Loran-C - Ende einer Ära

Gast #4408148
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Und noch eine Ära geht heute nach 55 Jahren zu Ende

Die europäischen Sender des Loran-C Navigationssystems auf 100kHz wurden 
heute um 11 Uhr UTC abgeschaltet. Der einzige deutsche Sender in Sylt 
läuft noch einige Zeit zum Abgewöhnen im "Blink" Modus, der in den 
Empfängern anzeigt, dass der Service nicht mehr zur Navigation zur 
Verfügung steht.

http://www.wsv.de/wsa-toe/schifffahrt/Schifffahrtszeichen/Loran/index.html#Technische%20Daten

Die Welt wird damit wieder ein Stück abhängiger von GPS/GLONASS.

Guten Rutsch
Gast #4408489
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Komisch das da noch was gegangen sein soll. Die Navigatoren auf meinem 
Boot haben vor über 10 Jahren in Nord und Ostsee sehr zuverlässig ihren 
Dienst eingestellt. Seitdem nutzen wir alle GPS und haben seitdem keine 
Abweichungen von mehr als 1000m mehr sondern gigantische Fehler bis über 
4m. Größter Nachteil sind die vielen Beulen in den Tonnen die in den 
ersten Jahren sehr häufig waren. Es wird halt alles schlechter.
Ich weine meinem alten AP Navigator jedenfalls kein Tränen nach - friede 
seiner Asche. Das Mistfiech ging sowieso nur bei schönem Wetter wenn es 
Lust dazu hatte.

mfg
Michael
#4408524
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Hmm, man müsste mal einen Navigationsempfänger bauen der auf normale 
sowieso vorhandene Sender geht. Sprich der die Zeitsender empfängt und 
ggf. noch ein paar Rundfunksender. Dadurch müsste man ja relativ einfach 
die Verzögerungszeiten und somit die Abstände berechnen können.

Und zur Not gibts ja auch noch die Navigation über Sterne.
#4408602
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> müsste mal einen Navigationsempfänger bauen der auf normale sowieso
> vorhandene Sender geht

Wurde doch schon lange so gemacht, das nennt sich Direction Finder RDF. 
Bei zwei bekannten Radio-Stationen kann eine Kreuzpeilung vorgenommen 
werden. Erste Anwendungen gabs schon vor 1920.
http://www.radiomuseum.org/r/unknown_all_transistor_direction.html

Dann gibts noch Automatic Direction Finder (ADF), welches auch in der 
Luftfahrt verwendet wird. Jede NDB Funkbake zwischen 300...500kHz sendet 
ihre eindeutige Morse-Kennung. Zwei über Kreuz angeordnete 
Ferritantennen EMpfangen das Signal, die Richtung wird über die Phase 
ausgewertet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Radiokompass
http://www.radiomuseum.org/r/bendix_automatic_direction_finder_adf_t_12cg.html
Gast #4408678
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Schon,Bernd,

> ... Direction Finder RDF ... ADF ...

Loran-C hatte - und hat - halt den Charme der Unterdrückung der 
Raumwelle.

Das Schnecken-Geduldes von NDB klingt windelweich gegenüber den harten 
Flanken von Loran-C.

Und so weich die Flanken, so wenig kann nur die Autokorrelation bringen. 
(Die wäre ja so  möglich, wie der Empfänger das NDB-Signal nachmachen 
könnte - und dies von DCF77 oder so gesteuert wird.

Dieser Charme war notwendig, weil ein HF-Peiler an Bord einer Schiffes 
mit Aufbauten, Masten und Antennen einen Fehler von bis zu 180° hat.
Und das Klappern der Kapitänstür moduliert den Peilwinkel.

Da ist es schon ein Vorteil, wenn ein einziges Antennenelement die Pulse 
der Loran-Sender nacheinander empfängt.

Die Kreurahmenantennen zum Peilen des Notrufsignals auf 500 kHz müssen 
aufwändig werden, sonst fährt das Schiff, das nach Peilung auf den 
Schiffbrüchigen schnurstracks zufährt, im Kreis um den herum.


Zum Ende von Loran-C - hatte ich nicht mal Publikationen über e-Loran 
gelesen, dass die EU die Kette finanziert und weiter betreibt?


Ciao
Wolfgang Horn
Gast #4408689
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E-Loran ist im Grunde auch tot.
Zwar gibt es in USA eine Industrielobby die enhanced-Loran versucht zu 
pushen. Mit dem Argument dass wegen der Verletzlichkeit der 
Sat-Navigationssysteme ein Landgestütztes System als Backup notwendig 
sei. Aber die USRegierung hat für e-Loran noch keine Mittel bewilligt. 
Ausser Probebetrieb is nix.

In Europa hat die Firma Chronos ein Konsortium gebildet, das versucht 
Regierungen zu finden, die bereit sind, den Weiterbetrieb der 8 
europäischen Loran Sender als Präzisions-Frequenz und DGPS Sender zu 
finanzieren.

Noch hat niemand Geld zugesagt.
Gast #4410128
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Danke, MarcOni,

> ... Chronos ... Noch hat niemand Geld zugesagt.

Danke für die Info.

Ich war neugierig wegen eines winzigen Track-Transmitters, den ich für 
besser halte als vergleichbare Geräte auf der Basis von GPS:
a) Der beispielsweise in Tresoren versteckt werden kann - und auch im 
Keller funktioniert.
b) Der das LORAN-C-Signal auf VHF übersetzte.

Ciao
Wolfgang Horn
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #4410165
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hallo Wolfgang,

ich gehe davon aus das das russische Militär sein System auch noch die 
nächsten 30 Jahre aufrecht erhalten wird. Das System Tschaika benutzt 
die gleichen Frequenzen wie Loran C  aber etwas anders geformte Bursts

unter Berücksichtigung der abweichenden Senderstandorte sollten sich die 
Hyperbeln berechnen lassen auch ohne die offiziellen Karten wenn dies 
noch von Interesse ist. besonders interessant sollten die Parameter der 
Europakette sein.

GRI 8000 — Европейская цепь (1969, РСДН-3/10, [1]) «Тропик-2»


https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A7%D0%B0%D0%B9%D0%BA%D0%B0_%28%D0%BD%D0%B0%D0%B2%D0%B8%D0%B3%D0%B0%D1%86%D0%B8%D0%BE%D0%BD%D0%BD%D0%B0%D1%8F_%D1%81%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B5%D0%BC%D0%B0%29

Namaste
Gast #4410243
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Ja, Winfried,

> ich gehe davon aus das das russische Militär sein System auch noch die
> nächsten 30 Jahre aufrecht erhalten wird.
Ja, ich habe die Russen immer bewundert, wie realistisch sich die auf 
Konflikte vorbereitet haben - dazu gehört eben, sich nicht auf ein 
einziges Navigationssystem wie GPS zu verlassen, sondern ein zweites als 
Rückfall-Lösung betriebsbereit zu halten.
Ich war überrascht zu hören, dass beim Abzug der Russen aus der DDR an 
Bord eines ihrer Jagdbombers ein Tschaika-Empfänger gefunden wurde - 
sowie ein Lkw mit einer Tschaika-Bodenstation. (Die Quelle habe ich aber 
leider nicht mehr.)

Aber die Betreiber des erwähnten Tracking-Devices würden sich auf 
Tschaika ähnlich gern verlassen wie der Teufel auf Weihwasser.


Ciao
Wolfgang Horn
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #4410342
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The Capital reported in June 1998:

"First came the old salts, who fear the military school will no longer 
produce 'real' sailors. Knowing how to navigate by the stars, they say, 
is the mark of a mariner. Then came the profit-seekers, who asked if 
they could inherit the academy's $1,500 sextants. Such devices, 
inquirers said, would be a nice addition to their museum, a nice mantle 
piece, or of some use out on the yacht." (The academy still has its 
sextants, Rogers said.)

Ich habe es noch gelernt würde aber viel auffrischen müssen. Nur eines 
weis ich noch jede Bogensekunde Abweichung bedeutet 1 SM Fehlerkreis

Und allein die höhe einen Sternes über dem Horizont zu messen ist nicht 
trivia. Selbst mit einem guten Instrument brauchst neben einem guten 
Auge bei nur geringem Seegang eine hervorragende Körperbeherschung die 
Schiffsbewegungen mit dem Körper auszugleichen. Wer das nicht täglich 
trainiert weiß nicht mal wo er vor einer halben Stunde war. Allein die 
der Messung folgende Berechnung des Standortes mit Tabellenbücher hat 
Minimum 10 Minuten gebraucht. In der Zeit fährt ein auch langsames 
Schiff wie ein Zerstörer locker 5 SM.

Hingegen hast du bei loran nach 3 min deinen Standort mit einer 
Abweichung von 2 kbl.


Namaste
Gast #4410359
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Wolfgang H. schrieb:

> Ja, ich habe die Russen immer bewundert, wie realistisch sich die auf
> Konflikte vorbereitet haben - dazu gehört eben, sich nicht auf ein
> einziges Navigationssystem wie GPS zu verlassen, sondern ein zweites als
> Rückfall-Lösung betriebsbereit zu halten.

Die Russen brauchen kein GPS, die haben ihr eigenes Sat-Posititionigng 
System GLONASSS. Beiden gemeinsam ist, dass jeweils das Militär die Hand 
drauf hat. Darum wäre ein ziviles Backupsystem schon beruhigend.
Gast #4410380
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Winfried J. schrieb:
> Allein die der Messung folgende Berechnung des Standortes mit
> Tabellenbücher hat Minimum 10 Minuten gebraucht.

Das war einmal.
Wenn man ein solches Notnavigationssystem wieder einführt,
dann natürlich mit einem PC-Programm,
wo man nur Messwerte und Kurs eintippt und in Sekundenschnelle
hat man den Standort plus extrapoliertem Kurs auf einer Karte.
#4410390
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dl2jmb schrieb:
> Winfried J. schrieb:
>> Allein die der Messung folgende Berechnung des Standortes mit
>> Tabellenbücher hat Minimum 10 Minuten gebraucht.
>
> Das war einmal.
> Wenn man ein solches Notnavigationssystem wieder einführt,
> dann natürlich mit einem PC-Programm,
> wo man nur Messwerte und Kurs eintippt und in Sekundenschnelle
> hat man den Standort plus extrapoliertem Kurs auf einer Karte.

Richtig! Denn die HO Tafeln der Amerikaner zur Rechenunterstützung 
werden schon seit Jahren nicht mehr gedruckt. Und Band 1 Sterne war nur 
5 Jahre benutzbar.
Aber das BSH erstellt immer noch ein aktuelles Nautisches Jahrbuch

Oha!! auf US Seiten gibts die HO249 wohl inzwischen wieder.
(Firma: Nisch-Aufzüge) Persönliche Seite #4410514
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dl2jmb schrieb:
> Winfried J. schrieb:
>> Nur eines
>> weis ich noch jede Bogensekunde Abweichung bedeutet 1 SM Fehlerkreis
>
> Muss korrekt heissen : ... jede Bogenminute !
>
> Bogensekunden kann man mit dem Sextanten nicht ablesen,
> dazu braucht es ein großes astronomisches Fernrohr.

Hallo, so sieht es wohl aus, ist halt auch 30 Jahre her und nie in 
Fleisch und Blut übergegangen. Wie schon gesagt das braucht alles viel 
Routine will man soweit zurückgehen mit einem Notfallsystem. Klar außer 
einem Taschenrechner hatten wir nur an der OHS einen programmierbaren 
Tischrechner. Auf dem Schulschiff wurde zu Fuß und mit riesen 
Tabellenwerken gerechnet. Ich war damals wirklich interessiert daran 
aber Radar und terrestrische Navigation hatten meist Vorrang. 2 
Peilungen und man hatte einen verlässlichen Standort solange du mit 
Landsicht fährst kein Problem. Und ohne reichte das Radar weit genug. 
Der Rest wurde gekoppelt und alle paar Stunden halt einmal per 
fuknavigation korrigiert.

Namaste
Gast #4410588
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Loran-C hat im Gegensatz zu GPS seit den 80ern militärisch keine Rolle 
mehr gespielt.

Die Sender-Ketten wurden von der US Küstenwache betrieben, nicht bis 
heute vom Militär wie in Russland. In Europa waren es die Wasser- und 
Schiffahrtsämter.

Der zweite Hauptnutzer von Loran-C war übrigens die zivil-Luftfahrt. GPS 
wurde erst seit 1994 schrittweise für die Primär-Navigation zugelassen.
#6072418
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Das hatte ich falsch in Erinnerung, es ging um einen Zeitzeichensender 
auf 162 kHz, der etwa 1 MW hat:
http://pa3fwm.nl/signals/tdf162kHz-power/

Zu Loran ein Text von ihm von 2016
http://pa3fwm.nl/signals/loran-2015/

Der Vortrag ist anscheinend noch nicht im Web veröffentlicht. Er möchte 
einen möglichst genauen Zeitempfang für einen lokalen Uhrzeitserver ohne 
Verbindung zum Internet bauen. Dafür war Loran die präziseste Quelle, 
vor allem nachts, wenn die Raumwelle den Empfang beeinträchtigt.
Gast #6072422
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Christoph db1uq K. schrieb:
> Der Vortrag ist anscheinend noch nicht im Web veröffentlicht. Er möchte
> einen möglichst genauen Zeitempfang für einen lokalen Uhrzeitserver ohne
> Verbindung zum Internet bauen. Dafür war Loran die präziseste Quelle,
> vor allem nachts, wenn die Raumwelle den Empfang beeinträchtigt.

PSR B1937+21 würde sogar noch nach der Apokalypse funktionieren
Persönliche Seite #6075952
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eric schrieb:
>
> Irgendeinen Sinn muss der Weiterbetrieb aber haben,
> sonst hätte man die Kosten längst eingespart.
> Im Internet konnte ich keine Information dazu finden.
>

wirst noch für einige zeit nix finden.

Ich denke die werden benötigt für die pseudo-Ufo "Fluggeräte" der Amis 
(die mit den Briten zusammen bauen/betreiben) für den nächsten 
Weltkrieg. Hängt garantiert etwas zusammen mit der Angreifbarkeit / 
Abhör(un)sicherheit der modernen Technik.
Gast #6076229
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Nabu schrieb:
>> Mit Kiwi-SDR kann man eine Peilung (TDoA) durchführen:
>
> Das funktioniert nicht, wenn mehrere Senderstandorte auf der selben
> Frequenz senden wie bei Loran-C.
Die Peilergebnisse zeigen ziemlich genau zum Senderstandort Anthorn.
In anderen Regionen mag die TDoA-Peilung weniger gut funktionieren.

Nabu schrieb:
> Die KiwiSDR haben übrigens ein Loran-C addon
Sehr hübsch. Das war mir bisher entgangen.

Es gibt sogar Funkamateure, die das permanent loggen:
http://df6nm.bplaced.net/LoranView/LoranGrabber.htm
Angehängte Dateien:

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