Hallo liebes Forum,
vielleicht könnt ihr etwas Licht ins Dunkel bringen.
Es gibt seit einiger Zeit von (fast?) allen Herstellern verschienede
Festplatten ganz passend zum Anwendungsbereich. Nur was verbirgt sich
dahinter?
Es gibt besonders leise und sparsame Platten, da verstehe ich die laufen
nur mit 5400 Umdrehungen. Dann folgen "normale" für Desktop mit 7200 U.
und dann gehts noch teurer für schnelle Videobearbeitung etc.
Jetzt neuerdings gibt es Platten extra für Videoüberwachung, AV Platten,
NAS Platten...
Was sind denn -abgesehen- vom Preis die wirklichen Unterschiede?
Gerade AV und Desktop Platten kosten das gleiche, da würde
Marketinggeschwurbel sich doch nicht lohnen.
Was steckt dahinter? Ach so, bei den NAS Platten denke ich mir, die
haben wohl bessere Lager für Dauerbetrieb. Dafür sollen sie aber den
normalen Betrieb (täglich 2x Einschalten) eines PCs nicht mögen...
Danke für die Antworten,
Gruß Wolle
ich kann nur was zu den Eco-Platten (z.B. WD Green) sagen
diese laufen wie gesagt langsamer und haben euch eine eingebaute
automatische Abschaltung, die ziemlich schnell (30sec?) greift
insgesamt dürfte der Motor schwächer ausgelegt sein und damit die
spin-up Zeit länger sein, merkt man aber kaum
dafür braucht die Platte auch nur 3,3W ggü. >4W der anderen Platten,
aber interessiert höchstens den Data-center-Betreiber, der die Dinger im
1000er Pack einsetzt
im Übrigen jann man z.B. hier lesen
http://www.tomshardware.de/western-digital-wd-red-wd-green-wd-purple-festplatten,testberichte-241720.html
Wolle R. schrieb:> Es gibt seit einiger Zeit von (fast?) allen Herstellern verschienede> Festplatten ganz passend zum Anwendungsbereich. Nur was verbirgt sich> dahinter?
Bei Festplatten für Streaming dürfte es wichtig sein, einen
kontinuierlichen Datenstrom lesen und schreiben zu können. Da wärs blöd,
wenn sich die Platte zwischendurch mal irgendwelchen Hausaufgaben widmet
und der Strom deshalb abreist.
Im RAID Verbund wiederum wärs blöd, wenn eine Platte minutenlang
verzweifelt versucht, aus dem Sektor fehlerfreie Information zu
gewinnen, wenn die auch mühelos per Redundanz rekonstruierbar ist. Aber
das RAID System deshalb die Platte nach Timeout ganz ausmustert.
Soweit wäre das mehr eine Sache der Firmware als der Hardware.
Mittlerweile gibt es allerdings auch technisch anders arbeitende
"Archive" Disks mit "Shingled Magnetic Recording", die ein stark
abweichendes Schreibverhalten haben, weil dabei auch Nachbarspuren in
Mitleidenschaft gezogen werden.
Wolle R. schrieb:> extra für Videoüberwachung
Es gibt Platten, die kalibrieren sich öfter zwischendurch. Das könnte
beim Video stören.
Bei NAS-Platten (red) wurden weniger Fehler zugelassen, die heimlich
ausgelagert werden, da ordentliche NAS im RAID-Verbund laufen.
Eine Desktopplatte hat eine Firmware, die betrachtet Datenverlust als
Makel und probiert einen schlechten Sektor zu regenerieren, um
Datenverlaust zu vermeiden, auch wenn es etwas dauert. Dagegen haben
Raidplatten eine Firmware, die ist des Partners mit denselben Daten
gewar und verliert keine Zeit mit Lesefehlern, da die mit dem Raidsetup
ausgbuegelt werden.
Deswegen sollte man keine einzelne Raidplatte in einem Desktop
laufenlassen, weil's vielleicht besser rueberkommt...
In der Tat, seit Kuerzerem gibt es NAS Platten, was auch nun deren
Spezialitaet ist.
Nas platten sind auf niedrigen Stromverbrauch und hohen Datenraten (
wenig interleafing)
Für Backups sowie schlechter Performance optimiert. Weiters wird nur ein
Teil des Cache verwendet, um keine Probleme mit AntiVirus zu haben.
Pic T. schrieb:> Für Backups sowie schlechter Performance optimiert. Weiters wird nur ein> Teil des Cache verwendet, um keine Probleme mit AntiVirus zu haben.
Könntest du das etwas näher ausführen?
Festplatten haben unterschiedliche Eigenschaften: Lager, Motoren,
Drehzahl, Speichergröße, Festplattencache, Schnittstelle,
Steuerungssoftware, ...
Daraus kann man den Verwendungszweck "ableiten".
Z.B. braucht man nur für eine konstante Videoüberwachung eine Festplatte
die besonders großen Speicherplatz hat, langlebige Lager, nicht ständig
in den Energiesparmodus geht, niedrige Drehzahl hat, ...
(Desktop-Festplatten, Serverfestplatten)
Bei einer Festplatte für den Gaming-Bereich verwendet man besser eine
Festplatte mit hoher Geschwindigkeit, heißt hohe Drehzahl, großer
Festplattencache, schnelle Schnittstelle, ... (schnelle
Desktop-Festplatten, Hybrid-Festplatten, SSD)
Bei leisen und sparsamen Festplatte niedrige Drehzahl, leisere Lager,
leiseren Motor, ... (Eco-Festplatten)
Vieles ist auch eher Marketing, z.B die nichtssagende Eigenschaft "für
bestimmte industrielle Anwendungen ausgelegt".
Wolle R. schrieb:> Es gibt seit einiger Zeit von (fast?) allen Herstellern verschienede> Festplatten ganz passend zum Anwendungsbereich. Nur was verbirgt sich> dahinter?
Das sind hauptsächlich Firmware-Anpassungen.
Soll die Platte möglichst lange versuchen schlechte Sektoren
wiederherzustellen, oder soll sie möglichst schnell dem Raid-Controller
Bescheid geben, dass er die Kopie verwendet? Soll die Platte einen
gleichmäßigen Datenstrom liefern (Video) oder darf sie die Befehle sogar
umsortieren (NCQ), um möglichst hohen Durchsatz zu erziehlen? Sollen die
Köpfe möglichst schnell oder eher leise bewegt werden? Soll in den
Zugriffspausen die Oberfläche geprüft werden?
Ein Bekannter hat bis vor einigen Jahren bei einem großen
Festplattenhersteller in Hessen gearbeitet. Während das Stammwerk in USA
die Hardware lieferte, war dort eine nicht gerade kleine Mannschaft mit
der Erstellung kundenspezifischer Firmware beschäftigt. Für
Digital-Videorecorder, Computer mit Obst auf dem Deckel,
Musikabspielgeräte, NAS, Server, ...
Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis diese maßgeschneiderten
Firmwarelösungen auch für Endkunden angeboten werden.
Das war sehr informativ, vielen Dank euch!
Darum ging es mir, denn auf den Herstellerseiten wird man ja eher
schwammig und einseitig informiert. Wenn überhaupt.
Gruß, Wolle