Siemens-Computerdeutsch

OP #4333355
Lesenswert?

Um diesen Thread nicht noch mehr zu kapern:
Beitrag "Re: Suche Quelle für Tripple Insulated Wires"
mache ich mal einen eigenen auf

Da wurde über den einsamen Versuch von Siemens in früheren Jahren 
gespottet, englische Computerbegriffe einzudeutschen.

Hier ein Siemens-Prospekt von 1976, ich kann darin allerdings nur wenig 
in der Hinsicht entdecken. Das dürfte eher in der vorausgegangenen 
Großrechnerzeit gewesen sein.
Angehängte Dateien:
#4333467
Lesenswert?

Nachdem ich jetzt die Threads
Beitrag "Re: Bin ich jetzt alt?"
und
Beitrag "Suche Quelle für Tripple Insulated Wires" gelesen habe 
hat mich auch die Nostalgie gepackt :)
Grade von Siemens gabs früher ja sehr viel. Ich habe mal mein Regal 
entstaubt und noch zwei Funde gemacht:

Logische Schaltungen, 2. Auflage von 1973 und
Wärmeübertragung, 2. Auflage von 1970

Damals haben die sich echt noch Mühe gegeben :)
#4333555
Lesenswert?

Christoph K. schrieb:
> Hier ein Siemens-Prospekt von 1976, ich kann darin allerdings nur wenig
> in der Hinsicht entdecken.

es gab nichts, was ich nicht verstanden habe in dem Siemens-Prospekt.

Manches Zwangs-ge-denglische aus diversen Beiträgen klingt hingegen 
grausam, und manchmal weiß der Schreiber wohl selbst nicht was er da 
meint, oder was das englsiche Wort genau bedeutet.
#4337099
Lesenswert?

Danke dafür!!!
ist ja ne echte Perle die Du da ausgegraben hast - bei Sätzen wie
1
>>Plus, minus, mal und geteil durch<< sind bereits für 
2
weniger als zwanzig Mark zu haben,
frägt man sich echt, wie die Entwicklung des Taschenrechner voran kam 
=))


Siemens hatte schon immer gute Dokumentationen - Das Handbuch zur 
S5-Steuerung ersetzte damals (fast) jeden SPS-Programmierkurs...


Wegstaben V. schrieb:
> Manches Zwangs-ge-denglische aus diversen Beiträgen klingt hingegen
> grausam, und manchmal weiß der Schreiber wohl selbst nicht was er da
> meint, oder was das englsiche Wort genau bedeutet.

Wobei ich mich auch immerwieder dabei beobachte/erwische, für viele 
Dinge die deutschen Begriffe anstelle der englischen zu verwenden. Meist 
schreibe ich vom "Rechner" und nicht vom PC, die Software ist in vielen 
Fällen ein Programm und die Tastatur habe ich noch nie als Keyboard 
bezeichnet.
Liegt vlt. auch daran dass ich oft "Nicht-technischen-Usern" Dinge am 
Rechner erklären muss...
OP #4339323
Lesenswert?

Der Uhu fehlte noch. Danke für die Belehrung, in Rufus' Link stehen die 
drei Übersetzungsmöglichkeiten. Der Vergleich der Odyssee dort mit 
Tarentino-Filmen und Comics ist auch nett.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Phrasen/Pi
unter Nummer 32 sind auch die Zähne genannt.
„Mein Kind, welch Wort entfloh dem Gehege deiner Zähne?”

Ich wollte ja nur einen Beispielsatz mit "anheben" bilden, und habe dazu 
ein paar Versatzstücke "gehobenen" Textes aneinandergereiht, ohne lange 
nachzudenken.
#4339444
Lesenswert?

dass in diesem "Prospekt" nichts Unverständliches zu finden ist liegt 
wohl daran, das es als Prospekt für "Normalos" gedacht war. Sehrwohl gab 
(gibt?) es Siemensliteratur wo solch schöne Kreationen wie 
Keller-/Stapelspeicher oder Fluchtkodetaste zu finden waren. Auch eine 
Unterbrechungsanforderung mußte erst verdaut werden und wer in Schlaufen 
programmierte war damals schon von gestern ....
#4339974
Lesenswert?

G. H. schrieb:
> Sehrwohl gab
> (gibt?) es Siemensliteratur wo solch schöne Kreationen wie
> Keller-/Stapelspeicher oder Fluchtkodetaste zu finden waren.

Wobei ich nicht glaube, dass diese Wörter von Siemens erfunden wurden.

Wir sind da eher in der Zeit von Zuse und Billing, bevor Siemens in das 
Geschäft mit elektronischen Rechenmaschinen einstieg. Dinge wie die 
Schnellspeicherzelle, der Rechenplan, die automatische 
Rechenplanfertigung und der Rufbefehl stammen sicher nicht von Siemens.
#4340670
Lesenswert?

soul e. schrieb:
> Kann denn noch jemand Plankalkül?

Lernt man das nicht mehr?

Ne, im Ernst, richtig gelernt hat eigentlich nie jemand Plankalkül, 
außer vielleicht der Zuse und ein paar Akademiker als akademische 
Fingerübung. Selbst Zuse hat die Sprache nicht auf seinen eigenen 
Computern eingesetzt oder einsetzen können. Er hat über Jahrzehnte immer 
mal wieder versucht sie ins Gespräch zu bringen aber die Versuche sind 
im Sande verlaufen.
OP #4343975
Lesenswert?

Naaaa ... ich werde doch noch den DAX überschreiten, die 
10000er-Downloadmarke ist fast erreicht.

Suche nach "Betonstop Nixdorf" findet nur zwei Stellen, diese hier und 
ein Kundendienst-Manual
http://www.8870adventures.com/uploads/6/5/7/2/6572022/niros3.3-german.pdf
auf PDF-Seite 10:

2.1 Funktionsablauf
Die Urladerroutinen werden in folgender Reihenfolge durchgeführt:
1. Die generelle Interruptsperre wird gesetzt und Zeitfeh1er—, Parity—
fehler— und Netzausfallinterrupt werden freigegeben.
2. Speichertest durch Schreiben und Lesen der Hausnummer bis 64 KB. Alle
Adressen werden auBerdem mit einem Betonstop (400) beschrieben.

Soll das ein "breakpoint" sein?
#4346801
Lesenswert?

Die B1700 waren mikroprogrammierbar und die Hardware auf Interpretation 
optimiert. Der HALT-Befehl war im Prinzip auch ein Hardware-Breakpoint 
und für den Einzelschritt-Modus auf Mkroprogrammebene gab es einen 
Taster. Wenn man den Zustand inspizieren wollte, konnte man über einen 
Wahlschalter ein Register auswählen, das dann mit 24 roten LEDs auf der 
Konsole angezeigt wurde. Register verändern konnte man über 24 
Kippschalter unter den LEDs.

Das war noch alles richtig Hardware, während auf der Interpreter-Ebene, 
der eigentlichen Systemebene, nur höhere Programmiersprachen liefen 
(höher: Cobol, Fortran, SDL). In SDL - einer blockstrukturierten Sprache 
- war das Betriebssystem geschrieben. Debugger gab es auf dieser Ebene 
keine. SDL hatte alles, was man für Betriebssysteme und Systemsoftware 
braucht - aber keine Fließkommaarithmetik und keine goto-Sprünge.
#4346819
Lesenswert?

"Fernsprech-Wählautomaten"
schönes Wort, richtig war schon damals die Schreibweise ohne 
Bindestrich: Fernsprechwählautomat. Aber das war vielleicht selbst für 
Siemens ein zu grosses Wortmonster.
- In den 60gern waren bei der Post Feinmechaniker für solche Apparate. 
Feilen, hohnen, bürsten....

Ich bin erst in den 70ern gebohren:
Was bitteschön sind "Rechnende Schreibautomaten"?

Unter dem Begriff "Manipulatoren" fallen mir zuerst Menschen ein.
OP #4347380
Lesenswert?

honen schreibt man ohne das zweite "h"

Ich vermute, die Schreibautomaten konnten Serienbriefe mit Variablen 
(Adresse, Anrede) drucken. Der restliche Text war oft auf Lochstreifen 
gespeichert.
Manipulatoren gab es z.B. zum Hantieren mit radioaktivem Material.

Zum leichteren copy&paste habe ich den Text mal durch Finereader 5 
geschickt und hier angehängt
Angehängte Dateien:
#4347663
Lesenswert?

Christoph K. schrieb:
> Ich vermute, die Schreibautomaten konnten Serienbriefe mit Variablen
> (Adresse, Anrede) drucken. Der restliche Text war oft auf Lochstreifen
> gespeichert.

Mitte der 70er bestanden die Dinger aus einem 8080, 4-64 k RAM, 1-2 
8"-Diskettenlaufwerken und einem Bildschirm. Als Drucker diente ein 
Typenraddruckwerk.

Die Textverarbeitung konnte Textvariablen und Berechnungen in den Text 
einfügen. Programmiert wurde das Ganze von Hitex in Karlsruhe. 
http://www.hitex.com/index.php?id=3241&L=2

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren