Hallo Leute, möchte Kupferlötspitzen galvanisch beschichten, um sie zu
"longlife"-Spitzen zu machen. Hintergrund ist der, daß ich so jede
beliebige Spitzenform leicht selbst herstellen könnte. Mache genau das
schon seit langem, aber das Kupfer hält halt überhaupt nicht stand.
Longlife-Spitzen haben ja gewöhnlich eine Eisenschicht drauf, wobei
diese natürlich ziemlich dick ist, vermutlich tauchbeschichtet. So lange
wird und soll die elektrolytische Beschichtung nicht halten, aber es
wäre ja sehr leicht, ab und an die Schicht zu erneuern.
Einfach anhand der Spannungsreihe aussuchen geht hier ja nicht, es kommt
eher darauf an, welches Metall bei z.B. 400° am trägsten mit Zinn
legiert.
Welches Metall könnte geeignet sein?
>eine Eisenschicht drauf
So ist es
>vermutlich tauchbeschichtet
Wie kommst du auf so eine abwegige Idee? Wie soll man bitte Kupfer mit
Eisen "tauchbeschichten"? Einfach ins flüssige Eisen reinstecken oder
wie stellst du dir das vor? Schmelzpunkt Kupfer 1085°C, Schmelzpunkt
Eisen 1583°C.
Die Eisenschicht ist natürlich galvanisch aufgebracht, wie soll das denn
sonst funktionieren?
>Welches Metall könnte geeignet sein?
Na, wenn Markenhersteller eine Eisenschicht auf ihre Dauerlötspitzen
aufbringen, liegt der Gedanke nahe, dass es wohl Eisen sein wird.
@ maetressenhuhnesserteam (Gast)
>"longlife"-Spitzen zu machen. Hintergrund ist der, daß ich so jede>beliebige Spitzenform leicht selbst herstellen könnte.
Der Rest der Welt kommt mit dem käuflichen Angebot ganz gut aus.
Das wird wohl ein Mehrschichtaufbau sein, denn Eisen würde ja rosten.
Nickel nimmt man hautsächlich als Haftvermittler für so Metalle
wie Chrom. Die sichtbare Schicht könnte Glanzzink sein.
@ Marco G. (flaschenpost)
>Hat schon mal jemand versucht, Eisen elektrolytisch aufzubringen? Klingt>ja eigentlich spannend.
Das machen dir Profis, aber da muss man von der Chemie schon ein wenig
Ahnung haben . . .
Also ich war recht verwundert dass ich pro Europlatine mit etwa 200
Lötpunkten etwa eine Weller-Lötspitze für den 25W-Standardlötkolben
verbraten hatte. Die Spitze war gut weg und Löten nur noch eine Qual mit
dem Stumpf mit Loch drin.
H-G S. schrieb:> Also ich war recht verwundert dass ich pro Europlatine mit etwa 200> Lötpunkten etwa eine Weller-Lötspitze für den 25W-Standardlötkolben> verbraten hatte.
Auch wenn der Thread schon alt ist, verrätst Du uns wie man das hin
bekommt?
Hm. Mit Hydrazin will ich wirklich nicht im Hobbykeller hantieren.
Vielleicht gibt es noch andere geeignete Lösungsmittel, ich befürchte
aber, in basischer Umgebung oxidiert Fe2+ zu Fe(III) oder irgendwelchen
Ferraten. :-( Ich muss mich wohl erst wieder schlau machen.
Marco G. schrieb:> Mit Hydrazin will ich wirklich nicht im Hobbykeller hantieren.
An Chemikalien ist sowieso kein ran kommen mehr, es sei denn, man
hat da spezielle Möglichkeiten.
@H-G Sch (haenschen)
>Also ich war recht verwundert dass ich pro Europlatine mit etwa 200>Lötpunkten etwa eine Weller-Lötspitze für den 25W-Standardlötkolben>verbraten hatte. Die Spitze war gut weg und Löten nur noch eine Qual mit>dem Stumpf mit Loch drin.
Das schafft man nur mit Lötwasser . . .
https://de.wikipedia.org/wiki/Flussmittel_(L%C3%B6ten)#Auswahlkriterien
Zum Thema Eisen Elektrolytisch Aufbringen.
Ich bin ja wie ich in anderen Beiträgen rund um die Elektrolytische
Metallabscheidung gesagt habe, vom Fach.
@1n4148 der von dir verlinkte wikipedia Artikel stammt auch übrigens von
mir ;-)
@Falk Brunner das mit dem das machen dir die Profis dürfte schon echt
knifflige werden.
Im Gegensatz zu den normalen Schichten wie Kupfer Nickel Chrom usw. hat
das verstahlen in der Industrie keinerlei Relevanz mehr.
Der Artikel müsste mal überarbeitet werden.
Bei Druckplatten ist es durch hart Nickelschichten ersetzt worden bei
den notlauflagern durch durch Zinn oder durch dispersionshaltigen
Schichten. Usw.
Hier die Verwendung in der Lötkolbenspitze ist meines Wissens nach die
letzte Bastion.
Selbst aus der Fachliteratur ist es verschunden, wenn Überhaupt gibt es
dort nur noch so eine kurze Randnotiz darüber das es existiert hat.
So ist das was da im Artikel drin steht auch so ziemlich alles was ich
nach Monatelanger suche in Erfahrung bringen konnte.
Der Rest ist dann nur noch Spezielles für Sonderfälle und meine
Unterlagen zu meinen Experimenten mit dem Elektrolyten.
@Marco G.
Also ja ich habe schon damit erfolgreich herumexperimentiert ;-)
Hydrazin brauch man zum Glück nicht wirklich.
Meinen Elektrolyten hatte ich damals übrigens aus dem hier altbekannten
Eisen(III)chlorid angesetzt.
Mein Ansatz bestand nur aus
Eisen(III)chlorid
Ammoniumchlorid (hergestellt aus Ammoniak und Salzsäure)
Calciumchlorid (dat hygroskopische gelumpe aus dem Kellerentfeuchtern)
Salzsäure zum ph wert einstellen
Und etwas Netzmittel.
Das Eisen(III)chlorid muss allerdings vor Benutzung in Eisen(II)chlorid
umgewandelt werden.
Zum Großteil geht das sehr einfach mit Stahlwolle (im Prinzip auch alles
anderen möglichst legierungsfreie Eisen).
Und den Rest durch "Einarbeiten"
Damit bezeichnet man in der galvanik den Vorgang mit dem hier das
Eisen(III) zu Eisen(II) reduziert wird.
Man hängt ein zwei Stäbe hinein wodurch das Verhältnis Anode zu Kathode
möglichst groß wird.
Und dann gibt möglichst ne ordentliche Portion Strom drauf ;-)
Das einzig große Problem beim Eisenelektrolyt ist die Tatsache das man
keine Unlöslichen Anoden verwenden kann(dort würde das Eisen(II) wieder
auf oxidiert werden)
Sondern man brauch eben möglichst reine Eisen Anoden.
Und das ist echt ein Problem.
Die legierungsbestandteile würden dir sonst nämlich dein Bad versauen.
Der beste Kompromiss ist Eisen was nur Kohlenstoff enthält.
Def löst sich nämlich nicht im Elektrolyten auf sondern kann ab
gefiltert werden. Zum einen in dem man filtersäcke um die Anoden macht
Und zum anderen das Bad kontinuierlich filtert.
tcha so ist das mit der Chemie.
Interessante Stoffe gibts nicht mehr für Privatleute.
Aber evtl noch die Ausgangsstoffe zum selbst synthetisieren.
-shit O_°
was braucht man in den meisten fällen:
Platinkatalysator, mindestens 250bar Druck
rauchende Salpeter- und Schwefelsäure,
Zyankali
zwar nicht unbedingt hier zum Eisen galvanisieren,
aber irgendwie stösst man immer wieder drauf.
● J-A V. schrieb:> tcha so ist das mit der Chemie.> Interessante Stoffe gibts nicht mehr für Privatleute.> Aber evtl noch die Ausgangsstoffe zum selbst synthetisieren.
Naja, manches von dem, was du nennst, gibt es fast so noch in der
Drogerie. Zwar nicht in "Drogerie"-Märkten, aber in handverlesenen
Läden.
Und synthetisieren kann man sich ja fast alles mit genug Zeit, Geld und
Platz. ;-)
Aber dass die typischen Einstiegs-Spielereien alle nicht mehr gehen
(Jod, Kaliumpermanganat, ...) ist wirklich blöd.
Und Platin wird eh überbewertet. ;-) Oft finden sich für den
Hausgebrauch sehr einfache Alternativen - es kommt ja da oft nicht auf
die letzten Prozent Wirkungsgrad an.
Aber Informationen sind wirklich in dem Sektor schwer zu bekommen, finde
ich (im Vergleich zum Fortschritt in der Verfügbarkeit von Infos im
technischen Bereich). Für vieles muss man wohl genauso in die
Uni-Bibliothek wie vor 30 Jahren.
Sebastian S. schrieb:> Zum Thema Eisen Elektrolytisch Aufbringen.> Ich bin ja wie ich in anderen Beiträgen rund um die Elektrolytische> Metallabscheidung gesagt habe, vom Fach.> @1n4148 der von dir verlinkte wikipedia Artikel stammt auch übrigens von> mir ;-)
Wow, danke für diese ausführlichen Informationen. Ich hätte so gar nicht
erwartet, dass das so kompliziert wird. Das typische "einen Nagel
verkupfern" ist dagegen ja nur "Hello, world!".
Klingt theoretisch spannend, wird mir dann aber doch praktisch zu
aufwändig.
Aber vor allem wollte ich ja wissen, wie es (auch im Hobbykeller) ginge.
Das ist zu einem sehr befriedigenden Ergebnis gekommen.
Aber selbst Reineisen findet man ja (privat) nur noch als Werbeschild
bei eBay.
http://www.ebay.de/itm/Armco-Eisen-f-Blitzableiter-statt-Kupfer-Vater-Co-Braunschweig-orig-Anzeige-1936-/151914730134?hash=item235ed2d296:g:G0wAAOSwv-NWbYDq)
oder als Schmuck...
Gruß und vielen vielen Dank für alle Infos
Marco
Horst schrieb:> H-G S. schrieb:>> Also ich war recht verwundert dass ich pro Europlatine mit etwa 200>> Lötpunkten etwa eine Weller-Lötspitze für den 25W-Standardlötkolben>> verbraten hatte.>> Auch wenn der Thread schon alt ist, verrätst Du uns wie man das hin> bekommt?
Ich musste die kegelförmigen Spitzen benutzen da ich statt den dünnen
meisselförmigen die breiten meisselförmigen bestellt hatte. Und die
Spitze der kegelförmigen hält wohl nicht so lange.
Muss man eigentlich erst die ganze Spitze verzinnen bevor man lötet ?
Ds scheint auch nicht so einfach, aber wenn man das nicht gleich beim
ersten Löten macht schafft man es nicht mehr da sich Patina bildet und
kein Lötzinn mehr annimmt.
Hi
>... aber wenn man das nicht gleich beim>ersten Löten macht schafft man es nicht mehr da sich Patina bildet und>kein Lötzinn mehr annimmt.
Einfach vor dem ersten Anheizen mit Lötzinn umwickeln.
MfG Spess
Es scheint dass ich einen Löt-Prügel für Kabel etc. dazu benutzte um
etwa 400 IC-Beinchen einzulöten :-)
Beim nächsten derartigen Projekt ist ein anderer Lötkolben nötig ...
H-G S. schrieb:> Muss man eigentlich erst die ganze Spitze verzinnen bevor man lötet ?> Ds scheint auch nicht so einfach, aber wenn man das nicht gleich beim> ersten Löten macht schafft man es nicht mehr da sich Patina bildet und> kein Lötzinn mehr annimmt.
Seit meinem Ersa (also seit über 25 Jahren) habe ich keine Spitze mehr
verzinnt. Vorher fast wöchentlich. ;-)
Aaaber: Man verzinnt eine Lötkolbenspitze indem man mit einem anderen
Lötkolben verzinnt, nie mit der eigenen Wärme.
Und: Man "verdichtet" Kupferspitzen bevor man sie verzinnt. Ich habe
meine Spitzen immer aus irgendwelchen Kupferstücken hergestellt und die
Spitze gehämmert. Dabei immer mäßig von allen 4 Seiten, sonst platzt sie
auf.
Nach dem Hämmern leicht und ganz fein befeilen und dann (wie schon
gesagt) mit einem anderen Kolben verzinnt. Natürlich geht auch der
eigenen Kolben, nur eben nicht, indem man die Spitze dort betriebsfertig
einsteckt. Die Wärme muss beim Verzinnen von Außen aufgebracht werden.
Fragt mich nicht warum, ich habe die Anleitung von einem alten
Telefunkenmann und das hat genau so über Dutzende Jahre funktioniert.
Irgendwann musste diese zwar auch nachgearbeitet werden. Beim Löten geht
auch immer etwas Kupfer der Spitze in die Lötstelle ein, daher
verbrauchen sich unbeschichtete Spitzen halt. Ungehämmerte Spitzen (also
nur spitz gefeilt) waren immer ruck-zuck runter.
Old-Papa
H-G S. schrieb:> Das ist verlorengegangenes Wissen! :-)>> Nungut vielleicht machen es die Löter in Indien oder China noch so ...
Darum habe ich es aufgefrischt ;-)
Lesen muss man dass allerdings noch...
Old-Papa
Old P. schrieb:> Die Wärme muss beim Verzinnen von Außen aufgebracht werden.> Fragt mich nicht warum,
das sind eben so Eigenheiten...
wie ne Kerze, in der der Docht falsch herum drin liegt,
auch nicht oder nur schlecht brennt.
● J-A V. schrieb:> Old P. schrieb:>> Die Wärme muss beim Verzinnen von Außen aufgebracht werden.>> Fragt mich nicht warum,>> das sind eben so Eigenheiten...> wie ne Kerze, in der der Docht falsch herum drin liegt,> auch nicht oder nur schlecht brennt.
Die brennt sehrwohl.
Beim Verzinnen kann es aber sein (wird es wohl auch), dass die Wärme die
Oberfläche zum oxydieren bringt, bevor das Zinn schmilzt und die
Oberfläche benetzt. Besser ist es also, das flüssige Zinn erhitzt die
Kupferoberfläche.
Old-Papa
Das geht auch direkt.
Man muß beim Erwärmen mit dem Zinn daraufrumrubbeln.
Bevor es schmilzt, hat man da schon eine schöne Zinnschicht.
Besser ist natürlich ein Zinnbad, wenn man hat.
michael_ schrieb:> Das geht auch direkt.> Man muß beim Erwärmen mit dem Zinn daraufrumrubbeln.> Bevor es schmilzt, hat man da schon eine schöne Zinnschicht.> Besser ist natürlich ein Zinnbad, wenn man hat.
Geht, ja. Aber das gerubbelt hält nicht so lange wie richtig verzinnt.
Ich kenn beides ;-)
Zinnbad ist optimal, habe inzwischen eins. Nutze es aber kaum noch.
Old-Papa
Verzinnt ist verzinnt.
Die Lebensdauer hängt jedoch davon ab, wieviel vom Kupfer in das Zinn
übergeht.
In den 80' zigern wurde das vereisern in der Firma auch eingeführt.
Es gab Rückschläge, aber die Technologen haben das dann mit Firmen aus
der Region in den Griff bekommen.
Jedenfalls worde die Stelle wegrationalisiert, wo vorher Lötspitzen
gehämmert, gefeilt und verzinnt wurden.
So hundert Löterinnen hatten ja ihren Verbrauch.
H-G Sch schrieb:
>Muss man eigentlich erst die ganze Spitze verzinnen bevor man lötet ?
Nein, mit so einer Spitze kann man nicht vernünftig löten.
Ich bringe die Spitzen immer mit dem Hammer in die gewünschte
Form, dann schleife ich sie mit Feile und Sandpapier nach.
Dann wird sie erhitzt bis eine Zinnabweisende Schicht entsteht.
Dann abkühlen lassen und nur an der Spitze die Schicht abschleifen.
Dann beim Anwärmvorgang diese Stelle verzinnen. Damit wird
verhindert, daß der Zinn seitlich hochläuft. Man hat dann eine
Spitze mit einer kleinen Zinnperle.
Die Zinnperle hatte ich bei der ersten (kegelförmigen) Lötspitze - die
welche ich nicht ganz verzinnt hatte vor dem Löten.
Aus der Perle wurde dann ein Loch das sich bis zum Schaft vergrößerte,
und da der Schaft so breit ist konnte ich dann kaum noch an den IC-Pins
herumlöten :-)