das Displayglas selbst wird nicht die
Ursache des Problems sein, sondern die Kontaktierung des Displayglases
mit der Platine. Und da dürfte Zebragummi schon helfen, denn das ist was
anderes als ein angeklebter Folienleiter, bei dem der eine oder andere
Kontakt flau ist.
Klar, der Fehler könnte natürlich auch durch Haarrisse auf der Platine
mit dem Displaycontroller verursacht werden, aber die Waschmaschine wird
ja wohl keinen Sturzschaden haben, oder?
Nein Waschmaschine hatte keinen Sturzschaden ;-)
Das Problem bei der Aufzeichnung ist es ist nicht der gesamte
Waschgang...
Mein Laptop ist zwischenzeitlich in Standby gegangen.
Das bit 1:36 könnte aber ca. passen.
Am Anfang zeigt das Display beim anwählen des Waschprogramms die Dauer
an. Wenn dann mal gestartet zählt da eigentlich nur noch die Zeit runter
bis "-0-" angezeigt wird.
Ob da noch andere Busteilnehmer sind weiß ich nicht. Im Anhang sind nun
mal die Bilder. Habs direkt ausgebaut gelassen udn werde es mal an ein
Eval Kit (USB-I2C) hängen..
Hmm. Wenn der Lichtleiter für die Beleuchtung nicht im Wege wäre,
könntest Du nach Entfernen des Folienleiters direkt ein Zebragummi
verbauen. Die Kontakte der Platine müsstest Du halt säubern, und ob die
Kontakte des Displayglases das Entfernen des Folienleiters überleben,
müsste ausprobiert werden -- ich habe da keine Erfahrungswerte.
Aber bei der Konstruktion halte ich es für durchaus wahrscheinlich, daß
die ursprünglichen Probleme tatsächlich durch die Kontaktierung des
Folienleiters hervorgerufen wurden.
Leider taugt nur eines Deiner Bilder etwas, das mit der 50 am Ende, die
anderen sind unscharf. Kannst Du das Displayglas vom Kunststoffträger
der Hintergrundbeleuchtung trennen?
Um solche Kontakte nachzuarbeiten, muss "gebügelt" werden, d.h.
vorsichtig mit zurückhaltender Hitze der Folienleiter auf die
Kontaktstellen gepresst werden -- ein Lötkolben ist dafür deutlich zu
heiß.
Wie auch immer: Viel Glück bei Deinen Forschungen.