Hallo,
ich möchte gerne meine Heizungsregelung von außentemperaturgeführt auf
raumtemperaturgeführt umstellen. Raumthermostate sind HomeMatic über
FHEM, Heizungsregelung läuft als C-Programm direkt auf dem Beaglebone
Black (Brenner, Pumpen, Warmwasser, Heizungsmischer).
Sinn und Zweck ist es, durch optimale Vorlauftemperatur unnötigen
Ölverbrauch zu reduzieren. Daher bin ich gerade am Knobeln, wie ich die
Parameter Raum-Soll-Temperatur, Raum-Ist-Temperatur, Ventilöffnung und
ggf. Außentemperatur am besten kombiniere um daraus den eigentlichen
Heizbedarf abzuleiten.
Erster Ansatz wäre ein (P)I-Regler der über die Vorlauftemperatur auf
eine Ventilöffnung zwischen z.B. 90% und 95% regelt. Hier ist allerdings
die Frage, wie ich die Vorlauftemperatur sinnvoll begrenze, denn es
kommt vermutlich beim morgendlichen Sprung von der Nachtabsenkung kurz-
bis mittelfristig zu einem satten Überschwinger der die Rohre mit 70
Grad heißem Wasser flutet.
Hat sich über eine solche Einzelraumregelung in Verbindung mit einer
Kesselsteuerung schonmal Gedanken gemacht? Bin für konstruktive Hinweise
in jegliche Richtung offen.
Wenn du die Steuerung schon als freiprogrammierbare Lösung parat hast,
würde ich für die kommende Saison ein Programm schreiben, das
selbstlernend die minimal nötige Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von
Aussentemperatur und gewünschter Raum-Solltemeperatur ermittelt, als
Kennfeld anlegt und darüber regelt.
Dabei geht es auch um Komfort. Wenn du schnell von eine kalten Wohnung
auf Wohlfühltemperatur kommen willst, musst du entsprechend stark die
Vorlauftemp. überhöhen, im Gegensatz zur reinen Erhaltungsheizung einer
schon aufgewärmten Wohnung (Wände, Einrichtung).
Der Mischer hat z.B. die Funktion, die Häufigkeit der Brenner-Hysterese
etwas auszudehnen, so dass dieser nicht allzu häufig an- und abschaltet.
Andererseits bewirkt das Überheizen des Kessels auf Temperaturen
oberhalb der notwendigen Vorlauftemperatur zusätzliche Energieverluste.
Da muss ein optimaler Kompromiss zwischen Brennerverschleiss durch
häufige Taktung und Überheizung des Kesselwassers gefunden werden.
Statt Kennfeld kannst du auch eine direkte Regelung entwerfen, wenn du
über das Delta_IST-Temperatur/dt die Reaktionsgeschwindigkeit der
Raumtemperaturveränderung pro Zeiteinheit als Input für die
Vorlauftemp.-Überhöhung heranziehst.
Die Sache sieht auf den ersten Blick trivial aus, ist sie aber nicht. Es
gibt einige nichtlineare Parameter, die gegenseitig verknüpft sind und
ein mehrdimensionales Feld repräsentieren.
Trivial ist das nicht, das ist mir schon klar.
Das mit dem Kennfeld ist eine gute Idee. Bei einem richtig ausgelegten
Regler müsste ja der I-Anteil die Erhaltungstemperatur widerspiegeln und
der P-Anteil die Temperaturüberhöhung zur WAF-Temperatur beitragen. Die
Werte werden eh in einer RRD gespeichert, da müsste sich sowas auch
daraus ermitteln lassen.
Alleine der Umbau auf eine eigene Steuerung hat dazu beigetragen, dass
durch dynamische Hysterese der Brenner länger läuft, der Schornsteinkopf
im Winter trocken bleibt und witterungsbereinigt der Ölverbrauch etwas
gesunken ist.
Dieter Mahr schrieb:> Hallo,>> Erster Ansatz wäre ein (P)I-Regler der über die Vorlauftemperatur auf> eine Ventilöffnung zwischen z.B. 90% und 95% regelt. Hier ist allerdings> die Frage, wie ich die Vorlauftemperatur sinnvoll begrenze, denn es> kommt vermutlich beim morgendlichen Sprung von der Nachtabsenkung kurz-> bis mittelfristig zu einem satten Überschwinger der die Rohre mit 70> Grad heißem Wasser flutet.>
Das kann man ja sinnvoll nutzen. Ich mache morgens um 5:30 immer
Warmwasser, der Kessel ist dann auf 70°, damit kann ich die Hütte
schnell aus der Nachtabsenkung rausholen und ruckzuck aufwärmen.
Ansonsten ist das bei mir grob so geregelt, dass alle Thermostate für
sich selbst regeln, wenn einzelne (je nach Priorität) 100% Öffnung
haben, wird der Brenner angeworfen.
Eine PI-Regelung für den Kessel habe ich verworfen, der Brenner kann nur
An oder Aus, da gibt es nicht viel zu regeln und einen Mischer habe ich
bewusst nicht.
Gruss
Axel
> Hat sich über eine solche Einzelraumregelung in Verbindung mit einer> Kesselsteuerung schonmal Gedanken gemacht?
Ja dazu haben sich sehr viele Leute schon Gedanken gemacht. Optimale
Vorlauftemperatur ist das A & O beim effizienten Heizenergieeinsatz.
Die klassische Regelung mit Vorlauftemperatur nach Aussentemperatur und
Raumtemperatur durch Soll-Ist Abgleich am Radiatorventil ist
regelungstechnisch gesehen eine Kaskadenregelung.
Einfach nur Differenz Raum-Soll und Raum-Ist zu regeln, ist so wie nach
Differenz Vorlauf-Rücklauf-Temperatur bei einem vernünftig abgeglichenem
Heizkreis.
Wer jeden Raumtermostat abfragt und die Aussentemperatur vernachlässigt
Da schmeisst die Kaskade über Bord.
Einziger Vorteil der Ansteuerung einzelner Radiatorventilen ist die
bessere Verteilung der Heizleistung unter den Heizkörpern und somit
besserer Wirkungsgrad.
Wer glaubt die Radiatorventilregler seihen P-Regler, dem sei die Lektüre
der Ventil- und Heizkörperkennlinien empfohlen.
Die wesentliche Störgrösse ist das Aussenklima, die internen
Wärmequellen und die Lüftungsverluste.
Wesentlich dabei sind:
- Aussenlufttemperatur,
- eingetragene Strahlungsleistung der Sonne,
- interne Wärmeleistung,
- Windgeschwindigkeit (bestimmt die Infiltrationsverluste)
- Lüftungsverluste.
Bei Heizungen von modernen Gebäuden schwerer Bauart sind Verzögerungen
in Stunden oder Tagen zu messen.
Eine Störgrossenaufschaltung ist regelungstechnisch eine sehr sehr gute
Sache. Das macht den Regler schneller und somit präziser. Daher ist
soetwas heute Standard.
Grundsätzlich gilt: elektronische Regler sind generell nicht besser als
hydraulische. Wenn man sich dennoch alle Regelkreise eletronisieren
will:
_Meine Empfehlung_: Ermittele das Verzögerungsglied empirisch so gut wie
möglich (Das Haus gibt es ja schon. Problematisch ist natürlich dass das
ceteris paribus Versuche kaum möglich sind.)
Anstelle der Auschaltung der aktuelle Störgrösse habe ich Regelungen
implementiert die die vorgesehene Störgrösse (aka. Wettervorhersage)
aufgeschaltet. Sozusagen ein Smith-Prädiktor nach zu erwartetem
Aussenklimaparameter.
Im der Praxis: Wenn die Märzsonne morgen ins Haus scheinen wird, wird
die Heizung nicht gebraucht. Das ist ganz nett, wenn mein ein
vollverglastes Bürohaus mit Fussbodenheizung hat.
Die Vorlauftemperatur muss so ausgelegt sein, dass_alle_ Heizkörper,
auch der letzte/kleinste, ausreichende Leistung liefern können. Machmal
hilft es da wenig die Regelung zu optimieren. Ein einzelner grösserer
Heizkörper wirkt manchmal grössere Wunder als ewiges rumgefrickel am
Regler.
Die Ersparnisse einer Nachtabsenkung bei modernen schweren Gebäuden kann
man ganz leicht durch morgendliche Leistungsspitzen wieder wegbrennen.
Hi,
ich habe eine einzelraumabhängige Regelung im Eigenbau seit einigen
Jahren im Einsatz. Ausgabspunkt war, dass die Räume sehr individuell und
zu verschiedenen Zeiten geheizt werden sollen. Die Vorlauftemperatur
musste ganztägig stark überhöht sein, nur, um z.B. Abends das Wohnzimmer
hochheizen zu können. Außerdem gibt es Fremdwärmequellen wie Kochen oder
Kachelofen, die, besonders am Wochenende, quasi ganztägig eine Absenkung
der Vorlauftemperatur ermöglichen.
Zum Einsatz kommen nun HR20 Heizkörperthermostate, teils mit der
OpenHR20 Firmware. Diese geben alle 4 Minuten die Raumtemperatur, die
Solltemperatur und die Ventilstellung seriell aus. Eine externe Platine
mit Atmega8 wird über die Batterien des HR20 gespeist, nimmt die
seriellen Daten entgegen und sendet sie über ein rfm12 Funkmodul in den
Keller. Zusätzlich sind an den Platinen noch Sensoren, Aktoren, LEDs
usw. angeschlossen, je nachdem, was im Raum noch so gebraucht wird.
Das zentrale Gerät im Keller (Atmega128) errechnet aus den Daten einen
Reglerwert und manipuliert den Eingang für den Raumfühler der Heizung.
Eine andere Steuerungsmöglichkeit habe ich leider nicht gefunden. Die
Außentemperatur wird von der Heizung weiterhin berücksichtigt, meine
simulierte Innentemperatur dient also nur der Korrektur. Diese ist aber
in weiten Grenzen möglich.
Zusätzlich übernimmt das zentrale Gerät noch Logging (SD-Karte),
Zählerauswertungen, Messungen Vor-/Rücklauf und Speicher und steuert die
Zirkultionspumpe (Brauchwasser) vorrausschauend, also automatisch
lernend, an.
Was ich heute anders machen würde: Vermutlich würde ich eine Kombination
aus Mikrocontroller und Rasperry Pi nutzen. Auf dem Pi könnte man die
Regelung ohne Firmwareupdaterei anpassen und die Daten gleich in einer
Datenbank erfassen und ein Webinterface bereit stellen.
Es sind einige Sonderfälle abzufangen, mit denen ein klassischer Regler
überfordert wäre. Beispiel: Nutzer dreht Thermostat ab, öffnet Fenster,
kühlt den Raum aus, schließt Fenster, öffnet Thermostat. -> Große
Abweichung vom Sollwert, Vorlauftemperatur schießt hoch.
Oder: Nutzer dreht in schneller Folge am Thermostat hin und her. Erst
runter, dann rauf, dann wieder ein halbes Grad runter.
Und zuletzt hat meine Regelung noch das Problem, dass hier zwei
Regelungen gegeneinander arbeiten. Bei steigender Zimmertemperatur
reduziert das zentrale Gerät die Vorlauftemperatur. Im Raum schließt
aber auch das Ventil.
Nachtrag: Unsere Heizung führt morgens eine Schnellaufheizung durch. Das
Überschwingen konnte ich mit einem D-Anteil aber gut in den Griff
bekommen.
Und, wie weiter oben geschrieben, empfielt es sich, die
Warmwassererhitzung so zu wählen, dass danach gleich in den Heizbetrieb
gewechselt wird.
Dieter Mahr schrieb:> Sinn und Zweck ist es, durch optimale Vorlauftemperatur unnötigen> Ölverbrauch zu reduzieren.>> Hat sich über eine solche Einzelraumregelung in Verbindung mit einer> Kesselsteuerung schonmal Gedanken gemacht? Bin für konstruktive Hinweise> in jegliche Richtung offen.
Schmeiss die Raumthermostate weg und optimiere den hydraulischen
Abgleich! So kannst Du mit minimaler Vorlauftemperatur arbeiten und
Heizöl sparen.
Die einzelnen Heizkörper zu regeln ist suboptimal, da dadurch der
Volumenstrom beeinträchtigt wird. Als Resultat wird der Heizkessel die
Energie nicht los und er fängt an zu takten.
Ausserdem führt die "Absenkerei" zu Auskühlung der Wände und Möbel und
es wird daher ein schlechteres Wohlfühlklima erzeugt, dem in der Regel
mit höheren Raumtemperaturen gegengesteuert wird.
Und die erhöhte Wieder-Aufheizphase bedeutet zusätzliche ineffizientere
Energienutzung.